Günther Wilke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Günther Wilke (* 23. Februar 1925 in Heidelberg) ist ein deutscher Chemiker und emeritierter Professor der Organischen Chemie sowie ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr als Nachfolger von Karl Ziegler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1943 an einem Heidelberger Gymnasium studierte Wilke Chemie an der Universität Heidelberg, wo er bei Karl Freudenberg promovierte. Im Jahr 1951 wechselte er nach Mülheim an der Ruhr. Wilke begann seine Karriere in der Arbeitsgruppe von Karl Ziegler am Mülheimer Max-Planck-Institut, wo er als Entdecker des Nickel-Effekts gilt.[1][2] Seine Habilitation erfolgte im Jahr 1960 an der RWTH Aachen. 1963 wurde er zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft ernannt, deren Vizepräsident er von 1978 bis 1990 war.

Wilkes Arbeiten auf dem Gebiet der Katalyse, unter anderem bei der durch Nickel katalysierten Cyclooligomersierung von 1,3-Butadien zu acht- und zwölfgliedrigen Carbocyclen, haben die Geschichte der Chemie mitbestimmt und das fundamentale Verständnis wichtiger chemischer Reaktionen erweitert.[3][4]

Folgeprodukte dieser Carbocyclen werden industriell bei der Herstellung von Nylonarten für verschiedene Zwecke sowie zur Gewinnung von wichtigen Grundchemikalien in der Erdölchemie erfolgreich eingesetzt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Wilke war Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Akademien, erhielt sieben Ehrendoktorwürden und seine Arbeiten wurden mit vielfältigen Auszeichnungen geehrt. So ist er korrespondierendes Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im Ausland, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft (1978-1990), Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaft und der Künste (Präsident 1994-1997), Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 1976), Halle, Academia Europaea, Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst und vieler anderer mehr.

Darüber hinaus war er wissenschaftspolitisch in vielen Funktionen tätig, zum Beispiel als Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Vorsitzender der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte und er gehörte mehreren Aufsichtsräten bedeutender Chemieunternehmen an.

1987 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2000 mit Stern. 2013 ernannte ihn die GDCh zum Ehrenmitglied.[5]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Aufsätze
  • Allyl-Übergangsmetall-System. In: Angewandte Chemie, Bd. 78 (1967), S. 157–172.
  • Beiträge zur nickelorganischen Chemie. In: Angewandte Chemie, Bd. 100 (1988), S. 189–211.
Sachbücher
  • The Organic Chemistry of Nickel. Academic Press, New York 1974/75 (zusammen mit Peter W. Jolly).
  1. Organonickel complexes. 1974, ISBN 0-12-388401-2.
  2. Organic synthesis. 1975, ISBN 0-12-333402-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wer ist wer? Ausgabe 2001/02. Verlag Schmidt Römhild, Lübeck 2001, S. 1542.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günther Wilke: Über Nickelorganische Verbindungen (PDF; 357 kB)
  2. Karl Fischer, Klaus Jonas, Peter Misbach, Reinhold Stabba, Günther Wilke: Zum "Nickel-Effekt". In: Angewandte Chemie. 85, 1973, S. 1001–1012, doi:10.1002/ange.19730852302.
  3. P. W. Jolly, Igor Tkatchenko, Günther Wilke: Zum Mechanismus der Cyclodimerisation von Butadien mit Nickel-Ligand-Katalysatoren. In: Angewandte Chemie. 83, 1971, S. 329–329, doi:10.1002/ange.19710830906.
  4. Borislav Bogdanovie, Paul Heimbach, Michael Kröner, Günther Wilke, Josef Brandt: Über die katalytische Umwandlung von Olefinen, II Zum Reaktionsablauf der Cyclotrimerisation von Butadien-(1.3). In: Justus Liebigs Annalen der Chemie. 727, 1969, S. 143–160, doi:10.1002/jlac.19697270118.
  5. Gesellschaft Deutscher Chemiker beschließt: Günther Wilke wird neues Ehrenmitglied. Pressemitteilung der GDCh vom 28. Oktober 2013 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de)