Geflügeltes Johanniskraut

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Geflügeltes Johanniskraut
Hypericum tetrapterum 04 by Line1.jpg

Geflügeltes Johanniskraut (Hypericum tetrapterum)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
Gattung: Johanniskräuter (Hypericum)
Art: Geflügeltes Johanniskraut
Wissenschaftlicher Name
Hypericum tetrapterum
Fr.

Das Geflügelte Johanniskraut (Hypericum tetrapterum), auch Flügel-Hartheu[1] oder Flügel-Johanniskraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) innerhalb der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration - Rechts: Geflügeltes Johanniskraut (Hypericum tetrapterum), links: Niederliegendes Johanniskraut (Hypericum humifusum)
Blüte im Detail mit vier Kronblättern und vielen Staubblättern

Das Geflügelte Johanniskraut ist eine überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 selten 80 Zentimetern erreicht. Der selbstständig aufrechte Stängel ist deutlich vierkantig und hohl.[1] Es werden fadenförmige unterirdische Ausläufer gebildet. Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätterumfassen diesen etwa zur Hälfte. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 4 Zentimetern elliptisch bis eiförmig. Die Blätter sind dicht und fein durchscheinend punktiert und besitzen am Rand auch schwarze Drüsen.[1]

Die Blütezeit liegt im Hochsommer[1] von Juni bis September. In den oberen Blattachseln stehen trugdoldige Blütenstände.[1] Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind in der Regel fünfzählig, allerdings kommen auch vierzählige Blüten vor. Die meist fünf, manchmal fünf Kelchblätter sind bei einer Länge von bis zu 5 Millimetern lanzettlich mit spitzen oberen Enden.[1] Die meist fünf, manchmal fünf hellgelben Kronblätter sind nur bis zu 8 Millimeter lang[1] und haben am Rand nur wenige (keine bis vier Stück) schwarze punkt- oder strichförmige Drüsen. Es sind 30 bis 40 Staubblätter vorhanden.

Die spitze eiförmige Kapselfrucht ist etwa doppelt so lang wie der Kelch, besitzt ebenfalls schwarze Drüsen und enthält zahlreiche Samen. Die schwarzen Samen sind zylindrisch.

Die Chromosomenzahl beträgt n = 8.[2][1]

Unterschied zu anderen Johanniskraut-Arten[Bearbeiten]

Im Unterschied zu anderen Johanniskraut-Arten hat der hohle Stängel vier schmale Flügelleisten und wird daher vierkantig genannt. Die Blüten sind ähnlich dem Echten Johanniskraut, aber nur halb so groß. Man findet es an nassen nährstoffreichen Standorten wie Wiesengräben, Ufern und an Bächen.[3]

Ökologie[Bearbeiten]

Beim Geflügelten Johanniskraut handelt es sich um einen Hemikryptophyten; sie überwintert grün, wobei ihre Überlebensknospen bedeckt von Laub bzw. Erde überdauern.[1] Die vegetative Vermehrung erfolgt durch kurze fadenförmige, unterirdische Ausläufer. Das Geflügelte Johanniskraut tritt in kleineren bis größeren Gruppen auf.[4] Die Stängelflügel dienen der Stabilisierung in Trockenzeiten. Die hohlen Stängel sichern die Sauerstoffversorgung des Wurzelbereichs.[4]

Es erfolgt Selbst- oder Insektenbestäubung.[4][1]

Die Ausbreitung der Samen erfolgt mit Hilfe des Windes[1] und durch Schwimmausbreitung.[4]

Verwendung[Bearbeiten]

Das Geflügelte Johanniskraut dient als Zierpflanze für Teichränder.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Geflügelte Johanniskraut ist in Zentraleuropa und in Westasien in flachen und mittleren Höhenlagen verbreitet. Dabei reicht die Verbreitung im Norden bis Dänemark und Schweden, im Osten bis zur Ukraine, im Südosten bis Bulgarien und Griechenland und im Süden bis Italien und Spanien. Außerhalb Europas sind Funde in Algerien, im nördlichen Iran, Irak, Israel, Libanon, Syrien und der Türkei dokumentiert. In Australien ist es ein Neophyt.

Man findet das Geflügelte Johanniskraut auf nassen, sumpfigen, nährstoffreichen Böden wie Wiesengräben, Feuchtwiesen und an Ufern von Teichen und Bächen. Das Geflügelte Johanniskraut gedeiht am besten auf feuchten bis nassen, häufig überschwemmten Böden, die niemals stark sauer, sondern eher stickstoffreich sind.

Entsprechend den ökologische Zeigerwerten nach Ellenberg wird das Geflügelte Johanniskraut als Halbschattenpflanze für mäßig warmes Seeklima angegeben.[4]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Geflügeltes Johanniskraut. In: FloraWeb.de.
  2. G. Tischler: Die Chromosomenzahlen der Gefäßpflanzen Mitteleuropas. S-Gravenhage, Junk. 1950.
  3. Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas, ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5. Seite 69
  4. a b c d e Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geflügeltes Johanniskraut (Hypericum tetrapterum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien