Gehirn im Tank

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Im Gehirn vorgestellte Realität und tatsächliche Realität stimmen in diesem Gedankenexperiment nicht überein.

Das Gehirn im Tank (englisch brain in a vat) ist ein Gedankenexperiment, bei dem es darum geht, unsere Vorstellungen von Wissen, Realität, Wahrheit, Bewusstsein und Bedeutung zu durchdenken. Herangezogen wird ein Beispiel eines Computers, welcher ein Gehirn künstlich mit elektrischen Impulsen versorgt, so wie es ein realer Körper tun würde. Es stellt sich dann die Frage, ob das Gehirn feststellen kann, ob es in einer realen Umgebung, also einem realen Körper, oder in einer simulierten Realität steckt.

Hintergrund[Bearbeiten]

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In vielen Science-Fiction-Geschichten kommt die Idee vor, dass ein verrückter Wissenschaftler einem Menschen das Gehirn herausoperiert und in einem Tank in Nährlösung aufbewahrt und seine Neuronen durch Drähte mit einem Computer verbindet, der es mit genau den gleichen elektrischen Impulsen versorgt, wie ein Gehirn sie normalerweise empfängt. In derartigen Geschichten simuliert der Computer eine Virtuelle Realität, einschließlich passender Antworten auf den Output des Gehirns, und die Person mit dem körperlosen Gehirn hat weiterhin völlig normale Erlebnisse in ihrem Bewusstsein, ohne dass diese mit Gegenständen oder Ereignissen in der realen Welt zu tun hätten.

Das Gehirn-im-Tank-Szenario wird als Argument für Skeptizismus und Solipsismus verwendet. Eine einfache Version der Argumentation ist diese: Da das Gehirn im Tank exakt die gleichen Impulse sendet und empfängt, als wenn es sich in einem Kopf befände, und da diese seine einzige Verbindung zur Außenwelt sind, ist es aus der Perspektive des Gehirns unmöglich zu sagen, ob es sich in einem Kopf oder in einem Tank befindet. Im ersten Fall können die meisten der Vorstellungen der Person wahr sein, zum Beispiel, wenn die Person denkt, dass sie die Straße entlanggeht oder Eis isst. Im zweiten Fall aber sind die Vorstellungen falsch. Da man nun aber nicht feststellen kann, ob man ein Gehirn im Tank ist, kann man auch nicht wissen, ob nicht die meisten Dinge, die man glaubt, völlig falsch sind. Da man prinzipiell nicht ausschließen kann, dass man ein Gehirn im Tank ist, kann es auch keinen guten Grund geben, irgendetwas von dem zu glauben, was man glaubt, und wissen kann man auf jeden Fall nichts davon.

Diese Argumentation ist die heutige Version des Arguments, das Descartes in Meditationes de prima philosophia dafür gibt (aber schließlich ablehnt), dass er seinen Wahrnehmungen nicht trauen könne, weil ein böser Geist möglicherweise alle seine Erfahrungen steuert. Entfernt verwandt ist sie auch zu Descartes' Argument, er könne seinen Wahrnehmungen nicht trauen, weil er sie möglicherweise nur träume – wobei die Sorge entfällt, dass er aktiv irregeführt würde.

Philosophische Überlegungen[Bearbeiten]

In den letzten Jahrzehnten haben sich Philosophen auf vielfältige Weise mit Fragestellungen dieser Art auseinandergesetzt. Einige, wie Barry Stroud, sagen, dass hier ein unabweisbarer Einwand gegen jeglichen Wissensanspruch bestünde. Andere weisen dies zurück, am bekanntesten hiervon Hilary Putnam. Im ersten Kapitel seines Buches Vernunft, Wahrheit und Geschichte behauptet Putnam, das Gedankenexperiment sei widersprüchlich, da ein Gehirn in einem Tank gar nicht die Art von Geschichte und Wechselwirkung mit der Welt hätte, die es ihm erlauben würden, über den Tank, in dem es ist, etwas zu denken oder zu sagen. Putnam gebraucht das Gedankenexperiment als Argument für seinen (umstrittenen) internen Realismus. Außerdem muss mindestens ein intelligenzgesteuerter Körper existieren, der die Apparatur gebaut und das Gehirn daran angeschlossen hat.

Das Gehirn-im-Tank-Motiv in der Populärkultur[Bearbeiten]

Viele Filme greifen ähnliche Ideen auf, etwa Vanilla Sky und Matrix. Die Idee, dass das Gehirn – oder abstrakter: sein Bewusstsein – aus dem Körper herausgenommen wird, taucht in einigen der Romane von Stanisław Lem auf, ebenso die verwandte Idee, dass ein künstliches Bewusstsein von einem verrückten Wissenschaftler, der es geschaffen hat, mit künstlichen Reizen gefüttert wird. Im Roman „Ubik“ von Philip K. Dick leben kürzlich Verstorbene einer telepathischen Simulation weiter, während ihre Gehirne in einer Nährlösung ruhen. Benjamin Stein führt in seinem Roman Replay (2012) das Modell einer Gehirn-Computer-Schnittstelle durch, das auch die Manipulation von als real erlebten Erinnerungen enthält, ein Motiv, das bereits in dem Film Strange Days (1995) angelegt ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brain in a vat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Kamp, Gehirn im Tank, in: Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2. Aufl., Bd. 3. Metzler, Stuttgart, Weimar 2008 (mit ausführlichen Literaturangaben)
  • Olaf L. Müller, Wirklichkeit ohne Illusion I: Hilary Putnam und der Abschied vom Skeptizismus oder Warum die Welt keine Computersimulation sein kann, Bd.1, mentis, Paderborn: 2003.
  • Olaf L. Müller, Wirklichkeit ohne Illusion II: Metaphysik und semantische Stabilität oder Was es heißt, nach höheren Wirklichkeiten zu fragen, Bd.2, mentis, Paderborn: 2003.