Gabapentin

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Strukturformel
Struktur von Gabapentin
Allgemeines
Freiname Gabapentin
Andere Namen

1-(Aminomethyl)-
cyclohexylessigsäure

Summenformel
  • C9H17NO2 (Gabapentin)
  • C9H17NO2·HCl (Gabapentin·Hydrochlorid)
CAS-Nummer
  • 60142-96-3 (Gabapentin)
  • 60142-95-2 (Gabapentin·Hydrochlorid)
PubChem 3446
ATC-Code

N03AX12

DrugBank DB00996
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antiepileptikum

Eigenschaften
Molare Masse
  • 171,24 g·mol−1 (Gabapentin)
  • 207,70 g·mol−1 (Gabapentin·Hydrochlorid)
Schmelzpunkt

162–166 °C bzw. 165–167 °C [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335​‐​360
P: 201​‐​261​‐​305+351+338​‐​308+313 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 61​‐​36/37/38
S: 53​‐​26​‐​36/37/39​‐​45
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Gabapentin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antikonvulsiva, der zur Behandlung der Epilepsie und neuropathischer Schmerzen eingesetzt wird. Der Arzneistoff wurde 1976 von Gödecke und Warner-Lambert patentiert.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Gabapentin ist zur Monotherapie von einfachen und komplexen partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung und zur Zusatztherapie von partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung zugelassen. Eine weitere Indikation ist die Behandlung neuropathischer Schmerzen. Neuropathische Schmerzen entstehen z. B. bei einem Teil der Patienten mit einer Gürtelrose nach Abklingen der Hautveränderungen, der Post-Zoster-Neuralgie. Ein anderes häufiges Anwendungsgebiet ist die diabetische Polyneuropathie sowie die Behandlung von Phantomschmerzen. Auch postoperative Schmerzen können durch Gabapentin gemildert werden.[4] Die Substanz kann auch bei refraktärem Husten wirken, wenn die Ursache keine anderen Maßnahmen erfordert.[5]

Im Rahmen von "off-label use" (also außerhalb des in der Zulassung genehmigten Gebrauchs) kann es auch bei Spastik bei Multipler Sklerose eingesetzt werden, wenn mit den dafür zugelassenen Substanzen bei angemessener Dosierung und Anwendungsdauer keine ausreichende Linderung erzielt werden konnte oder Unverträglichkeit vorliegt. Ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur Verordnungsfähigkeit in nicht zugelassenem Anwendungsgebiet ist im März 2014 in Kraft getreten.[6]

Wirkmechanismus[Bearbeiten]

Der Wirkmechanismus von Gabapentin ist noch nicht vollständig geklärt. Seine antikonvulsive Wirkung wird nicht mit einer direkten Aktivierung von GABA-Rezeptoren in Verbindung gebracht, obwohl es mit GABA strukturell verwandt ist. Als Wirkmechanismus wird eine Hemmung der glutamatergen Erregungsübertragung sowie die Blockade zentraler Calcium-Kanäle (N, P/Q) diskutiert.

Nebenwirkungen (Auszug)[Bearbeiten]

Die häufigsten Nebenwirkungen während der Anwendung von Gabapentin sind ausgeprägte Mundtrockenheit, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Nervosität, Schlaflosigkeit, Ataxie, Augenzittern, Parästhesien, gesteigerter Appetit, aber auch Appetitlosigkeit und Anorexie. Zudem können Mittelohrentzündung, Virus- und Atemwegsinfektionen, Leuko- und Thrombozytopenie, aber auch psychische Auffälligkeiten wie Angst, Depressionen, Halluzinationen, Denkstörungen, Feindseligkeit, Amnesie und Verwirrtheit auftreten.[7]

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Die Resorption von Gabapentin kann durch gleichzeitige Einnahme von calcium- oder magnesiumhaltigen Antacida beeinflusst werden. Morphin und Alkohol können die Wirkungen und Nebenwirkungen von Gabapentin verstärken.

Gabapentin kann das Ergebnis einiger Urintests auf Eiweiß falsch-positiv beeinflussen.

Verabreichung[Bearbeiten]

Das Medikament wird oral aufgenommen, der Wirkstoff verbleibt mit einer Halbwertszeit von 5 bis 7 Stunden im Blut. Ausgeschieden wird es über den Harn.

Physikalische und chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Gabapentin ist ein Analogon der γ-Aminobuttersäure (GABA). Es liegt überwiegend als „inneres Salz“ bzw. Zwitterion vor, dessen Bildung dadurch zu erklären ist, dass das Proton der Carboxygruppe an das einsame Elektronenpaar des Stickstoffatoms der Aminogruppe wandert.

Zwitterion von Gabapentin

Zwitterionen-Form von Gabapentin


Im elektrischen Feld wandert das Zwitterion nicht, da es als Ganzes ungeladen ist. Genaugenommen ist dies am isoelektrischen Punkt (bei einem bestimmten pH-Wert) der Fall, bei dem das Gabapentin auch seine geringste Löslichkeit in Wasser hat.

Die Verbindung neigt zu einer intramolekularen Lactambildung.[8][9] Als Verunreinigung infolge der Herstellung oder Lagerung sollte das Lactam im pharmazeutischen Produkt vermieden werden, da dieses möglicherweise toxischer als Gabapentin ist.[10]

Gabapentin Lactamisierung.svg

Synthese[Bearbeiten]

Gabapentin kann in drei Reaktionsschritten aus 2-Cyclohexylidenmalonsäurediethylester hergestellt werden.[11] Dabei wird zunächst durch Umsetzung mit Cyanid der 2-Cyclohexyl-2-cyanomalonsäurediethylester erhalten. Durch eine anschließende reduktive Cyclisierung ergibt sich eine Lactamzwischenverbindung, die unter sauren Bedingungen zum Gabapentin verkocht wird.

Gabapentin synthesis.svg

Handelsnamen[Bearbeiten]

Monopräparate

Gababurg (A), Gabagamma (D), GabaLich (D), Gabalster (A), Gabatal (A), Gabantin (CH), Gabax (D), Neurontin (D, A, CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 742, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. a b c Datenblatt Gabapentin bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 2. April 2011 (PDF).
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. Mathiesen O, Møiniche S, Dahl JB (2007): Gabapentin and postoperative pain: a qualitative and quantitative systematic review, with focus on procedure. In: BMC Anesthesiol. 7:6. PMID 17617920 doi:10.1186/1471-2253-7-6
  5. Ryan NM: Gabapentin for refractory chronic cough; Lancet. 2012 Nov 3;380(9853):1583-9. doi: 10.1016/S0140-6736(12)60776-4.
  6. Arzneimittel-Richtlinie/Anlage VI: Gabapentin zur Behandlung der Spastik im Rahmen der Multiplen Sklerose, Beschluss des G-BA vom 28. März 2014, abgerufen am 29. März 2014
  7. Rote Liste - Online
  8. B. Ciavarella, A. Cupta, V.A. Sayeed, M.A. Khan, P.J. Faustino: Development and application of a validated HPLC method for the determination of gabapentin and its major degradation impurity in drug product in J. Pharm. Biomed. Anal 43 (2007) 1647-1653 doi:10.1016/j.jpba.2006.12.020.
  9. Cheng-Hung Hsua, Shan-Yang Li: Rapid examination of the kinetic process of intramolecular lactamization of gabapentin using DSC–FTIR in Thermochim. Acta 486 (2009) 5-10 doi:10.1016/j.tca.2008.12.008.
  10. H. Potschka, T. J. Feuerstein, W. Löscher: Gabapentin-lactam, a close analogue of the anticonvulsant gabapentin, exerts convulsant activity in amygdala kindled rats in Arch. Pharmacol. 361 (2000) 200-265 doi:10.1007/s002109900174.
  11. G. Griffiths, H. Mettler, L.S. Mills, F. Previdoli: Novel Syntheses of Gabapentin via Addition of Hydrocyanic Acid to Cyclohexylidenemalonate or Cyano(cyclohexylidene)acetate in Helv. Chim. Acta 74 (1991) 309-314 doi:10.1002/hlca.19910740208.

Siehe auch[Bearbeiten]

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