Gehrden

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gehrden (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gehrden
Gehrden
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gehrden hervorgehoben
52.3159.593333333333376Koordinaten: 52° 19′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Region Hannover
Höhe: 76 m ü. NHN
Fläche: 42,97 km²
Einwohner: 14.356 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 334 Einwohner je km²
Postleitzahl: 30989
Vorwahlen: 05108, 05137, 05109
Kfz-Kennzeichen: H
Gemeindeschlüssel: 03 2 41 006
Stadtgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchstr. 1-3
30989 Gehrden
Webpräsenz: www.gehrden.de
Bürgermeister: Hermann Heldermann (CDU)
Lage der Stadt Gehrden in der Region Hannover
Region Hannover Niedersachsen Wedemark Burgwedel Neustadt am Rübenberge Burgdorf Uetze Lehrte Isernhagen Langenhagen Garbsen Wunstorf Seelze Barsinghausen Sehnde Hannover Gehrden Laatzen Wennigsen Ronnenberg Hemmingen Pattensen Springe Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Schaumburg Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Heidekreis Landkreis Celle Landkreis Peine Landkreis Gifhorn Landkreis HildesheimKarte
Über dieses Bild
Fußgängerzone in Gehrden

Die Stadt Gehrden gehört zur Region Hannover und liegt im Calenberger Land.

Geografie[Bearbeiten]

Gehrden grenzt an Seelze, Hannover, Ronnenberg, Wennigsen (Deister) und Barsinghausen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden).

Westlich der Kernstadt liegt der Gehrdener Berg mit dem Burgberg mit einer Höhe von 158 m ü. NN. Die höchste Erhebung ist der Benther Berg im Westen der Ortschaft Benthe (Stadt Ronnenberg), östlich der Gehrdener Ortsteile Everloh und Northen mit 179 m ü. NN. Die Stadt selbst liegt auf einer Höhe von 70–90 m ü. NN.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Gehrden besteht aus folgenden Stadtteilen: Lenthe, Northen, Everloh, Ditterke, Redderse, Leveste und Lemmie.

Geschichte[Bearbeiten]

Bei der Erschließung des Neubaugebietes Neddernholz in Gehrden im Jahre 2014 legten Archäologen Bodenreste einer früheren Besiedlung frei. Dabei wurden anhand von Bodenverfärbungen zahlreiche Pfostengruben festgestellt; sie gehörten zu mehreren Vierpfostenspeichern und einem Langhaus, das sich auf annähernd 30 Meter Länge erstreckte. In einer Siedlungsgrube fanden sich Reste von Keramikgefäßen und Tierknochen. Eine weitere Grube wurde als Feuerstelle angesehen. Obwohl die Funde zunächst keine genaue Datierung zuließen, wurde angenommen, dass die Siedlung vor etwa 3000 Jahren bestand.[2]

Des Weiteren wurden bereits 2010 in einem Gewerbegebiet die Reste einer germanischen Siedlung aus dem 3. bis 6. Jahrhundert entdeckt. Bei Ausgrabungen wurden Grubenhäuser, Abfallgruben, ein Brunnen, ein Töpferofen sowie große Mengen von Wildschweinknochen gefunden. Die außerdem in großer Zahl aufgefundenen Keramikreste werden der Südhannoverschen Drehscheibenware und um die Zeit um 400 n.Chr. datiert. Aufgrund der reichhaltigen Funde gehen Archäologen davon aus, dass dort damals eine Person der herrschenden Oberschicht lebte. [3]

Der Ort wurde im Jahr 1298 in einer Urkunde des Grafen Adolf VI. von Schauenburg und Holstein das erste Mal erwähnt und zu einem Oppidum (Flecken) erhoben. Um 1300 wurde auch die heutige Margarethenkirche erbaut. In den Jahren 1467, 1562, 1628 und 1665 wurde die Gemeinde infolge mehrerer Fehden und Feuersbrünste verwüstet. In den Jahren 1803–1815 belasteten französische und russische Einquartierungen den Ort, der 1812 für Napoleon Soldaten für den Russlandfeldzug 1812 stellen musste.

Die Stadtrechte bekam Gehrden im Jahre 1929 zugesprochen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus sah sich ein selbsternannter, „diensteifriger Führer des Volkssturms berufen [...] in Gehrden für eine zweifelhafte Ordnung zu sorgen“. Kreisleiter Heinz Deinert tötete gemeinsam mit Karlheinz Scheu noch im Frühjahr 1945 - kurz vor der Befreiung durch die Alliierten Truppen - den jüdischen Einwohner Heinz Pichet.[4]

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Gehrden zum Regierungsbezirk Hannover, der wie die übrigen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. August 1971 erfolgte der freiwillige Gemeindezusammenschluss mit den umliegenden Landgemeinden Ditterke, Everloh, Lemmie, Lenthe, Leveste, Northen und Redderse zur Großgemeinde Gehrden.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1823 952
1853 1.219
1883 1.506
1925 2.585
1961[5] 9.983
1970[5] 12.324
2010 14.502

Bei den Zahlenangaben für die Jahre 1961 und 1970 handelt es sich um die Einwohnerzahl einschließlich der später im Jahr 1971 eingemeindeten Orte. Davor betrug im Jahre 1961 die Einwohnerzahl des Ortes Gehrden 6053 und 8367 Einwohner im Jahr 1970.[5]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister ist Hermann Heldermann (CDU); er gibt am 4. Oktober 2014 sein Amt an Cord Mittendorf (SPD) ab. Mittendorf setzte sich in einer Stichwahl am 16. Juni 2014 gegen den bisherigen Amtsinhaber Heldermann durch. Cord Mittendorf er ist der erste sozialdemokratische Bürgermeister seit dem Jahr 1976.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Rot den silbernen Treppengiebel der evangelisch-lutherischen Margarethenkirche der Stadt Gehrden, belegt vom Schildfuß her mit dem Wappen der Grafen von Schaumburg (in Rot ein silbernes Nesselblatt) und dem der Welfenherzöge (in Blau ein rotbewehrter, goldener Löwe).

Verkehr/Wirtschaft[Bearbeiten]

Ortsblick im Zentrum
Kartrennen beim Stadtfest

Der mittelalterliche Hellweg von Minden nach Hildesheim führte durch das Stadtgebiet von Gehrden. Heute durchquert die Bundesstraße 65 das Stadtgebiet im Norden von Ost nach West, dabei führt die Straße durch die Orte Everloh und Ditterke. Wenige Kilometer östlich des Stadtgebiets führt die Bundesstraße 217 vorbei.

Ab 1872 verarbeitete die Ziegelei Seemann die Ton- und Lehmvorkommen des Gehrdener Berges.

1898 eröffnete die Straßenbahn Hannover AG (ab 1921: ÜSTRA) die Straßenbahnlinie 10 von Hannover nach Gehrden – ab 1899 auch bis Barsinghausen. Der Bau der Straßenbahn hatte einen wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge, da dadurch auch elektrischer Strom im Ort vorhanden war. Die Straßenbahn beförderte neben Passagieren auch Steinkohle, Gemüse und andere Güter aus Barsinghausen sowie Zucker aus der Zuckerfabrik Neuwerk nach Hannover. Die Personenbeförderung auf dem Streckenabschnitt nach Barsinghausen wurde am 27. Juli 1952 eingestellt, die Güterbeförderung am 30. November 1953. Am 3. Juli 1961 wurde auch die Strecke von Hannover nach Gehrden stillgelegt und durch Busverbindungen ersetzt. (siehe auch: Geschichte der Straßenbahn in Hannover)

Die Zuckerfabrik war von 1857 bis 1930 in Betrieb. Auf dem Gelände wurde später die „Vorwerk"-Teppichfabrik errichtet, die im Jahr 1985 nach Hameln verlegt wurde.

Durch den Bau der Versorgungsleitung der Harzwasserwerke nach Bremen wurde Gehrden im Jahr 1934 mit einer zentralen Wasserversorgung versehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Struckmeyersche Mühle sowie das Müllerhaus wurden 1729 von der Stadt Gehrden als Holländerwindmühle errichtet.
  • Die historische Tripische Parkanlage mit Ausblick über das Calenberger Land in Richtung Deister ließ der hannoversche Gartenbaudirektor Julius Trip 1898 fertigstellen. Sie wurde 1991 vom Großraum Hannover (heute: Region Hannover) wieder instand gesetzt.
  • Der Burgbergturm wurde 1897/1898 auf dem Gehrdener Berg inmitten des Ringwalls auf dem Gehrdener Berg errichtet. Er ist rund 20 m hoch, seine Aussichtsplattform liegt 176,69 m über NN. Der Turm wurde 1985 von der Stadt Gehrden restauriert und als Aussichtsturm freigegeben.
  • Das historische Brauhaus wurde nach einem Brand 1665 wieder errichtet und enthält seit 1975 das Stadtmuseum Gehrden, unter anderem mit Gräberfunden aus der Merowingerzeit des 6./7. Jahrhunderts.
  • Mit dem Jüdischen Friedhof befindet sich ein von 1752 bis 1935 belegter jüdischer Friedhof im Stadtgebiet.

Kirchen[Bearbeiten]

St.-Bonifatius-Kirche

Die seit der Reformation evangelisch-lutherische Margarethenkirche an der Kirchstraße ist die historische Dorfkirche von Gehrden. Ihr Turm mit dem charakteristischen Treppengiebel stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und findet sich seit über 500 Jahren im Stadtsiegel, sowie heute im Wappen der Stadt. Das Kirchenschiff wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Ronnenberg im Sprengel Hannover. Hierzu gehört auch der Kindergarten Nedderntor, sowie die Kapellen in den Stadtteilen Ditterke, Lemmie und Redderse.

Die 1911 im neubarocken Stil erbaute katholische St.-Bonifatius-Kirche befindet sich an der Gartenstraße. Sie wurde 1981 erweitert und enthält eine 1992 erbaute Orgel. Ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Hannover, außerdem auch die katholischen Kirchen in Holtensen und Wennigsen.

Die neuapostolische Gemeinde Gehrden wurde aufgegeben; sie gehörte zum Kirchenbezirk Hannover-Mitte. In ihrer Kirche in der Großen Bergstraße 40 fand Ende März 2011 der letzte Gottesdienst statt. Das 1969 errichtete Kirchengebäude wurde verkauft und im Sommer 2012 abgerissen, auf diesem Grundstück ist der Bau eines Mehrfamilienhauses geplant (Stand 2012). Die nächstgelegene neuapostolische Kirche befindet sich heute im acht Kilometer entfernten Hannover-Badenstedt.

Vereine[Bearbeiten]

Die Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wurde 1906 als erste politische Partei in Gehrden gegründet.

Im Jahre 1992 wurde der Kunstverein Gehrden auf Initiative von kunstinteressierten Gehrdener Bürgern mit dem Ziel gegründet, zeitgenössische Kunst sowie Künstlerinnen und Künstler zu fördern. Es finden jährliche Kunstausstellungen statt. Der Kunstverein hat seinen Sitz im Rathaus von Gehrden.

Sport[Bearbeiten]

Im Jahr 1900 wurde der Sportverein Gehrden gegründet, der mit 2.500 Mitgliedern (Stand 2011) der größte Gehrdener Verein ist. 2011 wurde der 1. Golfclub Gehrden gegründet, der das Ziel verfolgt, einen Golfplatz in Gehrden zu errichten. Mit 250 Mitgliedern (Stand 2014) zählt der Verein zu den größeren der Stadt.

Bildung[Bearbeiten]

  • Es gibt acht städtische und eine kirchliche Kindertagesstätte mit insgesamt 78 Krippenplätzen, 421 Kindergartenplätzen und 60 Hortplätzen.
  • In der Kernstadt gibt es die Grundschule Am Castrum mit 328 Schülern sowie die Grundschule Am Langen Feld mit 173 Schülern.
  • Nahe dem Gehrdener Hallen- und Freibad befindet sich ab dem Schuljahr 2011/2012 die Oberschule Gehrden mit gymnasialem Schulzweig bis Klasse 10 (Sekundarstufe I).
  • Unterhalb des Gehrdener Burgbergs liegt das Matthias-Claudius-Gymnasium mit gymnasialer Oberstufe und ca. 930 Schülern.
  • Der Zweckverband Volkshochschule Calenberger Land ist eine Weiterbildungseinrichtung der Städte Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg, Seelze, Springe sowie der Gemeinde Wennigsen und betreibt in Gehrden in der ehemaligen "Roten Schule" eine Geschäftsstelle mit Bildungsangeboten.
  • Die Calenberger Musikschule hat ihren Sitz in Gehrden im Gebäude der Oberschule Gehrden und unterrichtet rund 1000 Schüler aus Gehrden, Ronnenberg und Barsinghausen.
  • Die Jugendpflege Gehrden bietet im Jugend-Pavillon Kindern und Jugendlichen Aktions- und Betreuungsprogramme an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Steinerne Gedenkbank zur Erinnerung an Justus Wilhelm Lyra

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Fuetterer: Gehrden – Vom Flecken zur Großgemeinde. Gehrden 1991
  • Gerold Steinhorst: Gehrdener Straßennamen. Gehrden 1998
  • Martina Grohmann: Gehrden – Aspekte der Ortsgeschichte. Gehrden 1994
  • August Kageler: Gehrden. Entwicklung und Schicksale einer Calenbergischen Kleinstadt, mit Zeichnungen und Abbildungen von Helmut Müller, Gehrden 1950
  • Der Kreis Hannover-Land mit dem Deister, Seite 97ff., Verlag Fritz Drescher, Möser, Bezirk Magdeburg, 1935

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gehrden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Dirk Wirausky: Gehöfte standen einst im Neddernholz in: Calenberger Zeitung vom 7. August 2014
  3. Ein germanischer Big Man in Gehrden? bei archäologie.online vom 28. September 2012
  4. Raimond Reiter: Empirie und Methode in der Erforschung des "Dritten Reiches" : Fallstudien zur Inhaltsanalyse, Typusbildung, Statistik, zu Interviews und Selbstzeugnissen, Frankfurt am Main; Berlin; Bern; Bruxelles; New York; Oxford; Wien 2000: Lang, ISBN 3-631-36367-2, S. 167; online über Google-Bücher
  5. a b c d  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 196.