Gătaia

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Gătaia
Gattaja
Gátalja
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Gătaia (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Banat
Kreis: Timiș
Koordinaten: 45° 25′ N, 21° 26′ O45.41111111111121.425277777778110Koordinaten: 45° 24′ 40″ N, 21° 25′ 31″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 110 m
Fläche: 247,48 km²
Einwohner: 5.861 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner je km²
Postleitzahl: 307185
Telefonvorwahl: (+40) 02 56
Kfz-Kennzeichen: TM
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 5 Gemarkungen/Katastralgemeinden: Butin, Percosova, Sculia, Șemlacul Mare, Șemlacul Mic
Bürgermeister: Raul Cozarov (PD-L)
Postanschrift: Str. Carpați, nr. 106
loc. Gătaia, jud. Timiș, RO–307185
Website:
Sonstiges
Stadtfest: Juli

Gătaia (deutsch Gattaja, ungarisch Gátalja) ist eine Kleinstadt im Kreis Timiș, Banat, Rumänien.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lage von Gătaia im Kreis Timiș

Gătaia liegt im Banat, links des Flusses Bârzava. Die Kreishauptstadt Timișoara befindet sich etwa 40 km nordwestlich.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Liebling Sacoșu Turcesc Tormac
Birda Nachbargemeinden Berzovia
Denta Jamu Mare Bocșa

Geschichte[Bearbeiten]

Gătaia wurde 1323 unter dem Namen Gothal erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort gehörte damals zum Königreich Ungarn. Im 16. Jahrhundert gewannen die Osmanen die Kontrolle über die Region. 1718 gelangten durch den Frieden von Passarowitz das Banat und damit auch Gătaia an Österreich-Ungarn. In der Folge siedelten sich – wie in vielen Orten des Banats – Angehörige verschiedener Nationalität an, darunter zahlreiche Deutsche. 1823 erhielt der ungarische Schriftsteller László Govore den Ort geschenkt. Infolge des Vertrags von Trianon 1920 kam Gătaia zu Rumänien. Der Ort wurde 1935 ein lokales Verwaltungszentrum.[2]

Infolge des Waffen-SS Abkommens vom 12. Mai 1943 zwischen der Antonescu-Regierung und Hitler-Deutschland wurden alle deutschstämmigen wehrpflichtigen Männer in die deutsche Armee eingezogen. Noch vor Kriegsende, im Januar 1945, fand die Deportation aller volksdeutschen Frauen zwischen 18 und 30 Jahren und Männer im Alter von 16 bis 45 Jahren zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion statt.

Das Bodenreformgesetz vom 23. März 1945, das die Enteignung der deutschen Bauern in Rumänien vorsah, entzog der ländlichen Bevölkerung die Lebensgrundlage. Der enteignete Boden wurde an Kleinbauern, Landarbeiter und Kolonisten aus anderen Landesteilen verteilt. Anfang der 1950er Jahre wurde die Kollektivierung der Landwirtschaft eingeleitet. Durch das Nationalisierungsgesetz vom 11. Juni 1948, das die Verstaatlichung aller Industrie- und Handelsbetriebe, Banken und Versicherungen vorsah, fand die Enteignung aller Wirtschaftsbetriebe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit statt.

Da die Bevölkerung entlang der rumänisch-jugoslawischen Grenze von der rumänischen Staatsführung nach dem Zerwürfnis Stalins mit Tito und dessen Ausschluss aus dem Kominform-Bündnis als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde, erfolgte am 18. Juni 1951 die Deportation „von politisch unzuverlässlichen Elementen" in die Bărăgan-Steppe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. Die rumänische Führung bezweckte zugleich den einsetzenden Widerstand gegen die bevorstehende Kollektivierung der Landwirtschaft zu brechen. Als die Bărăganverschleppten 1956 heimkehrten, erhielten sie die 1945 enteigneten Häuser und Höfe zurückerstattet. Der Feldbesitz wurde jedoch kollektiviert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm durch Flucht und Auswanderung nach Deutschland die Zahl der deutschen Bewohner ab; im Gegenzug wanderten Rumänen aus anderen Landesteilen ein. 2004 erhielt Gătaia den Status einer Stadt.

Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft, der Handel, die Textil- und die Lebensmittelindustrie.

Bevölkerung[Bearbeiten]

1880 wurden auf dem Gebiet der heutigen Stadt 6.285 Einwohner registriert, darunter 2.756 Rumänen, 1.551 Ungarn, 1.307 Deutsche, 463 Slowaken und 89 Serben. Bereits 1910 wurde mit 8.912 die maximale Bevölkerungszahl registriert, die danach wieder tendenziell rückläufig war. Bei der Volkszählung 2002 lebten in der Gemeinde 6.155 Personen, darunter 4.565 Rumänen, 937 Ungarn, 441 Slowaken, 104 Deutsche, 61 Roma, 38 Serben und 12 Tschechen.[3] 4.073 wohnten in der eigentlichen Stadt, 2.082 in den fünf eingemeindeten Ortschaften.

Verkehr[Bearbeiten]

Gătaia ist ein regionaler Eisenbahnknotenpunkt und liegt an den Strecken von Timișoara nach Reșița sowie von Buziaș nach Jamu Mare. Beide Linien werden vom privaten Anbieter Regiotrans bedient. Durch die Stadt führt die Nationalstraße 58B von Voiteg nach Reșița.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kloster Săraca (15. Jahrhundert) im Ortsteil Șemlacu Mic

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elke Hoffmann, Peter-Dietmar Leber und Walter Wolf: Das Banat und die Banater Schwaben. Band 5. Städte und Dörfer, Mediengruppe Universal Grafische Betriebe München GmbH, München, 2011, 670 Seiten, ISBN 3-922979-63-7

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gătaia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien bei citypopulation.de
  2. Banater Aktualität, abgerufen am 15. Februar 2009
  3. Volkszählung 2002, abgerufen am 4. Mai 2009 (PDF; 982 kB)