Gardekorps

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Der preußische „Gardestern“ (Stern des Schwarzen Adlerordens), das Abzeichen der Garde

Dem Gardekorps gehörten bis 1918 sämtliche Gardetruppenteile der Königlich-Preußischen Armee an. Sie hatten – mit Ausnahme des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4, das zeitweilig in Koblenz stationiert war – grundsätzlich ihre Garnison in der preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin sowie der Residenz Potsdam und den Städten und Gemeinden zwischen Berlin und Potsdam, die erst 1920 zu Groß-Berlin kamen. Der Verband war zu Beginn des Ersten Weltkrieges der II. Armee-Inspektion unterstellt.

Chef der beiden prestigeträchtigsten Garderegimenter, des 1. Garde-Regiments zu Fuß und des Regiments der Gardes du Corps war immer der jeweilige König von Preußen.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Gardekorps war nach dem letzten Friedensstand von 1914 in zwei Garde-Divisionen mit fünf Garde-Infanterie-Brigaden und zwei Garde-Feldartillerie-Brigaden, eine Garde-Kavallerie-Division mit vier Garde-Kavallerie-Brigaden und sonstige Truppen und Behörden gegliedert:

Außerdem unterstanden dem Gardekorps:

Geschichte[Bearbeiten]

Deutscher Krieg 1866[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deutscher Krieg

Das preußische I. Korps war am 27. Juni 1866 in der Schlacht bei Trautenau vom österreichischen X. Armeekorps unter FML Ludwig von Gablenz zurückgeschlagen worden. Die Truppen des Generals von Bonin verloren ihre Rolle als Vorhut der preußischen 2. Armee und wurden darin durch das preußische Gardekorps unter Prinz August von Württemberg abgelöst. Gablenz zog sein angeschlagenes Korps von Trautenau nach Soor zurück und ersuchte seinen Vorgesetzten FZM Benedek um eilige Verstärkung. Gablenz versuchte den Vormarsch der preußischen Garde durch konzentriertes Artilleriefeuer aus Norden und Osten auf Staudenz zu lenken und dort festzuhalten. Er wollte damit Einheiten des herankommenden IV. Korps unter FML Tassilo Graf Festetics die Möglichkeit verschaffen, die Garde von Süden her in die Flanke zu fallen. Am 28. Juni kam es zum Gefecht von Soor und Burkersdorf. Die preußische 1. Gardedivision unter Führung von Generalleutnant Wilhelm Hiller von Gärtringen drängte die österreichischen Verteidiger bei Staudenz erfolgreich zurück. Gleichzeitig konnte weiter nördlich die 2. Garde-Division unter General Heinrich von Plonski die österreichische Brigade Grivicic vom restlichen X. Korps abschneiden und diese im Gefecht bei Burkersdorf nahezu vollständig aufreiben. [1]

Dem Befehl Moltkes folgend, hatte das Gardekorps bei Burkersdorf und Alt-Rognitz den Gegner geschlagen und in den folgenden Tagen die Verbindung mit dem I. Armeekorps sowie mit dem V. Armeekorps hergestellt. Moltke erwartete die Vereinigung der gesamten preußischen 2. Armee an der Elbe bei Königinhof, das von der 1. Garde-Division besetzt wurde. Die 1. Garde-Division griff am 3. Juli als Vorhut der 2. Armee in der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz ein und konnte Chlum besetzten. Bei der Verteidigung dieses Ortes gegen Angriffe österreichischer Reserven fiel General Hiller, nachdem er von einem Granatsplitter getroffen worden war.

Deutsch-Französischer Krieg 1870–71[Bearbeiten]

Das Gardekorps versammelte sich bis zum 5. August 1870 in Mannheim und wurde der 2. Armee unterstellt. Beim westlichen Umgehungsmanöver des im Raum Metz konzentrierten Gegners, befahl Prinz Friedrich Karl am 18. August das Eingreifen der Garde in der Schlacht bei Gravelotte. Während das IX. Armeekorps unter General von Manstein in Richtung auf St. Privat vorging, hatte die 1. Garde-Division unter Generalmajor von Pape Befehl von Habonville aus, unterstützend auf St. Ail vorzugehen. Das den Weg verlegende Dorf St. Marie aux Chenes erwies sich jedoch als stark feindbesetzt und mußte erstürmt werden. [2] Der Angriff der Garde erfolge westlich von St. Privat über eine weite Ebene und ohne ausreichende Artillerieunterstützung, infolge des überlegenen Chassepotgewehres kam es zu schweren Verlusten. Erst am Abend gelang es den im Norden zur Umfassung angesetzten sächsischen XII. Korps den rechten Flügel der französischen Schlachtlinie aufzurollen und dadurch das schwer ringende Gardekorps vor der Vernichtung zu bewahren.

Das Gardekorps wurde darauf der neugebildeten Maasarmee zugeteilt und nahm am 1. September an der Schlacht von Sedan teil. Die 1. Garde-Division stürmte dabei das Dorf Givonne, die 2. Garde-Division die feindliche Stellung bei Daigny. [3] Unter dem Oberbefehl des Kronprinzen Albert von Sachsen wurde dem Korps bei der folgenden Belagerung von Paris am 20. September ein Abschnitt im Norden der Stadt zugewiesen. Um den Besitz des Dorfes Le Bourget kam es am 28. Oktober zu schweren Kämpfen mit aus der Stadt ausbrechenden französischen Truppen. Die 2. Garde-Division unter General von Budritzki hatte allerdings nur geringes Interesse, ihre Positionen im Dorf zurückzuerobern. Dennoch befahl Kronprinz Albert, die Stadt einzunehmen. Am 30. Oktober gelang es den preußischen Truppen, Le Bourget zurückzuerobern und etwa 1200 Franzosen gefangen zu nehmen. [4] Ein zweites Gefecht von Le Bourget fand am 21. Dezember 1870 statt. Dabei wurde das Dorf Stains von den Vorposten geräumt, anschließend unter Artilleriefeuer genommen und dann vom 1. Garde-Regiment zurückerobert. Die französische Besatzung von Le Bourget konnte sich den Tag über halten, bis der deutsche Gegenangriff durch drei Bataillone der Regimenter Nr. 3 und Nr. 4 am Nachmittag die Franzosen zurückgedrängt hatte. Die Verluste des Gardekorps an diesem Tag betrugen 14 Offiziere und 431 Soldaten an Toten, Verwundeten und Vermissten.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit der Mobilmachung im August 1914 wurde das Gardekorps in seine Kriegsgliederung überführt und mit der 1. und 2. Garde-Division der 2. Armee an der Westfront unterstellt.

Das zu Kriegsbeginn parallel neugebildete Garde-Reserve-Korps mit der 3. Garde-Division und der 1. Garde-Reserve-Division war unter General Gallwitz ebenfalls der 2. Armee zugeteilt, musste aber nach der Belagerung von Namur an die Ostfront verlegt werden. Die Garde-Kavallerie-Division kam zu Kriegsbeginn zum Höheren Kavallerie-Kommando 1 (bei der 3. Armee), die 2. Garde-Reserve-Division zum X. Reserve-Korps (ebenfalls 2. Armee) und die Garde-Ersatz-Division bildete mit anderen Ersatz-Divisionen den mobilen Ersatz.

Karl von Plettenberg (1852-1938)

Das Gardekorps stand unter Führung des Kommandierenden General Karl von Plettenberg und war Ende August an der Schlacht von St. Quentin und im September 1914 an der entscheidenden Schlacht an der Marne beteiligt. Mitte September verteidigte das Korps während der Schlacht an der Aisne Stellungen am Chemin des Dames. Während des Wettlaufes zum Meer wurde das Gardekorps der 6. Armee überstellt und griff Anfang Oktober in der ersten Schlacht von Arras ein. Ab 11. November 1914 stand das Generalkommando als Korps Plettenberg und der 2. Garde-Division und der 4. Division bei der neugebildeten Gruppe Linsingen und war in der Schlacht von Ypern involviert. Während der Winterschlacht in der Champagne traf die 1. Garde-Division am 20. Februar 1915 als Verstärkung bei der 3. Armee ein. Anfang Mai 1915 stand das Korps an der Ostfront bei der 11. Armee an der Biala und nahm ab Anfang Mai an der Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnow teil. Nach der Teilnahme am Vormarsch zum Bug, verlegte das Korps zurück an die Westfront.

Zu Beginn der Sommeschlacht im Juli 1916 lag das Korps am südlichen Abschnitt zwischen Lassigny und Ribecourt. Die 1. Garde-Division wurde nördlich Lassigny durch die 44. Reserve-Division freigemacht und dem XVII. Armeekorps als Eingreifreserve nach Nesle überstellt. Am 17. April 1917 wurde das Korps als "Gruppe Aisne" bezeichnet, war jetzt General der Infanterie Ferdinand von Quast unterstellt und verteidigte während der zweiten Schlacht an der Aisne den Damenweg im Abschnitt bei Juvincourt. Zu Kriegsende 1918 stand das Generalkommando bei der 4. Armee gegenüber britischen Verbänden im nördlichen Flandern.

Im weiteren Verlauf des Krieges wurden noch aufgestellt:

Uniform und Abzeichen[Bearbeiten]

Gemeinsames Abzeichen aller Gardetruppen war der sogenannte „Gardestern“ (Stern des schwarzen Adler-Ordens) als Auflage auf dem Gardeadler bei Helm mit Spitze ("Pickelhaube"), Tschako, Tschapka der Ulanen usw.; am Waffenrockkragen und an den Ärmelaufschlägen trugen alle Einheiten des Gardekorps besondere Stickereien (meist Kolbenstickerei nach M1842 ("Gardelitzen")). Letztere wurden nach 1918 allgemein als Kragenverzierung im deutschen Heer eingeführt. Noch heute sind sie auf den Kragenspiegeln der Heeres-Uniformen der Bundeswehr angebracht. Der so genannte „Gardestern“ ziert heutzutage die Barette der Feldjägertruppe der Bundeswehr.

Kommandierende Generäle[Bearbeiten]

Name Beginn bzw. Zeitraum des Kommandos
Karl von Mecklenburg 20. September 1814 bis 21. September 1837
Prinz Wilhelm von Preußen 30. März 1838 bis 22. Mai 1848
Karl von Prittwitz 23. Mai 1848 bis 1. Juni 1853
Karl von der Gröben 2. Juni 1853 bis 2. Juni 1858
August von Württemberg 3. Juni 1858 bis 29. August 1878
Wilhelm Graf von Brandenburg[5] 30. August 1882 bis 20. August 1884
Alexander von Pape 21. August 1884 bis 18. September 1888
Oskar von Meerscheidt-Hüllessem 19. September 1888 bis 5. Mai 1893
Hugo von Winterfeld[6] 6. Mai 1893 bis 17. August 1897
Max von Bock und Polach 18. August 1897 bis 26. Januar 1902
Gustav von Kessel 27. Januar 1902 bis 28. Mai 1909
Alfred von Loewenfeld[5] 29. Mai 1909 bis 28. Februar 1913
Karl von Plettenberg 1. März 1913 bis 5. Februar 1917
Ferdinand von Quast 6. Februar bis 8. September 1917
Alfred Graf zu Dohna-Schlobitten 9. September bis 1. November 1917
Alfred von Böckmann 2. November 1917 bis 11. November 1918

Quelle[Bearbeiten]

Rangliste des aktiven Dienststandes der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...]. Redaktion: Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin, o.J.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eike Mohr: Bibliographie zur Heeres- und Truppengeschichte des Deutschen Reiches und seiner Länder. 1806 – 1933. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 2004, ISBN 3-7648-2331-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank Zimmer:Bismarcks Kampf gegen Kaiser Franz Joseph - Königgrätz und seine Folgen, Styria Verlag Graz 1996, S. 107
  2. J. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland - unter Zugrundelegung des Großen Generalstabswerkes Verlag von W. Paulis Nachfolger (H. Jerosch), Berlin 1895, S. 11 und 78
  3. J. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland - unter Zugrundelegung des Großen Generalstabswerkes Verlag von W. Paulis Nachfolger (H. Jerosch), Berlin 1895, S. 130 und 131
  4. J. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland - unter Zugrundelegung des Großen Generalstabswerkes Verlag von W. Paulis Nachfolger (H. Jerosch), Berlin 1895, S. 179
  5. a b The Prussian Machine
  6. http://amtspresse.staatsbibliothek-berlin.de/personen.php?char=W&liste=kurz

Weblinks[Bearbeiten]