Gustav René Hocke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von G. R. Hocke)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gustav René Hocke (* 1. März 1908 in Brüssel; † 14. Juli 1985 in Genzano di Roma) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Kulturhistoriker.

Leben[Bearbeiten]

Hocke wurde am 1908 in Brüssel als Sohn des deutschen Kaufmanns Josef Hocke und seiner Frau Anna de Nève geboren. 1919 übersiedelte die Familie nach Viersen; Hocke besuchte dort das Humanistische Gymnasium. Sein Mitschüler und Freund war Adolf Frisé[1]. Er studierte Literaturwissenschaft in Berlin, Bonn und Paris – besonders bei Ernst Robert Curtius – und wurde 1934 promoviert. 1937 heiratete er Mary Turner; ihr Sohn Martin wurde 1937 geboren († 2005).

Er arbeitete zunächst als Journalist für die Kölnische Zeitung, laut Luise Rinser während der Nazidiktatur ein „Nest passiver Resistenz“. 1940 schickte ihn diese Zeitung als Korrespondenten nach Rom, wo er nebenher an seinem Roman Der tanzende Gott – einer Parabel auf das Leben unter der Nazi-Diktatur – arbeitete. Nach Kriegsende wurde Hocke in einem Kriegsgefangenenlager in den USA interniert. 1946 zurück in Deutschland, war er mit Hans Werner Richter und Alfred Andersch an der Begründung der Literaturzeitschrift Der Ruf beteiligt.

1949 kehrte er als erster deutscher Italienkorrespondent für verschiedene deutsche Zeitungen und Zeitschriften nach Rom zurück. 1951 heiratete er Edeltraud Effenberger; ihnen wurden ein Sohn, Roman (1953), und eine Tochter, Angelika (1956), geboren. Ab 1975 war er ganz als freier Schriftsteller tätig. 1985 starb er nach langer schwerer Krankheit an seinem Wohnsitz südlich von Rom.

Schwerpunkt seines schriftstellerischen Interesses wurde der Manierismus. Hockes zeitlich weit gefasster Begriff schloss auch moderne Künstler ein wie Fabius von Gugel oder Fabrizio Clerici. Er unterschied zwischen der kunsthistorischen Epoche und einem Manierismus als Lebensgefühl: als groteske „Ausdrucksgebärde“ des „problematischen Menschen“, die in den meisten kulturhistorischen Epochen als Reaktion auf die klaren Formen einer „klassischen“ Episode auftrete.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

als Autor[Bearbeiten]

  • Lukrez in Frankreich von der Renaissance bis zur Revolution. Phil. Diss. Bonn 1934
  • Das verschwundene Gesicht. Ein Abenteuer in Italien. Rauch, Leipzig 1939
  • Der tanzende Gott. Roman. Nymphenburger, München 1948
  • Die Welt als Labyrinth. Manier und Manie in der europäischen Kunst. Beiträge zur Ikonographie und Formgeschichte der europäischen Kunst von 1520 bis 1650 und der Gegenwart. Rowohlt (rde 50/51), Hamburg 1957
    • erweiterte Neuausgabe als: Die Welt als Labyrinth. Manierismus in der europäischen Kunst und Literatur. Rowohlt, Reinbek 1987
  • Manierismus in der Literatur. Sprach-Alchemie und esoterische Kombinationskunst. Rowohlt (rde 82/83), Hamburg 1959
  • Magna Graecia. Wanderungen durch das griechische Unteritalien. Erdmann, Herrenalb/Berlin 1960
  • Das europäische Tagebuch. Limes, Wiesbaden 1963
  • Verzweiflung und Zuversicht. Zur Kunst und Literatur am Ende unseres Jahrhunderts. Piper (sp 112), München 1974
  • Malerei der Gegenwart. Der Neo-Manierismus. Vom Surrealismus zur Meditation. Limes, Wiesbaden 1975
  • Schriftsteller und Maler Joachim Fernau. Sein malerisches Werk. Limes, Wiesbaden 1976
  • Narrenschiff im Labyrinth. Zum Werk des Malers Werner Holz und zur geistesgeschichtlichen Wende der siebziger Jahre. KVHS-Galerie, Ludwigshafen 1979
  • Phantastik der Sehnsucht. Zum künstlerischen Werk der Gebrüder Angerer (zu Ludwig Valentin und Walter Andreas Angerer). Bruckmann, München 1981

Postum erschienen:

als Herausgeber[Bearbeiten]

  • Der französische Geist. Die Meister des Essays von Montaigne bis zur Gegenwart. Rauch, Leipzig 1938
    • Neuausgabe als: Der französische Geist. Die Meister des Essays von Montaigne bis Giraudoux. Diogenes (detebe 21634), Zürich 1988
  • Europäische Künstlerbriefe. Bekenntnisse zum Geist. Rauch, Leipzig 1938
  • Deutsche Satiren des 18. Jahrhunderts. Rauch, Dessau 1940
  • Das europäische Tagebuch. Limes, Wiesbaden 1963
    • Neuausgabe als: Europäische Tagebücher aus vier Jahrhunderten. Motive und Anthologie. Limes, Wiesbaden/München 1986; Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1991

Literatur[Bearbeiten]

  • Jutta Busch (Hrsg.): Hommage à Gustav René Hocke. Die Welt als Labyrinth. Eckers, Viersen 1989
  • Hans Mayer: Erinnerung an Gustav René Hocke, in ders., Zeitgenossen, Frankfurt am Main 1999, S. 260-268.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hommage à Gustav René Hocke. Die Welt als Labyrinth. Viersen 1989, S. 16
  2. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 103, 5. Juni 1973.