Gebetsmühle

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Gebetsmühlen im Tempel Samye in Tibet

Eine Gebetsmühle, auch Mani-Mühle oder Mani-Rad (von tib. ma ni 'khor lo), ist ein Rad oder eine Walze, die auf einer Papierrolle aufgedruckte Gebete oder Mantras enthält oder außen mit solchen verziert ist.

Bedeutung[Bearbeiten]

Im tibetischen Buddhismus werden Gebetsmühlen gedreht, um körperliche Aktivität und geistig-spirituelle Inhalte miteinander zu verknüpfen.

Ein grundsätzliches Ziel dieser Handlung und grundlegende Methode des Vajrayana ist es, alle Aspekte der Lebenswirklichkeit, also auch einfachste körperliche Handlungen, wie das Drehen einer Gebetsmühle, in den Pfad zur Erleuchtung zu integrieren. An diese Form der spirituellen Praxis lassen sich verschiedene Stufen spiritueller Sichtweise knüpfen.

Pilgerin in Lhasa
Gebetsmühlen in Chengde
Gebetsmühle in Bhutan
Manistein in Ladakh

Das Drehen der Gebetsmühlen dient nach buddhistischer Überzeugung dazu, gutes Karma anzuhäufen. Eine einfache Motivation dieser Praxis ist es, bei der Drehung der Gebetsmühle den Wunsch zu hegen, dass alle in der Walze befindlichen Mantras durch die Drehung zum Wohle der fühlenden Wesen wirken, deren Leid beseitigen und ihnen Glück bringen.

Eine weiterführende Motivation dieser Praxis besteht darin, bei der Drehung der Gebetsmühle zu visualisieren (geistig zu projizieren), dass alle darin enthaltenen Mantras während des Drehens Licht zu allen fühlenden Wesen ausstrahlen, deren Leid beseitigen und schlechtes Karma auflösen.

Eine fortgeschrittene, sich der höchsten Sichtweise des Buddhismus annähernde Praxis des Drehens einer Gebetsmühle liegt darin, während des Drehens der Gebetsmühle sich darauf zu konzentrieren, dass Drehender, die Handlung des Drehens, als auch die sich drehende Gebetsmühle, samt den darin enthaltenen Mantras und Gebeten, untrennbar von einer, in ihrem Ursprung nichtdualen Natur sind.

Neben denen mit menschlicher Kraft in Bewegung gesetzten Gebetsmühlen gibt es auch solche, die mit Wind- oder Wasserkraft angetrieben werden.

Redewendung[Bearbeiten]

Aus der Praxis des langandauernden Drehens einer Gebetsmühle leitet sich das fast immer pejorativ gebrauchte Adjektiv gebetsmühlenartig ab, welches das monotone langdauernde Wiederholen einer Sache oder das fortwährende Bestehen auf einer nach Meinung des Kritikers nicht haltbaren Ansicht beschreibt.

Literatur[Bearbeiten]

  • L. Carrington Goodrich: The Revolving Book-Case in China. Harvard Journal of Asiatic Studies, vol. 7, Cambridge, Mass., 1942-43, p. 130-161.
  • Alwin Hunter: Tibetan Prayer Wheels. Arts of Asia, vol. 15, no. 1 (January/February 1985), p. 74-81.
  • Dan Martin: On the Origin and Significance of the Prayer Wheel According to two Nineteenth-Century Tibetan Literary Sources. Journal of the Tibet Society, vol. 7, Indiana University, 1987
  • William Simpson: The Buddhist Praying Wheel. London, 1896

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]