Gehirntraining

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Beim so genannten Gehirntraining handelt es sich um Training der geistigen Leistungsfähigkeit mit dem Ziel, diese Leistungen zu erhalten oder zu steigern. Gehirntraining ist als Methode altersunabhängig.

Laut einem Bericht der Universität Münster ist mentale Aktivität speziell im Alter notwendig zum Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit. Dem Bericht zufolge wurde nachgewiesen, dass durch geistige Beanspruchung die typischen Eiweißablagerungen (Plaques) bei der Alzheimer-Krankheit in Zahl und Ausdehnung verringert werden. Verhaltensstudien zeigten entsprechend deutlich bessere Gedächtnisleistungen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kritik an der Methode

Von vielen Neuropsychologen wird die Wirksamkeit des sogenannten „Gehirnjoggings“ angezweifelt. Zwar kann man sich in den konkreten Übungsaufgaben verbessern, der Nachweis einer Alltagsrelevanz des Geübten steht aber aus. Kritiker führen an, dass die plumpe Analogie zum Muskelaufbau durch Training beim komplexen Organ Gehirn so nicht funktioniert. Verwiesen wird auf den Schulunterricht, bei dem stures Büffeln beispielsweise langer Vokabellisten meist zu weniger dauerhaftem Lernerfolg führt als Lernen mit Begeisterung für Inhalte.

[Bearbeiten] Gehirnjogging

Gehirnjogging ist eine Bezeichnung für spezielle geistige Übungen. Der Begriff wurde durch Siegfried Lehrl von der Universität Erlangen im Wesentlichen geprägt [1][2] der dieses Training 1992 unter dem Ausdruck „Mentales Aktivierungstraining“ (= MAT) präzisierte. Die Übungen bestehen darin, den "Arbeitsspeicher" auf ein "optimales" "Aktivationsniveau" zu bringen. Die Wirkungen wurden durch mehrere kontrollierte Studien belegt. Dabei ergaben sich Transferwirkungen auf Tests, die ganz andere Leistungen abverlangten wie der Interferenztest nach Stroop,[3] der Zahlen-Verbindungstest [4] oder der Progressive Matrizentest für fluide Intelligenz nach Raven.[5][6][7] Das geistige Training überträgt sich auch förderlich und nachhaltig auf die Geschwindigkeit und Komplexität der Informationsverarbeitung im Alltag [8] oder auf Aufmerksamkeitsleistungen, Wortfindungsgeschwindigkeit und Mathematikleistungen (Scanlon et al. 2008). Auch im Persönlichkeitstest EPI nach Eysenck zeigten sich Veränderungen: die Probanden erwiesen sich am Trainingsende als psychisch stabiler.[7] Bei Erwachsenen, die den „Arbeitsspeicher“ drei bis vier Wochen lang trainierten, wurde mit Hilfe Bildgebender Verfahren festgestellt, dass durch das Training das Gehirn auf neue Aufgaben schneller und umfassender reagieren konnte.[9] Aus neurobiochemischer Sicht ist bedeutsam, dass sich mit dem Arbeitsspeichertraining die Dichte des Botenstoffes Dopamin im Präfrontalhirn erhöht.[10] Bekannt wurde der Ausdruck „Gehirnjogging“ vor allem durch Frank Berchem, der mehrere Bücher über das „Gehirnjogging“ verfasste. Auch ein Konsolenspiel namens „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ ist auf dem Markt.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Siegfried Lehrl, Bernd Fischer, Wolfgang Eissenhauer, Horst Abraham: Gehirn-Jogging. In: Fortschritte der Medizin 101 (1983) 1217–1218, 1259.
  2. Siegfried Lehrl, Bernd Fischer: Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter. In: Nervenheilkunde 5 (1986) 173–181.
  3. Torkel Klingberg, Elisabeth Fernell, Pernille J. Olesen et al.: Computerized Training of Working Memory in Children With ADHD – A Randomized, Controlled Trial. In: J Am Acad Child Adolsc Psychiatry 44 (2005) S. 177–186.
  4. Wolf-Dieter Oswald, Roland Rupprecht, Thomas Gunzelmann (1998) Effekte eines einjährigen Gedächtnis-, Kompetenz und psychomotorischen Trainings auf Leistungsfähigkeit im höheren Lebensalter. In A. Kruse (Hrsg.) Psychosoziale Gerontologie - Intervention (Vol. 2, pp. 94-107). Göttingen: Hogrefe.
  5. Susanne M. Jaeggi, Martin Buschkuehl, John Jonides, Walter J. Perrig (2008) Improving fluid intelligence with training on working memory. In: PNAS 105(19) S. 6829-6833.
  6. M. Rosario Rueda, Mary K. Rothbart, Bruce D. McCandliss, Lisa Saccamanno, Michael I. Posner: Training, maturation and genetic influences on the development of executive attention. In: PNAS 102 (2005) S. 14931–14936.
  7. a b Wolfgang Weidenhammer, Heinz Glowacki, Elmar Gräßel: Wie führt man zerebrales Training in der Praxis durch und was hat sich bewährt? In: Pregeriatrics-Geriatrics-Rehabilitation 2 (1986) S. 66–76.
  8. Sherry L. Willis, Sharon L. Tennstedt, Michael Marsiske, et al.: Long-Term Effects of Cognitive Training on Everyday Functional Outcomes in Older Adults. In: Journal of the American Medical Association 296(23) 2006 S. 2805-2814.
  9. Pernille J. Olesen, Helena Westerberberg, Torkel Klingberg: Increased prefrontal and parietal activity after training of workings memory. In: Nature Neuroscience 14. Dez. 2003, S. 1–5.
  10. Fiona McNab, Andrea Varrone, Lars Farde, Aurelija Jucaite, Paulina Bystritsky, Hans Forssberg, Torkel Klingberg (2009) Changes in Cortical Dopamine D1 Receptor Binding Associated with Cognitive Training. In: Science 323(5915) S. 800–802.
  • Michael Scanlon, Kunal Sarkar und David Drescher (2008) Improvement of Visual Attention and Working Memory through a Web-based Cognitive Training Programm (www.lumosity.com/info/science/results).

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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