Gəncə

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Gəncə
Gəncə
Wappen
Wappen
Staat: Aserbaidschan Aserbaidschan
Koordinaten: 40° 41′ N, 46° 22′ O40.68277777777846.360555555556408Koordinaten: 40° 40′ 58″ N, 46° 21′ 38″ O
Höhe: 408 m
Fläche: 129 km²
 
Einwohner: 313.000 (2009)
Bevölkerungsdichte: 2.426 Einwohner je km²
Zeitzone: AZT (UTC+4)
Telefonvorwahl: (+994) 22
Kfz-Kennzeichen: 20
 
Bürgermeister: Eldar Azizov
Webpräsenz:
Gəncə (Aserbaidschan)
Gəncə
Gəncə

Gəncə (russisch Гянджа/Gjandscha; eingedeutscht auch Gandscha) ist mit 313.000 Einwohnern (Stand 2009)[1] die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 110 km².

Geografie[Bearbeiten]

Gəncə liegt im Nordwesten des Landes am Fuße des Kleinen Kaukasus. Der gleichnamige Bach, der in den Kura mündet, trennt die Stadt in zwei Hälften. Der ältere Stadtteil ist der westliche. Dort stehen alte Befestigungsanlagen und eine Moschee aus der Zeit Abbas’ I.. Das Klima eignet sich gut für den Anbau von Wein, Früchten, Gemüse und Tabak. Die Stadt ist auch ein Zentrum der Seidenraupenzucht.

Geschichte[Bearbeiten]

Gəncə wurde im Jahre 859 von Arabern gegründet. Der Name wurde wohl von einer älteren Hauptstadt Aserbaidschans übernommen. Anfangs nur ein kleiner Ort, wurde Gəncə mit dem Niedergang der Stadt Bərdə zur neuen Hauptstadt der Region Arrān. Im Mittelalter war die Stadt vom 10. bis zum 13. Jahrhundert ein blühender Handelsplatz an der Seidenstraße auf dem Weg nach Tiflis. Von 951 bis 1174 herrschten hier die kurdischen Schaddadiden. 1138 wurde Gəncə von einem Erdbeben, das hunderttausende Opfer forderte, zerstört, um anschließend wenige Kilometer weiter westlich wieder aufgebaut zu werden. Die Georgier im Norden nutzen dies aus und plünderten unter König Dimitri I. die Stadt, wobei sie auch eines der Stadttore mitnahmen. Das Tor ist heute im georgischen Kloster Gelati verbaut. Nach den Schaddadiden herrschten die Atabegs von Aserbaidschan über die ganze Region. Bei den Auseinandersetzungen zwischen den Georgiern und den Atabegs wurde Gəncə oft angegriffen. 1221 standen die Mongolen vor der Stadt, konnten aber gegen die starken Befestigungsanlagen nichts ausrichten. Trotzdem ließen sie sich ihren Rückzug mit Geld und Geschenken bezahlen. 1225 eroberte der Choresm-Schah Dschalal ad-Din, der ständig auf der Flucht vor den Mongolen war, die Stadt und setze der Eldigüziden-Herrschaft ein Ende. Später gelang es den Mongolen doch noch, die Stadt einzunehmen und niederzubrennen. Gəncə konnte seinen alten Status danach nicht wiedererlangen.

Unter den Safawiden wurde die Stadt im 16. Jahrhundert Teil Persiens. Die Verwalter der Stadt erhielten den Titel Khan. 1588 eroberten die Rivalen der Safawiden, die türkischen Osmanen, die Stadt. Nach einer sechsmonatigen Belagerung holten sich die Perser die Stadt 1606 zurück. Schah Abbas verlagerte sie an einen höheren Platz im Südwesten. 1723 eroberten wieder die Osmanen die Stadt, wurden dann aber 1735 von Nadir Schah vertrieben. 1747 wurde Gəncə Hauptstadt des Khanats Gäncä und blieb nominell bis zum Russisch-Persischen Krieg (1804–1813) persisch. Am 3. Januar 1804 wurde sie vom russisch-georgischen General Tsitsianov eingenommen. Mit dem Frieden von Gulistan verlor Persien all seine Territorien nördlich des Flusses Aras. Nach der Eroberung durch Russland im Jahr 1804 hieß Gəncə bis 1918 Jelisawetpol (Елизаветполь), benannt nach Zar Alexanders Frau Jelizaweta. Im nächsten Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) versuchten die Perser die Stadt zurückzuerobern, wurden jedoch am 25. September 1826 vor Gəncə besiegt. Am 24. Dezember 1905 wurde Jelisawetpol in Zusammenhang mit Massakern zwischen Armeniern und Tataren völlig zerstört. 2.000 Menschen kamen bei diesen Nationalitätenunruhen ums Leben.

Von 1935 bis 1989 trug die Stadt den Namen Kirowabad (Кировабад), benannt nach dem kommunistischen Politiker Sergei Mironowitsch Kirow (1886–1934). In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 223, Kirovabad für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]

In der Nähe der Stadt liegt Xanlar, die erste deutsche Kolonie in Aserbaidschan, von Flüchtlingen aus Württemberg 1819 als Helenendorf neu gegründet, wie auch Şəmkir, das frühere Annenfeld, mit der Ruinenstätte des mittelalterlichen Alt-Şəmkir.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Stadt ist der industrielle (Aluminiumwerke, Textilien, Maschinen, Seife, Nahrungsmittel, Wein, Baumwollsamenöl) Mittelpunkt des Gebietes.

Kultur[Bearbeiten]

Gəncə ist auch der kulturelle Mittelpunkt des Gebiets (Hochschulen, Musikschule, Philharmonie). Die Stadt besitzt einige schöne Moscheen. Im 9.300 Zuschauer fassenden Şəhər-Stadion spielt der Fußballverein PFK Kəpəz.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Gəncə
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
10
 
7
-2
 
 
17
 
7
-1
 
 
32
 
12
2
 
 
30
 
19
8
 
 
42
 
23
12
 
 
46
 
28
16
 
 
23
 
32
20
 
 
18
 
30
18
 
 
16
 
26
15
 
 
32
 
19
9
 
 
14
 
13
5
 
 
18
 
8
0
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: WMO; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Gəncə
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 6,5 6,8 11,9 19,2 23,4 27,9 31,7 29,9 26,0 19,3 12,6 8,3 Ø 18,7
Min. Temperatur (°C) −2,3 −1,2 2,2 7,7 12,2 16,3 19,5 18,3 15,2 9,2 4,5 0,0 Ø 8,5
Niederschlag (mm) 10 17 32 30 42 46 23 18 16 32 14 18 Σ 298
Sonnenstunden (h/d) 3,9 4,0 4,5 6,1 7,4 8,9 9,0 8,1 7,1 5,4 4,1 3,7 Ø 6
Regentage (d) 4 5 5 6 9 7 3 4 3 6 3 4 Σ 59
Luftfeuchtigkeit (%) 72 72 71 68 59 54 53 54 61 69 73 78 Ø 65,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
6,5
−2,3
6,8
−1,2
11,9
2,2
19,2
7,7
23,4
12,2
27,9
16,3
31,7
19,5
29,9
18,3
26,0
15,2
19,3
9,2
12,6
4,5
8,3
0,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
10
17
32
30
42
46
23
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16
32
14
18
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ganja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aserbaidschanische Statisktikbehörde zu Einwohnerzahlen
  2. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.