Garo (Volk)

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Junge Garo-Frau in traditioneller Kleidung (2011)
Junger Garo-Mann in traditioneller Kleidung (2011)

Die Garo sind ein indigenes Volk im Grenzgebiet zwischen dem nordöstlichen Indien (Bundesstaat Meghalaya) und Bangladesch (nördlich von Maimansingh). Das Volk nennt sich selber Achik, in Bangladesch auch Mandi, während „Garo“ eher die Bezeichnung ist, die von Angehörigen anderer Volksgruppen verwendet wird.[1] Die Anzahl der Sprecher der Garo-Sprache wird auf etwa 1 Million geschätzt.[2]

Matrilinearität[Bearbeiten]

Die Garo folgen einer matrilinearen Abstammungsregel, oft verbunden mit einer matrilokalen Wohnfolgeregel für Ehepaare, wobei der Ehemann zur Frau oder ihrer Mutter zieht. Innerhalb der matrilinearen Gesellschaftsordnung hatten sich Bräuche entwickelt, die jedoch mit der Einführung des Christentums an Bedeutung verloren und heute kaum noch anzutreffen sind. Dazu gehört die „Bräutigam-Entführung“, bei der Junggesellen von heiratswilligen Frauen entführt und bis zum Tag der Hochzeit festgehalten wurden. Gelegentlich gibt es noch Fälle von Mutter-Tochter-Polygynie, überwiegend aus ökonomischen Gründen. Wenn eine Frau früh verwitwet und ihr Land nicht allein bewirtschaften kann, hat sie das Recht, von dem Clan ihres verstorbenen Ehemanns einen neuen als Ersatz zu fordern. Dabei wird gelegentlich die Auflage gemacht, dass die Eheschließung auch eine Tochter der Witwe einschließt.[3]

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Einige Garo leben in Städten, wie zum Beispiel in Maimansingh. Die Dörfer sind sehr abgelegen und die Menschen wohnen traditionell in Lehmhäusern. Ihr angestammtes Siedlungsgebiet ist durch Abholzung der verbliebenen Wälder und durch bengalische Zuzügler bedroht.

Religion[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Religion der Garo war animistisch. Die meisten Garo wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts von katholischen Missionaren christlich missioniert.[3] Dennoch üben viele noch die Rituale ihrer alten Religion aus. In Bangladesh sind die Garo damit eine kleine religiöse Minderheit in einem überwiegend islamischen Land.

Sprache[Bearbeiten]

Die Garo-Sprache gehört zum Bodo-Zweig der sino-tibetischen Sprachen. Die Garo besitzen keine Schrift. Bräuche, Traditionen und Glauben werden mündlich überliefert. Laut den Angaben von Ethnologue wird Garo in Indien von 889.000 Personen gesprochen (Volkszählung von 2001) und in Bangladesch von 120.000 (Angabe von 2005).[2]

Musik[Bearbeiten]

Die Musikinstrumente der Garo werden nach ihrer Verwendung in der unterhaltenden oder zeremoniellen Musik eingeteilt. Das bekannteste Instrument, das aufgrund eines religiösen Verbots nur rituell eingesetzt werden darf, ist die zweifellige Röhrentrommel dama, ferner gehören in diese Kategorie die Kesseltrommel dimdima. Ihr Korpus bestand früher aus Holz, an ihre Stelle tritt heute meist eine zu der Gruppe der naqqaras gehörende Trommel aus Ton, die nagra genannt wird. Der Gong rang ist ein Symbol für wohlhabende Familien. Zur Begleitung von Liedern und Unterhaltungstänzen dient die perkussiv gespielte Röhrenzither chigring. Einfache Naturtrompeten sind das Büffelhorn adil mit einer angesetzten langen Bambusröhre und dasselbe Horn namens singga mit einem kurzen Stück Bambus. Die sarinda ist ein ein- bis zweisaitiger Vertreter der in Nordindien weit verbreiteten Streichlaute.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aglaja Stirn, Peter van Ham: The Seven Sisters of India : Tribal Worlds Between Tibet and Burma. Prestel Publishing, London 2000, ISBN 3-7913-2399-7 (Englisch).

Filme[Bearbeiten]

  • Uschi Madeisky, Klaus Werner: Trommeln Der Liebe – Bräutigamraub bei den Garo in Indien. (Dokumentation, 60 Min.) Colorama Film für NDR-Fernsehen, Deutschland 2001 (Info).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robbins Burling: The Language of the Modhupur Mandi (Garo), Volume 1. MPublishing, University of Michigan Library, Ann Arbor 2003, S. 9 (englisch; abgerufen am 27. Juli 2013; Download: PDF; 1,5 MB; 407 Seiten).
  2. a b Ethnologue-Eintrag: Garo : A language of India. In: M. Paul Lewis et al. (Hrsg.): Ethnologue: Languages of the World. 17. Ausgabe, SIL International, Dallas Texas 2013 (englisch, abgerufen am 27. Juli 2013);
    Zitat: „Population total all countries: 1,009,000 [...] 889,000 in India (2001 census) [...] 120,000 in Bangladesh (2005)“.
  3. a b Abigail Haworth: „My mother and I are married to the same man“: matrilineal marriage in Bangladesh. In theguardian|TheObserver, Guardian News and Media Limited, London 2. Juni 2013 (abgerufen am 5. Juni 2013). Haworth berichtet von einem Fall, bei dem die Heirat einer Witwe im Alter von Mitte 20 mit einem 17-Jährigen auch ihre zu dem Zeitpunkt dreijährige Tochter einschloss.
  4. Eintrag: Garo Musical Instruments. In: Nikhil Ghosh (Hrsg.): The Oxford Encyclopaedia of the Music of India. Saṅgīt Mahābhāratī. Vol. 1 (A–G) Oxford University Press, Neu Delhi 2011, ISBN 978-0195650983, S. 335–339.