Gefecht der verbundenen Waffen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Das Gefecht der verbundenen Waffen, seit 2007 als Operation verbundener Kräfte bezeichnet, ist ein taktisches Konzept der Gefecht­sführung.

Historie[Bearbeiten]

1921/1922 entstand aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges die Vorschrift Führung und Gefecht der Verbundenen Waffen des damaligen deutschen Heeres. In den 1930er Jahren wurden die taktischen Elemente u. a. von dem Offizier Heinz Guderian weiterentwickelt und nach dem Krieg von der Bundeswehr taktisch zunächst weitgehend übernommen. Sie war darauf ausgelegt, dass primär mechanisierte Truppengattungen eng zusammenwirken, um einen möglichst hohen gemeinsamen Gefechtswert zu erreichen. Dies gilt heute und galt auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg für die Infanterie im Zusammenwirken mit Artillerie und Pionieren sowie mit Kampfpanzern zur Panzerabwehr und im Infanteriekampf durch die Kampfunterstützung durch Schützenpanzer der Panzergrenadiere.

Trotz Änderungen der strategischen Vorgaben (Auflösung des Kalten Krieges) und daraus resultierender neuer taktischer Ausrichtung der Bundeswehr blieben die Grundzüge des verbundenen Einsatzes der verschiedenen Techniken (Waffen) und Fähigkeiten (Einheiten, Fachpersonal) erhalten. Seit 2007 wird diese Taktik in der Überarbeitung der Heeresdienstvorschrift (HDV) 100/200 als Operation verbundener Kräfte bezeichnet.[1] Diese Bezeichnung ist v. a. heute treffender, weil längst nicht nur Waffeneinsatz hier eine Rolle spielt, sondern für einen Einsatzerfolg viele verschiedene Spezialisten mit hinzugezogen werden müssen.

Doktrin[Bearbeiten]

Kern der Operation verbundener Kräfte ist die Koordination von Feuer und Bewegung der eigenen Kräfte, um den eigenen Auftrag gegenüber Feindkräften durchzusetzen. Hierzu wirken die verschiedenen Truppengattungen der Kampftruppen (Panzertruppe und Panzergrenadiere sowie Infanterie) sowohl mit den Kampfunterstützungstruppen (Artillerie, Pioniere, Heeresflieger, Heeresflugabwehr, ABC-Abwehrtruppe) als auch mit den Führungstruppen u.a. Heeresaufklärungstruppe, Elektronische Kampfführung, Fernmeldetruppe auf dem Gefechtsfeld so zusammen, dass einerseits die eigene Informations- und Feuerüberlegenheit sowie die Bewegungsfähigkeit an der entscheidenden Stelle erzwungen, ihr Einsatzwert und ihr Durchhaltevermögen erhöht und andererseits die Aufklärungs-, Wirkungs- und Bewegungsmöglichkeiten des Feindes minimiert werden sollen.

Kennzeichnend für die Fähigkeit zum Gefecht der verbundenen Waffen ist das vorhandene Führungs- und Informationssystem. Im Idealfall können Aufklärungsergebnisse in Form universell nutzbarer Zieldaten direkt der Führung zugänglich gemacht werden, die wiederum dasjenige Waffensystem mit der Bekämpfung des jeweiligen Ziels beauftragt, das hierfür am besten geeignet ist. Rechnergestützte Auswertesysteme reduzieren gelegentliche Mehrfach-Zielbekämpfungen bzw. ein außer Acht lassen von erforderlicher Zieleinwirkung. Siehe auch: Streitkräftegemeinsame taktische Feuerunterstützung

Wichtige Bestandteile der Operation verbundener Kräfte sind:

  • Feuer
  • Bewegung
  • Sperren
  • Elektronischer Kampf (EloKa)

sowie

  • Kräfte
  • Raum
  • Zeit
  • Information

Durchführung[Bearbeiten]

Bis zur Einnahme der Heeresstruktur Neues Heer für neue Aufgaben 1997–2001 waren die wesentlichen Elemente durch Kampftruppen mit Panzern und Panzergrenadieren sowie Artillerie und Pionieren (Sperren, Räumen) zum Gefecht der verbundenen Waffen in einer Brigade organisch enthalten. Die Zuteilung weiterer Kräfte wie Heeresflugabwehr oder Verstärkung der Artillerie (für den Feuerkampf oder zur Aufklärung) oder Pioniere erfolgte durch Kräfte der übergeordneten Division. Die Division selber erhielt durch Zuteilung Sorties als Offensive Kräfte der Luftwaffe durch das Korps zur Luftnahunterstützung (eng. Close Air Support) um damit die Brigaden zu unterstützen. Der Kampf in der Tiefe wurde durch die Divisions- und Brigadeartillerie geführt. Nur auf herausragende Ziele oder außerhalb der Reichweite der Artillerie wurden Sorties zum Battlefield Air Interdiction durch das Korps eingesetzt, die Divisionen verfügten zum Kampf in die Tiefe über ihr Divisions-Artillerieregiment.

Nach dem Zwischenschritt Heer der Zukunft (2001–2006) sind die Kräfte des Heeres im Neuen Heer bzw. Heer 2010 (ab 2006) völlig neu strukturiert. Nur noch die zu den Eingreifkräften gehörenden Brigaden der 1. Panzerdivision (Panzerlehrbrigade 9 und Panzerbrigade 21) sowie die Deutsch-Französische Brigade sind in der Lage eine Operation verbundener Kräfte mit eigenen Truppenteilen selbständig zu führen. Die Brigaden der Stabilisierungskräfte[A 1] sowie die Brigaden der Division Spezielle Operationen sind erst dann dazu befähigt, wenn ihnen im Einsatz entsprechende Teile der Heerestruppenbrigade unterstellt werden.

Das Gefecht der verbundenen Waffen wird jedoch bereits ab der Einheitsebene der Kompanie geführt. Dazu werden die Züge einer Panzer- und Panzergrenadierkompanie gegenseitig im Zuge der Truppeneinteilung durch das übergeordnete Bataillon unterstellt - so dass diese grundsätzlich jeweils zwei Panzerzüge und zwei Panzergrenadierzüge führt. Der Kompanie werden zusätzlich Teile der Stabs- und Versorgungskompanie wie Fernmeldetrupp (Bataillonsfunkkreis), Sanitätstrupp, Wartungsgruppentrupp (WTG-Trupp) und Bergepanzer oder Feldküchentrupp sowie vormals aus der zugewiesenen Heeresflugabwehrbatterie zwei Kanonenflugabwehrpanzer Gepard unterstellt. Darüber hinaus vormals aus der Mörserkompanie, heute vom Divisions- oder Brigadeartilleriebataillon Vorgeschobene Beobachter (VB), durch das Brigadepionierbataillon ein Panzerpionierzug dem Bataillon oder eine Pioniergruppe der Kompanie auf Zusammenarbeit angewiesen werden.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Die weitere Entwicklung führt zur vernetzten Operationsführung (engl. „Network Centric Warfare”), die nicht nur teilstreitkraftübergreifend wirkt, sondern auch alle anderen Einflussfaktoren in die Operationsplanung einbezieht, wie z. B. das Verhalten von Gruppen der lokalen Zivilbevölkerung und von Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Studien[Bearbeiten]

John R. Walker erstellte 2009 für die United States Army die Studie Bracketing the enemy: forward observers and combined arms effectiveness during the Second World War. (deutsch etwa: den Feind einklammern. Vorfeldbeobachter und die Effektivität von kombinierten Waffen während des Zweiten Weltkriegs). Die Studie wurde im April 2012 digital veröffentlicht[2] und ist damit nun Teil der 'Combined Arms Research Library Digital Library'.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Horstmann: Die Entwicklung der Gefechtsarten: Operatives Denken und Handeln in deutschen Streitkräften. ISBN 978-3640650613.
  • Jonathan M. House: Toward Combined Arms Warfare: A Survey of 20th-Century Tactics, Doctrine, and Organization. US Army Command General Staff College, 1984. Available online or through University Press of the Pacific (2002).
  • Roland Perry:: Monash: The outsider who won a war. Random House, Sydney, 2004
  • Shelby Stanton: The 1st Cav in Vietnam:Anatomy of a division. Presidio Press, Novato, 1999
  • John Schlight: Help from above: Air Force Close Air Support of the Army 1946–1973. Air Force History and Museums program, Washington D.C., 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heeresdienstvorschrift HDv 100/200 der Bundeswehr
  2. ibiblio.org, 364 S., PDF
  3. Homepage

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. 10. Panzerdivision und 13. Panzergrenadierdivision