Gaspar de Guzmán, Conde de Olivares

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gaspar de Guzmán, Conde Duque de Olivares; Portrait von Diego Velázquez (1638)

Gaspar de Guzmán, Graf von Olivares, Herzog von San Lucar, (* 6. Januar 1587 in Rom; † 22. Juli 1645 in Toro) war einer der führenden Minister Spaniens in der Regentschaft von König Philipp IV. Er regierte von 1623 bis 1643. Sein Ziel war es, die Zentralgewalt in Spanien zu stärken, wodurch er Aufstände auslöste, die schließlich durch Hofintrigen zu seinem Sturz führten.

Leben[Bearbeiten]

Olivares Familie gehörte zu den einflussreichsten Sippen Andalusiens. Seinen Aufstieg hatte er in den ersten Jahren vor allem der Förderung durch seinen Vater, Vizekönig beider Sizilien und spanischer Gesandter am Heiligen Stuhl, zu verdanken. Der 3. Graf von Olivares studierte an der Universität Salamanca. Er war Adliger (gentilhombre) am Hofe Philipps IV. von Spanien (1605 – 1665) von Kastilien. Als 1622 sein Onkel Baltasar de Zúñiga starb, wurde er Premierminister. Der König, der 1621 seine Herrschaft angetreten hatte, überließ die Herrschaftsgeschäfte weitgehend Olivares.

Innenpolitisch bemühte sich Olivares zunächst um ein Ende der Misswirtschaft, die unter Philipp III. um sich gegriffen hatte. Nach außen vertrat er entschieden die spanisch-imperialistische Tradition und damit ein politisches Programm, das auf die Hegemonialmacht der spanischen Habsburger in Europa setzte. Wegen des immensen Steuerdrucks und des lahmenden Amerika-Handels waren die kastilische Staatskasse leer und die menschlichen Ressourcen erschöpft. Dies zwang Olivares zu wirtschaftlichen und militärischen Maßnahmen gegenüber anderen Landesteilen, insbesondere zu erneuten Kriegszügen gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Niederlande. Nach anfänglichen Erfolgen 1618 (in Valtellina und in der Pfalz) folgten bald vor allem Niederlagen.

Diego Rodríguez de Silva y Velázquez, Conde Duque de Olivares zu Pferde, 1634, Öl auf Leinwand, Prado

Olivares startete ein Reformprogramm (Junta de Reformación, 1623), das aber letztendlich ebenfalls misslang. Er versuchte eine gerechtere Steuerverteilung in Kastilien, eine Neuorganisation des Bankensystems in enger Anlehnung an die kastilische Krone und eine engere Bindung der nicht-kastilischen Landesteile (vor allem Portugal und Katalonien) an dieses Finanzierungs- und Militärsystem durchzusetzen. Dieses Programm (Memorial del 1624) beinhaltete weitgehende Änderungen der Organisationen in den nicht-kastilischen Landesteilen und deren Kastilianisierung. Es zielte auf einen absolutistisch, monarchisch-spanischen-kastilischen Zentralstaat hin. Vor allem die Verwicklung in den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) in Deutschland auf seiten Habsburgs wurde zunehmend zu einer Last für die kastilische Monarchie. Der zunehmende Steuerdruck und die Forderung nach Kriegsunterstüzung provozierte in Portugal und in Katalonien große Widerstandsbewegungen und Aufstände gegen die kastilische Monarchie. Olivares schlug eine Waffenunion der katalanisch-aragonesischen Krone mit Kastilien vor, sprach sich andererseits gegen die katalanisch-aragonesische Verfassung aus. Aragon und Valencia lehnen die Waffenunion mit Kastilien ab und schränkten ihre Steuerzahlungen ein.

In Barcelona fand 1626 eine Krisensitzung des Parlamentes zu allen umstrittenen Fragen (katalanische Rekruten, Beleidigungen und Demütigungen Kataloniens seitens des Königs, Frage der Waffenunion) statt. Graf Olivares brach den teuren Besuch des Königs in Barcelona ab, verhinderte damit eine Verhandlungslösung und kehrte mit dem König unverrichteter Dinge nach Madrid zurück. In den folgenden Jahre griff Olivares unter anderem zur Konfiszierung der Einnahmen von Großgrundbesitzern, der Beschlagnahmung aller Einnahmen aus dem Handel mit dem amerikanischen Kontinent, Tributzahlungen von Beamten für ihre Einnahmen an den kastilischen Staat (media annata, 1631) und zur Ausgabe von Kriegsanleihen. 1632 scheiterte das Parlament in Barcelona abermals mit Vermittlungsbemühungen. 1635 ließ Olivares im Krieg mit Frankreich kastilische Truppen in Katalonien stationieren, die im Krieg um das Roussillon (1639 – 1640) noch erheblich vergrößert wurden.

Die Politik Olivares', die eine Einbindung Kataloniens und Portugals in die gesamtspanisch-kastilische Politik erzwingen wollte, erreichte ihr Gegenteil: Sie provozierte einen Aufstand Kataloniens gegen Philipp IV., den Aufstand der Schnitter (1640 – 1652) (siehe auch: Els Segadors) sowie die Lösung Portugals von der spanischen Krone im Dezember 1640. 1643 schickte Philipp IV. Olivares wegen dessen militärischen Niederlagen nach Toro ins Exil. Selbst Teile Andalusiens wollten sich in dieser Situation von der kastilischen Krone lossagen. Im Exil schrieb Olivares seine ohne große Wirkung bleibenden Rechtfertigungen unter dem Titel: „Nicandro“, die ihm aber die Verfolgung durch die Inquisition einbrachte.

Kunsthistorisch ist Olivares bedeutsam, da er zu den frühen Förderern Diego Velázquez gehörte und er maßgeblich daran beteiligt war, dass dieser zum spanischen Hofmaler wurde. Velázquez hat ihn mehrfach porträtiert. Zu den kunsthistorischen bedeutsamsten Gemälden zählt ein Reiterporträt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gregorio Marañón: Olivares - Der Niedergang Spaniens als Weltmacht, Verlag Georg D. W. Callwey, München 1939.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gaspar de Guzmán, Conde de Olivares – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien