Gebenstorf

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Gebenstorf
Wappen von Gebenstorf
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4029i1f3f4
Postleitzahl: 5412
Koordinaten: 660424 / 25917447.4805558.240282375Koordinaten: 47° 28′ 50″ N, 8° 14′ 25″ O; CH1903: 660424 / 259174
Höhe: 375 m ü. M.
Fläche: 5.64 km²
Einwohner: 4877 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 865 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 27,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.gebenstorf.ch
Blick nach Norden auf Gebenstorf, im Hintergrund das Untere Aaretal

Blick nach Norden auf Gebenstorf, im Hintergrund das Untere Aaretal

Karte
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Gebenstorf (schweizerdeutsch: Gäbischtorf, ˈɡæbiʃˌtɔrf)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt in der Mitte zwischen Baden und Brugg. Bis 1884 gehörte auch Turgi zu Gebenstorf, bevor es eine eigene Gemeinde wurde.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt unmittelbar am Wasserschloss der Schweiz, wo drei der fünf grössten Flüsse der Schweiz (Aare, Limmat und Reuss) zusammenfliessen. Der alte Dorfkern liegt zwischen dem Ostufer der Reuss und dem westlichen Abhang des Gebenstorfer Horns, einer Erhebung des Tafeljuras. In einer Flussschlaufe der Reuss liegt der Ortsteil gleichen Namens, der mit Gebenstorf zusammengewachsen ist. Etwa einen Kilometer nördlich des Dorfzentrums fliesst die Reuss in die Aare, nochmals einen Kilometer weiter entfernt befindet sich die Mündung der Limmat.[4]

Limmat und Aare bilden eine 900 Meter lange und 300 Meter breite Halbinsel, auf der die Ortschaft Vogelsang liegt. Die Spitze der Halbinsel wird durch einen künstlich angelegten Kanal durchschnitten, der als Energiequelle für eine ehemalige Baumwollspinnerei diente. Im Mündungsbereich von Aare und Limmat liegen ausserdem drei aus Sedimenten entstandene Inseln.[4]

Die Fläche des Gemeindegebietes beträgt 564 Hektaren, davon sind 227 Hektaren bewaldet und 157 Hektaren überbaut. Der höchste Punkte liegt auf 561 m ü. M. auf dem Chörnlisberg, einem Teil des Gebenstorfer Horns, der tiefste auf 328 m ü. M. nördlich von Vogelsang am Zusammenfluss von Aare und Limmat.

Nachbargemeinden sind Untersiggenthal im Norden, Turgi im Nordosten, Baden im Osten, Birmenstorf im Süden, Windisch im Westen sowie Brugg im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. führte die Römerstrasse vom Legionslager Vindonissa nach Aquae Helveticae (heute Baden) durch das heutige Gemeindegebiet. Diese Erkenntnis ist seit 1534 gesichert: Damals fand ein Bauer in Wil (heute ein Teil von Turgi) beim Pflügen seines Feldes einen römischen Meilenstein, der heute im Landesmuseum in Zürich ausgestellt ist.[5] Im Ortsteil Vogelsang wurden römische Soldatengräber entdeckt. Der Grabstein eines Soldaten der Legio XI Claudia ist in die reformierte Kirche eingemauert.[6]

Ein Dorf entstand im 8. Jahrhundert, als sich alamannische Siedler hier niederliessen. Die Ortsteile Reuss und Vogelsang sowie die beiden «Berghöfe» Schwabenberg und Petersberg auf dem Gebenstorfer Horn entstanden zwischen 1000 und 1200. Im Jahr 1247 erfolgte die erste Erwähnung als Gobistorf, als die Habsburger die Kirche des Dorfes erwarben. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Gebinesthorf und bedeutet «Dorf des Gebin».[3]

Blick auf die Ortschaft Vogelsang und das Wasserschloss
Das Naturschutzgebiet Limmatspitz von Pro Natura Aargau beim Zusammenfluss von Aare und Limmat
Die Limmat in Gebenstorf

Die Habsburger übertrugen 1330 ihren Besitz und ihre Rechte in Gebenstorf an das Kloster Königsfelden in Windisch, mit Ausnahme der hohen Gerichtsbarkeit. Am 26. Dezember 1351, vor der Schlacht bei Dättwil, wurde das Dorf von den Zürchern geplündert. Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Gebenstorf bildete nun ein eigenes Amt in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft.

Während der Reformation von 1529 trat etwa die Hälfte der Bevölkerung zum neuen Glauben über. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 wurde die Reformation in der Grafschaft Baden wieder weitgehend rückgängig gemacht. Doch Gebenstorf blieb als eine der wenigen Ausnahmen konfessionell gemischt. Beide Konfessionen nutzten die Kirche während Jahrhunderten gemeinsam. Im September 1769 heiratete Johann Heinrich Pestalozzi dort Anna Schulthess. Im Juni 1889 musste die Margaretenkirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden und beide Konfessionen bauten jeweils eigene Gotteshäuser. Die katholische Pfarrkirche wurde 1889 eingeweiht, die reformierte Kirche am 29. November 1891.

Im Jahr 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein. Im März wurde unter dem Druck Frankreichs in Aarau die Helvetische Republik ausgerufen. Gebenstorf wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. 1826 hielt die Industrialisierung Einzug, als auf freiem Feld in Turgi, weitab des Dorfes, eine erste Fabrik errichtet wurde. Aus dem Nichts entstand eine proletarisch geprägte Industriearbeitersiedlung, deren Bewohner aus allen Teilen der Schweiz und aus dem nahen Ausland stammten. Am 29. September 1856 wurde dort ein Bahnhof an der Strecke BadenBrugg eröffnet.

Der Gegensatz zwischen den alteingesessenen Gebenstorfern und den bunt gemischten Turgemern wurde immer grösser. Obwohl Turgi mittlerweile mehr Einwohner zählte, wurden dessen Einwohner bei den Gemeindeversammlungen regelmässig überstimmt, da die Bevölkerung des neuen Dorfes einen hohen Anteil nicht stimmberechtigter Jugendlicher und Ausländer aufwies. Die Situation entspannte sich erst, als Turgi sich am 1. Januar 1884 von Gebenstorf trennte und eine selbständige Gemeinde bildete. Doch auch in Gebenstorf hatte sich mittlerweile zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt, vor allem in Vogelsang.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges errichtete das Militär die Limmatstellung. Die zahlreichen Bunker und Panzersperren, die zum Teil heute noch bestehen, hatten die Aufgabe, in der Engstelle zwischen Bruggerberg und Gebenstorfer Horn einen allfälligen Angriff der deutschen Wehrmacht aufzuhalten. Von 1940 bis 1943 lebten rund 300 polnische Soldaten in einem Internierungslager bei Gebenstorf.

Wegen seiner ausgezeichneten Verkehrslage zwischen Brugg und Baden entwickelte sich Gebenstorf ab 1950 zu einem bevorzugten Wohnort. Die Gemeinde erlebte einen Wachstumsschub wie schon im 19. Jahrhundert und wandelte sich allmählich von einem Industriedorf zu einer Wohngemeinde für Pendler. Innerhalb von fünfzig Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Gespalten von Rot mit weissem Rebmesser und von Weiss mit roter Pflugschar.» Die erste Abbildung des Wappens erschien 1872 auf dem Gemeindesiegel. Das Rebmesser und die Pflugschar stellen die einstmals wichtigsten Erwerbszweige der Gemeinde dar, den Weinbau und die Landwirtschaft.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1844 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1517 1796 1574 1955 2110 2728 3539 3610 4079 4182 4664

Am 31. Dezember 2013 lebten 4877 Menschen in Gebenstorf, der Ausländeranteil betrug 27,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 40,7 % römisch-katholisch, 34,2 % reformiert, 5,3 % christlich-orthodox und 5,1 % muslimisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 83,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,8 % Italienisch, je 2,3 % Albanisch und Serbokroatisch, 1,0 % Französisch, je 0,8 % Englisch und Portugiesisch, 0,7 % Türkisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Gebenstorf gehört zum Friedensrichterkreis Mellingen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Etwas mehr als 200 Unternehmen bieten in Gebenstorf gemäss Betriebszählung 2008 rund 1200 Arbeitsplätze an, davon 3 % in der Landwirtschaft, 33 % in der Industrie und 64 % im Dienstleistungssektor.[11] Die meisten Erwerbstätigen sind jedoch Wegpendler und arbeiten in den nahen Städten Brugg und Baden. Die von 1909 bis 1998 bestehende BAG in Vogelsang war mehrere Jahrzehnte lang eine der grössten Produzenten von Glühlampen in der Schweiz.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse 3 zwischen Brugg und Baden. Zwei Brücken führen über die Reuss. Beim Ortsteil Vogelsang führt je eine Brücke über die Aare und die Limmat. Der Anschluss Baden-West der Autobahn A1 befindet sich rund vier Kilometer südöstlich bei Dättwil.

Gebenstorf ist Endstation zweier Buslinien der RVBW, die über den Bahnhof Baden nach Wettingen bzw. Spreitenbach führen. Hier beginnt auch die Postautolinie über Turgi und Untersiggenthal nach Würenlingen. Eine weitere Postautolinie führt vom Bahnhof Brugg über Gebenstorf zum Bahnhof Mellingen-Heitersberg (Anschluss an die Linie S3 der S-Bahn Zürich). Der nächstgelegene Bahnhof ist Turgi.

Bildung[Bearbeiten]

Gebenstorf besitzt vier Kindergärten sowie drei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Sekundarschule und die Realschule untergebracht sind. Die Bezirksschule kann in Turgi besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dominik Sauerländer, Andreas Steigmeier, Einwohnergemeinde Gebenstorf (Hrsg.): Wohlhabenheit wird nur Wenigen zu Theil – Aus der Geschichte der Gemeinde Gebenstorf. Gebenstorf 1997.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gebenstorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 171–172.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5. Schweizerisches Landesmuseum: Sonderausstellung Römische Goldschätze – vergraben und wiederentdeckt (21. November 2008 bis 22. März 2009), abgerufen am 3. Januar 2009
  6.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 170.
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 163.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.