Garment District (Manhattan)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Männer ziehen Kleiderwagen auf einem belebten Gehweg im Garment District (1955).

Der Garment District (auch: Garment Center, Fashion District oder Fashion Center) ist ein Viertel im Stadtbezirk Manhattan in New York City, USA. Das Viertel verdankt seine Namen der hohen Konzentration an Unternehmen, Labels und Läden, die mit Mode zu tun haben (garment = Bekleidung, Gewand bzw. fashion = Mode).

Lage[Bearbeiten]

Das Viertel in Midtown Manhattan erstreckt sich zwischen der Fifth Avenue und Ninth Avenue sowie von der 34th Street bis zur 42nd Street.

Bedeutung in der Modeindustrie im Viertel[Bearbeiten]

Information Kiosk der Modeindustrie des Garment District

Der Garment District ist seit den frühen 1920er Jahren als Zentrum für Modeherstellung und Modedesign von internationalem Rang bekannt. Auf einer Fläche von weniger als 65 Hektar befinden sich hier die meisten „Showrooms“ von New York City, zahlreiche bedeutende Modelabels wie Carolina Herrera, Oscar de la Renta, Calvin Klein, Donna Karan, Liz Claiborne und Nicole Miller haben ihre Geschäfte, Fabrikationsanlagen, Warenlager, Geschäfte oder Unterstützungsbüros im Garment District. Darüber hinaus finden sich hier Unternehmen für sämtliche Aspekte der Modeindustrie – von Design und Produktion über Zulieferer für Stoffe und Tücher bis hin zum Großhandel. Keine andere Stadt hat eine vergleichbare Konzentration von Modeunternehmen in einem Viertel.[1] Viele aus der Modeindustrie behaupten, dass diese Konzentration von Kreativen, Unternehmern und Geschäften in diesem Viertel wie ein Ökosystem funktionieren würde, in dem jeder Teil hilft, das Ganze aufrechtzuerhalten.[2] New York City gilt damit als Mode-Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Die Modeindustrie, die hier angesiedelt ist, setzt jährlich ca. 14 Milliarden US-Dollar um und initiiert teilweise weltweite Designtrends.

Obwohl der Garment Distric in der Vergangenheit als Zentrum der Textilindustrie galt, haben globale Trends die Art und Weise verändert, wie die Modeindustrie im Viertel funktioniert. Während der letzten 50 Jahre haben die New Yorker Kleiderfabrikanten einen konstanten Niedergang in der ganzen Stadt und insbesondere im Garment District erlebt, da die Hersteller vor Ort ihre wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt zunehmend einbüßten. Ausländische Arbeitskräfte spielen heute eine entscheidende Rolle im Herstellungsprozess, da sie für deutlich weniger Lohn arbeiten. Der Niedergang des Produktionssektors hat sich als ernsthaftes Problem für den Garment District erwiesen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Millinery-District-Synagoge

Vor Mitte des 19. Jahrhunderts stellte noch die Mehrheit der Amerikaner entweder ihre Kleidung selbst her oder kaufte sie maßgeschneidert, wenn sie wohlhabend waren. In den 1820er Jahren wurden jedoch bereits immer mehr vorgefertigte Kleidung von einer höheren Qualität für einen breiteren Markt hergestellt.

New York City übernahm erstmals die Funktion als Zentrum der nationalen Bekleidungsindustrie, als mit der Herstellung von Kleidung für Plantagen-Sklaven der Südstaaten begonnen wurde. Es war für die Plantagenbesitzer wirtschaftlicher, die Kleidung bei Herstellern in New York City einzukaufen, anstatt die Sklaven ihre eigenen Kleider selbst anfertigen zu lassen. Neben dem Kleidungsangebot für Sklaven stellten die Schneider auch vorgefertigte Kleidung für Seeleute und Goldsucher her, wenn im Kerngeschäft gerade eine Flaute herrschte. So wuchs die Herstellung von vorgefertigter Kleidung weiter an.

Schließlich wurde der Herstellungsprozess mit der Erfindung der Nähmaschine in den 1850er Jahren zunehmend industrieller. Zu dieser Zeit kamen Einwanderer aus Deutschland und Mitteleuropa mit einschlägiger Geschäfts- und Berufserfahrung nach New York City und kurbelten das Geschäft weiter an. Der Bedarf für tausende vorgefertigte Soldatenuniformen während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) verhalft New York Citys Kleidungsindustrie zu weiterem Wachstum. Ende der 1860er Jahre kauften schließlich die meisten Amerikaner ihre Kleidung statt sie selbst herzustellen. Während der 1870er Jahre versechsfachte sich der Wert von Kleidung, die in New York City hergestellt wurde. 1880 produzierte New York City mehr Kleidung als die vier härtesten Konkurrenz-Städte zusammen und 1900 waren Warenwert und -menge dreimal so hoch wie die des zweitgrößten Industriezweig der Stadt (Zuckerherstellung).

Im frühen 20. Jahrhundert trieben größtenteils osteuropäische Arbeitskräfte den Kleidungshandel an. Abraham Cahan schrieb 1917 diesen Einwanderern die Erschaffung eines amerikanischen Stils (American style) zu: „Als Fremde und meist ohne Englisch sprechen zu können, amerikanisierten wir die Art und Weise, Kleidung für die bescheidene oder einfache amerikanische Frau anzubieten. Die durchschnittliche amerikanische Frau ist die bestangezogene Frau der Welt und der russische Jude hat sehr viel dazu beigetragen, sie dazu zu machen“ („Foreigners ourselves, and mostly unable to speak English, we had Americanized the system of providing clothes for the American woman of moderate or humble means. The averarge American woman is the best-dressed woman in the world, and the Russian Jew has had a good deal to do with making her one“).

Niedergang der Modeindustrie[Bearbeiten]

Billigere Arbeitskräfte und günstigere Produktionskosten im Ausland haben New York Citys Kleidungshersteller in den letzten Jahrzehnten schwer getroffen. Dieser Wandel zwang viele Modedesigner, die einst ihre Kollektionen in Manhattan herstellen ließen, die Produktion ins Ausland zu verlagern, was wiederum die kleinen Schneideren wie auch die Zulieferer im Garment District traf.[3]

Charles Bagli von der New York Times schrieb „Manche städtischen Behörden und Industrieführer sorgen sich, dass bei einem Zusammenbruch der Kleidungsanfertigung auch viele Designer, die so viel Glanz nach New York bringen, verschwinden werden – wie der Anspruch der Stadt, eine Modehauptstadt zu sein, die mit Paris und Mailand konkurriert. Der Schaden wäre unbestreitbar, da die zwei großen jährlichen Ereignisse der Modeindustrie – die Fashion Week im September und Februar – eine enorme Menge an Besuchern anziehen und hunderte von Millionen Dollar erwirtschaften“ („Some city officials and industry leaders worry that if manufacturing is wiped out, many of the designers who bring so much luster to New York will leave, along with the city’s claim to be a fashion capital rivaling Paris and Milan. The damage would be undeniable, given that the industry’s two big annual events — Fashion Week in September and February — attract enormous numbers of visitors and generate hundreds of millions of dollars in economic activity“).[3]

Obwohl dies schwere Zeiten für die Modeindustrie New York Citys wie auch für den New Yorker Garment District sind, gibt es viele Organisationen, die sich dafür einsetzen, dass das Viertel seine Bedeutung behält. Eine dieser Organisationen ist das Fashion Center Business Improvement District (auch The Fashion Center oder Fashion Center BID). Diese gemeinnützige Organisation versucht die Ausstrahlung und Dynamik des Garment District zu erhalten und zu verbessern, indem sie die Gegend als strategischen Unternehmensstandort für Modeunternehmen und andere Geschäftszweige gleichermaßen bewirbt.[4] So initiierte das Fashion Center BID den Fashion Walk of Fame auf der Seventh Avenue, Kunstfestivals und ein Informationszentrum, den Fashion Center Information Kiosk, der sich auch an der Seventh Avenue befindet. Dieser „Informations-Kiosk“ bietet Mode-Profis, Studierenden, Besuchern und Einkäufern Informationen und Dienstleistungen rund um die Modeindustrie.[5][6]

Save the Garment Center ist eine Kampagne, die von verschiedenen Mitgliedern der Modeindustrie ins Leben gerufen wurde, um die Konzentration von Unternehmen und Geschäften aus dem Modebereich im Viertel zu erhalten.

Der Anschluss des Garment District an den Nah-, Regional- und Fernverkehr macht das Viertel bei Unternehmen begehrt. In Laufweite befinden sich die Pennsylvania Station und Grand Central Terminal. Während des Niedergangs der Modeherstellung wurden Gebäude, die einst große Produktionsanlagen beherbergten, in Büroflächen umgewandelt. So zogen unter anderem Buchhalter, Anwaltskanzleien, PR-Unternehmen wie auch Spitzentechnologie-Unternehmen in diese Gegend, so dass dieses Viertel nunmehr gleichmäßig zwischen Modeunternehmen anderen Unternehmen aufgeteilt ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Der „Fashion Walk of Fame“, der der amerikanischen Mode gewidmet ist.[6]
  • Needle threading a button“ – Skulptur einer überdimensionalen Nadel, die einen ebenso übergroßen Knopf durchfädelt am Fashion Center Business Improvement District's Information Kiosk an der Seventh Avenue und 39th Street.[5]
  • Statue von Ralph Kramden in seiner Busfahreruniform vor dem Gebäude der Port Authority.
  • Das Gebäude der Greenwich Savings Bank.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Fashion Capital. In: nycfashioninfo.com. Abgerufen am 18. Juli 2010.
  2. Made in Midtown. In: madeinmidtown.org. Abgerufen am 18. Juli 2010.
  3. a b Charles V. Bagli: New York Seeks to Consolidate Its Garment District. In: The New York Times, 19. August 2009. Abgerufen am 18. Juli 2010. 
  4. The Fashion Center. In: Fashion Center Business Improvement District. Abgerufen am 18. Juli 2010.
  5. a b The Fashion Center Information Kiosk. In: Fashion Center Business Improvement District. Abgerufen am 18. Juli 2010.
  6. a b Walk of Fame. In: Fashion Center Business Improvement District. Abgerufen am 18. Juli 2010. (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.fashioncenter.com

Weblinks[Bearbeiten]