Gastronomiekritik

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Als Gastronomiekritik wird das Schreiben über Essen, Trinken und Restaurants bezeichnet. Sie bietet Betrachtungen zu kulinarischen Entwicklungen und gastrosophischen Themen, aber auch Restaurantkritik in Zeitungen, Zeitschriften, Blogs und Restaurantführern. Der eher historisch verwendete Begriff Gastrosophie hat Überschneidungen, beinhaltet aber weniger stark die Restaurantkritik.

Gastronomie-Kritiker[Bearbeiten]

Bedeutende historische Gastronomiekritiker (Gastrosophen) waren beispielsweise in Frankreich Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755–1826) und in Deutschland Carl Friedrich von Rumohr (1785–1843).

In Deutschland etablierte sich Gastronomiekritik in breiterem Maß nach ab Ende der 1960er Jahre, beispielsweise von Wolfram Siebeck in der Zeit. Bekannt waren in den 1970er Jahren auch Gert von Paczensky und Klaus Besser.

Im neuen Jahrtausend traten neben Siebeck vor allem Jürgen Dollase in der FAZ und Bernd Matthies in Essen & trinken und im Tagesspiegel hervor. In der deutschsprachigen Schweiz gehören Wolfgang Faßbender von der Neue Zürcher Zeitung und David Schnapp von der Weltwoche zu den bekanntesten und renommiertesten Restaurantkritikern; beide betätigen sich zugleich auch als Gastro-Blogger.

Gastronomische Medien[Bearbeiten]

Seit Ende der sechziger Jahre erschienen in der Zeit gastronomische Themen, in den siebziger Jahren wurden dann Essen & trinken (1972) und der Der Feinschmecker (1975) gegründet. Seit den 2000er Jahren widmen sich auch Tageszeitungen wie Der Tagesspiegel und die FAZ zunehmend der Gastronomiekritik. Vor allem die FAZ nimmt durch den prominenten Kritiker Jürgen Dollase die Position eines meinungsbildenden Mediums ein.

Als Fernseh-Journalist im gastronomischen Bereich ist Stefan Quante tätig.

Inzwischen gibt es einige gastronomische Blogs wie die "Die Sternefresser" [1], "Trois Etoiles" [2] oder "Wo isst Siebeck".[3]

Kontroversen um Gastrokritiker[Bearbeiten]

Im Lauf der Jahrzehnte zogen Gastrokritiker sich immer wieder den Unmut von Gastronomen und Köchen zu. Wolfram Siebeck und Gert von Paczensky erhielten in manchen Restaurants Hausverbot, nachdem sie negativ über sie geschrieben hatten. So schrieb Siebeck in seinem Buch "Kulinarische Notizen" (1980) über einen Besuch im Münchner Restaurant "Boettner": "Als ich zum letzten Mal dort war, war ich in Begleitung von Gert van Paczensky, der schrieb darauf einen sehr scharfen, aber berechtigten Verriss über dieses Restaurant. As ich jetzt wieder dort essen wollte, wurde mir die Bedienung verweigert, weil ich damals in der falschen Gesellschaft war."[4] Anlässlich Siebecks 85. Geburtstag im September 2013 berichte auch Der Tagesspiegel, dass Siebeck und seine damaligen Kollegen in manchen Lokalen Hausverbot bekamen. Allerdings kommt der Autor des Textes zu dem Schluss: "Doch solche Scharmützel nützten am Ende immer beiden Seiten, und so stellte sich langsam der Frieden der Macht ein: Die Köche befolgten, was der große Autor ihnen nahelegte, und er verzichtete darauf, allzu harsche Verrisse zu formulieren." [5]

Auch Blogger bekommen mitunter Hausverbot. So berichtete Der Spiegel in seiner Ausgabe 45/2014, dass der Blog Sternefresser auf Presseeinladungen von Restaurants zurückgreife; zugleich würden die Autoren bisweilen harsche Kritik an den Kreationen mancher Sterneköche üben, so etwa bei Hans Haas und Frank Rosin. Deshalb hätten die Mitarbeiter des Blogs in deren Restaurants Hausverbot. [6]

In Frankreich wurde im Jahr 2014 eine Foodbloggerin nach einer negativen Kritik verklagt und zu einer Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt: Die Kritik selbst, so das Gericht, falle zwar unter die Meinungsfreiheit, die Überschrift hingegen wurde als Diffamierung gewertet; darin hatte die Bloggerin das Lokal “einen Ort, den man in Cap Ferret vermeiden solle” genannt. [7] In dem deutschen Branchenorgan Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung wurde die Kritik hingegen als juristisch unproblematische Meinungsäußerung bewertet und das französische Urteil kritisiert. [8]

Insgesamt kann man das Verhältnis von Köchen und kritischen Bloggern dennoch als entspannt betrachten: Im Fragebogen der Gastro-Website "Berliner Speisemeisterei" nennen zahlreiche Spitzenköche –darunter Andreas Caminada, Jörg Sackmann und Tim Raue– immer wieder Blogs wie Trois Etoiles und Sternefresser als persönliche Tipps für "unbedingt anzusehende Genuss-Webseiten". [9]

Restaurantführer[Bearbeiten]

Bekannte Restaurantführer sind Guide Michelin (in Deutschland seit 1964), der Gault-Millau (in Deutschland seit 1983), "Der Feinschmecker Restaurant Guide" und "Gusto - der kulinarische Reiseführer".

Anbieter wie das Portal Restaurant-Ranglisten berechnen aus den verschiedenen Bewertungen neue Bewertungslisten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Sternefresser
  2. Trois Etoiles
  3. "Wo isst Siebeck"
  4. Zitiert nach: Wolfram Siebeck: "Kulinarische Notizen". München, 1980.
  5. Zitiert nach: Bernd Matthies: "Aufklärer statt Avantgarde". Der Tagesspiegel, Berlin, 19. September 2013.
  6. Der Spiegel: "Tanzende Seezunge". Hamburg, Heft Nr. 45/2014
  7. The Daily Eats: Negative Kritik: Blogger muss 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen.
  8. "Französische Bloggerin hat nur ihre Meinung geäußert", Rechtsanwalt Peter Hense in: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ), 18. Juli 2014
  9. [1] Berliner Speisemeisterei: 12 F.A.Q.

Weblinks[Bearbeiten]