Gütersloher Verlagshaus

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Gütersloher Verlagshaus
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Gründung 18. April 1959[1]
Sitz Gütersloh
Verleger Ralf Markmeier[2]
Verlagsnummer 3-579, 3-7811[3]
Verlagsgruppe Random House
Gattung Belletristik, Sachbuch
Website www.gtvh.de

Das Gütersloher Verlagshaus (ehemals Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn) ist ein deutscher Buchverlag mit Sitz in Gütersloh. Er führt die Verlagsarbeit von Carl Bertelsmann fort und entstand in seiner heutigen Form 1959 aus dem Rufer Verlag.[4][5] Seit dem Jahr 2002 ist das Gütersloher Verlagshaus vollständig Teil der Münchner Verlagsgruppe Random House.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Gütersloher Verlagshaus
Gerd Mohn (1959)

In den 1950-er Jahren schuf Reinhard Mohn die C. Bertelsmann KG, die als Holding für die Geschäfte seines Unternehmens fungieren sollte und aus der später der Bertelsmann-Konzern entstand. Im Zuge der Umstrukturierung wurde der damalige C. Bertelsmann Verlag in drei Bereiche aufgeteilt: Den Sigbert Mohn Verlag für Belletristik und Lyrik, den C. Bertelsmann Verlag für Sachbücher und Zeitschriften sowie das Gütersloher Verlagshaus für theologisch-wissenschaftliche Literatur.[5] Letzterem diente der Rufer Verlag als Grundlage, der bereits in den 1930-er Jahren erworben wurde.[7] Heinrich Mohn übergab 1951 dessen Leitung an Gerd Mohn, der den Verlag 1959 in Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn umbenannte.[8]

Das Gütersloher Verlagshaus firmierte zunächst in der Rechtsform eines Einzelunternehmens.[1] 1967 erfolgte der Umzug aus dem Stammhaus von Bertelsmann in neue Räumlichkeiten in der Gütersloher Innenstadt.[9] Als einziger Verlag unter dem Dach von Bertelsmann wurde das Gütersloher Verlagshaus nicht Teil der 1968 geschaffenen Verlagsgruppe Bertelsmann,[10] gleichwohl unterhielt es enge wirtschaftliche Beziehungen zu dieser.[11] Erst seit den 1980-er Jahren zählt auch das Gütersloher Verlagshaus zum Unternehmensbereich Verlage von Bertelsmann.[12] Nachdem der Verlag im Juli 2000 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt wurde,[13] gehört er seit 2002 organisatorisch zur Verlagsgruppe Random House.[14]

Programm[Bearbeiten]

„Der christliche Erzähler“

Das Gütersloher Verlagshaus führte die Verlagsarbeit von Carl Bertelsmann fort.[4] Diese wurde einer breiteren Öffentlichkeit erstmals 1844 durch das Evangelische Monatsblatt für Westfalen bekannt. Unter der Ägide von Heinrich Bertelsmann, Johannes Mohn und Heinrich Mohn spielten evangelisch-theologische Themen ebenfalls eine maßgebliche Rolle.[9] Erst mit Gerd Mohn öffnete sich der Verlag in nennenswertem Umfang für wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen.[8] Heute ist das Programm überwiegend den Bereichen Religion und Gesellschaft zuzuordnen.[15] Darüber hinaus besteht eine Zusammenarbeit mit den Kirchen, beispielsweise werden nahezu alle Denkschriften der Evangelische Kirche in Deutschland im Gütersloher Verlagshaus publiziert.[16] Außerdem erscheint hier das Gesamtwerk von Dietrich Bonhoeffer, Martin Buber und Janusz Korczak.

1976 wurde die Marke GTB Siebenstern für Taschenbücher ins Leben gerufen,[17] unter der man unter anderem Werke von Dietrich Bonhoeffer, Ernesto Cardenal und Elisabeth Kübler-Ross veröffentlichte.[18] Mit Erwerb des Kiefel Verlags, der von 1988 bis zu seiner Einstellung Ende 2003 Teil des Gütersloher Verlagshauses war, wurden Geschenkbücher und Kalender ins Portfolio aufgenommen.[19] 1993 wurde der Christian Kaiser Verlag übernommen, wodurch sich das Programm erneut etwa um Werke von Karl Barth erweiterte.[20] 1999 ging auch der Quell Verlag aus Stuttgart mit Autoren wie Johannes Kuhn, Jörg Zink oder Klaus Berger an das Gütersloher Verlagshaus.[21]

Seit 2004 verlegt der Verlag ausschließlich unter dem Namen Gütersloher Verlagshaus. Parallel wurde ein Programm für Sachbücher zu gesellschaftspolitischen und werteorientierten Themen als weitere Säule neben dem theologischen Sach- und Fachbuch aufgebaut.[22] 2009 stand das Gütersloher Verlagshaus in einem bundesweiten Vergleich von Verlagen auf dem zweiten Platz hinter Rowohlt, mit etwa 60 Novitäten zählte es dennoch zu den kleineren Verlagen.[23] Der Verlag orientiert sich nach eigener Aussage nach wie vor primär an der Veröffentlichung von Werken in gedruckter Form.[24] Zwar erscheinen heute sämtliche Titel mit Ausnahme von Bildbänden auch als E-Book, jedoch trugen diese bis 2013 nur fünf Prozent zum Umsatz bei.[25] Eine Ausnahme bilden einige Zeitschriften des Gütersloher Verlagshauses, die man auch über eine Online-Plattform von De Gruyter bereitstellt.[26]

Kritik[Bearbeiten]

2008 geriet das Gütersloher Verlagshaus mit dem „Schwarzbuch Waldorf“ in die Kritik, das von Beobachtern als „brutalstmögliche Aufklärung“ eingestuft wurde, bei der die Fakten auf der Strecke bleiben würden.[27] Der Bund der Freien Waldorfschulen erwirkte vor dem Landgericht Stuttgart, dass der Verlag das Buch nicht ausliefern durfte.[28] Der Verband sah die „Grenze zwischen zulässiger journalistischer Darstellung und unsachlicher Verunglimpfung“ überschritten, während der Verlag die Eskalation des Streits bedauerte und erklärte, die Gegenseite habe das Angebot eines klärenden Gesprächs nicht wahrgenommen.[29] Zuvor war von einem Vergleich beider Parteien vor Gericht berichtet worden, im Rahmen dessen das Gütersloher Verlagshaus nicht auf den umstrittenen Passagen beharren durfte und der Bund der Freien Waldorfschulen ein Drittel der Verfahrenskosten zu tragen hatte.[30]

2012 veröffentlichte das Gütersloher Verlagshaus das „Schwarzbuch WWF“ des deutschen Journalisten Wilfried Huismann,[31] das sich mit fragwürdigen Geschäftspraktiken des World Wide Fund For Nature beschäftigte.[32] Die Organisation kritisierte,[33] das Buch enthalte falsche Tatsachenbehauptungen und wehrte sich gegen die Verbreitung des Werkes.[34] Daraufhin nahmen diverse Händler das „Schwarzbuch WWF“ aus dem Programm,[35] unter anderem stellten Amazon und Weltbild den Verkauf ein.[36] Die Verlagsgruppe Random House wiederum kritisierte die juristischen Maßnahmen des WWF.[37] Zunächst wurde der Streit vor dem Landgericht Köln verhandelt,[38] später einigten sich die Parteien außergerichtlich.[39] Im Zuge dessen strich oder änderte man 21 Textstellen, was beispielsweise „runde Tische“ zwischen WWF und Monsanto betraf.[40] Die Änderungen wurden ab der dritten Auflage verbreitet,[41] ältere Drucke durften ohne Einschränkung weiterhin verkauft werden.[42]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Günther Hadding (Hrsg.): 150 Jahre Bertelsmann: 1835–1985. Die Geschichte des Verlagsunternehmens in Texten, Bildern und Dokumenten. Bertelsmann, München 1985, ISBN 3-570-09999-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Unternehmensregister. Bundesanzeiger, abgerufen am 10. März 2014 (Amtsgericht Gütersloh, HRA 2146 und HRA 3504).
  2. Klaus Altepost verlässt das Gütersloher Verlagshaus. In: Börsenblatt. 27. März 2014, abgerufen am 9. April 2014.
  3. Profilansicht: Gütersloher Verlagshaus. In: Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel. MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, abgerufen am 10. November 2014.
  4. a b   In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 18. November 1988, S. 3427.
  5. a b  Thomas Lehning: Das Medienhaus. Geschichte und Gegenwart des Bertelsmann-Konzerns. Fink, Paderborn/ München 2009, ISBN 978-3-7705-4035-8.
  6. Gütersloher Verlagshaus jetzt nur "organisatorisch" bei Random House. In: BuchMarkt. 18. Februar 2002, abgerufen am 9. April 2014.
  7.  Volker Ackermann, Torsten Groth, Markus Plate, Arist von Schlippe: Große deutsche Familienunternehmen. Generationenfolge, Familienstrategie und Unternehmensentwicklung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-40338-9.
  8. a b  Ludger Osterkamp: Bertelsmann trauert um Gerd Mohn. Bruder von Reinhard Mohn am Dienstag gestorben. In: Neue Westfälische. 26. September 2008.
  9. a b  Otfrid Seippel: 150 Jahre Religion und Theologie bei Bertelsmann 1835–1985. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn - Gütersloh. In: Buchhändler heute.
  10.  Jan Philip Holtmann: Pfadabhängigkeit strategischer Entscheidungen. Eine Fallstudie am Beispiel des Bertelsmann-Buchclubs Deutschland. Kölner Wissenschaftsverlag, Köln 2008, ISBN 978-3-937404-57-8.
  11.  Helen Müller, Thorsten Strauß: 175 Jahre Bertelsmann. Eine Zukunftsgeschichte. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9.
  12.  Gloria Reyes-Morawski: Die Stadtbibliothek Gütersloh GmbH. Kooperationsversuch zwischen Medienunternehmen und Kommune. Harrassowitz, Wiesbaden 1983.
  13. Unternehmensregister. Bundesanzeiger, 4. Juli 2000, abgerufen am 10. März 2014 (Amtsgericht Gütersloh, HRB 3982).
  14. Random House führt Gütersloher Verlagshaus, Kösel und Gerth Medien unter Leitung von Ralf Markmeier zusammen. In: BuchMarkt. 25. Januar 2006, abgerufen am 9. April 2014.
  15.  Matthias Gans: Tradition mit frischem Anstrich. Gütersloher Verlagshaus hat sich zur Frankfurter Buchmesse neu aufgestellt. In: Neue Westfälische. 18. Oktober 2005.
  16. Denkschriften und Orientierungshilfen. Evangelische Kirche in Deutschland, abgerufen am 30. Juni 2014.
  17.  Hans-Jürgen Jakobs, Uwe Müller: Augstein, Springer & Co.. Deutsche Mediendynastien. Orell Füssli, Zürich 1990, ISBN 3-280-01963-X.
  18. Gerd Mohn. In: BuchMarkt. 26. September 2008, abgerufen am 10. April 2014.
  19. Willkommen im Gütersloher Verlagshaus. Verlagsgeschichte. Gütersloher Verlagshaus, abgerufen am 1. Mai 2014.
  20. Christian Kaiser Verlag. In: Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 11. April 2014.
  21. Unternehmen. In: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg. Abgerufen am 2. Mai 2014.
  22.  Jeanette Salzmann: Debatten-Potential ausgebaut. Wie ein kleiner Verlag jetzt Bestseller auf den Buchmarkt bringt. In: Neue Westfälische. 15. Oktober 2008.
  23.  Jeanette Salzmann: Gespür für Bestseller. Gütersloher Verlagshaus auf Platz 2 im bundesweiten Verlags-Vergleich. In: Neue Westfälische. 9. Oktober 2009.
  24.  Stefan Brams: Werte stehen im Zentrum. Das Gütersloher Verlagshaus glaubt an die Zukunft des gedruckten Buches. In: Neue Westfälische. 6. Oktober 2010.
  25.  Stefan Brams: Hinter den Fassaden eines Luxushotels. Gütersloher Verlagshaus bringt im Herbst 55 Titel. In: Neue Westfälische. 8. Oktober 2013.
  26. Gütersloher Verlagshaus bietet sechs Zeitschriften elektronisch auf De Gruyter-Plattform an. In: BuchMarkt. 20. Juni 2013, abgerufen am 2. Mai 2014.
  27.  Dorion Weickmann: Dilettant auf Steiners Spuren. In: Die Zeit. Nr. 38, 2008 (zeit.de, abgerufen am 2. Mai 2014).
  28. Streit um das "Schwarzbuch Waldorf". In: Die Presse. 18. September 2008, abgerufen am 2. Mai 2014.
  29. A. Kissler: Rache der Anthroposophen. 17. Mai 2010, abgerufen am 2. Mai 2014.
  30. Gütersloher Verlagshaus und Bund der Waldorfschulen schließen Vergleich. In: BuchMarkt. 21. Oktober 2008, abgerufen am 2. Mai 2014.
  31.  Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda. 1. Auflage. Gütersloher Verlagshaus, 2012, ISBN 978-3-579-06675-2.
  32. Lars Langenau: Die dunkle Seite des Panda. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Mai 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  33. Nachhaltige Falschaussagen. World Wide Fund for Nature, abgerufen am 22. März 2014.
  34.  WWF drängt kritisches Buch vom Markt. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 2. Juni 2012 (faz.net, abgerufen am 22. März 2014).
  35. Kanzlei geht gegen "Schwarzbuch WWF" vor. In: Börsenblatt. 3. Juni 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  36. Hannes Hintermeier: „Schwarzbuch WWF“ bleibt lieferbar. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Juni 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  37. Lars Langenau: Wenn die Glaubwürdigkeit leidet. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Juni 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  38. Lars Langenau: Der WWF muss sich Kritik gefallen lassen. In: Süddeutsche Zeitung. 15. Juni 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  39. WWF und Buchautor einigen sich. In: Focus Online. 25. Juli 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  40. Sebastian Erb: „Schwarzbuch WWF“ entschärft. In: die tageszeitung. 25. Juli 2012, abgerufen am 22. März 2014.
  41.  Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda. 3. Auflage. Gütersloher Verlagshaus, 2012, ISBN 978-3-579-06631-8.
  42. Streitfall „Schwarzbuch WWF“ beigelegt. In: buchreport. 25. Juli 2012, abgerufen am 22. März 2014.

51.9110138.420141Koordinaten: 51° 54′ 40″ N, 8° 25′ 13″ O