Gabriela Andersen-Schiess

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Gabriela „Gaby“ Andersen-Schiess (geborene Schiess; * 20. Mai 1945 in Zürich) ist eine ehemalige Schweizer Mittel- und Langstreckenläuferin.

Sie ging 1963 als Skilehrerin nach Sun Valley, Idaho, und heiratete einen US-Amerikaner, wodurch sie die doppelte Staatsbürgerschaft erhielt.[1] 1972 gewann sie die Schweizer Meisterschaft im 3000-Meter-Lauf. 1973 wurde sie Vize-Meisterin über 1500 und 3000 Meter sowie im Crosslauf. Im selben Jahr stellte Andersen-Schiess in Bräunlingen eine Schweizer Bestleistung im Marathonlauf auf, einer für Frauen damals noch jungen Disziplin. 1977 und 1978 verbesserte sie die Bestzeit bei den Marathons in Seattle.

Nach einer Pause begann sie 1982 wieder mit dem Marathonlaufen. Sie gewann 1983 den Twin Cities Marathon (MinneapolisSaint Paul) und am 4. Dezember den California International Marathon (Sacramento), wo sie in 2:33,25 Stunden einen neuen Schweizer Rekord aufstellte. Im selben Jahr war sie auch schon im 10-km-Lauf in 33:29 Minuten Schweizer Rekord gelaufen und 1984 verbesserte sie die Schweizer Bestzeit im Halbmarathon auf 1:15,29 Stunden.

1984 wurde bei den Olympischen Spielen in Los Angeles erstmals der Frauenmarathon in das Programm aufgenommen. Die 39-jährige Andersen-Schiess war bis dahin 20 Marathons gelaufen und startete als einzige Schweizerin. Bei Kilometer 36 lag sie noch an 20. Stelle, verpasste dann aber die letzte Getränkestation.[1] Sie erreichte dehydriert das Stadion und torkelte entkräftet auf der letzten Runde. Für die 500 Meter im Coliseum, die die Siegerin Joan Benoit in eineinhalb Minuten gelaufen war, benötigte sie fast sieben Minuten, lehnte aber jede ärztliche Hilfe ab. Sie überquerte dann als 37. die Ziellinie und brach zusammen; bei der folgenden Versorgung wurde eine Körpertemperatur von 41,2 Grad Celsius festgestellt. Später gab es Diskussionen darüber, ob die Kampfrichter und Ärzte verpflichtet gewesen wären, Andersen-Schiess aus dem Rennen zu nehmen.[2] Sie erholte sich jedoch relativ schnell und gab schon zwölf Stunden später Interviews.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Peter Röthlisberger: 41,2 Grad, in: Kinder des Olymp, Die Weltwoche 33/2004
  2. Marathon: Lust am Leiden, Der Spiegel 22. September 1984, S. 232