Gehrden (Zerbst)

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52.00916666666711.95722222222273Koordinaten: 52° 0′ 33″ N, 11° 57′ 26″ O

Gehrden
Stadt Zerbst
Ortswappen von Gehrden
Höhe: 73 m
Fläche: 6,81 km²
Einwohner: 206 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39264
Vorwahl: 039247
Gehrden (Sachsen-Anhalt)
Gehrden
Gehrden

Gehrden ist ein Ortsteil der Stadt Zerbst/Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Das Dorf Gehrden zwischen Magdeburg und Zerbst ist etwa fünf Kilometer von der Elbe entfernt. Die Gemarkung grenzt an das Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittlere Elbe. Das Gelände fällt von Nordosten her zur Elbaue allmählich ab. Der Ortskern von Zerbst ist etwa zwölf Kilometer von Gehrden entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Gehrden war einst eine wendische Siedlung, was man auch heute noch an der typischen Hufeisenform erkennt. Die einzige Ein- und Ausfahrtsstraße war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts an der Nordseite des Dorfes und führte in Richtung Lübs. Erst später erfolge der Durchbruch nach Süden. Wo sich die heute in der Dorfmitte liegenden Höfe und Häuser befinden, erstreckte sich früher ein sehr breiter Dorfplatz mit mehreren Teichen (Sumpflöchern), auf den die Giebel der mit Stroh bedeckten Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude schauten. Erstmals erwähnt wurde Gehrden in einer Urkunde des Klosters Berge im Jahre 1234. Ende des 13. Jahrhunderts übereigneten die Gebrüder von Cronenberg das Patronatsrecht zu Gehrden den Kalandsherren zu Leitzkau, von denen es 1390 Erzbischof Albrecht III von Querfurt kaufte. Dieser vermachte es zugleich mit der Stadt und dem Schloss Möckern dem Domkapitel.

Um das Jahr 1500, der Regierungszeit des Erzbischofs Ernst II. von Sachsen (1476−1513), der seine Untertanen mit sehr hohen Lasten drückte, wurde viele Siedlungen in der Umgebung wüst. Die Bauern verließen ihre Höfe und zogen in die Städte oder nahmen Kriegsdienste auf, sodass ihre Häuser verfielen und die Äcker verkrauteten. So leerten sich ganze Dörfer und es entstanden sogenannte „wüste Marken“. Die „wüste Mark“ Rosenhagen (zwischen Gödnitz und Gehrden) ist nach 1447, Wedelwitz (zwischen Prödel und Gödnitz) vor 1337 entstanden. Zwei weitere „wüste Marken“ waren Krakeborn (zwischen Lübs und Leitzkau) und Pakendorf (zwischen Gehrden und Walternienburg).

Ringstraße in Gehrden

Nach der Lutherischen Reform besetzte 1537 der erste evangelische Pfarrer, Jacob Heinecke, die Gehrdener Pfarrstelle und löste damit den letzten katholischen Pfarrer Friderici ab. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges machten auch vor Gehrden nicht halt, sodass im Jahre 1640 außer neun Bewohnern alle vertrieben oder dem Kriege zum Opfer gefallen waren. Aus einer Beschreibung des damaligen domkapitularischen Richters Jacob von Bandelow aus Möckern geht des Weiteren hervor: „In den andern Dörfern: Dalcho 1 Witwer und 2 Witwen; Luhe 3 Paar Leute, 2 Ackerleite, 1 Kotsaß; Zeddennick kein lebendiger Mensch.“

Das Kirchenbuch aus dem Jahre 1789 berichtet Interessantes: „Am 13. Dezember wurde auf dem Grenzstück gegen den Pfuhl am Schorschen und Güterglückchen Felde ein Mensch tot aufgefunden und durch die Möckernschen Gerichte aufgehoben. Bei der Untersuchung seines Körpers fand man seinen Rücken ganz zerschlagen, sein Kopf hatte sechzehn Wunden und sein Schädel war mit einem Stein zerschmettert. Er war gut gekleidet und mochte 30 Jahre alt sein. Wer und woher er war und wer seine Mörder waren, ist nicht bekannt geworden." Diese der Pfarre gehörenden Ackerstücke haben seitdem den Namen „Mordbreite“.

Am 26. Juni 1828 wurde Gehrden von einem Großfeuer fast vollständig vernichtet. Neben 21 völlig ausgebrannten Gehöften waren auch fünf Tote zu beklagen. Nur drei Hofstellen blieben unversehrt. Nach dem Brande wurden die Straßenfronten begradigt. An der Ostseite des Dorfes standen die kleinen strohgedeckten Häuschen der Tagelöhner und Kossaten, auf der Westseite lagen die Höfe der Bauern („Bauernhalbe“). Im Jahre 1829 wurde die neue Schule unter dem damaligen Lehrer Johann Karl Wiedemann eingeweiht.

1863 wurde die Ziegelei zwischen Gehrden und Schora gebaut. Die Ziegelei war bis 1912 in Betrieb und wurde dann aufgrund des Mangels an geeigneter Erde stillgelegt und die Gebäude abgebrochen.

Anlässlich der Sieges- und Friedensfeier nach dem Deutschen Krieg wurde 1866 die „Friedenseiche“ vor dem Eingang zum Kirchhof gepflanzt, wo sie auch heute noch steht.

1840 wurde die Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig eröffnet. Infolge der Bauunternehmungen ließen sich in Gehrden eine Reihe polnischer Bahnarbeiter und Landwirte nieder. Die Einwohnerzahl stieg von 207 im Jahre 1837 auf 300 am Ende des 19. Jahrhunderts.

Im Jahre 1885 wurde die Chausseeverbindung Leitzkau - Gehrden –Trebnitz hergestellt. Am Ortsausgang Richtung Güterglück stand bis 1898 ein Schlagbaum, dessen Einnahmen zur Deckung der Straßenbaukosten abgeführt werden mussten. Vor dem Bau der Chaussee waren die Straßen nach Lübs und Güterglück unbefestigt und hatten weder Straßengräben, noch waren sie von Bäumen gesäumt, sodass sie bei nassem Wetter im Frühjahr oder Herbst kaum befahrbar waren.

Auch im Ort selber gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts nur unbefestigte Straßen. Erst 1927 erhielt das Dorf ein Straßenpflaster von 6 m Breite mit beidseitigem Bordabschluss sowie eine elektrische Straßenbeleuchtung.

Der Zweite Weltkrieg machte auch vor Gehrden nicht halt. Von den 65 zur Wehrmacht eingezogenen Männern kehrten 20 nicht zurück, zu deren Ehren eine Gedenktafel auf dem Friedhof aufgestellt wurde. Infolge der Kriegswirren kam es zur Einquartierung von 50 Saarländern, später von eben so vielen Rheinländern, sowie von 40 Kriegsgefangenen, die zur Zwangsarbeit deportiert worden sind.

Gehrden war vom 1. Januar 1974 bis zum 31. März 1990 ein Ortsteil der Gemeinde Lübs.[1]

Danach war Gehrden bis zum 31. Dezember 2009 eine selbständige Gemeinde. Auf einer Gemeindefläche von 6,81 km² lebten 206 Einwohner (31. Dezember 2008).[2] Am 1. Januar 2010 erfolgte die Eingemeindung nach Zerbst/Anhalt.[3] Letzter Bürgermeister Gehrdens war Bernhard Mücke.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Gehrdener Wappen

Das Wappen wurde am 25. Juni 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Grün eine goldene Korngarbe, umlegt mit acht entlang der Flanken und des Schildrunds bordweis gestellten silbernen Steinen.“[4]

Die Symbolik des Wappens, das 2009 im Auftrag der Gemeinde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und ins Genehmigungsverfahren gebracht wurde, nimmt Bezug auf das "Hünengrab" und die Feldwirtschaft.

Die Farben der Gehrdens sind: Gold (Gelb) - Grün.

Die Flagge ist Gelb - Grün (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Wappen belegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Gehrdener Großsteingrab[Bearbeiten]

Hünengräber bei Gehrden

Auf der Westseite von Gehrden befindet sich ein aus 62 Steinen gebautes, unter Denkmalschutz stehendes, Hünengrab. Diese der Trichterbecherkultur zuzuschreibende Kult- und Begräbnisstätte ist eine der letzten erhaltenen jungsteinzeitlichen Anlagen in der Gegend. Von 40–46 Großsteingräbern, die Ende des 18. Jahrhunderts in den späteren Kreisen Burg und Zerbst anzufinden waren, sind nur die in Körbelitz, Möckern und Gehrden erhalten geblieben.

Die Entstehung des Hünengrabes ist in der mittleren Jungsteinzeit zwischen 3500 und 2800 v. Chr. anzusiedeln. Die Megalithkultur breitet sich vom Nordmeer her kommend die Elbe aufwärts bis in das Elbe-Saale-Gebiet aus, wobei das Gehrdener Hünengrab das südlichste der Gegend ist. Mit seinen gewaltigen aufrecht stehenden Findlingen stellt es auch eines der schönsten und ungewöhnlichsten Großsteingräber, das die Zeiten überdauert hat, dar. Auch wenn nach dem Großbrande 1828 in Gehrden und zum Straßenbau 1884 mancher Steinriese einen anderen Zweck zugeführt worden ist, so lässt sich doch die Form dieser frühgeschichtlichen Begräbnisstätte erkennen. Einer der schönsten Findlinge wurde nach dem Ersten Weltkriege als Ehrenmal für die gefallenden Soldaten des Ortes auf dem Friedhof aufgestellt.

Von den ehemals 62 Steinen sind heute noch 56 vorhanden.

Die Kirche[Bearbeiten]

Die Gehrdener Kirche ist ein einschiffiger, romanischer Feldsteinbau aus ungewöhnlich großen Findlingen. Sie ist ein Zeuge alte, unruhiger Zeiten, worauf die massive Bauweise und die dicken Mauern hinweisen. Ihre Entstehungszeit ist wahrscheinlich um das Jahr 1200 anzusiedeln. An das fast quadratische Altarhaus schließt sich die gewölbte Halbkreisabsis an, die etwas schmaler ist als das Schiff. Das dem Turm nächstliegende tiefe Fenster war zu früheren Zeiten eine Tür, durch das die Pakendorfer Kirchgänger das Gotteshaus betreten haben sollen. Die Kirchenorgel stammt aus dem Jahre 1861/62.

Bis ins Jahr 1923 gehörte auch Großlübs mit zum Gehrdener Pfarrbezirk.

Sport - Der VfL Gehrden[Bearbeiten]

Der VfL Gehrden entstand nach der Wiedervereinigung 1990 aus der BSG "Traktor" Gehrden. Heute (Stand Februar 2014) umfasst der Sportverein die Sektionen Fußball (sechs Mannschaften) und Tischtennis (vier Mannschaften).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Gehrden befindet sich ein Landmaschinenhändler (John Deere) mit angeschlossener freier Kfz-Werkstatt, welcher auch der größte Betrieb des Ortes ist. Zudem gibt es auch zwei Tischlereien, eine Malerfachfirma und drei eigenständige Landwirte. Im Übrigen hat sich am Ortsrand eine Hühnerproduktionsfirma niedergelassen.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Über Prödel oder Güterglück ist Gehrden mit der Bundesstraße 184 verbunden, weitere Straßen führen nach Zerbst sowie nach Barby (Elbe) (über eine Gierseilfähre im Walternienburger Ortsteil Ronney). Der Bahnhof des Nachbarortes Lübs liegt an der Bahnlinie Magdeburg - Dessau-Roßlau.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Lindner: Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt. Fliegenkopfverlag, Halle 1833, ISBN 3-910147-08-9.
  • Chr. Habbe, Wilhelm Landzettel: Die Gestalt der Dörfer. Schlüterverlag, Magdeburg 1994

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. statistik.sachsen-anhalt.de, pdf-Datei
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  4. Amtsblatt des Landkreis Nr. 14/2009 (PDF; 69 kB)