Galavit
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Galavit ist der Handelsname eines umstrittenen Arzneimittels der russischen Herstellerfirma Medicor gegen Krebs, dessen Wirkstoff ein Derivat des Phthalazins (Amino-Tetrahydrophthalazin-Natriumsalz) ist. Es ist offenbar chemisch eng mit Luminol verwandt.
Aufgrund eines unterstellten stimulierenden Effekts auf das Immunsystem soll es gegen Krebszellen wirksam sein. Ein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis bei Krebs fehlt, das gleiche gilt für die pharmakologischen Eigenschaften, insbesondere die Unbedenklichkeit, über die wenig bekannt ist.[1] Dennoch wird es gelegentlich als Wundermittel für Schwersterkrankte ins Gespräch gebracht und angeboten. Es soll in Russland angeblich Kosmonauten zu therapeutischen Zwecken verabreicht worden sein. Der russische Raumfahrtmediziner Igor Gontscharov (Leiter der medizinischen Betreuung der Kosmonauten in Baikonur) schloss jedoch die Verwendung in der Vergangenheit und Gegenwart am Boden oder in der Raumfahrt aus.
[Bearbeiten] Kritik an Galavit
Galavit hat in Deutschland keine Zulassung als Arzneimittel, wird daher gelegentlich von interessierten Verbrauchern aus dem Ausland (Russland oder der Schweiz) importiert. Ärzte, die in Deutschland gewerbsmäßig oder regelmäßig Galavit zur Therapie anbieten, müssen mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte äußerte sich ablehnend zu Galavit. [2] Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die Deutsche Krebsgesellschaft[3] sprachen sich ebenfalls gegen Galavit aus, ebenso wie die schweizerische Studiengruppe für komplementäre und alternative Methoden bei Krebs.[1]
Eine Gruppe von Personen, die das Präparat zu weit überteuerten Preisen an Krebskranke verkauft und in einer Privatklinik in Bad Karlshafen an größtenteils mittlerweile verstorbene Patienten in betrügerischer Absicht verabreicht hatte, wurde im Jahr 2007 vor dem Landgericht Kassel angeklagt. Der vorbestrafte Drahtzieher und mittlerweile rechtskräftig verurteilte Geschäftsmann Falko Dahms hatte durch den Arzt Dr. med. Eike Rauchfuß Galavit in einer Privatklinik in Bad Karlshafen an die größtenteils mittlerweile verstorbenen Patienten verabreichen lassen. Die drei Hauptbeteiligten wurden am 15. Juli 2008 vom Kasseler Landgericht zu bis zu siebenjährigen Haftstrafen verurteilt.[4]
Siehe auch: Ukrain
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ a b Schweizerische Studiengruppe für komplementäre und alternative Methoden bei Krebs: Galavit «Krebsimmuntherapie». Dokumentation Nr. 01/03 (PDF, 142 KB)
- ↑ BfArM warnt vor Galavit und Ukrain
- ↑ Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Zur Anwendung des Präparates „Galavit“ in der Krebstherapie. Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-1016 / B-864 / C-812
- ↑ K. Zinkant: Böses Spiel mit Todgeweihten. ZEIT online, 15.7.2008

