Geheimbund

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Geheimbünde oder Geheimgesellschaften sind Organisationen oder Vereinigungen, die nach Entstehung, Organisationsform und Ausrichtung voneinander zu unterscheiden sind. Allen Geheimbünden gemeinsam ist der Besitz sie charakterisierender „Geheimnisse“, die keinem Außenstehenden bekannt gemacht werden dürfen und die Verfolgung verschiedener Interessen, die von aufklärerischen, politischen, ökonomischen, spirituellen, religiösen, mystizierenden, okkultistischen oder esoterischen Zielen motiviert sein können.

Die Geheimhaltung kann sich auf alle oder nur einige der sie betreffenden Aspekte erstrecken, wie Namen und Anzahl der Mitglieder, die hierarchische Gliederung, Absichten und Ziele, Aktivitäten, Treffpunkte, Aufnahme- und Übergangsriten, Glauben, Dokumente und einer zumeist symbolischen Geheimsprache.

Seit dem 19. Jahrhundert entstanden politische, meist kämpferische Geheimbünde und terroristische Untergrund- und Partisanenbewegungen verschiedenster Zielrichtung mit bis zu Terror und Mord reichenden Methoden.

Der Begriff Geheimbund[Bearbeiten]

Wesentliches Kriterium von Geheimbünden ist auch heute noch das (eventuell nur vorgebliche) Vorhandensein von Kenntnissen, die nur innerhalb des Geheimbundes weitergegeben werden.

Geheimbünde sind nicht auf bestimmte Zeitepochen, Regionen oder Kulturkreise beschränkt. Sie vertreten oder vertraten oftmals Inhalte und Ziele, die den gesellschaftspolitischen Normen der jeweiligen Zeit in einem jeweiligen Land widersprechen oder sich ihnen widersetzten. Darunter waren auch revolutionäre, in der Neuzeit auch demokratische, sozialistische, kommunistische und anarchistische Vereinigungen.

Dabei sind die politischen, rein weltliche Ziele verfolgenden, exoterische Lehren verbreitenden Geheimbünde von den esoterischen Geheimbünden zu unterscheiden, die überlieferte, erdachte oder unter „göttlichem Einfluss“ eines „Erleuchteten“ verkündete Lehren verbreiten.[1]

Geheimhaltung und Hierarchie[Bearbeiten]

Die Geheimhaltung kann sich auf ganz verschiedene Dinge beziehen. Die Geheimhaltung kann etwa die Anzahl und Namen der Mitglieder, die verfolgten Ziele und Absichten, Aktivitäten, Versammlungsorte, Riten und Schriftstücke betreffen. Geheim ist nicht in erster Linie die Vereinigung selbst, sondern das von ihr geheim gehaltene Wissen. Es gibt Bünde und Gruppen mit einer hierarchisch gestaffelten Einweihungsstruktur und bestimmten Aufnahme- und Übergangsriten, bei denen des Öfteren nur die Einweihungsinhalte innerhalb der „höheren“ Grade geheim gehalten werden, mitunter weil diese missverstanden oder, wie die sexualmagischen Lehren und Rituale einiger neomagischer Orden, anstößig erscheinen könnten.[2]

Ursprünge[Bearbeiten]

Geheimbünde als organisierte Träger geheimer Lehren sind so alt wie die menschliche Kultur.[1]

Bereits in vorchristlicher Zeit existierten kultische Geheimbünde und Mysterienkulte, die durch Mythen, Maskerade, Geheimriten und Kultfeiern versuchten Verbindung zu numinosen Wesenheiten aufzunehmen. Die Verpflichtung, Kultgebräuche geheim zu halten, wurde vom Christentum übernommen. So wurden in der Spätantike vor Ungetauften die Taufe und das Taufbekenntnis, der Brauch des Abendmahls und das Vaterunser geheim gehalten. Es gab aber keine allgemein anerkannte Festlegung des Umfangs der Geheimhaltungspflicht, und von Strafbestimmungen für den Fall einer Übertretung ist nichts bekannt.

Historisch berufen sich heutige Geheimgesellschaften mitunter auf die Gralsritter, die Templer, die Freimaurer, die Rosenkreuzer oder den Illuminatenorden. Darüber hinaus gibt es christliche geheime Laienbruderschaften mit beschränktem Gelübde wie den Opus Dei oder den Orden vom Goldenen Vlies. Einige Geheimgesellschaften des 18. Jahrhunderts übernahmen Konzepte des Neuplatonismus der Renaissance, insbesondere das eines gestuften Aufstiegs zur Erkenntnis.

„Geheimlehren“ und Geheimwissen[Bearbeiten]

Bei Geheimbünden als Träger einer „Geheimlehre“ spricht man allgemein von einer esoterischen Lehre, die nur wenigen in einem inneren Kreis bekannt und zugänglich ist. Der Verrat von esoterischem Geheimwissen wurde in früheren Zeiten, abhängig von der äußerlichen Machtposition der betroffenen Geheimgesellschaft, graduell sehr unterschiedlich bestraft. Heute ist es ungefährlich, sich das Wissen eines Geheimbundes anzueignen, und ein Verrat von Geheimnissen hat lediglich eine nach außen unwirksame moralische Verurteilung durch die „verratene“ Gemeinschaft zur Folge. Das Wissen der gegenwärtigen Geheimgesellschaften ist häufig durch entsprechende materielle Leistungen käuflich zu erwerben, wodurch der Begriff „geheim“ weitgehend als Lockmittel für spekulative und kommerzielle Machenschaften zweckentfremdet wurde.[3]

Bei profanem Geheimwissen handelt es sich um Geheimnisse, die einem anderen nicht mitgeteilt werden dürfen. Ungerechtfertigte Mitteilungen darüber gelten als unehrenhaft und verräterisch. Profane Geheimnisse gehören meist zu den Anliegen politischer Geheimbünde.[4]

Geheimbünde im Vorfeld des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

In der Endphase des Ersten Weltkrieges entstand in München ein durch die Ariosophie inspirierter politischer Geheimbund, der seinen Namen von der mythischen Nord-Insel Thule ableitete, die völkisch-rassistische Thule-Gesellschaft. Unter Federführung Sebottendorfs trat man nach außen als „Studiengruppe für germanisches Altertum“ auf, während man intern zu einem Hort kurioser okkult gefärbter, rechtsradikaler Ideen wurde und rassistische, antisemitische Gedanken und Runenmystik pflegte. Zu den Mitgliedern, die später in der NSDAP Bedeutung erlangten, gehörten Julius Streicher, Hans Frank, Alfred Rosenberg und Rudolf Heß. Über die Deutsche Arbeiterpartei hatte die Thule-Gesellschaft auch politische Einflussmöglichkeiten.[5]

Geheimbünde neureligiöser Ausrichtung[Bearbeiten]

Der deutschsprachige Teil Mitteleuropas bildete den Nährboden für diverse okkulte Untergrundbewegungen, die darauf bedacht waren, nicht viel Aufsehen zu erregen. Darunter waren vom 17. bis zum 19. Jahrhundert auch mehrere Geheimgesellschaften, die sich mit den Lehren der Rosenkreuzer, der Theosophie und der Alchimie beschäftigten.[6]

Neomagische Geheimgesellschaften[Bearbeiten]

Bekannte magische Geheimbünde sind der Hermetic Order of the Golden Dawn und der Ordo Templi Orientis (OTO).

Golden Dawn[Bearbeiten]

Der Hermetic Order of the Golden Dawn (GD) war eine 1888 durch Mitglieder der englischen Großloge und der SRIA gegründete Geheimgesellschaft, die kurzzeitig eine erhebliche kulturelle Bedeutung besaß. Der GD machte die zeremonielle Magie gesellschaftfähig. Durch Werbung in der Zeitschrift Lucifer schlossen sich bis 1892 bereits 150 Mitglieder an, die in die Praxis der Magie zwecks Transformation eindringen wollten, um sich auf die offerierte Unsterblichkeit vorzubereiten. Dazu wurde der geheime innere Orden Ordo Rosae Rubeae et Aureae Crucis gegründet, in dem das praktisch-magische Element zentral stand. Im Rahmen der Initiationsrituale hatten die Mitglieder Kenntnisse alchimistischer, astrologischer, kabbalistischer, rosenkreuzerischer Überlieferungen nachzuweisen. Elaborierte Meditationstechniken wurden mit Symboltraditionen kombiniert um in transzendenten Zuständen Zugang zum Unbewussten zu erschließen. Ab 1891 wurden magische Gruppenrituale praktiziert. 1898 trat Crowley bei dem man den Eintritt in den inneren Orden verwehrte. Das prominente Mitglied William Butler Yeats wechselte nach den folgenden Streitigkeiten die zum Zerfall des Ordens führten in den spiritistischen Ableger Stella Matutina.[7]

Ordo Templi Orientis (OTO)[Bearbeiten]

Zirka 1896 wurde der OTO gegründet dessen System Carl Kellner entwickelte. Zwischen 1896 und 1904 begann Kellner die Zusammenarbeit mit Franz Hartmann, Heinrich Klein und Theodor Reuß, die Kontakte zur progressiv-utopischen Untergrundkolonie Monte Verita in der Schweiz unterhielten.[8] Nach der 1912 von Reuß autorisierten Neugründung wurde der OTO auch öffentlich bekannter. Gemäß §4 des „Manifest des OTO“ wurden hermetische Wissenschaft oder verborgenes Wissen gelehrt.[9] Das Geheimnis des OTO ist die Praxis der Sexualmagie und Sexualmystik. Zu einer Neuausrichtung des OTO kam es ab 1922 durch den von Reuß zum Nachfolger bestimmten Aleister Crowley.[10]

Rosenkreuzer und gnostische Geheimbünde[Bearbeiten]

„Die Rosenkreuzer“ sind besonders als Geheimbund in die Geschichte eingegangen haben jedoch nie existiert und sind eine literarische Fiktion zweier politischer Programmschriften (Fama und Confessio) und einer romanhaften Allegorie (Chymische Hochzeit).[Anmerkung 1] Ab dem 18. Jahrhundert entwickelten sich mehrere „Rosenkreuzer“-Bewegungen, die die Manifeste der Rosenkreuzer in jeweils eigener Weise interpretierten. Die aktiven geheimbündlerisch organisierten, mit mehr oder weniger ausgeprägter Arkandisziplin strukturierten Gruppen der Gegenwart, neigen sehr zur Legendenbildung bezüglich ihrer angeblichen Abstammungslinien, wobei Dichtung und Wahrheit so unlösbar verbunden sind, dass auch durch deren esoterische Sichtweisen veränderte Realitätskriterien, die Darstellung und Ermittlung historischer Fakten erschwert wird.[11] 1907 entwickelte Rudolf Steiner, nachdem er eine Gründungsurkunde vom OTO erhalten hatte, ein Rosenkreuzertum, das den Anspruch erhob eine esoterische Version des Christentums zu sein. Steiner vertrat die Ansicht, dass die fiktive Romanfigur Christian Rosencreutz leibhaftig existiert habe, und als großer Meister seiner verborgenen Bruderschaft seinen Lieblingsschüler Buddha auf den Mars geschickt hat, wo er den Planeten wiederbelebte, wie es analog Christus mit der Erde getan habe.[12] Max Heindel nahm an Steiners geheimen Vorlesungen teil und gründete 1909 die Rosicrucian Fellowship. Daraufhin beschuldigte ihn Steiner als Plagiator der als sein Geheimschüler seinen Eid gegenüber Steiners Esoterischer Sektion gebrochen habe. 1915 entstand der AMORC. Eine gnostische Richtung verkörpert das Lectorium Rosicrucianum.[13][14]

Scientology bewegt sich im Gegensatz zu den meisten Neuen Religiösen Bewegungen vollständig außerhalb der Matrix traditioneller Religionen und stellt den neuzeitlichen Typ einer dualistischen, dezidiert gnostischen Mysterienreligion mit einer strikten Arkandisziplin dar, die die völlige Hingabe der Mitglieder an die Organisationsziele fordert, womit sich die Organisation unter dem Deckmantel von Religion bzw. Sinnsuche regelmäßig dem Totalitarismusverdacht aussetzt.[15]

Kriminelle und politische Geheimgesellschaften[Bearbeiten]

Zu den kriminellen und politischen Geheimgesellschaften mit verschiedenen Zielrichtungen zählen die Carbonari, die Charbonnerie, die Kalderari, die spanischen Comuneros, die irländischen Fenier, die Irische Republikanische Bruderschaft, die chinesischen Boxer, der Ku Klux Klan, die Triaden, Yakuza, Mafia, Camorra und der Propaganda Due. An diesem Ende der Skala ist der Übergang zu terroristischen Gruppierungen fließend.

Mafia[Bearbeiten]

Die Mafia ist ursprünglich ein Geheimbund mit Wurzeln im Sizilien des 19. Jahrhunderts, der heute auch als Cosa Nostra bezeichnet wird und zu einem Synonym organisierter Kriminalität geworden ist. Erst in den 1990er Jahren konnten die später von der Mafia ermordeten Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino die inneren Strukturen der weltweit operierenden so genannten „Familien“ der Cosa Nostra aufdecken. Kennzeichen der in vieler Hinsicht altertümlich-paternistischen Geheimbundstruktur der zuweilen vernetzten mafiosen „Familien“, bei denen die leibliche Verwandtschaft nicht vorrangig ist, sind streng hierarchische Verbände, zu denen keine Frauen gehören, und die einen festen Verhaltenskodex zu befolgen haben. Die Nichteinhaltung dieses Codex wird mit disziplinarischen Maßnahmen bis hin zum Tod bestraft. Die Mafia strebt eine Vernetzung mit der Politelite an und erlangte immer wieder Einfluss auf rechte und konservative Gruppen.[16]

Propaganda Due (P2)[Bearbeiten]

Die Propaganda Due war ursprünglich eine italienische irreguläre Freimaurerloge, die 1887 bis 1981 tätig war. In den 1970er Jahren wurde die P2 unter Federführung von Licio Gelli zur Tarnung einer politischen Geheimorganisation zweckentfremdet. Nach dem Zusammenbruch der Banco Ambrosiano nach einem Verlust von 1,4 Milliarden US-Dollar, für den die P2 maßgeblich verantwortlich war, wurde die Loge enttarnt. In Gellis Haus wurden die Mitgliederlisten mit über 900 Namen und Pläne zur Änderung der italienischen Verfassung, zur Unterdrückung der Gewerkschaften und zur Gleichschaltung der Medien, entdeckt. An der P2-Verschwörung waren Parlamentarier, Großindustrielle, mehrere Ministern (darunter der spätere Ministerpräsident Silvio Berlusconi), 19 Richter und 58 Universitätsprofessoren beteiligt. Gerichtliche Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass der Geheimbund einen Staatsstreich geplant hatte und mit den unter „falscher Flagge“ inszenierten Terroranschlägen der 1970er Jahre in Zusammenhang stand. Das zentrale Führungspersonal der italienischen Geheimdienste wurde als Teil des konspirativen P2-Netzwerks entlassen. Die P2 wurde 1982 aufgelöst und verboten.[17]

Triaden[Bearbeiten]

Zu den berühmtesten Formen der asiatischen organisierten, bandenartigen Kriminalität zählen die chinesischen Triaden, deren Wurzeln bis in die Mandschu-Dynastie zurück reichen und die mit der Mafia nur entfernt vergleichbar sind. Eine Gemeinsamkeit von Triaden und Mafia ist das gemeinsame Bedürfnis Initiationen und geheime Rituale durchzuführen, die auch für andere kriminelle Geheimgesellschaften typisch sind.[16]

Yakuza[Bearbeiten]

Die strikt hierarchisch organisierten japanischen Yakuza haben ähnlich wie die chinesischen Triaden eine einige Jahrhunderte zurückreichende Vorgeschichte. Die Yakuza besitzen eine innere Struktur, die ähnlich wie die Mafia, gemäß einer Familienmetaphorik organisiert ist. Dabei haben sich die Mitglieder gegenüber einem die absolute Autorität besitzenden Oyabun (japan. Vater) zu striktem Gehorsam zu verpflichten und Loyalität bis in den Tod zu schwören. Aufnahmerituale werden in traditioneller Bekleidung durchgeführt und zur Kommunikation werden überlieferte Chiffren verwendet. Die kriminellen Aktivitäten der Yakuza umfassen Prostitution, Glücksspiel, Schutzgelderpressung, illegale Geldgeschäfte und Geldwäsche in exorbitantem Ausmaß. Mit Europa wird ein florierender Amphetamin Handel unterhalten.[16]

Politische Geheimbünde[Bearbeiten]

In politischen Geheimbünden ist die Geheimhaltung nicht strukturell bedingt, sondern die Folge gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Wurden Gruppen in bestimmten Staaten gesellschaftlich angegriffen, verfolgt, diskrediert oder unterlagen sie öffentlichen Verdächtigungen waren deren Möglichkeiten an politischen Prozessen mitzuwirken auf geheime Einflussnahmeversuche beschränkt, wollten die Akteure nicht Verfolgung, Inhaftierung, Entrechtung oder Hinrichtung riskieren.

Die Französische Revolution - von manchen als durch Geheimbünde gesteuert wahrgenommen - ist ein markantes Beispiel dafür, wie gefährlich politisches Tun und Lassen sein kann: in der Zeit des Großen Terrors (1793–1794) wurden Tausende ermordet; ebenso während des Großen Terrors (1936/37–1938) durch Josef Stalin.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Der 'Deutsche Bund' war ein Geheimbund , der 1810 unter Führung Friedrich Ludwig Jahns zur Befreiung der deutschen Staaten von der napoleonischen Besatzung entstand.
  • Der Bund der Kommunisten wurde 1847 in London als Geheimbund gegründet. Er war eine revolutionär-sozialistische Vereinigung mit internationalem Anspruch, bestand bis 1852 und gilt als Keimzelle der späteren sozialistischen und kommunistischen Parteien der Welt und als Vorläuferorganisation der (1864 ebenfalls von Marx und Engels inspirierten) 'Internationalen Arbeiterassoziation' (IAA), heute oft „erste Internationale“ der Arbeiterbewegung genannt.
  • Im unruhigen politischen Klima Europas im Jahr 1848 kam am 11. März in Prag der Repeal-Club zusammen (ein Geheimbund, der sich am Befreiungskampf der Iren gegen die Engländer orientierte).

Rechtsprechung[Bearbeiten]

Im deutschen Strafgesetz wurden Delikte mit dem Straftatbestand der Geheimbündelei, namentlich der Teilnahme an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte, oder in welcher gegen unbekannte Obere Gehorsam oder gegen bekannte Obere unbedingter Gehorsam versprochen werden mußte, gemäß § 128 StGB bis 1968 strafrechtlich verfolgt. So konnten Mitglieder eines Geheimbundes mit Gefängnis bis zu sechs Monaten, und Stifter und Vorsteher der Verbindung mit Gefängnis von einem Monat bis zu einem Jahr bestraft werden.

Da nach dem Skandal um die Propaganda Due eine Anklage wegen Verschwörung gegen den Staat fallen gelassen werden mußte und es nur selten gelang die individuelle Beteiligung von Mitgliedern an bestimmten Vorgängen des Geheimbundes P2 zu beweisen, beschäftigt sich die italienische Legislative mit Möglichkeiten, die Machtentfaltung von Geheimgesellschaften in Zukunft zu unterbinden.[18]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marix, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7 (= marixwissen).
  • Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Marix, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7.
  • Thomas Grüter: Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren. Scherz, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-502-15047-8.
  • Frank Jacob (Hrsg.): Geheimgesellschaften: Kulturhistorische Sozialstudien / Secret Societies: Comparative Studies in Culture, Society and History, Königshausen & Neumann, Würzburg 2012, ISBN 978-3-8260-4908-8 (= Globalhistorische Komparativstudien, Band 1, teilweise deutsch und englisch).
  • Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Geheimgesellschaften und der Mythos der Weltverschwörung. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 1987, ISBN 3-451-09569-6, (= Herderbücherei 9569, Initiative 69).
  • Norman MacKenzie (Hrsg.): Geheimgesellschaften. Keller, Genf 1969, 1974.
  • Klaus-Rüdiger Mai: Geheimbünde. Mythos, Macht und Wirklichkeit. Lübbe, Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-7857-2148-X.
  • Bettina Paul: Drogenschmuggel. Hamburger Ansichten einer klandestinen Tätigkeit. Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-93597-939-9.
  • Brad Steiger, Sherry Steiger: Conspiracies and Secret Societies. The Complete Dossier. Visible Ink Press, Canton MI 2006, ISBN 1-57859-174-0 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Geheimbund – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Karl R. H. Frick: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Geheimgesellschaften und der Mythos der Weltverschwörung. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1987, ISBN 3-451-09569-6, (Herderbücherei 9569), (Initiative 69), S. 104.
  2. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 17-18.
  3. Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistische Geheimgesellschaften. Marix Verlag GmbH Wiesbaden 2005. S. 7-8.
  4. Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistische Geheimgesellschaften. Marix Verlag GmbH Wiesbaden 2005. S. 7.
  5. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 167-168
  6. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, marixverlag GmbH 2009. S. 23.
  7. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 146-153
  8. Stephen Flowers: Feuer und Eis. Die magischen Geheimlehren des deutschen Geheimordens Fraternitas Saturni. Ins Deutsche übertragen von Michael DeWitt. Edition Ananael, Wien 1993, ISBN 3-901134-03-4. S. 24-25.
  9. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe; sowie 3. aktualisierte Auflage, beide Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 465-467.
  10. Stephen Flowers: Feuer und Eis. Die magischen Geheimlehren des deutschen Geheimordens Fraternitas Saturni. Ins Deutsche übertragen von Michael DeWitt. Edition Ananael, Wien 1993, ISBN 3-901134-03-4. S. 25-26 und S. 32.
  11. Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6. S. 16, S. 18, S. 41-42.
  12. James Webb: Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur & Okkultismus im 20. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-152-0, S. 102.
  13. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 112.
  14. Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6. S. 16, S. 18, S. 205, S. 200ff, S. 249ff.
  15. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 209-210
  16. a b c Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 177-186
  17. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 188-190.
  18. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 189-190.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg im Tübinger Freundeskreis Johann Valentin Andreaes entstandenen beiden Rosenkreuzermanifeste „Fama Fraternitatis“ (1614) und „Confessio Fraternitatis“(1615) sowie die von ihm 1616 selbst verfasste "Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz" zählen zu den ersten historischen Spuren des Gerüchts vom Bestehen einer geheimen Rosenkreuzer-Bruderschaft. Diese drei Traktate erregten ein für damalige Begriffe unglaubliches Aufsehen.[1] Die Autoren bezweckten mit ihren Schriften gegenüber einer erstarrten protestantischen Orthodoxie eine Erneuerung des reformatorischen Impulses auf Basis einer harmonischen Beziehung zwischen Wissenschaft und christlichem Glauben („Pansophie“), wie man sie zum Beispiel bei Paracelsus fand. Als Vorbild für diesen Erneuerungsimpuls von Kirche, Staat und Gesellschaft wurde die literarische Fiktion einer „Bruderschaft“ geschaffen, die von einem zwischen 1378 und 1484 lebenden "Christian Rosencreutz" zum Zwecke einer Kirchenreform gegründet worden sei und dessen Grab 120 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1604, von ebendieser Bruderschaft wieder aufgefunden worden sei. Daraufhin sei die bis dahin im Verborgenen arbeitende Rosenkreuz-Bruderschaft an die Öffentlichkeit getreten.