Gasland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Gasland
Originaltitel Gasland
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2010
Länge 104 Minuten
Stab
Regie Josh Fox
Drehbuch Josh Fox
Produktion Trish Adlesic
Molly Gandour
Josh Fox
David Roma
Kamera Josh Fox
Schnitt Matt Sanchez

Gasland ist ein vom Filmemacher Josh Fox geschriebener und in Szene gesetzter US-amerikanischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010. Der Film beschäftigt sich mit den Auswirkungen der in den USA bereits häufig angewandten Tiefbohrtechnik Fracking, mit der Gasvorkommen erschlossen werden, indem man unterirdisch künstliche Risse erzeugt. Dafür reiste er durch mehrere betroffene Regionen der USA. Der Film präsentiert einerseits Aussagen und Erlebnisse der von den negativen Auswirkungen betroffenen Anwohner, und lässt andererseits zahlreiche Experten zu Wort kommen. Neben einer Oscar-Nominierung als „Bester Dokumentarfilm“ erhielt er 2011 mehrere Preise, u. a. einen Emmy. Daneben gibt es aber auch zahlreiche kritische Stimmen, sowohl zur tendenziösen Art und Weise als auch zur inhaltlichen Richtigkeit der Darstellung der behandelten Thematik.[1] Aus dieser Kritik ging der Dokumentarfilm FrackNation aus dem Jahr 2013 hervor.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Im Mai 2008 wurden Josh Fox schriftlich 100.000 US-$ (ca. 80.502 Euro bzw. 96.796 CHF) angeboten. Diese Summe wollte ihm eine Firma bezahlen, um sein Land zu pachten und dort mit einer international als Hydraulic Fracturing bekannten Methode Gasvorkommen zu erschließen.[2] Daraufhin informierte er sich in vier Bundesstaaten (Pennsylvania, New York, Ohio und West Virginia) darüber, welche Folgen es für ihn haben könnte, dieses Angebot zu akzeptieren. Im Verlauf dieser Reise wurde er in Wohnungen eingeladen, in denen die dort lebenden Familien ihr Leitungswasser anzünden konnten.

In der Annahme, dies stünde in Zusammenhang mit Hydraulic Fracturing, reiste Fox in vier weitere Bundesstaaten (Colorado, Wyoming, Utah und Texas) und besuchte Gegenden, in denen schon seit mindestens zehn Jahren mit Hydraulic Fracturing Gas gewonnen wird. Auch dort sprach er mit Anwohnern und erforschte Auffälligkeiten. Nachdem er im Rahmen der Dokumentation mit Wissenschaftlern, Politikern und Vertretern der Industrie gesprochen hatte, wurde ihm zur Kenntnis gebracht, dass das Thema seines noch unfertigen Films inzwischen offiziell im Kongress diskutiert wurde.[3][4]

Produktion[Bearbeiten]

Die Erstellung des Films dauerte 18 Monate, in denen insgesamt 200 Stunden Filmmaterial entstanden. Josh Fox hatte zunächst nur einen einzigen Helfer, aber sein Team wuchs.[5] Für die Filmmontage trat schließlich der Cutter Matt Sanchez dem Team bei.[6]

Rezeption[Bearbeiten]

Anleitung: Neutraler Standpunkt Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite. Weitere Informationen erhältst du hier.

Positiv[Bearbeiten]

Robert Koehler vom Magazin Variety nannte die Dokumentation „einen der effektivsten und eindrucksvollsten Umweltfilme der vergangenen Jahre“ ("one of the most effective and expressive environmental films of recent years"). Auch schrieb er, der Film „könnte für die Gefahren der Erdgasförderung werden, was Der stumme Frühling für DDT war“ ("Gasland may become to the dangers of natural gas drilling what Silent Spring was to DDT").[7]

Stewart Nusbaumer schrieb in der Huffington Post, dass der Film die Zuschauer empören und damit gleich zu Aktivisten machen könne. ("Gasland… just might take you from outrage right into the fire of action.")[8]

Die australische Filmkritikerin Julie Riggs bezeichnete die Dokumentation als „Horrorfilm“ und „Weckruf“. ("A horror film, and a wake-up call.")[9]

Negativ[Bearbeiten]

Die Oil & Gas Conservation Commission des US-Bundesstaates Colorado reklamierte, dass dem Filmemacher bei der Darstellung von Vorkommnissen in Colorado mehrere Fehler unterlaufen wären.[10]

In einem Artikel im Magazin Forbes kommentierte Dr. Michael Economides, Technik-Professor an der Universität Houston, die brennenden Wasserhähne. Die Darstellung sei extrem irreführend und unverantwortlich. Zwischen den Trinkwasserschichten und den gasführenden Schichten lägen hunderte bis tausende Meter undurchlässigen Gesteins. Jeder Austausch zwischen den Schichten geschehe daher, wenn überhaupt, in geologischen Zeiträumen über Jahrmillionen.[11]

Energy in Depth (EID), gegründet von der Independent Petroleum Association of America,[12] veröffentlichte eine Liste von faktischen Ungenauigkeiten in Gasland,[13] und produzierte darauf aufbauend den Dokumentarfilm TruthLand.[14] Die Macher von Gasland reagierten mit einer Gegenschrift.[15]

Der Dokumentarfilm FrackNation wurde inspiriert von der Konfrontation zwischen dem Dokumentarfilmer Phelim McAleer und Gasland-Regisseur Josh Fox auf einer Veranstaltung in Chicago. McAleer konfrontierte Fox dabei mit historischen Aufzeichnungen über entzündliches Erdgas im Leitungswasser in Burning Springs, lange bevor dort mit Fracking begonnen wurde. Fox antwortete, diese Information komme in Gasland nicht vor, weil sie ihm nicht relevant erschien. Nach Veröffentlichung des Videos der Konfrontation[16] erreichten Fox und dessen Anwälte eine Löschung des Videos auf YouTube und Vimeo, obwohl die FrackNation-Macher erfolgreich auf Wiedereinstellung des Videos klagten. Dies bestärkte McAleer in seiner Überzeugung, FrackNation sei notwendig, um der einseitigen Sichtweise von Medien, Außenstehenden und „urbanen Eliten“ entgegenzutreten.[17]

Am 17. November 2014 berichtete die FAZ über einseitige Berichterstattung und Desinformation im Internet am Beispiel von Fracking und Gasland. [1]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2011 Primetime Emmy Award for Outstanding Directing for Nonfiction Programming an Josh Fox
  • 2010 Environmental Media Award for Best Documentary Feature
  • 2010 Sundance Film Festival Special Jury Prize
  • 2010 Big Sky Documentary Film Festival Artistic Vision award
  • 2010 Thin Line Film Festival Audience Award
  • 2010 Yale Environmental Film Festival Grand Jury Prize
  • 2010 Sarasota Film Festival Special Jury Prize

Nominierungen[Bearbeiten]

  • 2011 Academy Award for Best Documentary Feature
  • 2011 Writers Guild of America Award for Best Documentary Screenplay.
  • 2011 Primetime Emmy Award for Outstanding Cinematography for Nonfiction Programming (Josh Fox)
  • 2011 Primetime Emmy Award for Outstanding Writing for Nonfiction Programming (Josh Fox)
  • 2011 Primetime Emmy Award for Exceptional Merit in Nonfiction Programming (Josh Fox)

Wirkung[Bearbeiten]

Nach der Veröffentlichung der Dokumentation kam es in Europa verstärkt zu Widerstand gegen geplante Tiefenbohrungen.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Brennende Wasserhähne - Desinformation im Internet. In: faz.net, 17. November 2014. 
  2. Australia's Special Broadcasting Service (SBS) film page on Gasland. 19. November 2010
  3. 111th United States Congress. S. 1215: Fracturing Responsibility and Awareness of Chemicals (FRAC) Act. 27. April 2010
  4. Energy Policy Act of 2005. Pub. L. 109-58, TITLE III, Subtitle C, SEC. 322. Hydraulic fracturing (PDF; 3,2 MB). 6. Februar 2011
  5. MakingOf. Interview: Josh Fox. 25. Februar 2010. 4. Mai 2010.
  6. IndieWire. Sundance ’10: Gasland Director Josh Fox on Being a One Man Crew. 22. Januar 2010. 24. April 2010.
  7. Robert Koehler: Gasland Movie Review from the Sundance Film Festival. In: Variety, 25. Januar 2010. Abgerufen am 24. April 2010. 
  8. Stewart Nusbaumer: Big Sky Doc Film Fest: Gasland Fuel for Justice. In: The Huffington Post, 18. Februar 2010. Abgerufen am 24. April 2010. 
  9. Movietime - 19 November 2010 - Gasland. Abc.net.au. 19. November 2010. Abgerufen am 13. Juli 2011.
  10. Statement of the State of Colorado Oil & Gas Conservation Commission (COGCC) regarding Gasland (PDF; 46 kB)
  11. Michael Economides: Slurring Natural Gas with Flaming Faucets and Other Propaganda. In: Forbes.com, 22. April 2010. 
  12. Edith Honan: Film challenges safety of U.S. shale gas drilling. In: Reuters, 17. Juni 2010. Abgerufen am 28. Juni 2010. 
  13. Energy in Depth: Debunking GasLand. 9. Juni 2010. Abgerufen am 17. Dezember 2011. 
  14. A project of IPAA and Energy In Depth. TruthLand Movie. Abgerufen am 9. März 2013.
  15. Affirming Gasland.
  16. McAleer confronts Gasland Director auf YouTube
  17. Politico, New film in defense of fracking, Feb. 2, 2012
  18. Filmemacher Josh Fox erreichte mit seiner investigativen Dokumentation weltweit Millionen Menschen. Seit der Premiere des Films wächst auch in Europa der Widerstand.. Abgerufen am 13. Oktober 2011.