Garches

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Garches
Wappen von Garches
Garches (Frankreich)
Garches
Region Île-de-France
Département Hauts-de-Seine
Arrondissement Nanterre
Kanton Garches
Gemeindeverband Communauté d’agglomération Cœur de Seine.
Koordinaten 48° 51′ N, 2° 11′ O48.8455555555562.1869444444444134Koordinaten: 48° 51′ N, 2° 11′ O
Höhe 98–164 m
Fläche 2,69 km²
Einwohner 18.118 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 6.735 Einw./km²
Postleitzahl 92380
INSEE-Code
Website www.ville-garches.fr

Rathaus

Garches [ɡaʁʃ] ist eine französische Gemeinde in der Region Île-de-France im Département Hauts-de-Seine. Administrativ ist sie dem Kanton Garches und dem Arrondissement Nanterre zugeteilt.

Geografie[Bearbeiten]

Die Wohnstadt mit 18.118 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) liegt in der Agglomeration von Paris 12 Kilometer westlich vom Zentrum der französischen Hauptstadt an einem Hügel zwischen dem Parc de Saint-Cloud und dem Bois de Saint-Cucufa, auch Forêt de la Malmaison genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

In einem Schriftstück aus dem Jahre 1063 erscheint erstmals der Name Garziacus. Seit dem 14. Jahrhundert ist die heutige Schreibweise Garches gebräuchlich.

Ernest Negro[1] leitet den Ortsnamen vom germanischen Waracus ab, ergänzt mit dem Suffix as. Charles Albert und Charles Rostaing[2] deuten den Ortsnamen dagegen als eine Variante des fränkischen Guerche, eine romanisierte Form von werki, was ‚Befestigung‘ bedeutet.

Spuren von prähistorischen Siedlungen, die anfangs des 20. Jahrhunderts in einer Sandgrube gefunden wurden, bezeugen, dass die Gegend bereits während der Altsteinzeit und der Jungsteinzeit bewohnt war.[3]

Die Pfarrei wurde 1297 von Robert de la Marche gegründet und die Kirche war die erste in Frankreich, welche dem König Saint-Louis, der ein Jahr zuvor heiliggesprochen wurde, geweiht war.[4]

Im Jahre 1702 sagte sich das Gebiet Territoire de Villeneuve-l’Etang von Garches los; es gehört heute zur Nachbargemeinde Marnes-la-Coquette. Im 18. Jahrhundert wuchs Garches stark und der Weinbau wurde ausgedehnt. Während der Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg wurde Garches 1870 beschädigt und bei der Schlacht bei Buzenval am 19. Januar 1871 erlitt der Ort noch verheerendere Zerstörungen[3].

Im Jahre 1884 wurde die Bahnstrecke von Saint-Cloud nach Saint-Nom-la-Bretèche mit Halt in Garches eröffnet. Die Gemeinde erhielt einen Bahnhof und es wurde eine Straße vom Bahnhof zum Kirchplatz gebaut. Um das Gemeindegebiet besser nutzen zu können, wurden zwischen 1875 und 1925 zahlreiche Neuparzellierungen durchgeführt. Im Jahr 1876 zählte die Gemeinde rund 1.400, im Jahre 1926 fast 6.500 Einwohner und Einwohnerinnen.

Wappen[Bearbeiten]

Auf silbernem Grund ein rotes Tatzenkreuz oben links bewinkelt mit einem schwarzen Feigenplatz und unten rechts mit einem Eichenblatt derselben Farbe. Die anderen Winkel zeigen ein schwarzes Mauerwerk. Über all dem in der Mitte eine güldene Fleur-de-Lis auf azurblauem Grund.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bis 1975 wuchs die Bevölkerung stark, seither stagniert die Einwohnerzahl.

Jahr 1936 1946 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2008
Einwohner 7.472 8.828 10.447 13.244 14.217 17.998 18.094 17.957 18.026 18.157

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Errichtung der Kirche Église Saint-Louis begann 1298 im Jahr der Heiligsprechung des Königs Ludwig IX., dies bezeugt eine Gendenktafel am Eingang des Gotteshauses. Sie wurde während der Schlacht bei Buzenval teilweise zerstört. Die heutige Gestalt der Kirche ist weitgehend das Werk des Architekten Henri Blondel und des Maurereiunternehmers C. Tillet, welche das Bauwerk 1876 restaurierten. Der dazugehörige Friedhof wurde 1930 verlegt. Die Fenster aus dem 19. Jahrhundert wurden 1980 erneuert, die Orgel wurde 1983 ersetzt und vergrößert. 1988 wurde der Dachhelm neu konstruiert und 1990 wurde das Tympanon instand gesetzt. Die Fassade und der Innenraum wurden 1995 renoviert.
  • Das Hospiz Ancien hospice Brézin wurde 1836 errichtet. Die Fassade, das Dach und die angrenzende Kapelle stehen seit 1978 unter Denkmalschutz.[5] Zwischen 1932 und 1936 wurde das Hospiz zu einem Krankenhaus umgebaut. Hinter und im Osten des alten Gebäudes sind neue Klinikbauten entstanden. Heute ist das Krankenhaus nach dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré benannt.
  • Das Haus der Stiftung Fondation Casimir Davaine an der 23 avenue de Brétigny wurde zwischen 1870 und 1880 von Casimir Joseph Davaine, emeritierter Biologe, in Auftrag gegeben. Er vermachte das Gebäude 1891 seiner Frau mit der Auflage, darin ein Rehabilitationszentrum für Mädchen zwischen vier und zwölf Jahren – gleich welcher Konfession – einzurichten.
  • Das Anwesen Propriété de Nubar Bey an der 75 rue du 19-Janvier ist eine große Villa, die zwischen 1931 und 1932 von den Architekten Auguste und Gustave Perret gebaut wurde. Auftraggeber war Arakel Bey Nubar Pascha, ein ägyptischer Minister. Die Villa steht seit 1976 unter Denkmalschutz.[6]
  • Der Park Parc du domaine des quatre-vents.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Casimir Davaine, französischer Arzt und Forscher, 1882 in Garches verstorben.
  • Clemens von Jagow, Präsident des Landgerichts Lübeck von 1956 bis 1968, 1903 geboren in Garches.
  • Marie-Thérèse Kerschbaumer, österreichische Schriftstellerin, 1936 geboren in Garches.
  • Daniel Prévost, französischer Theater- und Filmschauspieler, 1939 geboren in Garches.
  • Georges Poujouly, französischer Schauspieler, Hörspiel- und Synchronsprecher, 1940 geboren in Garches.
  • Henri Bergson, († 1941 in Paris), französischer Philosoph, Nobelpreisträger für Literatur 1927, begraben in Garches.
  • André Derain, einer der Begründer des Fauvismus, 1954 in Garches verstorben.
  • Leo von Prittwitz und Gaffron, Generalmajor der kaiserlich russischen Armee, 1957 in Garches verstorben.
  • Sidney Bechet, kreolischer Sopransaxophonist und Klarinettist, 1959 in Garches verstorben.
  • Frank Zwillinger, österreichischer Schriftsteller, 1989 in Garches verstorben.
  • Jean Orieux, französischer Schriftsteller, 1990 in Garches verstorben.
  • Robert Veyron-Lacroix, Cembalist und Pianist, 1991 in Garches verstorben.
  • Christine Pascal, Schauspielerin und Regisseurin, 1996 in Garches verstorben.
  • Jean-Dominique Bauby, französischer Journalist, 1997 in Garches verstorben.
  • Guillaume Depardieu, französischer Filmschauspieler, 2008 in Garches verstorben.
  • Coco Chanel, Modeschöpferin, besaß eine mondäne Villa in Garches.
  • Igor Strawinsky, russischer Komponist, lebte mit seiner Familie 1920/21 in Garches.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Catherine Sart: Arrêt sur images. Ville de Garches, 1999.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Toponymie générale de la France. Librairie Droz, Genève 1991.
  2. Dictionnaire étymologique des noms de lieux en France. Éditions Larousse, Paris 1968.
  3. a b Jean-Michel Véchambre: Découvrir les Hauts-de-Seine, S. 40. Éditions Horvath, Lyon 1980.
  4. Jean Lebeuf: Histoire du diocèse de Paris, Bd. 7, S. 63. Prault Père, Paris 1757.
  5. Eintrag Nr. PA00088109 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  6. Eintrag Nr. PA00088110 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Garches – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien