Gadara (Umm Qais)

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Gadara in der Dekapolis
Das Westtheater
Säulen der oktogonalen Kirche auf der Kirchenterasse in Gadara, Jordanien

Gadara – heute Umm Qais in Jordanien – lag östlich des Jordan, etwa 10 km (Luftlinie) südöstlich des Südendes des See Genezareth, und gehörte zu den griechisch geprägten Städten der Dekapolis.

Bauten[Bearbeiten]

Bekannt ist die Stadt für zwei Theater. Das sogenannte Nordtheater bot Platz für 6000 Besucher; von ihm ist heute wenig Bausubstanz erhalten. Das im 2. Jahrhundert gebaute Westtheater liegt in den Westabhang der Akropolis eingebettet. Seine Sitzstufen bieten ungefähr 3000 Zuschauern Platz und bestehen – wie auch die halbkreisförmige Orchestra – vollständig aus Basalt. Der Zuschauerraum besteht aus drei Stockwerken, die jeweils in keilförmige Sitzabteilungen aufgeteilt sind. Vom ursprünglichen Bühnengebäude, das einst die Sicht auf die umliegende Landschaft verdeckte, ist nur wenig erhalten geblieben. In der Antike dienten die Theater nicht nur der Aufführung von Schauspielen, sondern auch der Veranstaltung religiöser und politischer Feste. Das Westtheater wurde im 8. Jahrhundert durch ein Erdbeben teilweise zerstört.

Erforschung[Bearbeiten]

Bei Grabungen seit 1974 im Auftrag des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes wurde eine byzantinische Zentralkirche freigelegt. Bald darauf begann eine fruchtbare Kooperation zwischen diesem Institut und dem Deutschen Archäologischen Institut bei der Erforschung des antiken Ortes und seines Hinterlandes. Kooperationspartner sind auch die Staatlichen Museen zu Berlin, die seit 1991 durch den Archäologen Günther Schauerte vertreten werden.[1]

Seit 2001 erforscht das 'Gadara Region Project' das Umfeld Gadaras, insbesondere die Vorgängersiedlung Gadaras und gleichzeitig deren Nachfolger als regionales Zentrum – den über 5000 Jahre besiedelten Tall Zira'a.

Geschichte[Bearbeiten]

Gadara war vermutlich eine ptolemäische Festung, die durch Antiochos III. um 200 v. Chr. zerstört wurde. Hundert Jahre später wurde die Siedlung vom Hasmonäer Alexander Jannäus ein weiteres Mal zerstört. Pompeius eroberte die Stadt für das Römische Reich im Jahr 64 v. Chr. Sie wurde Teil der Dekapolis. Zeitweise unterstand Gadara Herodes dem Großen, nach seinem Tod im Jahr 4 v. Chr. wurde es Teil der römischen Provinz Syria, später der Provinz Arabia Petraea. Als römische Stadt kam Gadara zu erheblicher Bedeutung. Unter Kaiser Hadrian wurde eine über 170 km lange Fernwasserleitung errichtet, das Gadara-Aquädukt. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt christlich, bis sie nach der Schlacht am Jarmuk im Jahr 636 unter arabischen Einfluss geriet. Im 7. und 8. Jahrhundert wurde Gadara von schweren Erdbeben zerstört. Durch Münzfunde wird eine Besiedlung bis in das 13. Jahrhundert angenommen. Die Wiederentdeckung wird Ulrich Jasper Seetzen zugeschrieben.[2]

Das Datum einer Inschrift unter dem arabischen Herrscher Muʿāwiya I. zur Wiederherstellung der Bäder im nördlich von Gadara gelegenen Hammat Gader (heute: el-Hammeh) aus dem Jahr 663 wird dort auf drei Weisen angegeben: in Bezug auf das byzantinische Steuerjahr, in Bezug auf die Stadtgeschichte und in der (neuen) arabischen Zeitrechnung. Dies erlaubt die Synchronisierung.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gadara (Umm Qais) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gadara/Umm Qais (Jordanien) (Informationen des Deutschen Archäologischen Instituts: Kooperation, Teilnehmerinnen und Teilnehmer)
  2. Wolfram Nagel: Auf den Spuren Jesu im Ostjordanland: Archäologie im biblischen Gadara, Beitrag in der Reihe Tag für Tag im Deutschlandfunk vom 15. Juni 2012
  3. Inschrift mit den drei Zeitangaben

32.65486111111135.677716666667Koordinaten: 32° 39′ N, 35° 41′ O