Gefahr in Frisco

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Filmdaten
Deutscher Titel Gefahr in Frisco
Originaltitel Thieves’ Highway
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Italienisch
Griechisch
Polnisch
Erscheinungsjahr 1949
Länge 94 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Jules Dassin
Drehbuch A. I. Bezzerides
Produktion Robert Bassler
Musik Alfred Newman
Kamera Norbert Brodine
Schnitt Nick De Maggio
Besetzung

Gefahr in Frisco (Originaltitel: Thieves’ Highway) ist ein in Schwarzweiß gedrehtes US-amerikanisches Filmdrama und ein Film noir von Jules Dassin aus dem Jahr 1949. A. I. Bezzerides schrieb das Drehbuch nach seinem Roman Thieves’ Market.

Handlung[Bearbeiten]

Nick Garcos, Sohn griechischer Einwanderer, kehrt nach langen Jahren auf See zu seiner Familie und seiner Verlobten Polly nach Kalifornien zurück. Dort muss er erfahren, dass sein Vater, ein Lastwagenfahrer, nicht nur von dem Obsthändler Mike Figlia um sein Geld gebracht wurde, sondern auch in einem Unfall seine Beine verlor. Seinen Lastwagen hat Nicks Vater an den Nachbarn Ed verkauft, der aber noch nicht bezahlt hat. Nick vereinbart ein Geschäft mit Ed: Gemeinsam wollen sie zwei Lastwagenladungen Äpfel bei einem Obstbauern vor Ort erwerben und gewinnsteigernd auf dem Obstmarkt in San Francisco absetzen. Auf ihren Fersen befinden sich Slob und Pete, die ebenfalls mit einer Fuhre Äpfel zum Obstmarkt unterwegs sind. Auf der Fahrt rettet Ed Nick das Leben, als dieser während eines Reifenwechsels um ein Haar von seinem Wagen erdrückt wird. Nick erreicht als erster den Markt, wo er prompt von Figlia hereingelegt wird: Ein Mitarbeiter Figlias macht Nicks Wagen fahruntüchtig, und während Nick von der Prostituierten Rica abgelenkt wird, verkauft Figlia eigenmächtig seine Ladung an die Kundschaft. Rica hegt jedoch schnell Sympathien für Nick und erzählt ihm von Figlias Machenschaften. Nick kann Figlia zur Auszahlung seines Gewinns zwingen und ruft noch in der Nacht Polly an, sie solle nach San Francisco kommen, um ihn zu heiraten. Kurz darauf überfallen zwei von Figlia angeheuerte Schläger Nick und Rica und nehmen sein Geld an sich. Während Nick sich bei Rica erholt, verunglückt Ed mit seinem Laster. Slob und Pete erreichen den Markt und verkaufen ihre Ware unter Preis an Figlia. Figlia kann Pete überreden, ihm bei der Bergung von Eds Lieferung zu helfen, um diese ebenfalls zu Geld zu machen. Slob dagegen weigert sich, sich an dem Toten zu bereichern.

Am nächsten Morgen trifft Polly in San Francisco ein, wendet sich aber von Nick ab als sie erfährt, dass dieser sein ganzes Vermögen verloren hat. Nick sucht Figlia und trifft auf Slob, der ihm von Eds Tod und der Bergung seiner Fuhre berichtet. In einer Kneipe stellt Nick Figlia und schlägt ihn zusammen. Kurz darauf trifft die von Rica verständigte Polizei ein, die Figlia verhaftet und Nick mit einer Verwarnung gehen lässt. Rica schließt sich Nick an und folgt ihm in seinen Heimatort.

Hintergrund[Bearbeiten]

Gefahr in Frisco wurde am 20. September 1949 in den USA uraufgeführt und startete am 19. Dezember 1950 in den deutschen Kinos.[1][2]

Darryl F. Zanuck, Vizepräsident der Produktionsgesellschaft 20th Century Fox, überwachte wie gewohnt die Produktion des Films in allen Details. Ohne Dassins Wissen ließ er eine Szene drehen und einfügen, in der Nick Garcos nach seinem Angriff auf Figlia von einem Polizisten belehrt wird, dass es nicht Aufgabe von Privatleuten sondern der Polizei sei, für die Wahrung des Gesetzes zu sorgen.[3] Der Film war für fast 20 Jahre Dassins letzte Arbeit auf amerikanischem Boden. Da wegen seiner ehemaligen Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei gegen ihn ermittelt wurde, ließ ihn Zanuck seinen nächsten Film, Die Ratte von Soho, in Großbritannien drehen.[4]

Obwohl ursprünglich als Melodram eingestuft,[5][6] wurde Gefahr in Frisco in späteren Jahren mehrheitlich, wenngleich nicht einstimmig, dem Film-noir-Kanon zugeordnet.[7]

Analyse[Bearbeiten]

Für den BFI Companion to Crime nimmt in Gefahr in Fricsco, im Gegensatz zu Bezzerides’ früherem Trucker-Film Nachts unterwegs, die Befindlichkeit des Film noir ein politisches Bewusstsein an: „Das Trauma, das den Noir-Helden zwangsläufig deformiert, ist nicht im Äußeren verortet wie die Gewalt eines Krieges, sondern ein im Inneren der amerikanischen Gesellschaft angesiedelter Zustand, der Männer dazu zwingt, sich den vom Kapitalismus diktierten Gesetzmäßigkeiten anzupassen.“[8] Der Ausstellungskatalog Reading California: Art, Image, and Identity, 1900–2000 ergänzt: „Gefahr in Fricsco […] impliziert, dass an jedem Punkt in der Produktionskette der Traum vom Erfolg des Arbeiters durch Schwäche, Unfälle und systematische Ausbeutung gefährdet ist. Hier ist Kalifornien kein goldener, wahr gewordener Traum […] sondern die schlichte Feststellung der Tatsache, dass Träume weniger wert sind als ausweglose Gefangenschaft in Unterdrückung und Ausbeutung.“ So vermittele der Film den Eindruck, dass ein glücklicher Ausgang, der hier gezeigte inbegriffen, nur als künstliche, erzwungen märchenhafte Auflösung vorstellbar sei.[9] Ebendieser optimistische Schluss veranlasste Bill Nichols in Movies and Methods, angelehnt an Robin Woods Einteilung in „reaktionäre“ und „progressiveHorrorfilme, Gefahr in Frisco zusammen mit Filmen wie Gilda als „rechtsgerichtete“ Vertreter des Film noir einzuordnen, die Filmen wie Opfer der Unterwelt und Rattennest dichotomisch gegenüberstünden.[10]

Rezensent Glenn Erickson sieht in Gefahr in Fricsco einen subtilen Aufruf, sich zu organisieren statt seinen Kampf allein als Individuum zu führen: „Nico scheitert nur, weil er im Kampf gegen die Ganovenbande allein ist. Da er, Ed und Eds Ex-Partner Slob und Pete miteinander konkurrieren, sind sie leichte Beute für die Fallen, die man ihnen stellt – Figlia knöpft sich einen nach dem anderen vor. Gefahr in Fricsco erwähnt nie das Wort Gewerkschaft, aber der verlegene Blick im Gesicht des Verräters Pete, als Figlia ihm herablassend einen miesen Tagelöhner-Job anbietet, sagt alles. Ich kann mir vorstellen, dass Gewerkschaftler diesen Film noch mehr liebten als Bezzerides’ früheren Trucker-Helden-Film Nachts unterwegs.“[11]

Als weniger gelungene Umsetzung der zugrunde liegenden Themen bewertet Brian Neve den Film in seinem Buch Film and Politics in America und belegt seine Sichtweise mit Rezensionen von Barry Gifford und Colin McArthur. Das Drehbuch deute eine breiter gestreute Kritik an, liefere aber mit der Präsentation eines Schurken, der gestürzt wird, ein beruhigendes Ende. Dassin zeige die Spannung und Film-noir-Exotik des Drehbuchs auf, habe aber den inhaltlichen Aussagen wenig hinzuzufügen.[12] Georg Seeßlen bezeichnet in einer Analyse von Dassins Stadt ohne Maske und Gefahr in Frisco beide Filme als eindringlich, schränkt aber ein: „Dassins Faszination durch die Stadt drohte freilich auch die in den Skripts angelegten analytischen Aspekte zu überwuchern, und die Filme, die er […] in Europa drehte, verstärkten nur den schon in den amerikanischen Filmen vorhandenen Hang zum Pittoresken […]“[13]

Kritiken[Bearbeiten]

„Eines der besten, scharfsinnigsten und straffsten Melodramen dieses Jahres, atemberaubend gespielt von einer Besetzung in Höchstform.“

Bosley Crowther, The New York Times[5]

„A. I. Bezzerides’ Drehbuch […] und die darstellerischen Leistungen von Conte, Cobb und Cortese (in ihrem amerikanischen Debüt) helfen die hitzigen künstlerischen Ambitionen Dassins zu zügeln […] Der Film fügt schlüpfrige Erotik und harte Action nahtlos zu einem erstklassigen Trucker-Melodram zusammen.“

Time Out Film Guide[14]

„Ein spannender Film, der den "amerikanischen Traum" nachhaltig in Frage stellt; glaubwürdig in der Vermittlung des Milieus und stilistisch dem Neorealismus verpflichtet.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. I. Bezzerides: Thieves’ Market. Charles Scribner’s Sons, New York 1949

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gefahr in Frisco in der Internet Movie Database.
  2. a b Gefahr in Frisco im Lexikon des Internationalen Films.
  3. Interview mit Jules Dassin auf der DVD-Veröffentlichung von Thieves’ Highway, Criterion Collection, USA 2005.
  4. Zusatzmaterial auf der DVD-Veröffentlichung von Night and the City, Criterion Collection, USA 2005.
  5. a b „And here, furthermore, in this exposure, which is stunningly played by a top-form cast, is one of the best melodramas—one of the sharpest and most taut—we've had this year.“ – Rezension in der New York Times vom 24. September 1949, abgerufen am 22. Dezember 2012.
  6. „Top of the list of melodrama which 20th Century-Fox [sic] has been releasing lately.“ – Ankündigung in The Montreal Gazette vom 18. Oktober 1949, abgerufen am 22. Dezember 2012.
  7. Zum Film noir zählen ihn beispielsweise Alain Silver und Elizabeth Ward in Film Noir. An Encyclopedic Reference to the American Style (Overlook/Duckworth, New York/Woodstock/London 1992, ISBN 978-0-87951-479-2) und Foster Hirschs The Dark Side of the Screen: Film Noir (Da Capo Press, New York 2001, ISBN 0-306-81039-5). Als nur „marginal“ dem Film noir zuzurechnen bezeichnet ihn Bruce Crowthers Film Noir. Reflections in a dark mirror (Virgin, London 1988, ISBN 0-86287-402-5).
  8. 1n contrast to earlier thrillers with a truck- driving theme (They Drive by Night), Thieves' Highway finds the noir sensibility taking on a political ambience.[…] The locus of the trauma which necessarily malforms the noir hero is not external like the violence of war but an endemic condition of American society, which forces men to go along with the set of rules imposed by capitalism. – Phil Hardy (Hrsg.): The BFI Companion to Crime. University of California Press, Berkeley, Los Angeles 1997, S. 323.
  9. „Thieves’ Highway chronicles the stages of capitalist production–from the harvesting of produce to its consumption in the restaurants of the state–and implies that at every point in the chain of production, the worker’s dream of success is vulnerable to weakness, to accident, to systematic exploitation. California here is not the golden achievement of a dream (as the hero discovers when even his radiantly blond girlfriend deserts him) but the blunt realization of the fact that dreams matter less than inescapable entrapment in oppression and exploitation (this, despite the fact that Thieves’ Highway has a happy ending, since even the cheerfully hokey, tacked-on conclusion–Thieves’ Market, the book on which the film is based was much bleaker–seems to imply that an optimistic outcome can only be artificial, a forced magical solution).“ – Stephanie Barron, Sheri Bernstein, Ilene Susan Fort (Hrsg.): Reading California: Art, Image, and Identity, 1900–2000. Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles und University of California Press, Berkeley, Los Angeles, London 2000, S. 140.
  10. „One of Wood’s most interesting elaborations of this thesis involves the delineation of reactionary and progressive sides to the horror film genre, as his comparison of The Omen and The Texas Chainsaw Massacre demonstrates. A similar dichotomy may well exist in film noir between the right-wing films, such as Gilda and Thieves’ Highway, that continue to offer hope and films, such as D.O.A. and Kiss Me Deadly, that deny any possible escape.“ – Bill Nichols: Movies and Methods Volume II. University of California Press, Berkeley, Los Angeles 1985, S. 195.
  11. „Nico fails only because he's one man against the rackets. Competing with one another, he, Ed and Ed's ex-partners Slob and Pete are easy prey for crooked traps - Figlia picks them off one by one. Thieves' Highway never mentions unions, but the look of Judas-like shame on Pete's face as Figlia patronizes him with a rotten handout job tells it all. I can see the Teamsters loving this picture even more than writer Bezzerides' older trucker-hero picture, They Drive By Night.“ – Besprechung von Glenn Erickson auf dvdtalk.com, abgerufen am 22. Dezember 2012.
  12. „Bezzerides remembers being frustrated by Zanuck’s demands for script changes, and the resulting film was less documentary realism than–in Barry Gifford’s review–‘a typical proletarian melodrama that pits one earnest man against an exploitative, corrupt businessman attempting to control a marketplace’. The script at times suggests a broader critique, but also provides a villain–the ‘produce dealer’, played by Lee J. Cobb–who divides and rules, but whose eventual downfall contributes to the reassuring ending. Dassin points up the excitement and film noir exoticism but, as Colin McArthur argues, he adds little to any thematic statement implicit in the script.“ – Brian Neve: Film and Politics in America: A Social Tradition. Routledge, London, New York 1992–2005, S. 122.
  13. Georg Seeßlen: Der Asphalt-Dschungel. Geschichte und Mythologie des Gangster-Films. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, S. 180–181.
  14. „AI Bezzerides’ script (from his own novel Thieves’ Market) and the performances of Conte, Cobb, and Cortese (in her American debut) help restrain Dassin’s feverish artistic ambitions in this tale of racketeering in the California fruit markets. The result slots sleazy eroticism and rigorous action seamlessly together into a high-grade trucking melo.“ – Time Out Film Guide, Seventh Edition 1999. Penguin, London 1998, S. 906.