Gaze

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gaze (Begriffsklärung) aufgeführt.
Gaze

Gaze [ˈɡaːzə] oder Mull [mʊl] ist ein leichtes, halbdurchsichtiges Gewebe in Dreher-, Scheindreher- oder Leinwandbindung, wobei die Fäden in Dreherbindung weniger gegeneinander versetzt sind als in den beiden letztgenannten Arten.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Das Fremd- oder Lehnwort Gaze wurde aus dem Französischen übernommen, wobei das französische gaze offenbar ursprünglich dem arabischenقزّ‎ / qazz entstammt. Eine sprachliche Verbindung ist hierbei auch mit der palästinensischen Stadt Gaza möglich, und zwar als möglicher bedeutender ehemaliger Produktionsstandort für dieses Gewebe.

Das Wort Mull hingegen entstammt als Bezeichnung für Gewebe dem englischen mull [mˈɐl], welches wiederum aus dem Hindi kommt (malmal), und dort die Bedeutung „sehr weich“ besitzt.

Verwendung[Bearbeiten]

  • Stark appretierte Gaze wird in der Stickerei meist als Grundstoff verwendet.
  • In der Buchbinderei klebt man beim Heften oder danach die Gaze zur Verstärkung und zur besseren Haltbarkeit auf den Rücken des Buchblocks.[1] Der Gazestreifen ist dabei etwas kürzer und breiter als der Buchblock.[2]
  • Im Siebdruck dient Gaze als Sieb, während sie als Leinwand zur Projektion von Lasershows und plastischen Hologrammen genutzt wird.[3] Beim Film/Beleuchtung von Filmen dämpft man mittels Gaze die Lichtstrahlen und erreicht ein stimmungsmäßig gewünschtes diffuses Licht.
  • Metallgaze verwendet man bei Reparaturen im Automobilbereich zum Ausbessern von Schäden in der Karosserie wie z. B. Rissen oder Löchern. Ebenfalls im Automobilbereich wie für die übrige Industrie stellt man aus Gaze verschiedener Herkunft (Kunststoff- oder Edelstahlgaze) Filter her.[4] Nicht nur hier sondern auch im herkömmlichen Fensterbau dient verarbeitete Gaze als Pollenschutzfiltermaterial[5] und ausschließlich im Wohnungsbau zur Herstellung von Fliegengittern.[6]
  • Darüber hinaus war Gaze im Glühstrumpf von Gaslampen zu finden. Beim Herstellen von Perücken dient sie als Stoffträger, an besonders kritischen Stellen oder dort, wo es besonders natürlich wirken soll.[7]
  • Im Drachensport nutzt man Gaze zur Herstellung von Drachen für hohe Windstärken.[8] Beim Bau von Terrarien maskiert Gaze oft die notwendigen Luftschlitze[9][10], bei Aquarien dient sie als Filter und zusätzlicher Ansaugschutz für Strömungspumpen.[11]
  • In der Medizin dient mit Wirkstoff getränkte Gaze zur Wundbehandlung. Des Weiteren bewirkt die Gaze, dass weiteres Verbandmaterial nicht mit einer offenen Wunde verklebt.
  • Mull wird in Windeln, Verbänden[12][13] und Drainagen meist saugfähig und keimtötend verwendet.
  • Gipsgaze dient zur Herstellung von Abdrücken verschiedener Gegenstände, insbesondere von Körperteilen. So verwendet man sie zur Herstellung von Gipsverbänden, die die Bewegung von Körperteilen verhindern sollen, z. B. bei Knochenbrüchen.
  • In der Musik wird Gaze häufig zum Trocknen oder Reinigen des Innenrohres von Querflöten verwendet. Aufgrund ihrer hohen Saugfähigkeit nimmt Gaze die beim Spielen des Instrumentes angesammelte Feuchtigkeit auf.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gaze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Binde ABC. Begazen. Reyhani Druck & Verlag, abgerufen am 19. Oktober 2011.
  2. http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Buchbindung
  3. Verschiedene Herstellerkonzepte: www.lps-laser.de, www.lobo.de, www.matrix-laser.com mit der Vorstellung verschiedener Leinwandtechniken, www.madhat.de (PDF; 789 kB)
  4. http://allfil.com/indexGER.htm
  5. http://www.umweltanalytik.com/ing78.htm
  6. www.insektenschutz-systeme.eu
  7. Beispiel auf: www.oncesoreal.com
  8. http://www.drachen-halle.de/baumaterialundersatzteile/tuch/gaze.php
  9. www.geckolino.de – Bauanleitung für Wüstenterrarien
  10. www.Gongylus.com
  11. www.matuta.com – Die technische Seite des Aquariums
  12. Beipackzettel einer Standard-Salbengaze, auf: ch.oddb.org/
  13. Otto Nowotny: Watte- und Verbandstofferzeugung in Österreich. (Die pharmazeutische Industrie Österreichs ab 1945, XII*); In: ÖAZ Aktuell (Ausgabe 25/2005)