Gehirntraining

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Beim so genannten Gehirntraining handelt es sich um ein Training der geistigen Leistungsfähigkeit mit dem Ziel, diese Leistungen zu erhalten oder zu steigern. Gehirntraining ist als Methode altersunabhängig.

Gehirnjogging / Mentales Aktivierungstraining[Bearbeiten]

Gehirnjogging ist eine Bezeichnung für spezielle geistige Übungen. Der Begriff wurde durch Siegfried Lehrl von der Universität Erlangen im Wesentlichen geprägt [1][2] der dieses Training 1992 unter dem Ausdruck „Mentales Aktivierungstraining“ (= MAT) präzisierte. Die Übungen bestehen darin, den "Arbeitsspeicher" bzw. seine beiden Komponenten, die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und Merkspanne, auf ein "optimales" "Aktivationsniveau" zu bringen. Die Voraussetzung für den Effekt ist, dass sich die Übenden zu Beginn noch nicht in einem optimalen Aktivationszustand befinden.

Unter den mentalen Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsspeichers kommt dem MAT der Zweck des mentalen Warming-up zu, das bei schläfrigen Personen etwa vier und bei entspannt wachen Personen ungefähr zwei Minuten dauert. Die anderen beiden Maßnahmen, die ebenfalls zum Arbeitsspeichertraining gehören, sind: im oberen Grenzbereich des geistigen Leistungsvermögens mental aktiv sein und zur Entspannung den Arbeitsspeicher wieder herunterzufahren (Cooling-down).

Bekannt wurde der Ausdruck „Gehirnjogging“ vor allem durch Frank Berchem, der mehrere Bücher über das „Gehirnjogging“ verfasste. Auch ein Konsolenspiel namens „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ ist auf dem Markt.

Das Gehirnjogging bzw. das mentale Aktivierungstraining zu fördern, ist ein wichtiges Anliegen der Gesellschaft für Gehirntraining e.V.

Studien zur Wirksamkeit[Bearbeiten]

Die Wirkungen wurden durch mehrere kontrollierte Studien belegt. Dabei ergaben sich Transferwirkungen auf Tests, die ganz andere Leistungen abverlangten wie der Interferenztest nach Stroop,[3] der Zahlen-Verbindungs-Test [4] oder der Progressive Matrizentest für fluide Intelligenz nach Raven.[5][6][7] Das geistige Training überträgt sich auch förderlich und nachhaltig auf die Geschwindigkeit und Komplexität der Informationsverarbeitung im Alltag [8] oder auf Aufmerksamkeitsleistungen, Wortfindungsgeschwindigkeit und Mathematikleistungen[9]. Auch im Persönlichkeitstest EPI nach Eysenck zeigten sich Veränderungen: die Probanden erwiesen sich am Trainingsende als psychisch stabiler.[7] Bei Erwachsenen, die den „Arbeitsspeicher“ drei bis vier Wochen lang trainierten, wurde mit Hilfe Bildgebender Verfahren festgestellt, dass durch das Training das Gehirn auf neue Aufgaben schneller und umfassender reagieren konnte.[10] Aus neurobiochemischer Sicht ist bedeutsam, dass sich mit dem Arbeitsspeichertraining die Dichte des Botenstoffes Dopamin im Präfrontalhirn erhöht.[11]

Jaeggi et al. beanspruchte im Jahr 2008, dass ein Üben mit sog."n-back" Aufgaben die fluide Intelligenz, messbar mit verschiedenen Standardtests erhöhen kann[12]. Die Methodologie dieses Papers wurde von David Moody kritisiert[13].

Eine Überblicksarbeit von Takeuchi et al. [14], in der 18 einschlägige Studien berücksichtigt wurden, bestätigte für 16 der Untersuchungen, dass Übungen des Arbeitsspeichers auch andere Größen fördern (so genannter „Transfer“), beispielsweise sich auf Wichtiges zu konzentrieren, komplex zu denken und kreativ zu sein. Außerdem haben die Übungen nachhaltige Wirkungen, die mehrere Monate nach einem etwa dreiwöchigen Training noch nachweisbar sind.

Laut einem Bericht der Universität Münster ist mentale Aktivität speziell im Alter notwendig zum Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit. Dem Bericht zufolge wurde nachgewiesen, dass durch geistige Beanspruchung die typischen Eiweißablagerungen (Plaques) bei der Alzheimer-Krankheit in Zahl und Ausdehnung verringert werden. Verhaltensstudien zeigten entsprechend deutlich bessere Gedächtnisleistungen.

Kritik am Gehirnjogging[Bearbeiten]

Von vielen Neuropsychologen wird die Wirksamkeit des sogenannten „Gehirnjoggings“ angezweifelt. Zwar kann man sich in den konkreten Übungsaufgaben verbessern, der Nachweis einer Alltagsrelevanz des Geübten steht aber aus. Kritiker führen an, dass die plumpe Analogie zum Muskelaufbau durch Training beim komplexen Organ Gehirn so nicht funktioniert. Verwiesen wird auf den Schulunterricht, bei dem stures Büffeln beispielsweise langer Vokabellisten meist zu weniger dauerhaftem Lernerfolg führt als Lernen mit Begeisterung für Inhalte.

Das TV-Magazin Bang Goes The Theory, welches gemeinsam von der BBC und The Open University produzierten wird und sich auf das Testen von wissenschaftlichen Theorien spezialisiert hat, führte im Jahr 2010 eine sechswöchige Studie an 11.430 Personen durch, von denen ein Teil jeden Tag mindestens zehn Minuten Gehirnjogging betreiben sollte. Die Untersuchung kam zu den Ergebnis, dass die Gehirnjogging betreibenden Personen zwar gegenüber den Vergleichspersonen die gestellten Gehirnjogging-Aufgaben nach und nach besser lösen konnten, aber außerhalb dessen keine signifikante Verbesserung der kognitiven Leistungen gegenüber den Vergleichspersonen einsetzte.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Lehrl, Maria Lehrl, Elisabeth Weickmann: MAT Gehirn-Jogging, Bd.2, 42 Übungseinheiten: Basis-Übungen zum Mentalen AktivierungsTraining. 42 Übungseinheiten . Vless 1994, ISBN 3-885-62061-8
  • Michael Scanlon, Kunal Sarkar und David Drescher (2008) Improvement of Visual Attention and Working Memory through a Web-based Cognitive Training Programm.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegfried Lehrl, Bernd Fischer, Wolfgang Eissenhauer, Horst Abraham: Gehirn-Jogging. In: Fortschritte der Medizin 101 (1983) 1217–1218, 1259.
  2. Siegfried Lehrl, Bernd Fischer: Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter. In: Nervenheilkunde 5 (1986) 173–181.
  3. Torkel Klingberg, Elisabeth Fernell, Pernille J. Olesen et al.: Computerized Training of Working Memory in Children With ADHD – A Randomized, Controlled Trial. In: J Am Acad Child Adolsc Psychiatry 44 (2005) S. 177–186.
  4. Wolf Dieter Oswald, Roland Rupprecht, Thomas Gunzelmann (1998) Effekte eines einjährigen Gedächtnis-, Kompetenz und psychomotorischen Trainings auf Leistungsfähigkeit im höheren Lebensalter. In A. Kruse (Hrsg.) Psychosoziale Gerontologie - Intervention (Vol. 2, pp. 94-107). Göttingen: Hogrefe.
  5. Susanne M. Jaeggi, Martin Buschkuehl, John Jonides, Walter J. Perrig (2008) Improving fluid intelligence with training on working memory. In: PNAS 105(19) S. 6829-6833.
  6. M. Rosario Rueda, Mary K. Rothbart, Bruce D. McCandliss, Lisa Saccamanno, Michael I. Posner: Training, maturation and genetic influences on the development of executive attention. In: PNAS 102 (2005) S. 14931–14936.
  7. a b Wolfgang Weidenhammer, Heinz Glowacki, Elmar Gräßel: Wie führt man zerebrales Training in der Praxis durch und was hat sich bewährt? In: Pregeriatrics-Geriatrics-Rehabilitation 2 (1986) S. 66–76.
  8. Sherry L. Willis, Sharon L. Tennstedt, Michael Marsiske, et al.: Long-Term Effects of Cognitive Training on Everyday Functional Outcomes in Older Adults. In: Journal of the American Medical Association 296(23) 2006 S. 2805-2814.
  9. Scanlon et al. 2008
  10. Pernille J. Olesen, Helena Westerberberg, Torkel Klingberg: Increased prefrontal and parietal activity after training of workings memory. In: Nature Neuroscience 14. Dez. 2003, S. 1–5.
  11. Fiona McNab, Andrea Varrone, Lars Farde, Aurelija Jucaite, Paulina Bystritsky, Hans Forssberg, Torkel Klingberg (2009) Changes in Cortical Dopamine D1 Receptor Binding Associated with Cognitive Training. In: Science 323(5915) S. 800–802.
  12. Jaeggi, S. M., Buschkuehl, M., Jonides, J., Perrig, W. J. (2008), Improving fluid intelligence with training on working memory, Proceedings of the National Academy of Sciences, vol. 105 no. 19
  13. Moody, D. E. (2009), Can intelligence be increased by training on a task of working memory? Intelligence, Volume 37, Issue 4, July–August 2009, Pages 327-328, DOI: 10.1016/j.intell.2009.04.005
  14. Takeuchi H, Taki Y, Kawashima R (2010) Effects of working memory training on cognitive functions and neural systems. Rev Neurosci 21 (6): 427-49.
  15. Webseite der BBC News: Brain training doesn't boost brain power, work suggests (englisch), abgerufen am 7. Juni 2010