Gauch

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Dieser Artikel befasst sich mit Gauch als einem veralteten Namen für den Kuckuck. Für weitere Bedeutungen siehe Gauch (Begriffsklärung).
Kopie des Fratzensteins aus dem Heimatmuseum

Gauch (von Guck = gouch [guckguck = Kuckuck]) ist ein seit dem 8. Jahrhundert belegter Name für den seit dem 13. Jahrhundert meist Kuckuck genannten Vogel.[1] Der Plural ist Gauche und Gäuche[2]

Hintergrund[Bearbeiten]

Vermutlich weil der Kuckuck wegen seines eintönigen Rufes als töricht galt, bezeichnete das Wort im übertragenen Sinn auch einen Narren, insbesondere einen von der Liebe geblendeten Menschen.[3]

Im Mittelalter wurden auch Gaukler und sonstiges Fahrendes Volk so bezeichnet [4], zuweilen abschätzig im Sinne von Spitzbube. Zeugnisse davon finden sich u.a. auf sogenannten Fratzensteinen, die zur Abwehr dieser Leute an den Stadttoren angebracht waren. Im Heimatmuseum Bergen-Enkheim befindet sich ein Original aus Sandstein, auf dem ein Gaukler mit einer eulenspiegelartigen Kopfbedeckung ein Spruchband hält, mit dem Text: „far du gauch 1479“.

Wegen des bekannten Brutschmarotzertums wurde die Bezeichnung Gauch wie das heutige Kuckuckskind eingesetzt, so im Nibelungenlied: „Sollen wir Gäuche ziehen?“ („Sollen wir Kuckuckskinder großziehen?“)

Verwendungen in Kunst und Literatur[Bearbeiten]

Das Werk Das Narrenschiff von Sebastian Brant greift die Gäuche auf. Auf einem Schiff stehen als Narren verkleidete Gäuche (Liebesnarren) Im 13. Absatz – Von buolschafft – wird von Venus erzählt[5], die drei Gäuche und einen Affen mit sich führt und dem Ruf des Kuckucks lauscht. Auch greift Brant hier schon eine erstes mal Gäuchinnen auf, indem er den Gäuchen Närrinen gegenüberstellt.[6]

Viel deutlicher treten die Gäuchinnen (einzahl Geuchin) allerdings in Thomas Murners Geuchmat auf. Hier werden sie explizit erwähnt und stellen die Rolle der Betrügerin da.[7]

Weitere Verwendungen[Bearbeiten]

Als Gauchblume wurde auch das im Volksmund als Kuckucksblume bekannte Wiesen-Schaumkraut bezeichnet.

Ebenso ist Gauch (auch Gauck) ein deutscher Nachname, den es schon länger als 600 Jahre gibt. Hauptsächlich stammt der Nachname Gauch aus der Pfalz, der sich aber dann auf die ganze Welt verbreitete.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Kuckuck – Vogel des Jahres 2008. Nabu Kreisverband Heinsberg, abgerufen am 4. September 2014.
  2. Gauch, der. Bibliographisches Institut Deutschland, abgerufen am 4. September 2014.
  3. Gauc. physiologus.de, abgerufen am 4. September 2014.
  4.  Robert Gernhardt: Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik. In: Fischer Klassik PLUS. S. Fischer Verlag, 20. September 2012 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 4. September 2014).
  5. Das Narrenschiff – Kapitel 13. Spiegel, abgerufen am 4. September 2014.
  6. Das Narrenschiff – Vorrede zum Narrenschiff. Spiegel, abgerufen am 4. September 2014.
  7.  Thomas Murner, Franz Schultz: Die Geuchmat. In: Deutsche Schriften. 5, K. J. Trübner, 1981.