Gaius Helvidius Priscus

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Gaius Helvidius Priscus († um 75)[1] war ein stoischer Philosoph und Politiker, der von der Regierungszeit des römischen Kaisers Claudius bis zu jener Vespasians hohe öffentliche Ämter ausübte.

Leben[Bearbeiten]

Gaius Helvidius Priscus war der Sohn eines Primipilaris aus der in Samnium (Mittelitalien) gelegenen Stadt Cluviae.[2] Zu den frühen Ämtern des von ihm eingeschlagenen cursus honorum zählte seine Quästur, die er unter Kaiser Claudius in der in Südgriechenland gelegenen Provinz Achaea innehatte.[3] Als Legionslegat in Syrien fiel ihm im Jahr 51 n. Chr. die Aufgabe zu, in die in Armenien herrschenden Wirren einzugreifen.[4] Unter Kaiser Nero wurde er 56 n. Chr. Volkstribun und suchte in dieser Funktion gegen bei Versteigerungen auftretende Härten durchzugreifen.[5]

Zu seiner zweiten Gemahlin nahm Helvidius Priscus Fannia, die Tochter des Publius Clodius Thrasea Paetus.[6] Wie dieser war er angesehen für seinen leidenschaftlichen und mutigen Republikanismus. Seine erklärte Sympathie für Brutus und Cassius sowie seine Verwicklung in das Gerichtsverfahren seines Schwiegervaters führten im Jahr 66 n. Chr. zu seiner Verbannung nach Apollonia. Fannia begleitete ihn ins Exil.[7] Bis zu Neros Tod hielt er sich in Makedonien auf.

Nachdem Galba 68 n. Chr. Helvidius’ Rückkehr veranlasst hatte,[8] klagte er sofort Eprius Marcellus an, den Ankläger seines Schwiegervaters Thrasea Paetus, ließ aber die Klage fallen, als deutlich wurde, dass eine Verurteilung des Marcellus eine Reihe von Senatoren mitbetroffen hätte. Er kümmerte sich auch um die Beisetzung Galbas.[9] Als gewählter Prätor wagte er es, sich Vitellius im Senat entgegenzustellen,[10] und als er dann später im Amt war (im Jahr 70 n. Chr.), bestand er in Opposition zu Vespasian darauf, dass die Verwaltung der Finanzen im Ermessen des Senates verbleiben sollte. Er schlug vor, das Kapitol, das durch die Feuersbrunst unter Nero zerstört worden war, auf öffentliche Kosten wiederherzustellen. Vespasian wurde von ihm mit seinem bürgerlichen Namen gegrüßt; er erkannte ihn in seinen Edikten als Praetor nicht als Kaiser an.

Schließlich wurde Gaius Helvidius Priscus, der als bedeutender und prinzipientreuer Redner galt, wegen seines beleidigenden Verhaltens gegen Vespasian ein zweites Mal verbannt und kurze Zeit später auf Anordnung des Kaisers hingerichtet (75 n. Chr.).[11] Sein Leben wurde im Auftrag seiner Witwe Fannia, die ihm auch in sein zweites Exil gefolgt war, von Herennius Senecio in Form einer Lobschrift niedergeschrieben[12] – was Ende 93 n. Chr. zum Tod des Autors auf Veranlassung des Kaisers Domitian führte.[13]

Dasselbe Schicksal ereilte im Übrigen seinen gleichnamigen Sohn, der es sich angeblich im Jahre 93 n. Chr. erlaubt hatte, Domitian in einem Theaterstück zu verspotten.[14]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Kai Brodersen und Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Personen der Antike. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart und Weimar, Seite 93, ISBN 3-476-02023-1.
  2. Tacitus, Historien 4, 5.
  3. Scholion zu Juvenal, Saturae 5, 36; u. a.
  4. Tacitus, Annalen 12, 49, 2.
  5. Tacitus, Annalen 13, 28, 3.
  6. Plinius der Jüngere, Epistulae 9, 13, 3.
  7. Tacitus, Annalen 16, 35, 1; Plinius der Jüngere, Epistulae 7, 19, 4.
  8. Tacitus, Historien 4, 6, 1.
  9. Plutarch, Galba 28.
  10. Tacitus, Historien 2, 91
  11. Plinius der Jüngere, Epistulae 7, 19, 4; Sueton, Vespasian 15.
  12. Plinius der Jüngere, Epistulae 7, 19, 5; Tacitus, Agricola 2, 1.
  13. Plinius der Jüngere, Epistulae 3, 11, 3 und 7, 19, 5f.; Tacitus, Agricola 45, 1.
  14. Kai Brodersen und Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Personen der Antike. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart und Weimar, Seite 93, ISBN 3-476-02023-1.