Gabriele Tergit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Gabriele Tergit (Pseudonym für Elise Reifenberg geb. Hirschmann; weiteres Pseudonym Christian Thomasius) (* 4. März 1894 in Berlin, † 25. Juli 1982 in London) war eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Elise Hirschmann, Tochter von Siegfried Hirschmann, dem Gründer der Deutschen Kabelwerke, besuchte die Soziale Frauenschule von Dr. Alice Salomon in Berlin. Ab 1919 studierte sie Geschichte, Soziologie und Philosophie in Berlin, München, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo sie 1923 promovierte. 1928 heiratete sie den Architekten Heinz Reifenberg; aus der Ehe ging ein Sohn hervor, Peter.

Bis 1933 arbeitete sie als Journalistin bei diversen Berliner Zeitungen und schrieb u.a. Gerichtsreportagen und Berichte für den Berliner Börsen-Courier, das Berliner Tageblatt, die Vossische Zeitung und die Kulturzeitschrift Die Weltbühne.

Bekannt wurde sie durch ihren Roman Käsebier erobert den Kurfürstendamm, der 1931 im Rowohlt Verlag erschien. Die zeitgenössische Literaturkritik lobte den Käsebier wegen der Darstellung des universellen Phänomens „Großstadt“, einer „Zolaschen Prägnanz und Erbarmungslosigkeit“ und der Skepsis und der Moral des Buches. Seit 1977 wurde er mehrfach neu aufgelegt.

Ihr zweiter Roman Effingers, 1931 begonnen und erst 1951 erschienen, schildert das Schicksal einer jüdischen Familie in Berlin von 1878 bis 1948. Auch dieser Roman wurde mehrmals wieder aufgelegt.

Im März 1933 überfiel die SA die Tergit-Reifenbergsche Wohnung in Siegmundshof (Tiergarten). Ihr Mann brachte Gabriele Tergit daraufhin nach Spindlermühle; er emigrierte nach Palästina, sie selbst floh nach Prag und folgte ihrem Mann im November 1933 nach. 1938 siedelte sie schließlich nach London über. Dort wählte sie 1957 das PEN-Centre German Speaking Writers Abroad zum Secretary. Dieses Amt hatte sie bis 1981 inne.

1998 wurde die Gabriele-Tergit-Promenade am Potsdamer Platz in Berlin nach ihr benannt.

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Veröffentlichte Werke

  • Käsebier erobert den Kurfürstendamm, Roman, hrsg. und mit einem Nachw. von Jens Brüning, Berlin: Das neue Berlin, 2004
  • Frauen und andere Ereignisse: Publizistik und Erzählungen von 1915 bis 1970, hrsg. und mit einem Nachw. von Jens Brüning, Berlin: Das Neue Berlin, 2001
  • Der erste Zug nach Berlin, Novelle, hrsg. und mit einem Nachw. vers. von Jens Brüning, Berlin: Das Neue Berlin, 2000
  • Wer schießt aus Liebe? Gerichtsreportagen, hrsg. und mit einem Vorw. vers. von Jens Brüning, Berlin: Das Neue Berlin, 1999
  • Im Schnellzug nach Haifa, mit Fotos aus dem Archiv Abraham Pisarek, hrsg. von Jens Brüning und mit einem Nachw. vers. von Joachim Schlör, Berlin : TRANSIT, 1996
  • Kleine Geschichte der Blumen: Kaiserkron' u. Päonien rot, Frankfurt am Main u. a. 1958.
  • Atem einer anderen Welt: Berliner Reportagen, hrsg. und mit einem Nachw. vers. von Jens Brüning, Suhrkamp: Frankfurt am Main, 1994
  • Blüten der Zwanziger Jahre. Hrsg. und mit einem Vorwort von Jens Brüning, Berlin: Rotation, 1984
  • Effingers, Roman, Hammerich & Lesser: Hamburg 1951
  • Das Büchlein vom Bett, Ullstein: München 1981
  • Erinnerungen. Etwas Seltenes überhaupt, Ullstein: Frankfurt am Main, 1983

[Bearbeiten] Unveröffentlichte Werke

  • Entwürfe und einzelne Kapitel zu einem England-Buch, einem Palästina-Buch, Essays zur Exil-Situation
  • So war's eben

[Bearbeiten] Literatur

  • Jana Jürß: Ein Gänseblümchen oder Mariannes Himmelpforte in Dünn ist die Decke der Zivilisation - Begegnungen zwischen Schriftstellerinnen Hg. Maike Stein / Autorinnenvereinigung e.V., Ulrike Helmer Verlag, 2007
  • Liane Schüller: Vom Ernst der Zerstreuung. Schreibende Frauen am Ende der Weimarer Republik: Marieluise Fleißer, Irmgard Keun und Gabriele Tergit. Bielefeld: Aisthesis, 2005

[Bearbeiten] Weblinks und Quellen

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen