Gedern

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Dieser Artikel befasst sich mit der hessischen Stadt Gedern, weitere Bedeutungen unter Gedern (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gedern
Gedern
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gedern hervorgehoben
50.4244444444449.1997222222222357Koordinaten: 50° 25′ N, 9° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Wetteraukreis
Höhe: 357 m ü. NN
Fläche: 75,24 km²
Einwohner:

7.493 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63688
Vorwahl: 06045
Kfz-Kennzeichen: FB
Gemeindeschlüssel: 06 4 40 009
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schlossberg 7
63688 Gedern
Webpräsenz: www.gedern.de
Bürgermeister: Klaus Bechtold (SPD)
Lage der Stadt Gedern im Wetteraukreis
Butzbach Münzenberg Rockenberg Ober-Mörlen Bad Nauheim Friedberg (Hessen) Rosbach v.d. Höhe Wöllstadt Karben Bad Vilbel Wölfersheim Reichelsheim (Wetterau) Niddatal Florstadt Echzell Reichelsheim (Wetterau) Nidda Hirzenhain Gedern Ranstadt Glauburg Altenstadt (Hessen) Limeshain Ortenberg (Hessen) Kefenrod Büdingen Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen Vogelsbergkreis Hochtaunuskreis Frankfurt am Main Main-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild

Gedern ist eine südhessische Kleinstadt im Nordosten des Wetteraukreises und grenzt direkt an den Vogelsbergkreis an. Sie liegt ca. 50 km nordöstlich von Frankfurt am Main am Rande des Vogelsberges.

War Gedern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eher landwirtschaftlich geprägt, profitiert es heute von einer Vielzahl an Geschäften und Supermärkten, sowie dem Naherholungsgebiet Gederner See und dem touristisch erschlossenen Vogelsberg.

Die Stadt Gedern in ihren heutigen Grenzen entstand im Jahre 1972 durch die Gebietsreform in Hessen. Die heutigen Stadtteile Mittel-Seemen, Nieder-Seemen, Ober-Seemen, Steinberg und Wenings wurden im Zuge der Gebietsreform eingemeindet und in den Wetteraukreis aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geografische Lage

Die Stadt Gedern befindet sich im Nordosten des Kreises Wetterau, etwa in der Mitte Hessens. Sie liegt in einem Tal und den zugehörigen Hängen von Ausläufern des Mittelgebirges Vogelsberg, ungefähr in der Mitte zwischen Fulda (37 Km) und Frankfurt am Main (50 Km). Sie ist Teil des Naturparks Hoher Vogelsberg. [2] Gedern liegt auf einer Höhe von 357 m.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Im Norden grenzt Gedern an die Stadt Schotten (Vogelsbergkreis), im Nordosten an die Gemeinde Grebenhain (Vogelsbergkreis), im Osten an die Gemeinde Birstein (Main-Kinzig-Kreis), im Süden an die Gemeinde Kefenrod, in Südwesten an die Stadt Ortenberg sowie im Westen an die Gemeinde Hirzenhain.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Gedern besteht aus den Stadtteilen Gedern, Mittel-Seemen, Nieder-Seemen, Ober-Seemen, Steinberg und Wenings.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Mittelalter

Gedern wurde am 24. Mai 780 erstmals in einer vom Kloster Lorsch ausgestellten Urkunde als "Gewirada" erwähnt. Am 1.1.797 schenkt Regniher die Gederner Marienkirche samt 18 Hörigem dem Kloster Lorsch. 1000 n. Chr. wird Gedern in einer Fuldarer Urkunde als "Gewiridi" erwähnt. Im Jahr 1187 wird Wenings erstmals in einem Besitzverzeichnis der Johanniter zu Nidda erwähnt. Es ist allerdings davon auszugehen das Wenings bereits in den Jahren 400-800 n Chr. entstanden ist. 1247 gerät Gedern nach dem Tod Gerlachs von Büdigen in den Besitz des Adelsgeschlechts von Breuberg und Trimberg. Erbberechtigt wären die Geschlechter Kempenich, Ysenburg und Breuberg. Im Jahr 1260 entbrannte ein Rechtsstreit zwischen Rosemann von Kempenich und Ludwig von Ysenburg über das Patronatsrecht der Gederner Kirche, Ludwig von Ysenburg hat das Patronatsrecht inne. 1313 erhält von Kempenich das Patronatsrecht an der Gederner Kirche.

1316 belehnt Erzbischof Balduin von Trier Eberhard von Breuberg mit Gerichtsbarkeit von Gedern und der Hälfte des Ortes.1320 wird Ober-Seemen erstmals als "Ober-Siemene" erwähnt, indem Luther von Isenburg in einer Urkunde den Verkauf des "Zehnten" bestätigt. Das Landgericht Gedern fällt im Jahre 1327 an Trimberg. 1336 verleiht Kaiser Ludwig der Bayer Wenings die Stadtrechte. Die erste Pestwelle sucht Gedern in den Jahren 1348-1352 heim, ebenso in der Stadt Wenings. Kurz nach Ende der Pestepidemie in Gedern und Wenings ist Konrad von Trimberg der Besitzer von Gedern, man schrieb den 3. Juni 1353 n. Chr.. Die Verleihung der Markt- und Stadtrechte (für einen Wochenmarkt) an Konrad von Trimberg für den Ort "Gaudern" (Gedern) durch Kaiser Karl IV. erfolgte am 10. Januar 1356, also erst 20 Jahre nachdem das kleine Dorf Wenings – heute Stadtteil von Gedern – seine Stadtprivilegien von Kaiser Kaiser Ludwig dem Bayern empfing (siehe oben). Die Linie Trimberg stirbt im Jahre 1376 aus, somit fällt die Stadt "Gaudern" (Gedern) an Eppenstein-Königstein. 1381 verpfändet Eberhard von Eppenstein das Gederner Gericht an Engelbert von Lißberg und an die Herren von Hanau und Schlitz. 1385 umfasst das Gericht Gedern die Orte Gedern, Ober-, Mittel- und Nieder-Seemen sowie Volkartshain, Ilnnhausen und Bösgesäß.

1398 findet Gottfried von Eppenstein mit 330 Gulden den Johann von Rodenstein in Lißberg ab, die Herren von Lißberg waren ausgestorben. 26 Jahre später im Jahr 1424 sind alle Pfandrechte an Gedern abgelöst, somit ist Eppenstein Alleinbesitzer. Während des Bauernaufstandes 1431 werden die gräflichen Eisenhütten von Gedern und Hirzenhain zerstört. Aus einer Gerichtsordnung geht 1460 hervor das wichtige Sachen von sämtlichen benachbarten Gerichten an das Gericht Gedern verwiesen werden sollen. 1462 wird Floßbach, ein (heute nicht mehr existierendes) Nachbardorf von Wenings, während der Stiftsfehde der Mainzer (Mainzer Stiftsfehde) fast vollständig zerstört, des Weiteren stirbt Werner von Eppenstein. In den darauf folgenden Jahren geht Floßbach nach und nach ein. 1465 kauft Eberhard von Eppenstein die Wüstung "Klein Niddern", somit wird auch die Waldschmiede von Gedern Urkundlich erwähnt. Wenings wird im Jahre 1467 zur Festungsstadt erklärt, nachdem die Stadtmauer, fünf Türme sowie drei mächtige Tore fertiggestellt worden sind.

1468 wird eine Urkunde über die Verleihung der Pfarrstelle in Gedern ausgestellt, abhängige Kirchen sind in Ober- Mittel- & Niederseemen sowie in Volkartshain. Im Jahr 1497 fällt das Gericht Gedern an das Hause Königstein, 7 Jahr später (1504) scheidet Böß-Gesäß aus dem Gericht Gedern aus. 1524 werden Gedern und Wenings lutherisch, Pfarrer Johannes Geiss ist hierbei eine der Schlüsselfiguren gewesen. Hierzu muss noch gesagt werden, dass Johannes Geiss zuvor ein katholischer Priester war. 1530 wird die Eisenhütte am Schmitterberg eingestellt, heute ist noch gut zu erkennen wo sich der Erzbruch in etwa befand. Nach dem Tod von Eberhard IV. von Eppenstein-Königstein stirbt das Geschlecht aus somit fällt im Jahre 1535 Gedern in den Besitz von Graf Ludwig II. von Stollberg-Werningerode. 1553 wurde als erster Lehrer in Gedern Jakob Capella erwähnt. Am 29. Juli 1568 erhält die Stadt "Gaidern" durch Kaiser Maximilian II. das Recht zwei Jahrmärkte abzuhalten. 1572 wird die Eisenhütte "Schmitterberg" an Hirzenhain verpachtet. Die bei den Bauernaufständen zerstörte Eisenhütte Gedern (siehe oben) wird 1585 neu errichtet. Der heutige Ortsteil Ober-Seemen wird 1595 eine selbstständige Pfarrei zusammen mit Mittel- und Nieder-Seemen. Der heute Stadtteil "Steinberg" wird erstmals 1601 Urkundlich erwähnt. 1602 wird in Nieder-Seemen der "Gesundbrunnen" erwähnt. 1795 versiegt dieser für immer. Die hiesige "Wolframsburg" wurde ab 1605 zum einem Schloss umgebaut (genauerer Informationen siehe Artikel Schloß Gedern).

[Bearbeiten] Neuzeit

Rund 300 Jahre nach der ersten schlimmen Pestwelle sucht im Jahre 1635 die zweite Gedern, Wenings und Umgebung heim. 1638 wird die Grafschaft Stolberg geteilt, Gedern ist Sitz der älteren Linie. 1648, nach Ende des 30-Jährigen Krieges sind die Orte Wernings und Gelnhaar sogut wie Menschenleer, in Wenings ist kaum ein Drittel der Bevölkerung übrig geblieben. Zwischen den Jahren 1675 und 1710 baut Graf Ludwig Christian (regierte zusammen mit Christopf Ludwig von 1675-1677 ) Gedern zu einer kleinen Residenz aus und schafft Erwerbsmöglichkeiten für die Bevölkerung.

1678 wird ein Galgen errichtet, noch heute erinnert die Straße "Am Galgenberg" daran. 1679 wird gegenüber der Torhalle die Brauerei errichtet. 1681 wird Gedern als "Gaudern" erwähnt, um 1696 jedoch schon als Gädern (so wie es teilweise heute in etwa noch ausgesprochen wird). Um 1700 entstand in Wenings das Schloss Moritzstein, des Weiteren sind aus jenen Tagen Klagen über Diebstahl und Räuberbanden in Gedern und Ortenberg aufgekommen.

Das Rentamt wird 1710 fertiggestellt, Ludwig Christian ist gestorben. 1724 werden Mittel- und Nieder-Seemen eine eigene Pfarrei. Die jetzige Spitze des Kirchenturms in Barockform erhält die Gederner Kirche im Jahre 1738, vorher zierte eine gotische Spitze den Kirchturm. Gedern wird 1742 Fürstentum. Graf Friedrich Karl erhält von Kaiser Karl VII. in das Fürstendiplom. Am 21 Januar 1767 bricht ein schweres Unwetter über Gedern herein, der sogenannte Hageltag. Hierzu steht in der Kirchenchronik von Gedern folgendes geschrieben: "1767, den 27. Juni stieg am Firmament des Himmels gegen Abend zu, zwischen 5 und 6 Uhr abends ein in sehr dunkler Wolke starkes Gewitter auf, so sich erhebte, mit einem gewaltigem Sturm und großen Schlossen und Kiesel, und breitete sich aus über unseren Horizont mit vielen Blitz- und Donnerschlägen, die Bäume aus der Erde gerissen, Korn, Früchte, Pflanzen zerschmissen und zuletzt durch entsetzt fürchterlichen Donnerschlag zu Joh. Peter Lehnings Haus geschlagen, das Strohdach angezündet und unsere ganze Gemeinde in großen Schrecken gesetzt. [...] " Die Kolonie Schönhausen (Schönau) wird gegründet. Dies geschah 1788. 1804 fiel Gedern, nach dem Aussterben der Linie Stolberg-Gedern, an die Hauptlinie der Fürsten zu Stolberg-Wernigerode zurück, die bereits 1806 Gedern durch die Rheinbundakte an das Großherzogtum Hessen abtreten mussten. 1807 wird General Eduard von Fransecky in Gedern geboren. Am 2. und 3. November 1813 besucht General York die Stadt Gedern. 1830, 16. Juli, wieder bricht ein schweres Unwetter über Gedern herein, wieder ein Hageltag. 1842 wurde der heute noch existierende Gesangsverein "Liederkranz" gergründet, des Weiteren wandert komplett Wernings nach Amerika aus. Größtenteils in die nähe von Columbia, Illinois. Das Gederner Kirchenschiff wird 1884 zur Basilika umgebaut. Gedern zählt im Jahre 1846 über 2000 Einwohner. (2216 Einwohner) Die Tägliche Briefpost hielt 1847 Einzug in Gedern. Ab 1852 zählte die Stadt Gedern zum Kreis Nidda. Bei der Einwohnerzählung im Jahr 1861 wurden nurnoch 1900 Einwohner gezählt. 1862 wird die seit 1682 von der Stolberger Herrschaft betriebene Ziegelei an Heinrich Hölker verkauft. Im Juni 1863 kommt der Großherzog von Hessen von Schotten über Eschenrod nach Gedern.

1874 wurde der Kreis Nidda bereits wieder aufgelöst, somit ging Gedern an den Kreis Schotten. Am 30. April 1877 wird die Gederner Bank gegründet. 1880 zählt Gedern nurnoch 1821 Einwohner. Ein Jahr später, 1881 wird das alte Schulhaus errichtet. 1888 wird die Eisenbahnlinie Stockheim-Gedern fertiggestellt. Die Einwohnerzahl von Gedern sank im Jahr 1900 auf 1708 Einwohner.

[Bearbeiten] 20. Jahrhundert bis heute

1905 werden die ersten Wasserleitungen in Gedern verbaut, hierbei werden auf der heutigen Frankfurter- und Lauterbacherstraße Mauerreste entdeckt die auf Stadttore schließen lassen, jedoch keine großen. Die steilste in Deutschland zulässige Bahntrasse wird 1906 eröffnet. Sie umfasst die Strecke von Gedern nach Ober-Seemen (Stand 1995). Heute verläuft hier der Vulkanradweg. 1907 wird das Fransecky-Denkmal enthüllt, es musste in den 1960-ern dem Neubau der Volksbank und des Parkdecks weichen. 1925 wird Gedern in den Bund oberhessischer Städte aufgenommen. 1926 zählt Gedern zum Kreis Büdingen. Ebenfalls 1926 erhält Gedern sein Stadtwappen (siehe Artikel Stadtwappen) 1929 wird das Bezirkskrankenhaus erbaut und in Betrieb genommen. Gederns Geschichte während des Nationalsozialismus ist noch nicht aufgearbeitet. Ab 1950 orientiert sich Gedern nach und nach als Familienferienort und wird auch später zum Luftkurort ausgebautg und erklärt. 1952 erwirbt die Katholische Kirche ein Grundstück um ihr Gotteshaus zu errichten, Weihnachten 1954 wird der erste Gottesdienst dort abgehalten. 1956 feier die Stadt Gedern ihr 600 Jähriges Stadtjubiläum, anlässlich dieser Feierlichkeit erscheint das Buch "Geriwarda – Ein Heimatbuch der Stadt Gedern" 1969 verschwistert sich die Stadt Wenings mit der französischen Stadt Nucourt. Nach der letzten Gebietsreform von 1972 wurde die Stadt zusammen mit fünf zeitgleich eingemeindeten Ortsteilen in den Wetteraukreis aufgenommen, zu der Großgemeinde Gedern zählen seitdem: Ober- Mittel- & Niederseemen, sowie Steinberg und Wenings und der Weiler Schönhausen (Schönau). 1981 feier Gedern bereits "1200 Jahre erste Urkundeliche Erwähnung", sowie "625 Jahre Stadt- und Marktrechte". 1985 erloschen die Lichter im Gedener Krankenhaus, denn nach dem Bettenbedarfsplan des Landes Hessen von 1981 sollte das Gedener Krankenhaus nicht weiter gefördert werden. Selbst Unterschriftenaktionen, Podiumsdiskussionen und eine fahrt mit 30 Bussen in die Landeshauptstadt halfen nichts. 1986 kann Wenings das 650. Jubiläum der Vergabe der Stadtrechte feiern. 1987 flammt ein unrühmliches Thema in Gedern auf, Gedern wird rechtsradikaler Umtriebe beschuldigt. Die gezogenen Kreise waren so groß das Gedern deshalb Bundesweit bekannt wurde. Sogar eine Sondersendung wurde hierzu im HR ausgestrahlt. Ausgelöst wurde das Ganze durch die Verunglimpfung eines Gederner Arztes jüdischen Glaubens. Bei diesem "Patientenprotest" wurde die Fensterscheibe seiner Praxis mit einem aus NPD-Aufklebern gebastelten Davidstern beklebt. In überregional organisierten Demonstrationen wurde zwar Solidarität gegenüber dem Artzt bekundet, aber Gedern pauschal in eine faschistische Ecke gestellt. Am 22. April stand sogar das historische Bergwirtshaus in Flammen, der Besitzer war zum damaligen Zeitpunkt der verunglimpfte Artzt. Der oder die Brandstifter hatten ganze Arbeit geleistet, sie konnten bis heute nicht ermittelt werden. Des Weiteren wurde im Jahre 1987 das Gedener Schloss vom Magistrat der Stadt Gedern gekauft. Nachdem CDU und FDP bei den Landtagswahlen 1987 überraschend gut abgeschnitten hatten, wurde aufgrund anhaltender Proteste 1989 das alte Krankenhaus abgerissen und ein Neues errichtet, die Schloßbergklinik. 1991 brachte der Magistrat der Stadt Gedern das Buch "Jüdisches Leben in Gedern" heraus, als Reaktion auf die Geschehnisse im Jahre 1987. 1992 verschwistert sich Gedern mit der Amerikanischen Stadt Columbia (siehe Artikel Städtepartnerschaften), auch wurde in diesem Jahr das 1987 niedergebrannte Bergwirtshaus saniert und zum Teil neu errichtet. Ebenfalls im Jahr 1992 wurde die Schloßbergklinik in Betrieb genommen. 1997 zog die Stadtverwaltung in das sanierte Schloß um, ebenfalls wird seitdem dort ein Hotel unterhalten. 2006 kann Gedern den 1225. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung, sowie 650 Jahre Markt- und Stadtrechte feiern. Seit Mitte 2011 wird das Rentamt durch einen Privatinvestor saniert, sofern neue Informationen hierzu vorliegen werden dieses ergänzt.

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Stadtverordnetenversammlung

Forellenbrunnen der Stadt Gedern in Anlehnung an das Wappen der Stadt

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [3]

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
33,5 %
27,8 %
25,8 %
8,4 %
4,6 %
n. k.
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2006
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,4 %p
+2,1 %p
+1,8 %p
+2,2 %p
-2,2 %p
-1,5 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,5 10 35,9 11
FWG Freie Wählergemeinschaft Gedern 27,8 9 25,7 8
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 25,8 8 24,0 7
UBG Unabhängige Bürger Gedern 8,4 3 6,2 2
BLG Bürgerliste Gedern 4,6 1 6,8 2
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 1,5 1
Gesamt 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 43,0 45,0

[Bearbeiten] Bürgermeister

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse:

Bürgermeister von Gedern
Amtszeit Name Partei
1782 Joh. Peter Dondorf
1783 Christian Stiebeling
1784 Christoph Meinhard
1785 Christian Oberheim
1786 Johann Müller
1787- Johann Müller
1825 Landmann
1826 Carl
1837 Lauter
1837-1845 Carl
1850-1861 Oberheim
1876-1889 Oberheim
1890-1919 Nispel
1919-1933 Otto Müller
1933-1943 Heinrich Beyer NSDAP?
1943-03/1945 Hermann Stöhr NSDAP?
03/1945-05/1945 Heinrich Beyer NSDAP?
1945-1946 Ernst Wilhelm Oberheim
1946-1958 Phillip Merkel
1958-1982 Walter Merle SPD
1982-1993 Rainer Schwarz CDU
1993-2005 Wolfgang Zenkert CDU
2005–2011 Stefan Betz Parteilos
ab 2012 Klaus Bechtold SPD

Die letzte Bürgermeisterwahl fand am 11. September 2011 statt. Zum Nachfolger des parteilosen Diplom-Verwaltungswirts Stefan Betz wurde Klaus Bechtold (SPD) gewählt.

[Bearbeiten] Wappen

Wappen

Beschreibung des Wappens: Das Stadtwappen zeigt auf rotem Feld mit zwei silbernen Pfählen zwei einander zugekehrte, pfahlweise gestellte Forellen in verwechselten Farben. Geschichtliches zum Wappen: 1925/26 forschte man in Gedern nach einem alten Wappen der Stadt, jedoch ohne Erfolg. Im 1885 erschienenen Wappenbuch von Siebmacher wurden auch keine Hinweise auf eine Existenz eines alten Stadtwappens gefunden, im Gegenteil, dort wurde behauptet das Gedern gar kein Wappen habe. Aufgrund dessen wurde ein Antrag auf Erteilung eines Wappens gestellt. Am 21. August 1926 wurde vom Ministerium des Inneren ein Vorschlag mit folgender Begründung unterbreitet, der das Wappen darstellt so wie es noch heute zu sehen ist. Die Begründung des Ministers lautete wie folgt: Das Haus Trimberg, mit dem Gederns Vergangenheit sehr verbunden ist, hätte die Farben rot-weiß gehabt, ebenso wie das Land Hessen. Deshalb solle das Stadtwappen aus einem rot-weiß oder rot-silber gestreiften Schild bestehen. Des Weiteren sollen zwei nach außen gekrümmte Forellen das Wappen zieren. Als im Jahre 1417 in Wernigerode die Erbverbrüderung zwischen dem letzten Wernigeroder Grafen und Graf Botho zu Stolberg stattfand, wehte vom Turm des Wernigeroder Schlosses das Banner mit zwei roten Forellen auf weißem Feld. 1429 starb Graf Heinrich von Wernigerode und dessen Wappen wurde zerbrochen. Somit wurden die roten Forellen des zerbrochenen Wappens vom Minister ebenfalls für das Stadtwappen vorgeschlagen. Am 31. August 1926 wurde dieser Vorschlag durch den Gemeinderat Gederns genehmigt. Des Weiteren passen die Forellen auch sehr gut zur Stadt, da sie symbolisch gesehen sehr gut zum Wasser- und Fischreichtum der Stadt passen.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Seit 1992 (bezogen auf die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags) Gedern ist mit der amerikanischen Stadt Columbia (engl.) in Illinois verschwistert. Die Städtepartnerschaft hat ihren Ursprung in der Initiative von einigen Einwohnern Columbias, die nach ihren Ahnen forschten. Erst rund 150 Jahre nachdem 156 Leute aus Wernings und Umgebung in die USA (hauptsächlich Columbia und Waterloo) auswanderten wurden Verbindungen in die alte Heimat festgestellt. Dies geschah im Jahr 1990. Bereits ein Jahr später besuchte eine Delegation aus Gedern die Auswanderer in Columbia. Im April 1992 wurde während des Besuchs der Leute aus Columbia ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Die offizielle Verschwisterungsfeier war im Mai 1993 in Columbia, Illinois.

Des Weiteren ist Gedern mit seit 2004 der polnischen Stadt Polanow verschwistert. Der Stadtteil Wenings ist mit Nucourt in Frankreich verschwistert.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

Gemessen an ihrer Größe war die Stadt Gedern bis Mitte der 80er Jahre ein wichtiger Industriestandort für die strukturschwache Region des vorderen Vogelsbergs. Es waren mehrere Unternehmen der textil-, holz-, gummi- und metallverarbeitenden Industrie angesiedelt. Derzeit ist aus diesem Bereich nur noch ein größeres metallverarbeitendes Unternehmen tätig.

Heute ist Gedern aus wirtschaftlicher Sicht eher unbedeutend. Die vielfältigen Kleinbetriebe des Handels, Handwerks und Gewerbes bilden den Kern der wirtschaftlichen Aktivität. Der größte Bevölkerungsteil geht seiner Erwerbstätigkeit als Pendler in den Ballungsgebieten Rhein/ Main und der Region Gießen nach.

Panoramafotografie des Hauptgebäudes der Gesamtschule - Blick in Richtung Nord-Westen

[Bearbeiten] Bildungseinrichtungen

Gedern besitzt seit 1972 eine Gesamtschule mit einem Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweig bis zur 10ten Klasse. In regelmäßigen Abständen werden Schüleraustauschprogramme mit den Partnerschulen Collège de la Faye in Condé en-Brie Condé in der Champagne in Frankreich und der Columbia High School in Illinois in den USA durchgeführt. Zum Besuch einer gymnasialen Oberstufe wechseln die Gymnasiasten der Gesamtschule meist auf die gymnasiale Oberstufe nach Nidda, Büdingen oder Konradsdorf. Weiter befinden sich in Gedern und dessen Ortsteilen mehrere Grundschulen.[4][5][6][7]

[Bearbeiten] Freizeit- und Sportanlagen

Der Gederner See in einer Panoramafotografie

Der Gederner See zieht im Sommer viele Camper und Badegäste an. [8] Gedern verfügt weiter über ein beheiztes Hallenbad im Sportzentrum am Schmitterberg. Dieses befindet sich auf dem westlichen Höhenzug, der die Stadt vom Seegelände trennt. Oberhalb des Gederner Sees liegt der Segelflugplatz Gedern, an dem an Wochenenden mit gutem Wetter Flugbetrieb stattfindet. Rundflüge sind grundsätzlich jederzeit möglich.[9] Der so genannte Vulkanradweg befindet sich auf der ehemaligen Bahnstrecke Stockheim - Lauterbach (Hessen).[10] Der ehemalige Bahnhof wird heute als Gaststätte genutzt.[11] Im Ortsteil Ober-Seemen befindet sich das Kinder- und Jugendferiendorf des Landkreises Groß-Gerau.[12]

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Evangelische Kirche, 1847

Das Gederner Schloss entstand aus einer Befestigungsanlage des 14. Jahrhunderts.[13] Es gibt ein Kulturhistorisches Museum im Torbogenhaus des Schlosses (ehemals Gärtnerei des Schlosses). Auf einigen Gebäuden die sich auf dem Schlossberg befinden sind die Jahreszahlen der Errichtung eingemeißelt, zumeist sind diese am obersten Stein eines (Tor-)Bogens zu sehen. Anhand dieser Zahlen lässt sich gut erkennen das der Ausbau des Schlossareals in mehreren Etappen geschehen sein muss. Aber gerade durch die Jahreszahlen an den Gebäuden kommen einige Geschichtlich Interessante Fragen auf. So wurde die Torhalle mit der Brücke auf das Jahr 1605 datiert, allerdings wurde die Schlossmauer zum Teil bereits im Mittelalter errichtet. Der Mittelbau des Schlosses stammt aus dem Jahre 1706, fast 100 Jahre nach Errichtung des Torbogens. Da stellt sich die Frage was sich vor Errichtung des Mittelbaus dort befunden haben muss, denn der Bau einer Toranlage wäre ziemlich sinnlos gewesen wenn dort nicht bereits Wohngebäude gestanden hätten, besser gesagt eine Wohnburg. Leider gibt es keine Skizzen o.ä. von dem Gebäude, auf dessen Grundmauern ein Teil des Schlosses errichtet worden ist. 1225 wird ein Zeuge Wolfram aus Gedern genannt, deshalb hat sich in Gedern auch der Name Wolframsburg erhalten. Das Schlossareal wurde unter anderem mit folgenden Gebäuden bebaut, in Klammern wird die Jahreszahl für die Fertigstellung des jeweiligen Gebäudes angegeben, bzw. die Jahreszahl die sich auf dem Gebäude ablesen lässt. Zu den ältesten Bauten zählt die Torhalle mit Brücke, Marstall und das Schilderhaus (1605) Durchaus jünger ist der Bau der alten Brauerei, gegenüber der Torhalle gelegen, heute ist dort ein Altenheim untergebracht. (1679) Kurz darauf wurde bereits mit dem Aus- und Umbau des Hauptgebäudes begonnen, denn dies ist auf das Jahr 1706 datiert, allerdings ist davon auszugehen das Teile des Gebäudes wohl bereits vorher vollendet gewesen sein müssen. Diese Annahme ist durchaus berechtig, wie bereits in der Heimatchronik "Geriwarada" geschrieben wurde: "Aber am 9. August 1687 wird ein Paar copuliert "öffentlich uff dem Schloß im neuen Bau"." Auch der Hauptbau besteht aus Gebäuden die in mehreren Etappen erbaut worden sind. So wurde das Gebäude links des Treppenhauses bereits um 1700 herum fertig gestellt. Das Treppenhaus wurde in einer Umbauphase um 1730 erbaut, die dort verbaute Treppe befindet sich noch heute im Gebäude. Das Rentamt wurde 1710 errichtet. Heute noch erhalten sind dazu noch die Schmiede und die Remise. Das Schlossanlage wird umgeben von einem Park, der im englischen Stil angelegt worden ist. Bewohnt wurden die Gebäude von der Linie Stolberg bis 1927, danach wurde dort zuerst der männliche Arbeitsdienst untergebracht und später bis 1945 der weibliche. Nach Ende des dritten Reichs wurden in den Gebäuden Heimatlose und Flüchtlinge untergebracht. Am 1. August 1987 kaufte die Stadt Gedern das Schloss samt den umliegenden Gebäuden. Nach umfangreicher Sanierung zog hier 1997 die Stadtverwaltung ein. Des Weiteren beherbergt das Schloss Gedern heute eine Namhafte Gaststätte. Im Ehemaligen Marstall ist seit kürzerer Zeit eine Seifensiederei untergebracht und das Stadtarchiv. Das Kulturhistorische Museum befindet sich in der Torhalle. Das Rentamt wird zur Zeit saniert. Remise und Schmiede wurden bisher dank Einsatzes des Geschichtskreises Gedern vor dem Abriss bewahrt.

Die Weidenkirche im Stadtteil Steinberg wurde von den Bürgern errichtet, um den Gottesdienst auch in der freien Natur feiern zu können.

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen

  • MSC-Gedern 74 e.V. Kartrennen „Großer Preis von Gedern“ letzter Sonntag im Mai
  • Internationales Teleskoptreffen Vogelsberg (um Christi Himmelfahrt)
  • Open Air-Konzert im Schlosspark (Anfang Juli)
  • Seefest am Gederner See (Letzter Samstag im Juli)
  • Gederner Stadtlauf (zweites Augustwochenende (Määrt Samstag))
  • Gassemäärt (zweites Augustwochenende)
  • Elvis-Festival am Gederner See (Anfang September)
  • Nickelches-Määrt (1. Adventswochenende)

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Regionale Spezialitäten

In Gedern werden die sogenannten Spitzbuben und Beulches gekocht. Beulches sind wurstförmige Kartoffelrollen, die aus roh geriebenen Kartoffeln, gekocht geriebenen Kartoffeln und allerlei, was sich kochen lässt, bestehen. Meistens wird Dörrfleisch in diese Kartoffelmasse gegeben, es kann aber ebenso gut auch Blutwurst sein oder Speck. Man serviert die Beulches, nachdem man sie in Leinensäckchen (Beutelches) gekocht hat, zusammen mit Zwiebelsoße. Spitzbuben werden ähnlich hergestellt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Heinrich Thomee: Geriwarda - Ein Heimatbuch der Stadt Gedern 1956
  • Rolf Knierriem: Gedern - Bilder aus vergangenen Tagen 1985 3-924932-36-0
  • Rolf Knierriem: Gedern ist schön 1986 Geiger-Verlag 3-89264-045-9
  • Erwin Diel , Hans-Dietrich Moritz: Damals bei uns dehaam - Gedern/Hirzenhain Sparkasse Wetterau 1990 AS-Druck und Verlag GmbH
  • Thomas W. Lummitsch / Magistrat der Stadt Gedern: Jüdisches Leben in Gedern 1991 AS-Druck und Verlag GmbH
  • Rolf Knierriem: Unser Gedern 1995 Siebenstern 3-931769-00-3
  • Rolf Knierriem: Gedern im Jahreslauf 1998 Siebenstern 3-931769-01-1
  • Hans-Joachim Flach, Axel Listing (Hrsg): Festbuch 2006 2006

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2010 (Hilfe dazu)
  2. http://www.naturpark-hoher-vogelsberg.de/home/mitglieder-im-naturpark.html
  3. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  4. http://www.gs-gedern.de/pages/schulinformation/daten-fakten.php
  5. http://www.gs-gedern.de/pages/schueleraustausch/condE9-en-brie-frankreich/einfuehrung.php
  6. http://www.gs-gedern.de/pages/schueleraustausch/columbia-illinois-usa/einfuehrung.php
  7. http://www.gedern.de/buergerbuero/s_schule.php
  8. http://www.campingpark-gedern.de/index.php?id=8
  9. http://www.sfg-gedern.de/haupt_html/mitfliegen.htm
  10. http://www.vulkanradweg.de/
  11. http://www.modellbahngedern.de/historie.html
  12. http://www.gruppenunterkuenfte.de/Jugendferiendorf-Ober-Seemen__t1771.html
  13. Zum Schloss siehe Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 132–134, ISBN 3-89214-017-0.

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 Commons: Gedern (Hessen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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