Gaspar van Weerbeke

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Gaspar van Weerbeke (* um 1455 in Oudenaarde, Flandern; † nach 1517 in Mainz (?)) war ein Komponist und Sänger.

Das Leben[Bearbeiten]

Gaspar van Weerbeke wurde als uneheliches Kind geboren. Ausgebildet wurde er wahrscheinlich an der Maîtrise von Sainte-Walburga in Oudenaarde.

Spätestens seit dem Winter 1471/1472 baute er für den Mailänder Herzog Galeazzo Maria Sforza eine Hofkapelle auf. Zwei Reisen (ab April 1472 und ab dem 18. Januar 1473) führten Gaspar auf der Suche nach Sängern in den Norden. Gaspar stand 18 cantori de camera (Kammersängern) vor, Antonio Guinati 22 cantori de capella (Kapellsängern), zu denen unter anderem Loyset Compère, Jehan Fresneau und Johannes Martini gehörten. Der Herzog, sehr zufrieden mit Gaspar, bedachte ihn reichlich mit Pfründen, zum Beispiel eine Rente von 40 Dukaten auf die Präpositur von San Lorenzo in Lodi.

Nach der Ermordung des Herzogs am 26. Dezember 1476 wurde beschlossen, die Hofkapelle zu verkleinern. Zu den Musikern, die nicht übernommen wurden, gehörten Loyset Compère und Jehan Fresneau. Gaspar aber blieb noch 4 Jahre im Haushalt der Sforzas.

Im Winter 1480/1481 wurde er Mitglied der Sixtinischen Kapelle in Rom. Er blieb dort bis April 1489. Seine bedeutendsten Kollegen waren Josquin Desprez und Marbriano de Orto. Ein Angebot für einen Posten am Mailänder Hof lehnte Gaspar im April 1482 ab. Im Mai 1483 wurde Gaspar Mitglied der Fraternità di Santo Spirito e S Maria in Saxia.

Mitte April 1489 kehrte Gaspar nach Mailand zurück, wo nunmehr Ludovico Sforza, genannt ‘il Moro’, regierte. Hier nahm Gaspar seine alten Aufgaben wahr. Erneut führten ihn Reisen in die Heimat und nach Florenz, um Sänger für die Hofkapelle zu verpflichten.

In dieser Zeit unterhielt Gaspar auch Beziehungen zum Hof Philipps des Schönen (1489 – 1506). Von 1495 bis zum 7. September 1497 ist Gaspar in dessen Rechnungen nachweisbar: er sang - wie Pierre de la Rue - in der Grande Chapelle des Herzogs und erhielt Benefizien in den Diözesen Utrecht und Thérouanne. Von 1495 bis 1498 war Gaspar Kanonikus an Saint-Donatien in Brügge. Trotz seiner Beschäftigung am Hof Philipps des Schönen bestanden Gaspars Kontakte nach Mailand weiterhin. Im Herbst 1498 hielt er sich im Auftrag des Mailänder Herzogs wegen der Anwerbung von Sängern in Flandern auf. Bei dieser Gelegenheit besucht er auch seine Heimatstadt, wo vermerkt wurde, er sei „sanckmeester van den herthoge van melanen“.

Wahrscheinlich ist es in dieser Zeit auch zu näherem Kontakt zur französischen Hofkapelle gekommen. Denn in Crétins Deploration auf den Tod Johannes Ockeghems († 1497) wird Gaspar in einer Reihe mit Mitgliedern der Hofkapelle des französischen Königs genannt.

Ganz ungetrübt war das Verhältnis Gaspars zu seinem Mailänder Dienstherren Ludovico Sforza nicht. In einem Brief an den Sänger Jean Cordier beschwerte sich der Herzog über Gaspar: Dieser sei nicht nur aus Mailand ohne seine Erlaubnis und unter Hinterlassung hoher Schulden abgereist, was ihn, den Herzog, gezwungen habe, Gaspars Haus zu pfänden, Gaspar habe auch einen Sänger mangelnder Qualität verpflichtet. Zu einem Bruch kam es indes nicht.

Der Krieg zwischen Frankreich und Mailand im September 1499 zwang Gaspar, Mailand endgültig den Rücken zu kehren. Auf das Angebot des Herzogs von Ferrara, Ercole I. d’Este ging Gaspar jedoch nicht ein. Am 28. November 1499 wurde in Ferrara vermerkt, Gaspar habe das Angebot, Hofkapellmeister des Herzogs zu werden, abgelehnt.

Von 1500 bis wenigstens Ende 1515 gehörte Gaspar wieder dem Päpstlichen Chor in Rom an. 1514 trat er der Bruderschaft Campo Santo dei Teutonici e Fiamminghi bei, um sich einen Begräbnisplatz neben dem Petersdom zu sichern. Am 1. November 1515 bestätigte ihm Papst Leo X. die Exspektanz auf frei werdende Präbanden in den Diözesen Cambrai und Tournai.

Am Ende seines Lebens ging Gaspar nach Deutschland. Am 1. November 1517 wurde er als Kanonikus an der Kirche St. Maria ad Gradus in Mainz erwähnt. Bald danach muss er an unbekanntem Ort gestorben sein.

Werk[Bearbeiten]

Messen[Bearbeiten]

  1. Missa Ave regina coelorum
  2. Missa brevis
  3. Missa Et trop penser
  4. Missa N'as tu pas
  5. Missa octavi toni
  6. Missa O Venus banth
  7. Missa Princesse d'amourettes
  8. Missa Se mieulx ne bient.

Fragmenta missarum[Bearbeiten]

  1. Credo
  2. Credo cardinale

Motettenzyklen[Bearbeiten]

  1. Ave mundi domina, bestehend aus:
    1. Ave mundi domina
    2. Ave mater gloriosa
    3. Salve virgo virginum
    4. Anima mea liquefacta est
    5. Ave regina caelorum, ave
    6. Quem terra pontus aethera
    7. O virginum praeclara
    8. Fit porta Christi
  2. Quam pulchra es, bestehend aus
    1. Quam pulchra es
    2. Alma redemptoris mater
    3. Salve virgo salutata
    4. O pulcherrima mulierum
    5. Ave regina coelorum mater
    6. O Maria clausus ortus
    7. Mater patris fillia mulierum
    8. Tota pulchra es anima mea
  3. Spiritus Domini replevit orbem, bestehend aus
    1. Spiritus Domini replevit orbem
    2. Veni Sancte Spiritus
    3. Beata gens cuius est Dominus
    4. Confirma hoc Deus
    5. Sancti Spiritus adsit nobis gratia
    6. Loquebantur variis linguis
    7. Factus est repente de caelo

Motetten[Bearbeiten]

  1. Adonai sanctissime Domine Deus
  2. Anima Christi sanctifica me
  3. Ave domina angelorum
  4. Ave dominsa sancta Maria
  5. Ave mater omnium
  6. Ave regina coelorum
  7. Ave stella matutina
  8. Ave verum corpus
  9. Christi mater ave sanctissima
  10. Dulcis amica Dei digna / Da pacem Domine
  11. Ibo mihi ad montem mirrhe
  12. Mater digna Die
  13. O beate Sebastiane
  14. O pulcherrima mulierum surge
  15. Panis angelicus
  16. Salve sancta parens
  17. Stabat mater dolorosa /Vidi specio-sam
  18. Tenebrae factae sunt
  19. Verbum caro factum est
  20. Vidi speciosam sicut columbam
  21. Virgo Maria, non est tibi similis.

Andere geistliche Werke[Bearbeiten]

  1. Magnificat octavi toni
  2. Lamentationes Jeremiae.

Chansons[Bearbeiten]

  1. La stangetta
  2. Bon temps
  3. O Venus bant
  4. Que faict le cocux au bois
  5. Sans regrets

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]