Galmudug

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Galmudug
Flagge Somalias
Wappen Somalias
Flagge Wappen
Wahlspruch: keiner
Amtssprache Somali und Englisch
Hauptstadt Gaalkacyo
Staatsform Autonomie in der Republik Somalia (de facto)
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Abdi Hasan Awale Qeybdiid
Fläche 100.000 km²
Einwohnerzahl ~1.000.000 (2007)(*)
Bevölkerungsdichte 10 Einwohner pro km²
Währung Somalia-Schilling (SOS)
Unabhängigkeit erklärt am 14. August 2006
international nicht anerkannt
Zeitzone EAT (UTC +3)
Kfz-Kennzeichen SO
Internet-TLD .so
Telefonvorwahl +252 (Somalia)
LocationGalmudug2.png
Galmudug map.png

Galmudug ist ein De-facto-Regime am Horn von Afrika innerhalb des zerfallenen Staates Somalia. Es versteht sich als autonomen Landesteil Somalias und nimmt am politischen Leben auf Bundesebene teil. Die Autonomie wird jedoch von der Bundesregierung bislang nicht anerkannt.

Lage[Bearbeiten]

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im somalischen Bürgerkrieg ist unklar, welche Gebiete unter der Regierung Galmudugs stehen. Zentrum Galmudugs ist die südliche Hälfte der Stadt und des Distrikts Gaalkacyo in der Verwaltungsregion Mudug. Ebenfalls zu Galmudug gehören weitere Gebiete in den Regionen Mudug und Galguduud. Im Norden grenzt Galmudug an Puntland, im Westen an Äthiopien, im Süden an den Himan and Heeb State und im Osten an den indischen Ozean.

Karte der politischen Lage in Somalia.

Der Name Galmudug setzt sich aus Galguduud und Mudug zusammen.

Geschichte[Bearbeiten]

Clan-Älteste der Sacad, eines Unterclans der Habar Gidir-Hawiye, trafen den Entscheid zur Unabhängigkeitserklärung am 14. August 2006. Abdi Qeybdiid wurde zum Anführer der Streitkräfte (Galmudug Defence Force) und Mohammed Warsame Ali zum Präsidenten ernannt.

Von Süden her wurde Galmudug im Oktober und November 2006 von der Union islamischer Gerichte bedrängt und es kam zu Kämpfen um Abudwak und Bandiradley. Mit Unterstützung von Puntland und Einheiten des angrenzenden Äthiopiens konnte Galmudug die Islamisten schließlich zurückdrängen. Am 10. November 2006 ersuchte Galmudug das ebenfalls international nicht anerkannte Puntland darum, Truppen aus dem Gebiet Galmudugs abzuziehen.

Im Herbst 2010 verkündete Johnny Carson, der für Afrika zuständige Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, dass die USA in Zukunft »lokale Regierungen, Clans und Unterclans« in Mittelsomalia unterstützen wollen. Politische Beobachter der Situation denken hierbei vor allem an Galmudug.[1]

Im Februar 2011 beschlossen die Regierungen von Galmudug und Puntland, künftigen in Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialfragen zu kooperieren.[2] Die Zusammenarbeit zwischen den beiden historisch oft verfeindeten Regionen verläuft jedoch nicht reibungslos – so beschwerte sich der puntländische Gouverneur von Mudug etwa im Sommer 2013 darüber, dass Kriminelle Verbrechen im von Puntland kontrollierten Norden der Grenzstadt Gaalkacyo begehen und anschließend in den galmudugischen Teil der Stadt fliehen würden, wo sie nicht bekämpft würden.[3]

Am 1. August 2012 wählte das 25-köpfige Parlament Galmudugs General Abdi Hasan Awale Qeybdiid zum neuen Präsidenten des autonomen Staats. Er erhielt 20 Stimmen, sein Gegenkandidat Abdisamad Nur Guled nur eine. Qeybdiid versprach, für eine Verbesserung der Sicherheitslage und der Beziehungen zu den benachbarten Regionen und den Bundesinstitutionen zu sorgen. Der bisherige Präsident kündigte an, die Wahl nicht anzuerkennen, und meinte, sein Auslandsaufenthalt aus medizinischen Gründen sei ausgenutzt worden.[4]

In den letzten Jahren bemühte sich Galmudug darum, von der Bundesregierung Somalias als autonomer Bundesstaat anerkannt zu werden. Artikel 49 der neuen somalischen Verfassung besagt, dass zwei oder mehr Regionen sich zu einem Bundesstaat zusammenschließen dürfen. Dies bezieht sich jedoch auf die zuletzt 1974 definierten Verwaltungsregionen Somalias.[5] Da Galmudug aber die Regionen Mudug und Galguduud nicht vollständig kontrolliert, lehnte die Bundesregierung die Anerkennung bislang ab. Im Juli 2014 einigten sich Vertreter Galmudugs mit dem Himan and Heeb State und der Ahlu Sunna Waljama'a-Miliz, die beide ebenfalls Teile Galguduuds kontrollieren, einen gemeinsamen Bundesstaat zu bilden. Das Vorhaben wurde am 31. Juli in Mogadischu unter Beiwohnung von Vertretern der UNO, EU, Afrikanischen Union sowie des Präsidenten und des Premierministers Somalias formalisiert. Der neue Bundesstaat soll von einem Komitee vorbereitet werden und die beiden kompletten Regionen Mudug und Galguduud umfassen.[6] Als Reaktion auf dieses Vorgehen brach Puntland alle Beziehungen zur Zentralregierung Somalias ab. Die Bildung des neuen Bundesstaates ignoriere Puntlands Ansprüche auf den Norden Mudugs und widerspräche mehreren Artikeln der Verfassung.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Knut Mellenthin: Teile und herrsche, in: junge Welt, 28. September 2010.
  2. Somalia: An Agreement Jointly Signed by Puntland and Galmudug. In: horseedmedia.net. 19. Februar 2011, abgerufen am 20. August 2014 (englisch).
  3. Somalia: "Galmudug Don't Cooperate With Puntland to Combat Crimes in Galkayo" - Puntland's Mudug Governor. In: AllAfrica.com. 31. Juli 2013, abgerufen am 20. August 2014 (englisch).
  4. Qeybdid sworn in as Galmudug president. In: bar-kulan.com. 15. August 2012, abgerufen am 20. August 2014 (englisch).
  5. Provisional Constitution. Abgerufen am 20. August 2014 (englisch).
  6. Somali Prime Minister welcomes agreement to form new administration in central Somalia. In: horseedmedia.net. 31. Juli 2014, abgerufen am 20. August 2014.
  7. Mohammed Yusuf: Somalia: Puntland Cuts Ties With Somalia Over Formation of New State. In: AllAfrica.com. 12. August 2014, abgerufen am 20. August 2014.