Gasdrucklader

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oben: Verschluss geschlossen
unten: Verschluss geöffnet, Hülse ausgeworfen
1: Gasentnahmebohrung, 2: Gaskolben, 3: Gasgestänge, 4: Verschluss, 5: Verschlussträger, 6: Verschlussfeder

Als Gasdrucklader bezeichnet man selbstladende Feuerwaffen, bei denen während des Schusses ein Teil der hochgespannten Gase der Treibladung aus dem Lauf entnommen wird und auf einen Selbstlademechanismus wirkt.

Dabei wird nach Abgabe des Schusses durch eine Bohrung in der Laufwandung Gas entnommen. Mit der Energie dieses unter hohem Druck stehenden Gases wird der Verschluss entriegelt und geöffnet, wobei die leere Patronenhülse ausgeworfen wird. Beim folgenden Schließen des Verschlusses durch die Verschlussfeder wird eine neue Patrone ins Patronenlager geführt.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Erfinder des Gasdruckladers gelten die Brüder Clair aus St. Etienne, die 1889 eine Konstruktion eines Gasdruckladers mit Gasentnahmebohrung und Gaskolben unter der Nummer 49100 in Deutschland patentieren ließen.[1] Weitere Erfinder wie Pitcher und Dewhurst (England) und Unge (Schweden) entwickelten ähnliche Systeme, deren Gasentnahmebohrung sich wie bei der modernen Pistole Desert Eagle nahe dem Patronenlager befindet.

Einige andere Konstruktionen konnten sich nicht durchsetzen, wie einige Systeme, bei denen der Selbstlademechanismus durch den Gasdruck in der Patronenhülse betätigt wurde. Der Schweizer Georg Raschein stellte 1894 ein solches System vor, bei dem Schlagbolzen und Verschluss durch ein bewegliches Zündhütchen nach hinten getrieben wurden. Eine andere Konstruktion nutzte den Gasdruck an der Laufmündung, wobei sich die Laufmündung in einer beweglichen, sich nach vorn verengenden Hülse befindet. Beim Schuss wird die Hülse nach vorn gedrückt und betätigt über eine Zugstange den Selbstlademechanismus. Auch dieses System blieb ohne Bedeutung. Ebenso erfolglos blieb die Cei-Rigotti.

Moderne Varianten[Bearbeiten]

Bei modernen Systemen kann die Übertragung der Kraft der Gase auf den Verschlussträger auf unterschiedliche Art erfolgen. Bei den meisten Systemen wirken die Gase auf einen Gaskolben, der die Kraft über ein Gasgestänge auf den Verschlußträger überträgt. Selbstlademechanismen, die nach diesem Prinzip arbeiten, erschienen ab etwa 1890 bei Maschinengewehren wie dem Colt Modell 1895 von John Moses Browning, dem Hotchkiss M1914 von Benjamin Hotchkiss auf der Basis der Erfindung des Österreichers Adolf Odkolek von Újezd, dem Lewis Gun von Colonel Isaac Lewis und einigen anderen Konstruktionen. Gaskolben, Gasgestänge und Verschlußträger können aus mehreren Bauteilen bestehen oder, wie beispielsweise beim Sturmgewehr AK-47, zu einem einzigen Bauteil zusammengefasst sein.

Bei einigen Gasdruckladern wurde eine andere technische Variante umgesetzt, bei welcher die Gase durch ein Gasrohr in das Waffeninnere geleitet werden und dort unmittelbar auf den Verschlussträger wirken. Die erste Serienwaffe mit einem solchen kolbenlosen Gassystem war das schwedische Gewehr Ljungmann AG-42, es kam später auch beim französischen Gewehr MAS-49 und beim Standardgewehr der US-Streitkräfte M16 zum Einsatz. Der Wegfall von Gaskolben und Gasgestänge ermöglicht bei diesem Prinzip eine merkliche Gewichtsersparnis, jedoch gelangen heiße Gase und Pulverrückstände direkt in die Waffe, was die Gefahr von Funktionsstörungen durch Ablagerungen birgt. Speziell das Gewehr M16 erlangte aus diesem Grund erst nach umfangreichen Entwicklungsarbeiten eine ausreichende Zuverlässigkeit, jedoch ohne die Funktionssicherheit von robusteren Systemen mit Gaskolben zu erreichen.

Bei Gasdruckladern gibt es Systeme, bei denen der Gaskolben beim Ladevorgang den gleichen Weg zurücklegt wie der Verschlußträger (z. B. AK-47), und solche, bei denen der Weg des Gaskolbens kürzer ist als der des Verschlußträgers. Hier überträgt ein Impulskolben mit relativ kurzem Hub die Bewegungsenergie auf den Verschlußträger, der den Rest des zum Repetieren nötigen Weges wegen seiner Massenträgheit zurücklegt. Dieses Prinzip kommt unter anderem bei der Pistole Desert Eagle und beim STEYR AUG zur Anwendung.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Ein Vorteil von Gasdruckladern liegt darin, dass die Verriegelung des Verschlusses sicher und konstruktiv einfach aufrechterhalten werden kann, bis der Gasdruck im Lauf auf unkritische Werte abgesunken ist. Die Gase betätigen den Selbstlademechanismus erst, nachdem das Geschoss die Gasentnahmebohrung passiert hat, und durch die Trägheit des Mechanismus wird der Verschluss mit einer ausreichenden Verzögerung entriegelt. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, den auf den Gaskolben wirkenden Druck z. B. durch ein Stellventil zu beeinflussen. Dadurch kann entweder die Kadenz der Waffe verändert oder die Waffe an verschiedene Munitionssorten angepasst werden.

Wegen dieser Eigenschaften werden Gasdrucklader bevorzugt zum Verschießen von relativ starker Munition eingerichtet. Nachteilig sind im Vergleich zu Rückstoßladern das Gewicht und der Platzbedarf von Gaskolben und Gasgestänge sowie die durch die abgeleiteten Gase entstehende Verschmutzung des Systems insbesondere im Bereich des Stellventils und der Gasentnahmebohrung. Daraus folgend kann zu einem ungleichmäßigem Schussverhalten kommen.

Bekannte Waffen dieser Bauart nach Baujahr[Bearbeiten]

Faustfeuerwaffe

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jaroslav Lugs, Handfeuerwaffen, Militärverlag der DDR, ISBN 3-327-00032-8, S. 303

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jaroslav Lugs: Handfeuerwaffen. 2 Auflage. Militärverlag der DDR, nicht angegeben, ISBN 3-327-00032-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gasdrucklader – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien