Gefährliche Leidenschaft

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Filmdaten
Deutscher Titel Gefährliche Leidenschaft
Originaltitel Gun Crazy
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1950
Länge 87 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Joseph H. Lewis
Drehbuch Dalton Trumbo
MacKinlay Kantor
Produktion Frank King
Maurice King
Musik Victor Young
Kamera Russell Harlan
Schnitt Harry Gerstad
Besetzung

Gefährliche Leidenschaft (Originaltitel: Gun Crazy, Alternativtitel: Deadly is the Female) ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film noir von Joseph H. Lewis aus dem Jahr 1950.

Handlung[Bearbeiten]

Bart Tare entwickelt schon in frühen Jahren eine Faszination für Schusswaffen. Mit 14 Jahren wird er für den Diebstahl eines Revolvers in die Besserungsanstalt eingewiesen, obwohl seine Schwester Ruby und seine Freunde Dave und Clyde, der Sohn des Sheriffs, sich für ihn einsetzen.

Nach der Entlassung aus der Besserungsanstalt und Ableistung seines Armeedienstes kehrt der erwachsene Bart in seinen Heimatort zurück. Zusammen mit Dave und Clyde, der selbst inzwischen Sheriff des Ortes ist, besucht er die Vorstellung eines Wanderzirkus, zu dessen Attraktionen die Schießkünste der Scharfschützin Annie Laurie Starr gehören. Bart gewinnt ein Wettschießen gegen Laurie und wird von Zirkusdirektor Packett angeheuert. Bart und Laurie verfallen schnell einander. Der eifersüchtige Packett, der Laurie nicht freigeben will, erpresst sie mit dem von ihr verschuldeten Tod eines Mannes in St. Louis. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, und Bart und Laurie flüchten gemeinsam. Die beiden heiraten und verbringen glückliche Flitterwochen, bis ihnen das Geld ausgeht. Bart will eine Arbeit suchen, aber Laurie überredet ihn, sich Geld mit Raubüberfällen zu verschaffen. Nach einer Serie erfolgreicher Überfälle will Bart aussteigen. Laurie besteht darauf, noch einen Coup zu wagen, den Raub der Lohngelder eines Fleischerzeugers. Wegen eines ausgelösten Alarms tötet Laurie eine Angestellte und einen Wachmann. Sie gesteht dem schockierten Bart, bereits in St. Louis einen Mann bei einem Raub erschossen zu haben.

Bart und Laurie verstecken sich auf der Flucht vor der Polizei bei seiner Schwester Ruby. Dave und Clyde erscheinen vor dem Haus, und Bart und Laurie fliehen in die nahe gelegenen Sümpfe, wo sie von der Polizei umzingelt werden. Als Laurie auf Dave und Clyde schießen will, wird sie von Bart getötet, der selbst wiederum im Kugelhagel der Polizei stirbt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Gefährliche Leidenschaft basiert auf der 1940 in der Saturday Evening Post erschienenen Kurzgeschichte Gun Crazy von MacKinlay Kantor.[1] Kantor verfasste das Drehbuch gemeinsam mit Dalton Trumbo; da der während der McCarthy-Ära auf der „Schwarzen Liste“ stehende Trumbo nicht unter eigenem Namen arbeiten konnte, fungierte offiziell Millard Kaufman als Kantors Co-Autor.[2][3]

Gefährliche Leidenschaft startete im Ursprungsland USA zuerst am 26. Januar 1950 unter dem Titel Deadly is the Female und erneut unter dem heute geläufigeren Titel Gun Crazy am 24. August 1950.[4] In der BRD kam der Film am 13. März 1951 in einer gekürzten Fassung in die Kinos. Am 2. April 1987 strahlte West 3 erstmals eine vollständige Fassung im Fernsehen aus.[5]

Obwohl bei Kinostart als „Billigprodukt“ (Bosley Crowther, New York Times) abgetan, erwarb sich Gefährliche Leidenschaft später den Respekt von Filmhistorikern, die ihn in eine Reihe mit Fritz Langs Gehetzt (1937), Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (1949) und Arthur Penns Bonnie und Clyde (1967) stellten, in denen junge Paare ungewollt oder gewollt zu Gesetzlosen werden.[6][4] (Der 1992 erschienene Thriller Guncrazy hat bis auf das vor dem Gesetz fliehende Paar keinen inhaltlichen Bezug zu Kantors Kurzgeschichte und Lewis’ Film.)

Auch wiederholt von Filmhistorikern herausgehoben wurde eine quasidokumentarische, in einer einzelnen Einstellung gefilmte Sequenz, in der die Fahrt zum Ort eines Überfalls, der sich off camera abspielende Bankraub und die anschließende Flucht ausschließlich aus dem Heck von Barts und Lauries Wagen gezeigt werden.[4][6]

Kritiken[Bearbeiten]

„Aufgrund vieler einführender Szenen wirkt der Film lang. Die zweite Hälfte rast jedoch unter Joseph H. Lewis’ Regie dahin […] Das Drehbuch verweist auf die körperliche Anziehungskraft zwischen Dall und Cummins, wirkt aber trotz dieser Betonung seltsam kalt und emotionslos. Die Schuld liegt bei Buch und Regie, die beide an der Oberfläche bleiben und nie hinter die Fassade der Figuren blicken.“

Variety[7]

„Düsterer Gangsterfilm in der Tradition der unaufwendigen B-Pictures" [sic]; solide inszeniert und mit Gespür für Spannung geschickt gesteigert, ist der Film in der Verbindung von Erotik und Gewalt ein beredtes Abbild sozialen Verhaltens.“

Lexikon des Internationalen Films[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1998 wurde Gefährliche Leidenschaft als „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam“ in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gefährliche Leidenschaft auf Turner Classic Movies, abgerufen am 4. Februar 2013.
  2. Gefährliche Leidenschaft in der Internet Movie Database.
  3. Phil Hardy (Hrsg.): The BFI Companion to Crime. University of California Press, Berkeley/Los Angeles 1997, ISBN 0-520-21538-9, S. 153.
  4. a b c Alain Silver, Elizabeth Ward (Hrsg.): Film Noir. An Encyclopedic Reference to the American Style, Third Edition. Overlook/Duckworth, New York/Woodstock/London 1992, ISBN 978-0-87951-479-2, S. 116–119.
  5. a b Gefährliche Leidenschaft im Lexikon des Internationalen Films.
  6. a b James Naremore: More than Night: Film Noir in Its Contexts. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1998, ISBN 0-520-21294-0, S. 150–151.
  7. „Because of so much establishing footage, the picture seems long. Latter half, however, races along under Joseph H. Lewis' direction […] Script points up the physical attraction between Dall and Cummins but, despite the emphasis, it is curiously cold and lacking in genuine emotions. Fault is in the writing and direction, both staying on the surface and never getting underneath the characters.“ – Rezension in Variety aus dem Jahr 1950 (ohne Datum), abgerufen am 4. Februar 2013.