Gegen die Wand

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel: Gegen die Wand
Produktionsland: Deutschland, Türkei
Erscheinungsjahr: 2004
Länge: 116 Minuten
Originalsprache: Deutsch, Türkisch, Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Fatih Akın
Drehbuch: Fatih Akın
Produktion: Stefan Schubert
Ralph Schwingel
Musik: Diverse
Kamera: Rainer Klausmann
Schnitt: Andrew Bird
Besetzung

Gegen die Wand ist der vierte Spielfilm des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akın. Der Film schildert die Liebesgeschichte einer jungen in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Türkin, die eine Scheinehe mit einem älteren, alkoholkranken und drogensüchtigen Landsmann eingeht, um den Moralvorstellungen ihrer Eltern zu entkommen.

Der Film ist der erste Teil einer geplanten Trilogie Liebe, Tod und Teufel, die 2007 mit Auf der anderen Seite fortgesetzt wurde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Der Film spielt zunächst in Hamburg. Cahit, ein 40-jähriger Deutsch-Türke, fährt zu Beginn des Filmes alkoholisiert und ungebremst gegen eine Wand. Während der Zeit im Krankenhaus lernt er Sibel kennen, die ebenfalls wegen eines Suizidversuches dort ist. Sibel, eine junge Türkin, rebelliert gegen ihr traditionelles türkisches Elternhaus. Sie möchte ihr eigenes Leben leben, sagt „Ich will leben, ich will tanzen, ich will ficken. Und nicht nur mit einem Typen.“ Um diese Unabhängigkeit von ihrem strengen Vater und ihrem dominanten Bruder zu erlangen, sieht sie nur noch die Möglichkeit, eine Scheinehe einzugehen. Cahit, der seine türkische Muttersprache „weggeworfen“ hat, auf jede Frage nach seiner mysteriösen Vergangenheit aggressiv reagiert und sein Taschengeld mit dem Aufsammeln von Flaschen in einem alternativen Club verdient, willigt nach einem weiteren Suizidversuch von Sibel ein. Als er bei Sibels Eltern um die Hand ihrer Tochter bitten will, gibt er vor, dass er der Geschäftsführer in der Gaststätte sei, wo er arbeitet.

Nach der Hochzeit sieht er unbeteiligt zu, wie Sibel nach dem Einzug bei ihm ein unbeschwertes und zügelloses Leben führt. Doch nach und nach wird ihm klar, dass er für Sibel mehr empfindet, dass er sie liebt. Seine Zuneigung geht so weit, dass er einen früheren One-Night-Stand Sibels, der schlecht über sie spricht, im Affekt tötet. Cahit wird daraufhin zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. In der Folge wird Sibel, die sich nun selbst in Cahit verliebt hat, von ihrer Familie verstoßen. Sie verspricht Cahit, auf ihn „zu warten“ und zieht nach Istanbul. Sie arbeitet in einem Hotel, wo ihre Cousine Selma als Managerin angestellt ist.

Dort stürzt sie indes zunächst vollkommen ab und geht in ihrer Trauer unter. Eines Nachts wird sie von drei Männern, die sie zuvor provoziert hat, beinahe getötet. Ein Taxifahrer findet sie. Als Cahit sie jedoch nach seiner Haftentlassung aufsuchen will, hat sie ihr Leben geordnet, eine neue Beziehung (anscheinend mit dem Taxifahrer) und eine Tochter. Nach zwei gemeinsamen Tagen verabreden sich beide am Busbahnhof, um von dort aus in Cahits Geburtsort Mersin ein neues Leben beginnen zu können. Nachdem Sibel zur vereinbarten Zeit nicht erscheint, fährt Cahit alleine nach Mersin.

[Bearbeiten] Sonstiges

Nach dem Vorbild klassischer Theater-Tragödien wurde der Film in Musik-Akte unterteilt. Hierbei ist Selim Sesler mit einem Orchester am Bosporus-Ufer zu sehen. Bei der Sängerin handelt es sich um die Schauspielerin Idil Üner, welche die beiden bekannten Volkslieder Saniye’m und Su karsiki dagda bir fener yanari singt.

[Bearbeiten] Kritiken

Der Film verarbeitet zwei große Themen: Da ist zunächst die Frage nach der Identität des türkischstämmigen Einwanderers Cahit, der seit dreißig Jahren in Deutschland lebt, und der jungen türkischen Frau Sibel, die in Deutschland geboren und umgeben von einer weltoffenen deutschen Gesellschaft traditionell türkisch erzogen wurde. „Selten spürte man im Kino einen derartigen Lebenshunger: In seinem preisgekrönten Film ‚Gegen die Wand‘ entwirft der Hamburger Regisseur Fatih Akın virtuos und kompromisslos das hochemotionale Drama zweier Deutschtürken auf der Suche nach Identität.“ (Oliver Hüttmann in Spiegel Online [1])

Das zweite Thema ist die Liebesgeschichte zwischen Cahit und Sibel, die reich an Gefühlen und Wirrungen, an Missverständnissen und falschen Vorstellungen ist. Fritz Göttler schreibt dazu: [2] „Wahnsinnige Liebe ist das Thema dieses Films. Und Selbstzerstörung. Und: Liebe = Selbstzerstörung. Fatih Akın denkt an Kurt Cobain und Jim Morrison, die Meister der poetischen Selbstzerstörung. Die Gleichung funktioniert, so wird uns suggeriert, nur noch bei den anderen, den Fremden, den Türken. Also nimmt der Film uns mit auf einen Trip in diese Welt, dort ist archaisches Leben – Blut, Schweiß, Tränen –, dort endet eine Szene gern im Exzess.“

Nach der Verleihung des Goldenen Bären und dem Bekanntwerden der Vergangenheit der Hauptdarstellerin Sibel Kekilli konzentrierte sich die Diskussion in den deutschen Medien, insbesondere den Boulevardblättern, zunächst auf ihre Beteiligung an Pornofilmen. Die Tatsache, dass Gegen die Wand der erste erfolgreiche deutsche Film im Rennen um den Goldenen Bären seit Jahren war, wurde weitgehend ausgeblendet. Michael Althen kommentierte: „ Ein Goldener Bär, eine schmähliche Kampagne, jetzt wird man sehen, was das alles bringt, und kann womöglich erleben, wie der Film all die Erwartungen spielend unterläuft. Denn die kuriose Liebesgeschichte zweier gescheiterter Selbstmörder besitzt nicht nur eine verstörende Kraft durch die Unbedingtheit, mit der sie erzählt wird, sondern auch eine überraschende Zärtlichkeit für ihre beiden Figuren, denen der Sinn eigentlich nach ganz anderen, viel direkteren Gefühlen steht.“ [3]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

Der Film Gegen die Wand erhielt folgende Ehrungen:

[Bearbeiten] Adaptionen

Das Drehbuch wurde von Ludger Vollmer als Oper in deutscher und türkischer Sprache adaptiert, die Uraufführung war am 28. November 2008 am Theater Bremen.[4] [5]

Bereits seit 2007 führt u.a. die Studiobühne des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin eine von Mathias Huhn inszenierte Sprechtheaterfassung des Filmes auf. Diese stammt von Armin Petras.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. „Atemloses Ohnmachtsdrama“, Spiegel Online, 12. März 2004
  2. Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, 10. April 2004, in: Presseschau zum Film auf film-zeit.de
  3. Michael Althen: „"Gegen die Wand": Der Berlinale-Sieger läuft nun im Kino“, FAZ, 9. März 2004
  4. Vorankündigung der Oper durch das Theater Bremen (abgerufen am 12. März 2008)
  5. Besprechung von Benno Schirrmeister: „"Gegen die Wand" als Oper. Diese Musik befreit“, die tageszeitung, 30. November 2008

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen