GNU-Projekt

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Das GNU-Logo

Das GNU-Projekt (Aussprache: [ˈɡnuː][1]) wurde von Richard Stallman mit dem Ziel gegründet, ein offenes, unixähnliches Betriebssystem zu schaffen, welches sicherstellt, dass die Endbenutzer die Freiheiten haben, es verwenden, untersuchen, verbreiten (kopieren) und ändern zu dürfen. Software, welche diese Freiheits-Rechte (über ihre Lizenz) garantiert, wird Freie Software (Free Software) genannt; und GNU („GNU’s Not Unix“) fällt somit darunter. Bekannt geworden ist das Projekt vor allem auch durch die von ihm eingeführte GNU General Public License (GPL), unter der viele bekannte Softwareprojekte veröffentlicht werden, sowie zahlreicher GNU Programme, wie der GNU Compiler Collection, des GNU Debuggers sowie Werkzeuge der GNU coreutils, des Editors Emacs, usw.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entstehung des GNU-Projekts geht auf Richard Stallman zurück, der von 1971 bis 1984 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitete. In der Anfangszeit seiner Arbeit erfuhr er den Umgang mit Software als einen regen und offenen Austausch zwischen Entwicklern und Nutzern. Damals war es üblich, Programme, auch in Form des Quelltextes, zu tauschen und bei Bedarf anzupassen. Die Situation änderte sich Ende der 1970er und Anfang der 1980er, als Unternehmen damit begannen, Software unter stark beschränkenden Lizenzen zu veröffentlichen und den Quelltext geheim zu halten. Stallman stand daraufhin am Scheideweg, sich entweder dem Modell der proprietären Software anzupassen oder aber einen anderen Weg zu gehen. Er entschied für sich, ein Modell von freier Software zu entwickeln, welches die Offenheit der Software und die Möglichkeit des Tauschens gewährleisten sollte. Der erste Schritt sollte ein freies Betriebssystem in der Art von Unix sein. Da es in der Zeit am MIT üblich war, für Programme, die anderen Programmen ähneln, rekursive Akronyme zu nutzen, wählte Stallman GNU, was für „GNU’s not Unix“ steht. Das Projekt rund um das System wurde GNU-Projekt genannt.

Die Entscheidung, GNU Unix-kompatibel zu machen, hatte mehrere Gründe. Zum einen war Stallman sicher, dass die meisten Unternehmen ein grundlegend neues Betriebssystem ablehnen würden, wenn die Programme, die sie benutzten, darauf nicht laufen würden. Andererseits ermöglichte die Architektur von Unix eine schnelle, einfache und verteilte Entwicklung, da Unix aus vielen kleinen Programmen besteht, die größtenteils unabhängig voneinander entwickelt werden können. Auch waren viele Bestandteile eines Unix-Systems frei für jeden erhältlich und konnten so direkt in GNU integriert werden, beispielsweise das Textsatzsystem TeX oder das Fenstersystem X Window. Die fehlenden Teile wurden von Grund auf neu geschrieben.

Das GNU-Projekt wurde am 27. September 1983 in den Newsgroups net.unix-wizards und net.usoft bekannt gegeben.[2] Die Arbeit an dem Projekt begann am 5. Januar 1984, als Stallman seine Stelle am MIT kündigte. Er tat dies, um sich ganz dem GNU-Projekt widmen zu können und um zu verhindern, dass das MIT als Arbeitgeber die Rechte an dem von ihm geschriebenen Code besitzt. Stallman erklärte wenig später im „GNU Manifest“[3] und in anderen Essays seine Motive. Ein Hauptzweck des Projekts bestand darin, „den Geist der Kooperation, der in den frühen Jahren der Computergemeinschaft vorgeherrscht hatte, wiederzubeleben“[4]. Damit wurde das GNU-Projekt, obwohl die meisten Ergebnisse eher technischer Natur sind, auch eine soziale und politische Initiative. Das GNU-Projekt hat seit seiner Gründung nicht nur Software hervorgebracht, sondern auch eigene Lizenzen und eine große Zahl theoretischer Schriften, die meist von Stallman verfasst wurden.

Das GNU-Projekt steht im engen Zusammenhang mit der Entwicklung von Linux bzw. GNU/Linux.

Lizenz[Bearbeiten]

Die vom GNU-Projekt veröffentlichte Software wurde damals unter jeweils eigene Lizenzen gestellt, welche die entsprechenden Freiheiten gewährten. Für das Prinzip einer Lizenz, welche die Pflicht zur Offenheit explizit einbaut, nutzte Stallman den Begriff Copyleft, den Don Hopkins Mitte der 1980er ihm gegenüber in einem Brief erwähnte. Später entschloss sich Stallman, eine einheitliche Lizenz zu schaffen, unter der alle Software veröffentlicht werden konnte. Er entwarf daher mit Hilfe von Jerry Cohen die GNU General Public License, welche im Kern vier Freiheiten umfasst: das Programm für jeden Zweck zu nutzen, Kopien weiterzuverteilen, die Arbeitsweise des Programms zu studieren und das Programm eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Free Software Foundation[Bearbeiten]

Um dem GNU-Projekt einen logistischen, juristischen und finanziellen Rahmen zu geben, gründete Stallman 1985 die gemeinnützige Free Software Foundation (FSF). Die FSF beschäftigt auch Programmierer, um an GNU zu arbeiten, obwohl der wesentliche Teil der Arbeit von Freiwilligen geleistet wird. Als GNU bekannter wurde, begannen Unternehmen daran mitzuarbeiten. Sie entwickelten Programme, die sie unter der GPL veröffentlichten, begannen CDs mit Software zu verkaufen und Dienstleistungen rund um das System anzubieten. Eines der bekanntesten Unternehmen der früheren Zeit des Projekts war Cygnus Solutions. Viele dieser Unternehmen unterstützen die Free Software Foundation mit Geld oder anderen Spenden. Dazu gehören unter anderem IBM, Google Inc. und HP.[5]

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Das Logo des GNU-Projekts ist eine Zeichnung eines Gnus, einer afrikanischen Antilope. Es wurde ursprünglich von Etienne Suvasa entworfen[6] und seitdem in verschiedenen abgewandelten Formen wiedergegeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Free Software Foundation: Wie man ‚GNU‘ ausspricht. Abgerufen am 26. November 2013: „Der Name GNU ist ein rekursives Akronym von ‚GNU’s Nicht Unix‘ und wird [ˈgnuː], mit einem harten g, ausgesprochen.“
  2. Richard Stallman: Free Unix! im Usenet, 29. September 1983
  3. Richard Stallman: The GNU Manifesto auf gnu.org, 13. Juli 2005
  4.  Dominik Walcher: Der Ideenwettbewerb als Methode der aktiven Kundenintegration: Theorie, empirische Analyse und Implikationen für den Innovationsprozess. 1. Auflage. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8350-0596-9, S. 34 (Dissertation Technischen Universität München, 2006).
  5. Corporate Patron Program auf fsf.org, 12. Oktober 2005
  6. A GNU Head auf gnu.org, 5. Mai 2005

Weblinks[Bearbeiten]