Gehen
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Gehen ist eine Fortbewegungsart, bei der es im Gegensatz zum Laufen keine Flugphase gibt. Der Körper hat also in jeder Phase des Bewegungszyklus Kontakt zum Boden über Beine und Füße. Beim zweibeinigen Gehen gibt es statt der Flugphase eine Doppelstützphase, die beim Menschen etwa 20 Prozent der Gesamtzykluszeit in Anspruch nimmt.
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[Bearbeiten] Gangarten
Man unterscheidet nach dem Bewegungsablauf folgende Gangarten
- Zweibeiniger Gang, bipeder Gang („Gehen“ im eigentlichen Sinne der menschlichen Fortbewegung, auch bei einigen anderen Tieren)
- Passgang der Vierfüßer (Quadropoden)
- Kreuzgang der Vierfüßer
[Bearbeiten] Zweibeiniger Gang
[Bearbeiten] Technik
Aus einem beidfüßigen Ausgangsstand wird ein Fuß angehoben und um einen Schritt vor den anderen gesetzt. Die eigentliche Positionsveränderung geschieht im Grunde durch ein "verhindertes Fallen" auf der zeitweise bodenkontaktfreien Seite.
Gehen zählt zu den Automatismen. Es ist eine Verhaltensweise, die selbsttätig vom Zentralnervensystem (ohne äußere Reizeinwirkung) ausgelöst wird. Weitere Beispiele für derartige Automatismen sind die Flossenbewegung bei Fischen oder der Flügelschlag bei Vögeln.
[Bearbeiten] Der aufrechte Gang
→ Hauptartikel zum aufrechten Gang bei Tier und Mensch: Bipedie
Wie es zur Entstehung des aufrechten Ganges kam, ist bis heute nicht geklärt. Eine Vielzahl von Theorien versuchen den evolutionären Vorteil des aufrechten Gehens gegenüber einer quadrupeden Fortbewegung aufzuklären. Fest steht, dass die menschlichen Vorfahren vor 6 bis 8 Millionen Jahren zum aufrechten Gang übergegangen sind.
In auf die Emanzipation des Menschen bezogenen Texten der Kulturphilosophie ist der „aufrechte Gang“ zu einer Metapher für die Einzigartigkeit des Menschen geworden, sich selber souverän umzuschauen und sein Urteil zu bilden.
Dieser Umstand des aufrechten Ganges geht mit Veränderungen des menschlichen Skelettes einher. Der Fuß ist bei Menschen ein Geh- und kein Greifwerkzeug. Der Mensch kann die große Zehe, im Gegensatz zu den Menschenaffen, nicht abspreizen und zum Greifen verwenden. Kleinkinder besitzen jedoch noch einen Greifreflex sowohl in den Handflächen als auch an den Fußsohlen, der mit der Zeit allerdings verschwindet. Das Becken des Menschen ist verbreitert und dient im aufrechten Gang als Schüssel für die Eingeweide. Die Wirbelsäule ist doppelt S-förmig (sigmoid) geschwungen und trägt Rücken und Kopf.
Der aufrechte Gang führt aber auch zur Belastung des unteren Teils des Körpers. So neigt der Mensch im Alter zu:
- Unterleibsbrüchen,
- Bandscheibenvorfällen
- Senk- und Plattfüßen,
- Krampfadern infolge der Blutanstauung in den Beinen,
- Hüftgelenksarthrosen.
Ein Mensch geht durchschnittlich mit einer Geschwindigkeit von 1,4 m/s (5 km/h).
[Bearbeiten] Savannentheorie
Als vor etwa 5 Millionen Jahren in Afrika das Klima trockener wurde, dehnten sich die Savannen aus und drängten die Regenwälder zurück. In der Savanne dürfte ein aufrechter Gang von Vorteil gewesen sein: Feinde waren früher zu erkennen, und die Hände waren frei zum Tragen von Gegenständen. Ein aufrechter Körper ist zudem der Sonne weniger ausgesetzt; er erhitzt sich nicht so stark.
Viele Forscher gehen inzwischen allerdings davon aus, dass die Vormenschen bereits im ursprünglichen Lebensraum Wald an das spätere Leben in der Savanne vorangepasst waren, sprich: dass sie bereits in den Wäldern zunächst kurzzeitig, später häufiger aufrecht gingen und somit bereits aufrecht gingen, als sie sich in die Savannen ausbreiteten. Warum sich diese Vormenschen in den Waldgebieten aufrichteten ist jedoch noch Diskussionsgegenstand.
Thorpe et al, (Science, 2007) geben an, dass das aufrechte Gehen aus der hangelnden Fortbewegung in den Bäumen entstanden ist. Demzufolge machten es sowohl die Nachgiebigkeit der Äste, als auch die Möglichkeit, sich an den Ästen aufzurichten, möglich, sich "gehend" auf den Ästen zu bewegen. Dieser Übergang zwischen Hangeln und Gehen ist heute auch noch bei Affen beobachtbar. Die Hüfte streckt sich dabei umso weiter, je mehr sich die Affen -durch hangeln- entlasten.
Viele Fossilfunde – beispielsweise von Sahelanthropus, Orrorin und Ardipithecus – stammen aus Bodenschichten, die in ihrer Entstehenszeit den heutigen Galeriewäldern ähnelten, also einem Lebensraum entstammen, in dem sich Waldstücke, feuchte Graslandschaften und Seeufer abwechselten. Hieraus entstand die – umstrittene – Hypothese, der aufrechte Gang könne sich als Anpassung an eine semi-amphibische Lebensweise entwickelt haben,[1] die so genannte Wasseraffen-Theorie.
(Thorpe, Science, 2006)
[Bearbeiten] Aufrechter Gang bei Schimpansen
Auch Schimpansen können sich am Boden zeitweise auf nur zwei Beinen fortwärts bewegen. Aufgrund ihrer anderen Anatomie unterscheidet sich dieser aufrechte Gang von dem des Menschen.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Fußverkehr
- Spaziergang
- Bewegungsabläufe im allgemeinen: Pferdegangart, Gangart (Militär)
- Gangstörungen
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Das Geheimnis des aufrechten Gangs. Unsere Evolution verlief anders. (Februar 2004), ISBN 3-406-51606-8


