Garten- und Landschaftsbau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Garten- und Landschaftsbau (kurz GaLaBau) (in Österreich Garten- und Grünflächengestaltung ) ist im deutschsprachigen Raum eine Fachrichtung des Berufs Gärtner/Gärtnerin und bezeichnet Gewerbebetriebe, die sich mit dem Bau, der Umgestaltung und Pflege von Grün- und Freianlagen sowie der Landschaftspflege beschäftigen.

Bearbeitet werden dabei insbesondere Parkflächen, Außenanlagen von öffentlichen Gebäuden, Industrie und Gewerbe, Grünflächen im öffentlichen und privaten Wohnungs- und Siedlungsbau, Straßenbegleitgrün, Friedhöfe, Freizeit- und Sportplätze sowie private Grünflächen (wie etwa Hausgärten, Teichanlagen, Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung). Daneben sind GaLaBau-Betriebe häufig auch in der Baumpflege, bei Maßnahmen des Natur- und Umweltschutzes und beim Winterdienst im Straßenraum tätig.

Berufsbild[Bearbeiten]

Die Einsatzgebiete des Landschaftsgärtners sind vielfältig. Oft ist er die ausführende Instanz der Planungen von Garten- und Landschaftsarchitekten und setzt deren Ideen um. Solche Projekte können öffentliche Plätze, Parkanlagen oder Straßen begleitende Grünanlagen sein, wie auch Haus- oder Kleingärten. Als Dienstleister übernimmt der Landschaftsgärtner aber im Rahmen der Akquise im privaten Bereich auch beratende Tätigkeiten (Gartenberatung), die sonst eher in das Berufsbild des Planers gehören (Landschafts- und Freiraumplanung).

Neben Tätigkeiten wie dem Anlegen von Rasenflächen, Parkanlagen, Pflanzen und Schneiden von Hecken, Treppenbau, Teichbau, Anlage von Pflasterflächen mit Naturstein ebenso wie Betonmaterial, Anlage von Beeten, gehören auch Aufgaben wie Dachbegrünung, Hydrosaat oder Golfplatzbau, die u. U. hohen Maschinenaufwand, technisches Knowhow und umfangreiche Planung erfordern, zu den geleisteten Arbeiten.

Mit dem wachsenden Bewusstsein um die Bedeutung des Natur- und Umweltschutzes, ist der Landschaftsgärtner Partner von Geographen und Biologen z. B. bei Biotopkartierungen, Rekultivierungen, Vegetations- und Bodenanalysen oder der allgemeinen Landschaftspflege.

Insbesondere bei der Erstellung von Bepflanzungsplänen größerer Flächen, auch im innerstädtischen Bereich, obliegt den Planern im Bereich der Landschaftsarchitektur sowie den ausführenden Gärtnern eine hohe Verantwortung, da die Auswahl der Pflanzen auf das gesamtökologische Zusammenwirken einen großen Einfluss hat.

Beispiel eines Teichbaus[Bearbeiten]

Berufsausbildung, Fortbildung und Studium[Bearbeiten]

Auszubildender im Garten- und Land­schafts­bau bei seiner Prüfungs­arbeit
Prüfer beobachtet die Arbeit eines Auszubildenden im Garten- und Land­schaftsbau

Deutschland[Bearbeiten]

Die berufliche Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau umfasst ein breites Spektrum an Tätigkeiten. Dementsprechend umfangreich sind die Themengebiete in der Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Theoretische Bereiche wie Prinzipien der Gartengestaltung, deren historische Entwicklung, Vermessungslehre und Planung stehen hier neben der praktischen Vermittlung der landschaftgärtnerischen Arbeiten (wie u. a. Grünanlagen-, Spiel- und Sportplatzbau; Erd-, Stein- und Holzarbeiten; Be- und Entwässerung; Maschinenkunde; Pflanzung und Pflege).

Die Ausbildung erfolgt in Deutschland nach dem so genannten Dualen System der Berufsausbildung sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule.[1] Häufig geschieht dies in Form von Blockunterricht. Das heißt, es gibt nicht einzelne Berufsschultage in der Woche während des ganzen Jahres, sondern der Unterricht wird zu einem mehrwöchigen Block zusammengefasst, der dann nur wenige Male während der Ausbildung stattfindet, meist in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls in den Betrieben.

Nach einer abgeschlossenen Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau bietet sich zur Höherqualifizierung Meister- und Technikerfortbildung sowie Fortbildung auf der Ebene der Fachagrarwirte (Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung, Geprüfter Natur- und Landschaftspfleger, Fachagrarwirt Golfplatzpflege - Greenkeeper und Headgreenkeeper) an.

Auf Hochschulebene gibt es darüber hinaus Studiengänge für den Landschaftsbau, die sowohl zu Bachelor- wie auch zu Master-Abschlüssen führen. Zum einen handelt es sich bei den Studienangeboten um Vertiefungsrichtungen in Studiengängen der Landschaftsarchitektur, zum anderen handelt es sich um eigenständige, spezialisierte Studiengänge in Analogie zu den Studiengängen des Bauingenieurwesens. Derartige, spezialisierte Studienangebote gibt es in Deutschland an der Technischen Fachhochschule Berlin, der Hochschule Anhalt in Bernburg, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, der Fachhochschule Erfurt, der Fachhochschule Weihenstephan in Freising, der Fachhochschule Wiesbaden in Geisenheim, der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Höxter, der Fachhochschule Neubrandenburg, der Fachhochschule Nürtingen sowie der HS Osnabrück. Weitere Studienangebote im Bereich des Landschaftsbaues können an der Technischen Universität Berlin, der Technischen Universität Dresden, der Universität Hannover sowie der Universität Kassel wahrgenommen werden.

Österreich[Bearbeiten]

Im Garten- und Landschaftsbau gibt es in Österreich vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten in Lehrbetrieben, an Schulen und universitären Einrichtungen.

Der Lehrberuf Landschaftsgärtner wurde 2006 in zwei Lehrberufe aufgeteilt:

  • Garten- und Grünflächengestalter - Schwerpunkt Landschaftsgärtnerei
  • Garten- und Grünflächengestalter - Schwerpunkt Greenkeeping

Die Ausbildung in der Landschaftsgärtnerei umfasst die gärtnerische Gestaltung und Pflege von Gärten, Parks und Dachgärten (siehe Berufsbild). Beim Schwerpunkt Greenkeeping geht es rein um die Pflege von Golfplätzen. Greenkeeper zeichnen Skizzen und Pläne für die Grünflächengestaltung am Golfplatz. Sie vermessen, modellieren und pflegen Golfanlagen.

Lehrlinge werden in der dualen Berufsausbildung an Berufsschulen und in Betrieben des Garten-, Landschaftsbaus bzw. von Golfplatzbetreibern ausgebildet. Die Lehrzeit beträgt für beide Schwerpunkte drei Jahre und wird mit der Lehrabschlussprüfung abgeschlossen. Die erfolgreiche Lehrabschlussprüfung ist Voraussetzung für die Prüfung zum Meister und ermöglicht auch den Zugang zur Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) und in Folge zu weiteren Höherqualifizierungen, z. B. an der Universität für Bodenkultur Wien.

Die einzige Berufsbildende höhere Schule für Gartenbau bzw. Garten- und Landschaftsgestaltung in Österreich ist die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau, Schönbrunn in Wien. Dort kann zugleich mit der Berufsausbildung die Matura erlangt werden bzw. umgekehrt gesehen, zugleich mit der Matura eine Berufsausbildung erlangt werden.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist die Berufsausbildung zum Gärtner, Fachrichtung „Garten- und Landschaftsbau“ möglich.

Organisationen[Bearbeiten]

Das GaLaBau-Signum ist Erkennungszeichen der in Fachverbänden zusammengeschlossenen GaLaBau-Fachbetriebe.

Im GaLaBau gibt es mehrere Fachverbände. Der in Bad Honnef ansässige deutsche Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) ist bundesweiter Wirtschafts- und Arbeitgeberverband und u. a. ideeller Träger der internationalen FachmesseGaLaBau Nürnberg“ (Urbanes Grün und Freiräume) in Nürnberg. Er vergibt zudem an Mitgliedsbetriebe das berufsständische Signum der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsförderung im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, mit dem auf Verbandszugehörigkeit und Qualitätskriterien aufmerksam gemacht werden kann. Ebenfalls in Bad Honnef ist der Sitz des Ausbildungsförderwerks Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau.

Im Bereich Wissenschaft und Forschung ist die in Bonn ansässige Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau tätig.

In Österreich gibt es den Garten- und Landschaftsbauverband Österreich.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Für das Jahr 2011 wurde der Gesamtumsatz der deutschen GaLaBau-Branche auf 5,59 Mrd. Euro beziffert. Die Zahl der in den 16.460 deutschen GaLaBau-Betrieben Beschäftigten betrug 2011 insgesamt 95.365 Personen, die Zahl der Auszubildenden 6.717.[2]

55,29 Prozent der Aufträge kommen aus dem Bereich privater Hausgärten.[2] 18,69 Prozent der Aufträge wurden in 2011 durch öffentliche Auftraggeber erteilt. Insgesamt 77 Prozent der Aufträge betrafen die Neuanlage von Grün. Der Anteil der Pflege bestehender Anlagen belief sich in 2011 auf 20 Prozent.

Im Bereich des Straßenbaus kann es in Deutschland zu Konflikten mit handwerklichen Straßenbauunternehmen kommen, wenn ein GaLaBau-Unternehmen z. B. Wege- oder Pflasterarbeiten ausführen will, da das zur Landwirtschaft zählende Unternehmen nicht in der Handwerksrolle eingetragen sein kann. Hintergrund des Konflikts ist die Überschneidung der Gewerke aus den jeweiligen Berufsbildern. Wenn ein GaLaBau-Unternehmen straßenbauliche Tätigkeiten ausführt, muss das im Zusammenhang mit einer landschaftsgärtnerisch geprägten Anlage stehen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harm-Eckart Beier, Alfred Niesel, Heiner Pätzold: Taschenbuch für den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Fachbibliothek Grün, Verlag Eugen Ulmer, 6. Aufl. 2003. ISBN 9783800144471.
  • Holger Seipel: Fachkunde für Garten- und Landschaftsbau. Handwerk und Technik, 3. Aufl. 2005. ISBN 9783582041562.
  • Wolfgang Lomer, Renate Koppen: Der Gärtner. Band 4: Garten- und Landschaftsbau. Projekte und Fachwissen. Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 9783800111770.
  • Herbert Heise: Von Gärten, Pflanzen und Landschaften. Dokumentation über Landschafts- und Gartenbau von 1950 bis 2002. Kramer, Frankfurt am Main, 2006. ISBN 9783782905640.

Weblinks[Bearbeiten]

Deutschland:

Österreich:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner vom 6. März 1996 (BGBl. I S. 376) (PDF; 303 kB)
  2. a b Branchendaten bei www.galabau.de
  3. Merkblatt der IHK München zur Abgrenzung GaLaBau - Handwerk