GAZ-12 ZIM

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GAZ
GAZ-12 ZIM im VTM Lešany Museum

GAZ-12 ZIM im VTM Lešany Museum

SIM 12
Produktionszeitraum: 1950–1960
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottomotoren:
3,5 Liter (70 kW)
Länge: 5530 mm
Breite: 1900 mm
Höhe: 1660 mm
Radstand: 3200 mm
Leergewicht: 1800 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: GAZ M13 Tschaika
SIM 12 Heckansicht, im GAZ-Museum Nischni Nowgorod

Der GAZ-12 ZIM ist eine luxuriöse und repräsentative Limousine der Oberklasse, die von den sowjetischen GAS-Werken von 1950 bis 1960 hergestellt wurde. Die Abkürzung ZIM steht für Savod Imeni Molotowa, was innerhalb der Modellbezeichnung den Teil des damals offiziellen Namens der Fabrik wiedergeben sollte. Von diesem großen Auto, das den offiziellen Stellen der Sowjetunion vorbehalten war und von der gewöhnlichen Bevölkerung nicht erworben werden konnte, wurden in drei Versionen insgesamt 21.527 Exemplare hergestellt. Nachfolger war ab 1959 der wesentlich modernere Tschaika GAZ-13.

Geschichte[Bearbeiten]

Unmittelbar nach 1945 brachte der staatliche sowjetische Automobil- und Nutzfahrzeughersteller GAS (russisch Горьковский автомобильный завод (ГАЗ), engl. Transkription Gorkovsky Avtomobilny Zavod (GAZ), deutsch: Gorkier Automobilwerk), der zu Ehren des damaligen sowjetischen Außenministers Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow von 1932–1956 offiziell zusätzlich noch Savod Imeni Molotowa (SIM) hieß, unter der Leitung von A. Lipgart und N.A. Juschmanow einige neue Kraftfahrzeuge heraus.

Auf den 1946 vorgestellten Mittelklassewagen GAZ-20 Pobeda folgte 1950 der große und luxuriöse GAZ-12 ZIM, nachdem staatliche Stellen wie auch zahlreiche Amtsträger der KPdSU nunmehr ein neues großes und repräsentatives Auto wünschten. Die Abkürzung ZIM stand für den Teil des damals offiziellen Namens der Fabrik, der in die Modellbezeichnung mit übernommen wurde. Der GAZ-12 stammte in wesentlichen Punkten vom GAZ-20 Pobeda ab, tatsächlich basierte er auf einer entsprechend längeren und breiteren sowie verstärkten Bodengruppe und wies daher ebenfalls eine selbsttragende Karosserie auf. Der langhubige Sechszylinder-Reihenmotor mit (damals schon nicht mehr ganz zeitgemäßen) SV-Ventilsteuerung aus dem LKW-Programm von GAZ gab seine Leistung an ein mechanisches Dreigang-Synchrongetriebe ab, das über einen Schalthebel an der Lenksäule bedient wurde (Lenkradschaltung).

Der ZIM ist stilistisch und technisch von ähnlicher Konzeption wie zeitgenössische US-amerikanische Automobile und besaß eine den Vorbildern entsprechend ähnliche nicht weniger bequeme wie auch reichhaltige Ausstattung. Ein Novum waren die elektrisch beheizbare Rücksitzbank und der selbsttätig rückstellende Blinkerhebel an der Lenksäule. Das in Holzmaserung lackierte Armaturenbrett wies eine Reihe von Kontrollinstrumenten und ein Autoradio gehörte ebenfalls zur Serienausstattung. Selbstverständlich waren auch Ledersitze und Edelholz-Verkleidungen vorhanden. Die Limousinen hatten drei Seitenfenster und sechs Sitzplätze, etwas später kam noch eine in sehr geringer Stückzahl (wahrscheinlich nur fünf Exemplare) hergestelltes viertüriges Cabriolet hinzu, das vom Werk als Phaeton bezeichnet wurde. Daneben gab es auch eine Version als Krankenwagen, die jedoch ebenfalls die Karosserie der Limousine besaß und im Innenraum dem Zweck entsprechend umgestaltet war – wobei das Ein- und Ausladen der Trage für heutige Begriffe etwas kurios über die nach oben geöffnete Kofferraumhaube erfolgte (eine Kombiversion gab es nicht).

Während der 1946 erschienene ZIS-110, ein Nachbau des US-amerikanischen Packard 180 der Vorkriegszeit, der mit den von der Sowjetunion erworbenen originalen Packard-Fertigungsanlagen hergestellt wurde, das Auto der höchsten Repräsentanten des Staates darstellte (darunter in schwer gepanzerter Version auch Josef Stalin selbst), war der GAZ-12 ZIM eher das Auto für die mittleren und gehobenen Kader der Nomenklatura. Der ZIM wurde aufgrund des hohen Preises nur eingeschränkt exportiert, darunter einige Exemplare nach Polen, in die Tschechoslowakei und die DDR, wobei das Auto in der CSSR wegen der eher gemütlichen Fahrleistungen und der anfangs noch nicht voll befriedigenden Verarbeitungsqualität keinen größeren Anklang fand und durch den 1955 vorgestellten Tatra T 603 ersetzt wurde. In der Sowjetunion hingegen war das Auto durchaus populär und sah einen noch langjährigen Einsatz selbst nach Produktionsende. Einige Fahrzeuge wurden auch von der Miliz (Polizei) verwendet, wobei diese dunkelblau mit roten Seitenstreifen lackiert waren und mit einem roten Blinklicht auf dem Dach versehen waren. Im Jahre 1960 endete die Produktion des GAZ-12 ZIM nach insgesamt 21.527 Exemplaren aller drei Versionen.

Nach Ausmusterung aus dem Staatsdienst gelangte eine Anzahl dieser Autos nach Ersatz durch die 1959 als Nachfolger erschienenen und moderneren Tschaika GAZ-13 bis Mitte der 1970er Jahre in Privathand und überdauerten so zum Teil bis in die heutige Zeit. In der DDR wurde eine größere Anzahl von Fahrzeugen nach der Ausmusterung aus dem Staatsdienst bis Anfang der siebziger Jahre erfolgreich als Taxis genutzt.

Fahreindruck[Bearbeiten]

GAZ-12 ZIM in Riga

Der ZIM ist vom Charakter her ein ruhiger und bequemer Reisewagen. Das Fahrverhalten des ZIM ähnelt denen vergleichbarer US-amerikanische Automobile jener Zeit, denen er auch optisch gleicht. Aufgrund des hohen Gewichts (1940 kg vollgetankt bzw. über 2 t mit Fahrer) und der eher bescheidenen Motorleistung von etwas über 90 PS fallen die Fahrleistungen gemächlich aus, was zusammen mit der indirekten Lenkung, die im Stand und bei Kriechtempo schwergängig ist, jeden Versuch sportlicher Fahrweise von vornherein vereitelt. Das Fahrverhalten ist aufgrund besagter Eigenschaften unproblematisch und stets im neutralen Bereich. Die vorhandene Leistung ist andererseits für eine ruhige und komfortable Fortbewegung auch heute noch akzeptabel, da der Motor über eine gute Elastizität verfügt und daher nicht so häufig die Gänge gewechselt werden müssen. Der Federungskomfort an sich kann trotz der hinteren Starrachse an Blattfedern durchaus überzeugen.

Eine Besonderheit weist die Kupplung auf, die aus zwei Komponenten besteht: An die Kurbelwelle ist eine hydraulische Kupplung angeflanscht, die die äußere Gestalt eines Drehmomentwandlers hat, die Funktion der Schwungscheibe übernimmt und mit dem Anlasserzahnkranz versehen ist. Im Inneren befinden sich auf separaten Lagerungen Pumpen- und Turbinenrad sowie eine Hydraulikölfüllung. Mit steigender Motordrehzahl wird ein gleitender Kraftschluss hergestellt. An der Kraftabgabeseite ist ein Flansch befestigt, der die normale Einscheiben-Trockenkupplung aufnimmt. Zum Einlegen eines Ganges und zum Hoch- und Herunterschalten muss man damit zwar die Kupplung betätigen, es ist jedoch möglich, beispielsweise im 3. Gang das Fahrzeug aus jeder Geschwindigkeit bis zum Stillstand abzubremsen und, ohne zu kuppeln, wieder anzufahren. Im Zusammenspiel mit dem äußerst laufruhigen Motor wird mit dieser konstruktiven Lösung, die einen mechanischen Kraftschluss mit dem Getriebe umgeht, ein beeindruckend niedriges Innengeräuschniveau und eine hervorragende Elastizität erreicht. Ein Nachteil ist, dass sich dadurch der Antriebsstrang mechanisch nicht blockieren lässt. Das heißt, auch an der steilsten Steigung muss man sich auf die Wirkung der Handbremse verlassen.

Die Verarbeitungsqualität des ZIM schwankte zu Beginn etwas, muss jedoch zumindest für die ab 1954 bzw. 1955 gebauten Exemplare als ordentlich bezeichnet werden.

Versionen[Bearbeiten]

  • GAZ-12 ZIM Limousine
  • GAZ-12A ZIM Taxi
  • GAZ-12B ZIM Krankenwagen
  • GAZ-12 ZIM Phaeton (Viertüriges Cabriolet)

Exportländer[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • "Der neue sowjetische Personenkraftwagen "SIM"" in: Kraftfahrzeugtechnik 2/1951, S.40-44

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: GAZ-12 ZIM – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien