Gammertingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gammertingen
Gammertingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gammertingen hervorgehoben
48.2494444444449.2175662Koordinaten: 48° 15′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Sigmaringen
Höhe: 662 m ü. NHN
Fläche: 52,97 km²
Einwohner: 6312 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 72497–72501
Vorwahl: 07574
Kfz-Kennzeichen: SIG
Gemeindeschlüssel: 08 4 37 031
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hohenzollernstr. 5
72501 Gammertingen
Webpräsenz: www.gammertingen.de
Bürgermeister: Holger Jerg
Lage der Stadt Gammertingen im Landkreis Sigmaringen
Alb-Donau-Kreis Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tuttlingen Zollernalbkreis Bad Saulgau Beuron Bingen (bei Sigmaringen) Gammertingen Herbertingen Herdwangen-Schönach Hettingen Hohentengen (Oberschwaben) Illmensee Inzigkofen Krauchenwies Leibertingen Mengen Mengen Meßkirch Neufra Ostrach Pfullendorf Sauldorf Scheer Schwenningen (Heuberg) Sigmaringen Sigmaringendorf Sigmaringendorf Stetten am kalten Markt Veringenstadt Wald (Hohenzollern)Karte
Über dieses Bild

Gammertingen ist eine Kleinstadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gammertingen - Lauchert mit Stadtansicht und Kirche

Gammertingen liegt auf der Schwäbischen Alb im Tal der Lauchert, einem Nebenfluss der Donau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Gammertingen. Sie werden im Uhrzeigersinn genannt, beginnend im Nordosten:

Pfronstetten (Landkreis Reutlingen), Langenenslingen (Landkreis Biberach), Hettingen, Neufra, Burladingen (Zollernalbkreis), Trochtelfingen (Landkreis Reutlingen).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Neben der Kernstadt Gammertingen mit rund 5000 Einwohnern zählen zur Gesamtstadt auch fünf Stadtteile, davon die drei Teilgemeinden Feldhausen, Harthausen und Kettenacker zusammen mit der fürstlich-hohenzollerischen Domäne Lusthof auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, sowie Bronnen und Mariaberg.

Wappen Ortsteil Einwohner Fläche
Gammertingen Gammertingen (Kernstadt) 5.000 1.769 ha
Bronnen Bronnen > 500  ?
Feldhausen Feldhausen ca. 400 991 ha
Harthausen Harthausen ca. 250 671 ha
Kettenacker Kettenacker ca. 300 1.084 ha
Kein Wappen Verfügbar Mariaberg > 500  ?

Geschichte[Bearbeiten]

Die historischen Wurzeln Gammertingens reichen bis in die Bronzezeit zurück. Eine römische Fundmünze datiert in eine Zeit zwischen 341 bis 354 n. Chr., in der der Limes in der Region bedeutungslos geworden war.[2] Der bekannte Spangenhelm von Gammertingen und weitere reiche Grabbeigaben aus einem Reihengräberfeld geben Aufschluss über einen frühe Besiedelung in der Merowingerzeit.[3] Der bronzevergoldete Spangenhelm aus dem späten 6. Jahrhundert aus einem alemannischen Fürstengrab bei Gammertingen befindet sich in der Fürstlich Hohenzollernsche Sammlungen Sigmaringen.[4]

Schloss und Stadt Gammertingen von Norden (Ansicht von 1717)

Gammertingen wurde erstmals 1101 auf einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen erwähnt. Damals gehörte der Ort den Grafen von Gammertingen, die auch Besitzungen im Oberengadin hatten. Später ging der Besitz an die Grafen von Veringen. Gammertingen wurde 1311 erstmals als Stadt erwähnt.[5] Ab 1524 waren die Freiherren von Speth zu Zwiefalten Eigentümer. Dies dauerte bis 1806, als das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen die Oberhoheit erlangte und Gammertingen preußisch-hohenzollerische Oberamtsstadt wurde. In der hohenzollerischen und später preußischen Zeit war Gammertingen Sitz von Oberamt, Amtsgericht, Forstamt und Katasteramt, quasi ein kleines Behördenstädtchen.

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Gammertingen eines von fünf Lager des weiblichen Reichsarbeitsdienstes (RAD) im damaligen preußisch-hohenzollerischen Landkreis Sigmaringen.[6] Im Jahre 1940 wurden im Rahmen der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 von den NS-Machthabern 61 behinderte Menschen aus dem Heim Mariaberg nach Grafeneck verlegt und dort ermordet. Seit 1990 erinnert eine Gedenkstätte mit einer Stele des Bildhauers Harald Walter mit dazugehörigen Texttafeln an diese Verbrechen. Auch eine Dauerausstellung im Bendiktinerinnen-Kloster informiert darüber.[7]

Im Kalten Krieg plante die NATO den so genannten „Fliegerhorst Gammertingen/Birkhof“ zur Stationierung eines Jagdbombergeschwaders mit zwei Staffeln des Typs F-104G.[8] Dieser sollte vier Kilometer südwestlich von Gammertingen entstehen. Die Planungen dauerten von 1958 bis 1963 und wurden dann aufgegeben. Das Vorhaben stellte sich als baulich zu aufwändig heraus. Neben den Problemen mit der Quellfassung für die Gammertinger Trinkwasserversorgung und den nicht unerhebliche Erdarbeiten gab es hartnäckiger Widerstand des Besitzers der Domäne Birkhof.[9][10]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die ehemals selbstständige Gemeinde Harthausen bei Feldhausen wurde unter Leo Leipert (†2009), von 1967 bis zur Eingemeindung Bürgermeister von Harthausen, zum 1. Januar 1971 freiwillig in die Stadt Gammertingen eingemeindet.[11] Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bronnen–Mariaberg, Feldhausen und Kettenacker eingemeindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerschaft von Gammertingen erhielt Wachstum von den Heimatvertriebene der Nachkriegszeit über die Gastarbeiter und Zuwanderer der letzten Jahrzehnte - insbesondere aus Italien, dem früheren Jugoslawien, der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion und von anderen Kontinenten.[12]

Wohnbevölkerung Gesamtgemeinde
1939 2.681
1950 3.154
1970 4.910
1980 5.843
1990 6.508
2000 6.916
2005 6.885
2008 6.625
2009 6.491
2014 6.293

Politik[Bearbeiten]

Gammertingen ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Laucherttal, bestehend aus Neufra, Hettingen und Veringenstadt.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2009 vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 51,6 % (- 0,9) zu folgendem Ergebnis:[13]

Partei / Liste Stimmenanteil +/- Sitze +/-
CDU 38,3 % - 9,8 8 - 1
GRfA 33,9 % + 4,0 7 + 2
SPD und UB 15,3 % - 6,7 3 - 1
DZB 12,6 % + 12,6 2 + 2

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 18. März 2007 wurde Holger M. Jerg mit 66,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt. Jerg ist seit Mai 1999 Bürgermeister. Die derzeitige zweite Amtszeit von Holger Jerg endet im April 2015.

  • Karl Löffler (Hohenz. Zentrumspartei)
  • Marquard Spohn (CDU)
  • Johann-Georg Menz (CDU)
  • Erwin Hirschle (CDU)
  • seit 1999: Holger M. Jerg (CDU)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber eine aufrechte blaue Hirschstange, begleitet von einem rot-bezungten blauen Löwen.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Trégueux in Frankreich, seit dem 9. Dezember 2003, dem geht eine im Jahr 2008 erneuerte 20-jährige Freundschaft voraus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gammertingen liegt an der Hohenzollernstraße und ist Teil der Ferienregion „Im Tal der Lauchert“.

Museen[Bearbeiten]

  • Das städtische Museum im alten Oberamt zeigt wechselnde Ausstellungen, die vom Arbeitskreis „Museum Alter Oberamt“ gestaltet werden.[14]
  • Das Harthauser Heimatmuseum verwahrt viele Exponate der Heimatgeschichte, unter anderem einen Wegweiser, der an einen schlauen Benzinger Dorfpolizisten erinnert. Dieser hatte einen Gänsedieb überführt, indem er nach den Schnäbeln suchte. Bis heute werden die Benzinger „Gaus-Schnäbel“ genannt. Der Wegweiser war 1938 bei der Straßenkreuzung am Winterlinger Rathaus in Richtung Sigmaringen aufgestellt worden.[15]

Bauwerke[Bearbeiten]

Gammertingen besitzt eine historische Altstadt im sogenannten Oser („Unser“) mit Resten der Stadtmauer und des Stadtgrabens sowie im Altstadtkern bei der Stadtmühle die frühmittelalterliche „St. Michaels-Kapelle“. Besonders bedeutsam ist auch das „Stadtschloss“ der ehemaligen freireichsritterlichen Herren von Speth, das heutige Rathaus. Nach Plänen des Architekten Pierre Michel d’Ixnard ist es 1775 unmittelbar an der Lauchert erbaut worden.

Oberamtsgebäude[Bearbeiten]

Das ehemalige preußisch-hohenzollerische Oberamt in der Gammertinger Hohenzollernstraße wurde 2008 für rund eine Million Euro umfangreich renoviert. Das historische Gebäude wurde in den Jahren 1724/25 von dem Kaufmann und späteren Oberschultheiß Heinrich Clavell errichtet. Der Eisenwarenhändler und größte bürgerliche Grundbesitzer richtete hier die Wirtschaft Zum goldenen Adler ein. 1791 verkaufte er das Haus an Baron Marquard Carl Anton Speth, und von da an wurde es als Obervogteiamt der Speth´schen Herrschaft in Gammertingen genutzt. Nach der Übernahme durch das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen 1827 und durch den preußischen Staat 1851 diente es als Oberamtsgebäude. Nach der Aufhebung des Oberamtes Gammertingen im Jahr 1925 wechselte die Nutzung. So war hier von 1933 bis 1936 das Rathaus untergebracht, danach die Landfrauenschule, im Krieg wurde es als Reservelazarett und danach als Stabsquartier der französischen Besatzungstruppen genutzt und schließlich als Schulhaus für das Progymnasium und später für die Förderschule. Zum 1. Oktober 2008 hat die Sozialstation Veringen-Gammertingen die beiden unteren Etagen bezogen. Das zweite Ober- und das Dachgeschoss beherbergt das städtische Museum im alten Oberamt.[16]

Spethsches Schloss[Bearbeiten]

Das Rathaus von Gammertingen befindet sich im ehemaligen Schloss der Freiherrn Speth von Zwiefalten. Es wurde 1775 an Stelle eines Schlosses aus dem 13. Jahrhundert in klassizistischem Stil von Pierre Michel d'Ixnard erbaut. Im Treppenhaus befindet sich das Andreas Brugger zugeschriebene Deckenfresko „Die Morgenröte“. Mehrere Räume sind noch im Zustand der Entstehungszeit. Auf der Terrasse zur Lauchert und an der Ostseite finden sich acht allegorische Sandsteinplastiken von Johann Georg Weckenmann. Der Fachwerkbau gegenüber, genannt „Schlössle“, wurde um 1550 erbaut und gehörte früher zum Schloss (Amtshaus). Zwischen beiden Gebäuden befand sich das untere Stadttor. Im historischen Schlosssaal finden das Jahr über Kammerkonzerte sowie weitere kulturelle Veranstaltungen („Jazz vor dem Schloss“) statt.

Sakralbauten[Bearbeiten]

Vogeltränkebrunnen und Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Harthausen
Gammertingen Stadtpfarrkirche Figuren
  • Die katholische Michelskirche inmitten des „Oser“ gelegen kann auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken.[17] Der heutige Bau ist eine Stiftung von Dorothea von Rechberg-Speth[18] aus dem Jahre 1589. Er wurde 1983 zum letzten Mal gründlich renoviert. Dach und Dachstuhl, Zeugnis der Handwerkskunst im 16. Jahrhundert, waren sanierungsbedürftig.[19] Aus diesem Gund wurde im Januar 2009 der Förderverein Michelskirch gegründet.[18] Im Mai 2009 konnten die Ausgrabungen der romanischen Fundamente bei der Michaelskirche abgeschlossen werden. Diese Fundamente gehören zu einer weiteren bisher unbekannte Mauer romanischen Ursprungs, welcher einer Vorgänger-Basilika um 1000 n. Chr. zugeordnet wird.[20] Der historische Dachstuhl und das Gebäudeinnere wurden renoviert, das Dach neu eingedeckt und der in Schieflage geratene Kirchturm restauriert.[21] Bei Ausgrabungen durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg wurden 2010 Mauerreste, Fundamente und eine Treppenanlage gefunden.[22]
  • Die klassizistische Kirche St. Leodegar entstand im 16. Jahrhundert auf der Stelle einer früheren Kirche. Diese erste Kirche wurde wohl im 14. Jahrhundert erbaut, einzig der Turm ist von ihr erhalten geblieben. Die neue Kirche wurde 1803/04 umgestaltet und 1996 innen renoviert. Als Baumeister gilt der Wegbereiter des Frühklassizismus in Süddeutschland Pierre Michel d’Ixnard.
  • Die Fehlakapelle wurde 1990 durch eine umstürzende Weinbuche zerstört und von Gammertinger Bürgern wieder aufgebaut.[23]
  • Das Benediktinerinnen-Kloster Mariaberg, das 1265 gegründet worden war, wurde 1802 im Rahmen der Säkularisation aufgehoben und fiel an das Königreich Württemberg, wo es dann zusammen mit Bronnen eine selbständige Gemeinde im Oberamt Reutlingen bildete.
  • Die ehemalige Klosterkirche Mariaberg ist auf das im Mittelalter gegründete Kloster Mariaberg zurückzuführen. Der Neubau der Kirche erfolgte im Jahr 1683. Es wird als „Barockjuwel“ beschrieben. In der Tat ist die Kirche mit meisterhaften Hoch- und Seitenaltäre, sowie einem schönen Chorbogen-Kruzifix von 1688 ausgestattet.
  • Die Josefskapelle im Ortsteil Bronnen wurde 1708 erbaut und weist eine reich stuckierte Langhausdecke, sowie ein zweigeschossiger Altaraufbau mit Leinwandbildern von Franz Joseph Spiegler auf.
  • Die Kirche St. Nikolaus in Feldhausen wurde im Stil des Rokokos 1739 erbaut. Die gotische Muttergottes auf einer Mondsichel stammt aus der Zeit um 1500. Die Kirche ist geschmückt mit Altären von Balthasar Wild.
  • Die Kirche St. Johannes Baptist in Harthausen, erbaut 1659, weist Stilelemente aus fünf Jahrhunderten auf.
  • Die Kirche St. Martin in Kettenacker, ursprünglich von 1628, wurde 1955 neu gebaut. Sie ist ausgestattet mit Rokokoplastiken, Stuckarbeiten und einem Ölbergbild.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Das ehemalige Rat- und Schulhaus im Ortsteil Bronnen wurde in den 1980er-Jahren zum Bürgerhaus umgestaltet. Dabei wurde lediglich im Erdgeschoss eine Veränderung der Raumsituation vorgenommen. Die weiteren Geschosse und insbesondere das Dach waren in einem desolaten Zustand, was eine energetische Grundsanierung nach sich zog. 2011 wurde das multifunktionale Dorfgemeinschaftshaus neu eingeweiht.[24]
  • Auf einem markanten Felsvorsprung im Fehlatal südlich von Gammertingen liegt die Ruine Baldenstein, auch Altes Schloss genannt.[23]
  • Am Weihtäle gegen Bronnen befand sich die Burg Hustneck[25] (Melchinger von Hustnegg[26]).
  • Ihr gegenüber links der mäandernden Lauchert stand an der Steghalde gegen Bronnen die Burg Mündelstein[25] (Burg der Ritter Kiferli[27]). Auf dem Wendelstein mit einem Aussichtspunkt über das Laucherttal wurde 2004 vom schwäbischen Albverein ein neues Kreuz aufgestellt. Die Geschichte des Kreuzes geht bis ins Mittelalter zurück.
  • 14 Bildstöcke bilden einen Kreuzweg zwischen den Ortsteilen Harthausen und Feldhausen

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Fachwerkhaus „Alte Mühle“ im Tal der Lauchert beim Stadtteil Mariaberg
  • Naturschutzgebiet Fehlatal
  • Der Teufelstorfelsen zwischen Gammertingen und Hettingen ist ein als Naturdenkmal eingetragener Jurafelsen mit torartigem Durchbruch. Der Teufelstorfelsen dient als Aussichtspunkt auf das Lauchertal.[23]
  • Am „Heiligenbühl“, mit 770 m ü. NN eine markante Kalkkuppe auf der östlichen Hälfte der Gemarkung Gammertingen, findet sich eine seltene Alb-Magerrasen-Flora mit Silberdistel, Enzian, Graslilie, Karthäusernelke und vielen anderen auch weniger auffälligen Blütenpflanzen, sowie eine Wacholderheide und ein Kapellenstandort.
  • Auf einer mageren Wiese in Mariaberg wurde 1993 durch den Gammertingen Albverein eine Streuobstwiese angelegt. Es wurden damals 44 Bäume alter Sorten gepflanzt. Einmal im Jahr ausgangs Winter werden die Bäume geschnitten.[28]
  • Auf Gammertinger Gemarkung befindet sich die Annahöhle und Fohlenloch.[29]

Sport[Bearbeiten]

In Gammertingen gibt es die Alb-Lauchert-Schwimmhalle und die Freizeitanlage an der Lauchert mit Kneippanlage, Barfußlehrpfad, Liegewiese und Badestrand. In Bronnen befindet sich der Themenspielplatz „Mensch und Wasser“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Als Unterzentrum im ländlichen Raum versorgt die Stadt eine Raumschaft von etwa 20.000 Einwohnern.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das Unternehmen Reifen Göggel erwirtschaftet am Hauptsitz Gammertingen mit 160 Mitarbeitern und 100 Fahrzeugen einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro. Der 1982 durch Bruno Göggel gegründete Reifengroßhandel hat bis zu 1,2 Millionen Reifen am Lager.[30]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Stadt befindet sich in der Wabe 439. Für die Stadt selbst gilt der Stadttarif 39.

Der Bahnhof Gammertingen liegt auf der Strecke von Sigmaringen nach Burladingen und außerdem zweigt dort die Schwäbische Albbahn in Richtung Trochtelfingen und Münsingen ab. Die Stadt bildet den technischen Betriebsmittelpunkt des Eisenbahnnetzes der Hohenzollerischen Landesbahn.

In Gammertingen vereinigen sich die Bundesstraßen 32 (von Hechingen kommend über Sigmaringen - Ravensburg - Kempten) und 313 (Reutlingen - Sigmaringen - Bodensee).

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Seit über 160 Jahren ist der Mariaberg e.V. (vor 2008 noch "Mariaberger Heime") ein überregionales Zentrum für Dienstleistungen in der Jugend- und Behindertenhilfe sowie Träger vielfältiger Angebote im Gesundheits- und Bildungswesen. Rund 1300 Mitarbeiter erbringen für rund 2500 Menschen passende soziale, schulische, therapeutische und medizinische Hilfen. In 14 Betrieben und Werkstätten werden 120 junge Menschen schulisch und/oder beruflich ausgebildet.

Kulturelle Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Stadtbücherei Gammertingen wurde im Jahr 1988 gegründet. Der Bestand beträgt inzwischen gut 20.000 Medieneinheiten.

Bildung[Bearbeiten]

Gammertingen besitzt ein ländliches Schulzentrum mit zwei Grundschulen, einer Hauptschule mit Werkrealschule, einer Förderschule, einer Realschule und einem Gymnasium (GymGam). Außerdem gibt es zwei Kindergärten.

Im Teilort Mariaberg befindet sich eine Sonderschule für geistig Behinderte, ein integrativer Kindergarten, eine gewerbliche und hauswirtschaftliche Sonderberufschule sowie eine Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Franz Josef Werner (1847-1908), Redakteur und Verleger der Lauchert-Zeitung
  • Hermann Anton Bantle (1872-1930), Straßberger Meister der sakralen Monumentalmalerei. Sein Nachlass von 468 Bildern ist im Besitz der Stadt Gammertingen.
  • Marius Reiser (1954), katholischer Theologe (Neutestamentler)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Liste 3: Enddatierung der nachlimeszeitlichen Münzen in Südwestdeutschland. In: Claudia Theune: Germanen und Romanen in der Alamannia: Strukturveränderungen aufgrund der archäologischen Quellen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert. Verlag Walter de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-017866-4, S. 423–430, hier S. 427.
  3. Angela Vielstich, Edwin Ernst Weber: Der »Dreiländerkreis« Sigmaringen im geschichtlichen Überblick. In: Dirk Gaerte (Hrsg.); Edwin Ernst Weber (Konzeption): Der Dreiländerkreis Sigmaringen. Ein Führer zu Natur, Wirtschaft, Geschichte und Kultur. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2007, ISBN 978-3-89977-512-9, S. 23–36, hier S. 24.
  4. Edwin Ernst Weber: Der “Dreiländerkreis” Sigmaringen im geschichtlichen Überblick.
  5. Ludwig Eglers Chronik der Stadt Hechingen. Hechingen 1980, S. 14 Anmk.
  6. Edwin Ernst Weber: Sophe Scholl im Reichsarbeitsdienstlager Schloss Krauchenwies. In: Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben (Hrsg.): Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in den Landkreisen Bodenseekreis und Sigmaringen. 2012. S. 30
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Bd.I, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 38.
  8. Vgl. Bernd Lemke, Dieter Krüger, Hillrich von der Felsen, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt: Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration. Verlag Oldenbourg, 2006, ISBN 3-486-57973-8.
  9. Vgl. Klaus Kropf: Jet-Geschwader im Aufbruch. Erste Jets der Bundeswehr in Luftwaffe und Marine. 1. Auflage. VDM Heinz Nickel, 2006, ISBN 3-86619-001-8.
  10. Klaus Böhme: Ausstellung. Warum Birkhof kein Flugplatz wird. In: Schwäbische Zeitung. vom 4. Mai 2010
  11. Leo Leipert. Nachruf der Stadt Gammertingen. In: Schwäbische Zeitung. vom 7. Januar 2009
  12. Ausstellung. Lebenslinien von Migranten. In: Schwäbische Zeitung vom 15. Oktober 2010
  13. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  14. Stefanie Häußler: Kreativ: Die Gruppe strotzt vor Ideen, Arbeitskreis „Museum Alter Oberamt“ gewährt Blick hinter die Kulissen. In: Schwäbische Zeitung. vom 29. Januar 2011
  15. Heimatmuseum öffnet. Am Sonntag ist Tag der offenen Tür. In: Schwäbische Zeitung. vom 22. März 2011
  16. Ignaz Stösser (ist): Oberamt präsentiert sich neu. Tag der offenen Tür. Bevölkerung kann das frisch renovierte Oberamtsgebäude am Sonntag, 19. Oktober, in aller Ruhe besichtigen. Sonderveröffentlichung INFO vom 15. Oktober 2008
  17. Clemens Kieser: Tausend Jahre Ort der Andacht. Die Michaelskapelle in Gammertingen (Lkrs. Sigmaringen). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 32. Jg. 2003, Heft 1, S. 131 f. (PDF)
  18. a b Ewald Thiel (ewt): Michelskirche. Die Sanierung beginnt bald. In: Schwäbische Zeitung. vom 17. März 2009
  19. Hilde Butscher: Sanierung. Die Michelskirche braucht Hilfe. In: Schwäbische Zeitung. vom 24. November 2008
  20. Ewald Thiel (ewt): Michelskirche. Die Ausgrabungen sind abgeschlossen. In: Schwäbische Zeitung. vom 7. Mai 2009
  21. Förderverein Michelskirch. Verein blickt auf herausragende Bilanz bürgerschaftlichen Engagements zurück. In: Schwäbische Zeitung. vom 21. Mai 2010
  22. Ewald Thiel (ewt): Feierliche Übergabe. Förderverein Michelskirch lädt zum Fest ein. In: Schwäbische Zeitung. vom 18. Juni 2010
  23. a b c Burgruine, Schloss und Teufelstor. S. 2–4 In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch
  24. Dorfplatz und Rathaus stehen kurz vor der Übergabe. Festwochenende am 16. und 17. Juli in Bronnen. In: Schwäbische Zeitung. vom 18. Juni 2011
  25. a b Vgl. Verwaltungsraum Gammertingen. In: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. hrsg. von d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 795–805, hier: Gammertingen c) Gammertingen, S. 798.
  26. Vgl. Niederadelsgeschlechter und Bürger in und um Gammertingen. Die Melchinger von Hustnegg. in: Herbert Burkarth: Geschichte der Herrschaft Gammertingen-Hettingen. Thorbecke, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-4062-8. S. 56-62, hier S. 59
  27. Vgl. Niederadelsgeschlechter und Bürger in und um Gammertingen. Die Ritter Kiferli. in: Herbert Burkarth: Geschichte der Herrschaft Gammertingen-Hettingen. Thorbecke, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-4062-8. S. 56-62, hier S. 59
  28. Gammertinger Albverein pflegt Streuobstwiese bei Bronnen. Verein sucht Helfer für den Baumschnitt – Baumschneiden kann jeder erlernen – Baumschere und Bockleiter sollten mitgebracht werden. In: Schwäbische Zeitung. vom 17. März 2011
  29. Jürgen Meyer: Wilde Höhlen, Grotten, Felsennester: 100 geheimnisvolle Hohlräume zwischen Alb und Donau. Oertel & Spörer, 2011, ISBN 978-3-88627-479-6, S. 72–73.
  30. Vera Romeu (vr): Unternehmer Göggel: Scheu und großzügig. In: Schwäbische Zeitung vom 16. Januar 2010

Literatur[Bearbeiten]

  • Diego Häussel, Erwin Hirschle: Gammertingen heute: Mit den Stadtteilen Bronnen, Feldhausen, Harthausen, Kettenacker und Mariaberg. hrsg. von der Stadt Gammertingen. Geiger-Verlag, 1994, ISBN 3-89264-974-X.
  • Herbert Burkarth: Geschichte der Herrschaft Gammertingen-Hettingen. Thorbecke, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-4062-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gammertingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gammertingen – Reiseführer