Gabriel Gustav Valentin

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Gabriel Gustav Valentin

Gabriel Gustav Valentin (* 8. Juli 1810 in Breslau; † 24. Mai 1883 in Bern) war ein deutscher Arzt und Physiologe.

Leben[Bearbeiten]

Der Vater Abraham Valentin handelte mit Silberwaren. In der Breslauer Synagoge assistierte er dem Rabbiner. Sohn Gabriel Gustav Valentin, der auf der Schule auch Hebräisch lernte, studierte als gläubiger Jude den Talmud. Diese religiöse Tradition in seinem Elternhaus prägte auch sein weiteres Leben. Er besuchte das Maria-Magdalenen-Gymnasium in seiner Heimatstadt, das er mit der Reifeprüfung verließ. Mit 18 Jahren begann er mit dem Medizinstudium an der Breslauer Universität. Einer seiner einflussreichsten Lehrer war der Physiologe Jan Evangelista Purkyně, der auch gute Kontakte zu Goethe unterhielt. Nach vier Studienjahren promovierte Valentin in Breslau, das Staatsexamen legte er 1833 in Berlin ab. Seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, ein hervorragendes Gedächtnis und seine mathematischen Fähigkeiten verhalfen Valentin zu vielfältigen wissenschaftlichen Kenntnissen.

Leistungen[Bearbeiten]

Valentin forschte gemeinsam mit Purkynĕ. 1834 wurde er als Mitglied in die „Leopoldinisch-Karolinische Deutsche Akademie der Naturforscher“ gewählt. 1835 erschien sein „Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen“. Ein Angebot der Universität Dorpat (damals Preußen) scheiterte an seinem jüdischen Glauben. Bis 1848 wurden nicht getaufte Juden in Preußen von Lehrämtern offiziell ausgeschlossen. Ende des Jahres 1835 erhielt Valentin von der Jury der Französischen Akademie der Wissenschaften den „Grand Prix des Sciences Physices“. Die damit verbundene Geldsumme versetzte ihn zunächst in die Lage, unabhängig weiter zu forschen. Doch dann kam ein Angebot der Universität Bern. Nachdem sichergestellt war, dass sein jüdischer Glaube kein Hindernis für seine Arbeit in der Schweiz bedeuten würde, ging er als Professor für Physiologie und Tieranatomie (Zootomie) in die Schweiz. Valentin wurde so mit 26 Jahren der erste jüdische Professor an einer deutschsprachigen Universität. 1836 war auch das Jahr, in dem Valentin den Kern und die Kernkörperchen von Nervenzellen identifizierte. 1838 schlug er die Verwendung von Doppelmessern mit verstellbarem Klingenabstand vor und war damit einer der Pioniere der Entwicklung von Mikrotomen.[1] Das in Breslau gegründete Periodikum „Repertorium für Anatomie und Physiologie“ führte er von 1836–1843 fort. 1844 veröffentlichte Valentin sein zweibändiges Werk „Lehrbuch der Physiologie des Menschen“ und 1846 folgte der „Grundriss der Physiologie des Menschen“. Seine „Grundzüge der Entwicklung der tierischen Gewebe“ sind noch heute lesenswert. Das Ansehen Valentins führte auch dazu, dass ihm als erstem Juden in Bern die Bürgerrechte gewährt wurden. Zum Mikroskopieren hielt sich sogar Alfonso Giacomo Gaspare Corti (1851 „Corti’sches Organ“) ein halbes Jahr bei Valentin auf, der von 1853–1863 der Direktor des Anatomischen Instituts in Bern war. 1862 wurde Valentin Ehrenmitglied der „Académie Royale de Médecine de Belgique“. Er war zudem Ehrenmitglied vieler medizinischer und wissenschaftlicher Gesellschaften in ganz Europa und Ehrendoktor der philosophischen Fakultät von Bern.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen mit vergleichender Rücksicht der Entwicklung der Säugetiere und Vögel.Rücker, Berlin 1835. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Lehrbuch d. Physiologie d. Menschen, 2 Bde., Braunschweig 1844
  • Grundriß der Physiologie des Menschen, Braunschweig 1846
  • Der Gebrauch des Spektroskopes zu physiologischen und ärztlichen Zwecken, Heidelberg, 1863
  • Versuch einer physiologischen Pathologie der Nerven, 2 Thle., Leipzig u. Heidelberg 1864
  • Versuch einer physiologischen Pathologie des Blutes und der übrigen Körpersäfte, 2 Thle., Leipzig 1866-1867

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Eisner, Rupert Moser (Hrsg.): Reiz und Fremde jüdischer Kultur. 150 Jahre jüdische Gemeinden im Kanton Bern (Collegium Generale Universität Bern). Lang Verlag, Bern 2000, ISBN 3-906765-00-8, S. 104-107
  • Charles Gillispie (Hrsg.): Dictionary of Scientific Biography, Bd. 13. Scribner, New York 1976, S. 555-558.
  • Erich Hintzsche: Gustav Gabriel Valentin. Versuch einer Bio- und Bibliographie. Haupt, Bern 1953 (Berner Beiträge zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften; 12).
  • Julius Leopold PagelValentin, Gabriel Gustav. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 463 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. amuseum.de (PdF; 736 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Gabriel Gustav Valentin – Quellen und Volltexte