Galeazzo Ciano

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Galeazzo Ciano beim Münchener Abkommen 1938
Graf Ciano im Fliegerhorst Gatow. (1936)
Bulgariens Beitritt zum Dreimächtepakt 1941 trägt Cianos Unterschrift
Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des Großen Faschistischen Rats vom 24./25. Juli 1943, in der Benito Mussolini abgesetzt wurde. Ciano stimmte mit „si“.

Gian Galeazzo Ciano ( ital. Aussprache?/i), Graf von Cortellazzo und Buccari (* 18. März 1903 in Livorno; † 11. Januar 1944 in Verona) war ein italienischer Politiker und Diplomat.

Leben[Bearbeiten]

Galeazzo Ciano war der Sohn von Costanzo Ciano, der als Fregattenkapitän der italienischen Kriegsmarine im Ersten Weltkrieg den legendären, von Gabriele D’Annunzio beschriebenen Handstreich in der Bucht von Bakar befehligte. Als Sohn dieses späteren Kampfgefährten Benito Mussolinis schloss er sich ebenfalls den Faschisten an und verdankte seinen schnellen politischen Aufstieg vermutlich auch seiner 1930 geschlossenen Ehe mit Edda Mussolini, der Tochter Benito Mussolinis. Den Adelstitel als „Graf von Cortellazzo und Buccari“ erbte er von seinem Vater, der von König Viktor Emanuel für seine militärischen Verdienste geadelt worden war und 1923 zum Konteradmiral der Reserve aufstieg.[1]

Mit seiner Frau Edda hatte Galeazzo drei Kinder: den älteren Sohn Fabrizio, genannt Ciccino (geb. 1931 in Shanghai, China), die Tochter Raimonda, genannt Dindina (geb. 1933 in Rom) und den jüngeren Sohn Marzio, genannt Mowgli (nach der Romanfigur von Rudyard Kiplings Dschungelbuch), der 1937 ebenfalls in Rom geboren wurde.[2]

Ciano studierte Jura, machte seinen Abschluss an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und trat 1925 in den Diplomatischen Dienst ein. 1930, unmittelbar nach seiner Eheschließung, wurde er italienischer Generalkonsul in Shanghai.[3] In seiner Eigenschaft als „Sondergesandter mit Generalvollmacht“ in Peking leitete Ciano 1932 eine vom Völkerbund initiierte Kommission ausländischer Gesandter, deren Aufgabe darin bestand, im chinesisch-japanischen Konflikt zu vermitteln.

Zurückberufen nach Italien, wurde er 1933 Mussolinis Pressesprecher, 1935 italienischer Propagandaminister. Am Italienisch-Äthiopischen Krieg von 1935 bis 1936 nahm er als Freiwilliger teil und wurde als Bomberpilot ausgezeichnet.

Am 9. Juni 1936 wurde Ciano von Mussolini zum Außenminister ernannt. Ciano folgte dessen Weisungen willig, verbesserte die Beziehungen zum nationalsozialistischen Deutschen Reich und leitete damit schließlich das Bündnis zwischen Deutschland und Italien („Achse Berlin-Rom“) ein, das im so genannten Stahlpakt vertraglich besiegelt wurde.

Ab 1938 begann Ciano sich jedoch gegen eine zu enge politische Anlehnung an Deutschland auszusprechen. Er verurteilte vor allem die deutsche Politik nach dem Überfall des Deutschen Reichs auf Polen – nicht zuletzt deswegen, weil Hitler angeblich Italien mit keinem Wort darüber informiert hatte. Tatsache ist jedoch, dass es ein geheimes Protokoll vom 12. August 1939 über eine Unterredung auf dem Obersalzberg zwischen Hitler und Ciano in Anwesenheit des Reichsaußenministers von Ribbentrop gibt, mit dem belegt werden kann, dass Ciano über den bevorstehenden Einmarsch deutscher Truppen in Polen detailliert informiert war. Hitler erklärt auf Fragen Cianos wörtlich: „Unter den obwaltenden Umständen ist in jedem Augenblick mit dem Vorgehen Deutschlands gegen Polen zu rechnen.“ Von Ribbentrop fügte hinzu: „Die Russen sind im Übrigen über die Absicht Deutschlands absolut unterrichtet. Ich selbst habe im Auftrag des Führers den Russischen Geschäftsträger informiert.“ Die Unterredung wurde am 13. August 1939 fortgeführt. Auf Fragen nach dem Zeitplan seitens Cianos antwortete Hitler, dass bis Ende August 1939 die Entscheidung in der Angelegenheit Polens gefallen sein werde.[4]

Als Ciano Anfang 1943 den Alliierten einen Separatfrieden Italiens anbieten wollte, weil er nicht mehr an einen deutschen „Endsieg“ glauben konnte, kam es zum Bruch mit Mussolini. Dieser entließ Ciano im Februar 1943 als Außenminister und schob ihn auf den Posten des Botschafters beim Heiligen Stuhl ab.[5]

Ciano seinerseits stimmte am 24. Juli 1943 im Faschistischen Großrat für die Absetzung Mussolinis. Anschließend floh er mit seiner Familie nach Deutschland, wo er von den Nazis in einer Villa in Allmannshausen am Starnberger See für mehrere Wochen untergebracht wurde. Nach der Entwaffnung der italienischen Truppen, der Besetzung Italiens durch die deutsche Wehrmacht und nach der Wiedereinsetzung Mussolinis ließ dieser Ciano verhaften. Auf Mussolinis Betreiben wurde Ciano zum Tode verurteilt.

Am 11. Januar 1944 wurde Galeazzo Ciano Graf von Cortelazzo nach dem Schauprozess von Verona durch Erschießen hingerichtet, weil er für die Absetzung Mussolinis gestimmt hatte. Mit ihm starben vier weitere Verurteilte: Marschall De Bono, Giovanni Marinelli, Carluccio Pareschi und der rechte Gewerkschafter Luciano Gottardi. Der Präsident der nationalen Gewerkschaftskonföderation, Tullio Cianetti,[6] erhielt 30 Jahre Haft.

Die Tagebücher (I Diari di Ciano)[Bearbeiten]

Ab August 1937 führte Ciano politische Tagebücher. Diese diari waren für die Deutschen wie für die Alliierten gleichermaßen von großem historischen Interesse, da sie viele Interna (z. B. Gespräche mit anderen Politikern, wie dem deutschen Botschafter oder Außenminister Joachim von Ribbentrop) enthielten, die das deutsch-italienische Verhältnis jener Zeit realistisch widerspiegelten. Noch während Galeazzos Inhaftierung in Verona verbündete sich dessen Frau Edda mit „Felizitas“ Beetz, um gemeinsam mit einem weiteren Freund der Familie, Emilio Pucci, sowohl die Flucht Eddas und der vier Kinder als auch die Überführung vollständiger Abschriften der Tagebücher in die Schweiz zu organisieren. Dort konnten die Aufzeichnungen dann über örtliche Mittelsmänner dem Office of Strategic Services übergeben und somit für die Nachwelt erhalten werden.[7]

1946 erschien die erste deutsche Auflage im Scherz Verlag, Bern, für die Jahre 1939 bis 1943, versehen mit einem Vorwort von Sumner Welles, die dann 1949 im Hamburger Krüger Verlag durch die Aufzeichnungen von 1937 bis 1939 komplettiert wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edda M. Ciano: My Truth. As told to Albert Zarca. Weidenfeld & Nicolson, London 1977. ISBN 0-297-77302-X
  • Giordano B. Guerri: Galeazzo Ciano. Una vita (1903–1944). Mondadori, Mailand 2001. ISBN 88-04-48657-0
  • Erich Kuby: Verrat auf Deutsch. Wie das Dritte Reich Italien ruinierte. Ullstein, Frankfurt/M. 1990. ISBN 3-548-34387-2
  • Ray Moseley: Zwischen Hitler und Mussolini. Das Doppelleben des Grafen Ciano. Henschel, Berlin 1998, ISBN 3-89487-311-6
  • Duilio Susmel: Vita sbagliata di Galeazzo Ciano. A. Palazzi, Mailand 1962.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Galeazzo Ciano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebenslauf von Costanzo Ciano, Webseite des italienischen Verteidigungsministeriums (Marine)
  2. R. Moseley: Zwischen Hitler und Mussolini, S. 27–56
  3. Edda M. Ciano: My Truth, S. 99–104
  4. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945, Serie D, Band VII M 70604, Seite 32 ff, 1946, Hrsg. Beauftragte der Siegermächte USA, GB und Frankreich
  5. Galeazzo Ciano: Tagebücher 1939/1943, S. 507–520
  6. Tullio Cianetti mit dem Chef der DAF, Robert Ley; Bundesarchiv
  7. siehe auch CIA: Zu den Ciano-Tagebüchern/The Ciano Papers (in Englisch), S. 40–63