Günther Rall

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Günter Rall im Jahr 1942

Günther Rall (* 10. März 1918 in Gaggenau; † 4. Oktober 2009[1] in Bad Reichenhall[2]) war während des Zweiten Weltkrieges Offizier und Jagdflieger in der Luftwaffe. Mit 275 bestätigten Abschüssen war er einer der Piloten mit den meisten Abschüssen in der Geschichte der Militärluftfahrt. Bei insgesamt 621 Feindflügen wurde Rall selbst fünf Mal abgeschossen.

Nach dem Krieg trat Rall zum 1. Januar 1956 in die Bundeswehr ein, in der er als Inspekteur der Luftwaffe und als ständiger Vertreter im Militärausschuss der NATO diente. 1975 wurde er im Rang eines Generalleutnants in den Ruhestand versetzt.

Er lebte zuletzt in Bad Reichenhall.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugendjahre[Bearbeiten]

Rall wuchs in Gaggenau gemeinsam mit seiner älteren Schwester Lotte in einem konservativ-protestantisch geprägten Elternhaus auf. Sein Vater war zu jenem Zeitpunkt Prokurist bei der Eisenwerke Gaggenau A.G. Nach dem Umzug nach Stuttgart war Rudolf Rall selbstständiger Kaufmann. Er war außerdem Mitglied im „Stahlhelm“ und stand – „im Herzen Monarchist[3] – der DNVP nahe. Günther Ralls Mutter Minka war sehr im kirchlichen Gemeindeleben engagiert und erzog ihre Kinder dementsprechend. Günther Rall besuchte das humanistisch geprägte Karls-Gymnasium in Stuttgart, bevor er 1935 auf die NAPOLA Backnang wechselte, wo er im darauf folgenden Jahr sein Abitur ablegte.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Wehrmacht[Bearbeiten]

Rall beim Aussteigen aus seiner Messerschmitt Bf 109 nach seinem 250. Luftsieg (Nov. 1943)

Nach dem Reichsarbeitsdienst trat er am 4. Dezember 1936 als Offizieranwärter in das Heer beim Infanterieregiment 13 ein. Am 1. Juli 1938 wechselte er als Oberfähnrich zur Luftwaffe, in der er nach Absolvierung seiner Ausbildung zum Jagdflieger als Leutnant dem Jagdgeschwader 52 zugeteilt wurde. In diesem Geschwader sollte er die meiste Zeit des Zweiten Weltkrieges verbringen. Seinen ersten Luftsieg errang er am 18. Mai 1940 bei Metz. Diesem sollten im Verlauf des Krieges noch 274 weitere bestätigte Luftsiege folgen. 1941 kam das Geschwader bei den Kämpfen von Kreta sowie beim Unternehmen Barbarossa zum Einsatz. Nachdem er im November 1941 abgeschossen worden war, musste er bis Juli 1942 wegen einer schweren Rückenverletzung im Wiener Universitätsklinikum behandelt werden. Dabei lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Er kehrte in sein Geschwader zurück und wurde in der Folgezeit zu einem der erfolgreichsten Jagdflieger der Luftwaffe. Er wurde wegen seiner Erfolge von der Propaganda zum Idol stilisiert und erhielt hohe Auszeichnungen. Diese Tatsachen halfen ihm im Jahre 1943, ein gegen ihn gerichtetes Verfahren ohne Konsequenzen zu überstehen (seine spätere Frau hatte im Jahre 1938 in Wien mehreren jüdischen Bürgern nach dem Anschluss Österreichs bei der Ausreise geholfen).[4]

Im April 1944 wurde er, nunmehr im Range eines Majors und mit 273 Luftsiegen zu diesem Zeitpunkt erfolgreichster Jagdflieger der Luftwaffe, zur Reichsverteidigung in den Westen beordert, wo er Gruppenkommandeur im JG 11 wurde. Am 12. Mai 1944 wurde er unmittelbar nach seinem 275. und letzten Luftsieg selbst abgeschossen. Mehrere Monate hatte er mit einer schweren Wundinfektion zu kämpfen. Im November 1944 wurde er Kommandeur der Verbandsführerschule des Generals der Jagdflieger. In den letzten zwei Kriegsmonaten führte er als Kommodore das JG 300. Bei der Kapitulation kam er in Kriegsgefangenschaft, aus der er bereits im August 1945 entlassen wurde. Danach arbeitete Rall zunächst als Manager bei der Abholzung von Wäldern im Südwesten Deutschlands (notwendig aufgrund einer Borkenkäferplage) mit. Später nahm er eine Tätigkeit bei der Firma Siemens & Halske auf. Seine Ehefrau war zunächst als Ärztin in einem Kinderkrankenhaus, später im Internat Schloss Salem (Baden) tätig; dort war auch Rall selbst zeitweise beschäftigt.

Bundeswehr[Bearbeiten]

Mit Wirkung vom 1. Januar 1956 wurde Rall als Major in die Bundeswehr übernommen. Von September 1956 bis März 1957 erhielt er seine Ausbildung auf amerikanischen Flugzeugen, der T-6 sowie den strahlgetriebenen T-33. Dem folgte Ende 1958 die Einweisung auf den F-104 Starfighter, für die er als erster deutscher Pilot die Lizenz erwarb. Im Anschluss konnte er seine Erfahrungen in einer Verwendung als Inspizient der Jagdflieger im Allgemeinen Luftwaffenamt und als Leiter des Arbeitsstabs F-104 einsetzen. Nach Teilnahme an einem Lehrgang am NATO Defense College in Paris 1964 und einer letzten aktiven fliegerischen Verwendung als 2. Kommodore des JaboG 34 in Memmingen von 1964 bis 1966 wurde er auf Dienstposten in verschiedenen Kommandobehörden verwendet:

Rall als Inspekteur der Luftwaffe

Nachdem Rall bereits wegen der Unfälle mit dem „Starfighter“, die in seine Amtszeit fielen, in die öffentliche Kritik geraten war, führte eine weitere Affäre anlässlich einer Südafrika-Reise Ende 1974 zu seinem Ausscheiden aus dem Amt: Rall reiste unter falschem Namen und auf Kosten der südafrikanischen Regierung in das Land, das wegen der dort herrschenden Apartheid international in der Kritik stand. In Südafrika besuchte Rall das Atomforschungszentrum Pelindaba, sprach mit südafrikanischen Generälen und besichtigte militärische Einrichtungen. Offizieller Reisegrund war der Besuch eines im heutigen Namibia lebenden ehemaligen Kameraden. Am 1. Oktober 1975 entließ Bundesverteidigungsminister Georg Leber Rall; der beim Ausscheiden übliche Große Zapfenstreich unterblieb.[6]

Rall blieb auch nach seiner aktiven Dienstzeit der Luftwaffe verbunden. In den Jahren 2004/05 setzte er sich mit anderen ehemaligen Luftwaffen-Generalen gegen die Entziehung des Traditionsnamens „Mölders“ beim Jagdgeschwader 74 ein, den er während seiner Zeit als Inspekteur der Luftwaffe dem Geschwader verliehen hatte. Er konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werk[Bearbeiten]

Günther Rall signiert eines seiner Bücher anlässlich eines Vortrags im Finnischen Luftfahrtmuseum in Vantaa am 20. Mai 2006
GenLt. a.D. Günther Rall 2004
  • Günther Rall: Mein Flugbuch. Erinnerungen 1938–2004. NeunundzwanzigSechs, Moosburg 2004, ISBN 978-3-9807935-3-7

Privates[Bearbeiten]

Während der Kämpfe wurde Rall vier Mal schwer verwundet und verbrachte insgesamt 15 Monate im Lazarett. Bei einem längeren Krankenhausaufenthalt 1941/42 in Wien wurde er von der Ärztin Hertha Schön behandelt, die er 1943 heiratete. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, von denen zwei als Kleinkinder starben. Seit dem 4. Juli 1985 war Günther Rall verwitwet. Er starb an den Folgen eines Herzinfarktes.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Günther Rall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Famed German Ace Gunther Rall Passes Away
  2. Günther Rall gestorben
  3. So charakterisiert G. Rall seinen Vater in „Mein Flugbuch“ S. 17.
  4. Joachim Käppner, Kurt Kister: Über Helden. Interview mit Günther Rall. Süddeutsche Zeitung, 5. April 2009, abgerufen am 23. Mai 2012.
  5. Homepage des Bundesarchivs
  6.  Publicity vermeiden. In: Der Spiegel. Nr. 41, 1975, S. 27–30 (6. Oktober 1975, online).;  Fall Leber: Vier Depeschen, ein Dementi. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1975, S. 23–25 (20. Oktober 1975, online).