Gaukönigshofen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gaukönigshofen
Gaukönigshofen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gaukönigshofen hervorgehoben
49.63333333333310270Koordinaten: 49° 38′ N, 10° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Würzburg
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 31,98 km²
Einwohner: 2495 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97253
Vorwahl: 09337
Kfz-Kennzeichen: WÜ, OCH
Gemeindeschlüssel: 09 6 79 134
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 16
97253 Gaukönigshofen
Webpräsenz: www.gaukoenigshofen.de
Bürgermeister: Bernhard Rhein (parteilos)
Lage der Gemeinde Gaukönigshofen im Landkreis Würzburg
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Über dieses Bild
Gaukönigshofen von Nordwesten

Gaukönigshofen ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Gaukönigshofen liegt 20 km südlich von Würzburg inmitten des fruchtbaren Ochsenfurter Gaus im Thierbachtal.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Gaukönigshofen gliedert sich in sechs Ortsteile[2]:

Es gibt die Gemarkungen Acholshausen, Eichelsee , Gaukönigshofen, Rittershausen und Wolkshausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits aus der Zeit der Bandkeramiker (ca. 5000 v. Chr.) lassen sich erste Siedlungen nachweisen. Siedlungszeugnisse stammen auch aus der Bronzezeit (1800–1000 v. Chr.) und aus der frühen Eisenzeit, auch Hallstattzeit. Damit ist Gaukönigshofen nachweislich eine der ältesten Gemeinden im Landkreis.

Auch die Kelten nutzten schon 400 Jahre vor Christus die Vorteile des fruchtbaren Bodens. Auch die abgegangene Burg Vogtsberg, zwischen Acholshausen und Gaukönigshofen über dem Thierbach gelegen, ist ein Zeugnis aus dieser Zeit. Sie war ursprünglich als Fliehburg erbaut und wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einer mittelalterlichen Burg ausgebaut. Im Bauernkrieg wurde sie vollständig zerstört. Heute ist nur noch der Burggraben zu erkennen. Zur Zeit der Völkerwanderung war der Gau Durchzugs- und vorübergehendes Siedlungsgebiet für germanische Völker, wie der Markomannen, der Alemannen und der Thüringer. Auch von ihnen sind Siedlungsfunde nachgewiesen. Etwa in der Zeit zwischen 700–800 dehnte sich der germanische Stamm der Franken bis an den Main aus. Königshöfe Karls des Großen entstanden in größerer Zahl, so auch in Gaukönigshofen. Aus dieser Zeit, 741, stammt auch die erste urkundliche Erwähnung. Das Kloster Oberzell übte seit 1326 das Patronatsrecht über die Pfarreien aus. Während ab 1481 das Hochstift Würzburg in Gaukönigshofen die Dorfherrschaft besaß, besaß das Kloster Stift Haug in Würzburg überwiegend die Dorfherrschaft in Acholshausen und Rittershausen. Dort begüterte Geschlechter waren u. a. die Gebsattel, die Stromberg, die Rosenbach, die Hund von Wenkheim und die Zobel von Giebelstadt.

Erst in jüngster Zeit wurden im Gemeindebereich bei Ausgrabungen sensationelle Funde gemacht. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass nahe dem heutigen Gaukönigshofen schon zu Zeit von Christi Geburt Menschen gelebt haben. Man fand heraus, dass Kelten und Germanen vor ca. 2000 Jahren offensichtlich friedlich nebeneinander lebten.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Acholshausen und Wolkshausen eingegliedert. Eichelsee folgte am 1. April 1975. Rittershausen kam am 1. Mai 1978 hinzu.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Stand: jeweils der Tag der Volkszählung:

  • 1961: 1958[4]
  • 1970: 1944[4]
  • 1987: 1938
  • 2011: 2482

Stand: jeweils 31. Dezember[5]:

  • 2000: 2268
  • 2001: 2269 (+ 01)
  • 2002: 2295 (+ 26)
  • 2003: 2315 (+ 20)
  • 2004: 2380 (+ 65)
  • 2005: 2428 (+ 48)
  • 2006: 2401 (− 27)
  • 2007: 2446 (+ 45)
  • 2008: 2455 (+ 09)
  • 2009: 2467 (+ 12)
  • 2010: 2468 (+ 01)
  • 2011: 2482 (+ 14)
  • 2012: 2495 (+ 13)

Politik[Bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Bernhard Rhein.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2013 1.628.801 Euro, davon waren umgerechnet 587.179 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen[Bearbeiten]

Das mit 1607 datierte Ortswappen wurde 1961 bei der Renovierung des Rathauses von Gaukönigshofen im Dreiecksgiebel eines Portals entdeckt. Durch die Tingierung Silber und Rot wird auf die alten Wappenfarben des Hochstifts Würzburg hingewiesen, das früher die Landeshoheit über die Gemeinde ausübte.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerschaften bestehen mit den Orten Bad Königshofen im Grabfeld und Königshofen im Taubertal, die ebenfalls 741 erstmals urkundlich als Königshof erwähnt wurden. Auch eine Partnerschaft mit Val d'Odon (ein Zusammenschluss der Ortschaften Baron sur Odon, Evrecy, Eterville und Gavrus, seit 2012 auch Bougy) in der Normandie besteht seit 1997.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schutzengelkirche Gaukönigshofen
Die auch als Dom vom Gau bezeichnete Kirche prägt durch ihre Lage am nordwestlichen Ortsrand das Bild des Altortes und ist weit über die Ebene des Ochsenfurter Gaues sichtbar. Der Rohbau wurde zwischen 1724 und 1730 erstellt, die Pläne fertigte der aus Tirol stammende Baumeister Mathias Kolb. Der Turm hat einen eleganten Aufbau. Vom stark gegliederten Südflügel leuchtet die vergoldete Sandsteinstatue des Schutzengels mit Kind. Den Mittelpunkt der Fassade bildet die Rokokostatue der Immakulata, die als Pforte in die himmlische Herrlichkeit führt. Der festliche Innenraum ist mit zahlreichen Engel- und Heiligendarstellungen ausgestattet.
Hauptfassade und Freitreppe sind flankiert von lebensgroßen Sandsteinfiguren der Heiligen Nepomuk und Kilian. Innen erstrahlt das Gotteshaus nach aufwändiger Renovierung seit 1987 im neuen Glanz. Die Kirche ist eine der stilreinsten des Klassizismus.
  • Rathaus
Die Mitte des Ortes Gaukönigshofen beherrscht das im Jahr 1607 erbaute Renaissance-Rathaus mit seinem Volutengiebel. Das Untergeschoss und die Giebel sind massiv in Stein errichtet, die Wände des Obergeschosses in Fachwerk mit reichen Schnitzereien an den Fenstern. Im Erdgeschoss war bis 1891 die Gemeindeschmiede untergebracht. Zwei Räume im Obergeschoss sind mit Holz getäfelt. Die Tür zum Sitzungssaal trägt die Jahreszahl 1607 und im bekrönenden Giebel das echtersche Wappen. Im Trauzimmer hängt ein schlichtes spätgotisches Kruzifix, das sich bis 1933 im damals abgerissenen unteren Torhaus der Ortsbefestigung befand.
  • Jüdische Kreisgedenkstätte
Anlässlich des 50. Jahrestages des Pogroms vom 9./10. November 1938 entstand in Gaukönigshofen in der ehemaligen Synagoge eine Gedenkstätte für die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Landkreis Würzburg. Dieses ehemalige Gotteshaus gehört zu den wenigen Überresten einer einst vor allem im Frankenland blühenden Kultur. Der Kreistag des Landkreises Würzburg beschloss am 13. März 1987 die Umgestaltung. Am 16. Oktober 1988 wurde das Gebäude in seiner neuen Funktion der Gemeinde Gaukönigshofen und der Öffentlichkeit übergeben.
  • Streichelgehege Arche Noah
Seit Anfang August 1996 besteht das Streichelgehege Arche Noah am Ortsrand von Gaukönigshofen. Die Besucher, vor allem Kinder, können die Haltung der Tiere in einer naturnahen, romantischen Umgebung erleben und die Tiere füttern und streicheln. Das Streichelgehege ist Eigentum der Gemeinde und wird vom Verein Wander- und Naturfreunde Gaukönigshofen e. V. betrieben. Es hat eine Fläche von rund 4,5 Hektar und beheimatet rund 100 Vierbeiner und ein kleines Gehege mit Kaninchen und Meerschweinchen. In einem abgetrennten Teich werden Gänse und Enten gehalten. Die Unterhaltskosten werden durch Eigenleistung der Vereinsmitglieder, ein geringes Eintrittsgeld und Spenden aufgebracht. Das Besondere an diesem Streichelgehege ist, dass alle Tiere wie in einer Arche zusammenleben.
  • Mühlbachweiher
Am Thierbach liegt ein kleiner See mit Grillplatz, Feuerstelle und Kinderspielplatz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 2009 nach der amtlichen Statistik 240 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 970. Die Arbeitslosenquote in Gaukönigshofen liegt bei unter 2 %. Im Jahr 2007 bestanden 111 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3320 Hektar, davon waren 97 % Ackerfläche und 3 % Dauergrünfläche.

Ehemaliger Bahnhof von Gaukönigshofen, heute am Gaubahnradweg

Verkehr[Bearbeiten]

Gaukönigshofen liegt im südlichen Landkreis Würzburg nahe der Autobahnen A 3, A 7 und A 81. Die Staatsstraße 2270 führt durch den Ort und verbindet ihn mit den jeweils 5 km entfernten Bundesstraßen 13 und 19.

Im 8 Kilometer entfernten Ochsenfurt befindet sich ein Bahnhof mit Halt von Regionalbahnen und im 20 Kilometer entfernten Würzburg ein ICE-Haltepunkt. Die Gaubahn war von 1907 bis 1992 eine eingleisige Eisenbahnstrecke, auf der landwirtschaftliche Güter nach Ochsenfurt transportiert wurden. Auch der Personenverkehr spielte eine Rolle. Heute ist die Trasse ein durchgehend asphaltierter Radweg, der das Maintal mit dem Taubertal verbindet.

In 2 Kilometer Entfernung befindet sich der Verkehrslandeplatz Giebelstadt.

Gaukönigshofen liegt am fränkisch-schwäbischen Jakobsweg. Dieser führt auf dem Gaubahnradweg durch die Gemeinde.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2013):

  • Zwei Kindergärten (Gaukönigshofen und Wolkshausen) mit 156 Kindergartenplätzen und 149 betreuten Kindern
  • Grundschule und Mittelschule (Verbandschule der Gemeinden Gaukönigshofen, Giebelstadt, Bütthard und Sonderhofen) mit zusammen 213 Schülern
  • Außenstelle der Volkshochschule Ochsenfurt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Jakob von Hirsch (*1765 in Gaukönigshofen; † 1840 in Planegg), jüdischer Bankier und Kaufmann, Hofbankier von König Maximilian I. von Bayern.
  • Paul Lehrieder (* 1959), Politiker, seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages, wohnt seit der Kindheit im Ort.
  • Werner Kleeman (* 1919), von den Nazis verfolgter und als US-Soldat zurückgekehrter Jude, der seine Erinnerungen in einem Buch veröffentlichte.
  • Konrad Dürr (* 1899; † 1988), war hier beheimatet, seine Lebenserinnerungen erschienen 1987 als Buch und sind ab 2011 als Blogprojekt veröffentlicht.
  • Martina Honecker (* 1980), Mannschaftskapitän des ETSV Würzburg (2. Frauen-Fußball-Bundesliga).

Sonstiges[Bearbeiten]

Gaukönigshofen wurde im Jahr 2009 von der Hörern von 106,9 Radio Gong Würzburg zur „coolsten Gemeinde Unterfrankens“ gewählt. Der Hauptgewinn war ein Gratis-Open Air mit Nevio, das vor über 4000 Zuschauern stattfand.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Michel: Die Juden in Gaukönigshofen/Unterfranken (1550-1942), Wiesbaden 1988

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gaukönigshofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111110/175957&attr=OBJ&val=1789
  3. Gaukönigshofen Webseite
  4. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 755 und 756.
  5. https://www.statistikdaten.bayern.de/genesis/online;jsessionid=0DFDAF8BAE4D6A24739FEC41E969DC95?operation=abruftabelleBearbeiten&levelindex=2&levelid=1308646941472&auswahloperation=abruftabelleAuspraegungAuswaehlen&auswahlverzeichnis=ordnungsstruktur&auswahlziel=werteabruf&selectionname=12411-009z&auswahltext=%23SGEMEIN-09679134&nummer=2&variable=1&name=GEMEIN&werteabruf=Werteabruf