Geigenrochen

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Geigenrochen
Rhinobatos lentiginosus

Rhinobatos lentiginosus

Systematik
Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
Teilklasse: Euselachii
Neoselachii
Rochen (Batoidea)
Ordnung: Rajiformes
Familie: Geigenrochen
Wissenschaftlicher Name
Rhinobatidae
Bonaparte, 1835

Die Geigenrochen (Rhinobatidae (Gr.: „rhine“ = Hai, Lat.: „batis“ = Rochen)), in letzter Zeit, da die Tiere im englischen „Guitarfish“ genannt werden, auch als Gitarrenrochen bezeichnet, sind eine urtümliche Familie der Rochen (Batoidea). Sie leben im Atlantik und im Indopazifik, meist in tropischen Küstengewässern. Selten gehen sie in das Brackwasser der Flussmündungen.

Aussehen[Bearbeiten]

In der Gestalt der Geigenrochen kann man noch die haiähnlichen Vorfahren der Rochen erkennen. Ihr Körper ist noch nicht so scheibenförmig wie der vieler anderen Rochen. Geigenrochen sind langgestreckt und erreichen Körperlängen von 43 cm (Rhinobatos annandalei)[1] bis 3 Meter (Rhina ancylostoma)[2]. Sie besitzen zwei Rückenflossen, die sich hinter den Bauchflossen befinden, sowie eine Schwanzflosse. Auf dem Rücken finden sich Reihen kleiner Stacheln. Ein größerer Schwanzstachel fehlt. Das Maul ist, angepasst an ihre Ernährung (Krebstiere und Mollusken), mit zahlreichen kleinen, stumpfen Zähnen besetzt.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Wie die meisten Rochen sind die Geigenrochen lebendgebärend (Ovoviviparie). Die Jungfische werden voll entwickelt geboren.

Systematik[Bearbeiten]

Innere Systematik der Rochen nach Aschliman u. a. (2012)[3]
 Rochen (Batoidea) 

 Rajiformes


     


 Zitterrochenartige (Torpediniformes)


     

 Dornrücken-Gitarrenrochen (Platyrhinoidei)



     

 Geigenrochen I (Aptychotrema, Trygonorrhina, Zapteryx)


     
 („Rhinopristiformes“) 

 Geigenrochen II (Rhinobatos)


     


 Sägerochen (Pristidae)


     

 Geigenrochen III (Glaucostegus)



 Geigenrochen IV 

 Rhynchobatus


     

 Rundkopf-Geigenrochen (Rhina)





     

 Stechrochenartige (Myliobatiformes)






[[]]

Die Familie der Geigenrochen wurde 1835 durch den französischen Biologen Charles Lucien Bonaparte aufgestellt. In den meisten Fällen wurde sie als eine Gruppe urtümlicher Rochen angesehen, die am Beginn des Rochenstammbaums stehen und sie wurden in eine eigenständige Ordnung gestellt, die Rhinobatiformes oder den Rajiformes zugeordnet. Heute ist es ziemlich sicher das die Geigenrochen eine paraphyletische Gruppe sind, d. h. sie gehen zwar auf eine gemeinsame Stammform zurück, das Taxon umfasst aber nicht alle von dieser Stammform abstammenden Formen. So stehen die Sägefische (Pristidae) tief innerhalb einer größeren Geigenrochenklade. Für diese Klade, die die Schwestergruppe der Stechrochenartigen (Myliobatiformes) darstellt, wurde der neue Ordnungsname „Rhinopristiformes“ vorgeschlagen.[4] Eine weitere Geigenrochengruppe (die Gattungen Aptychotrema, Trygonorrhina und Zapteryx) sind die Schwestergruppe der Klade aus „Rhinopristiformes“ und Myliobatiformes.[3]

Aptychotrema rostrata
Pazifischer Geigenrochen (R. productus)
Schlegels Geigenrochen (R. schlegelii)
Trygonorrhina fasciata
Zapteryx xyster

Heute werden etwa 55 Arten in drei Unterfamilien zu den Geigenrochen gezählt:

Eine vierte Unterfamilie, die Platyrhininae, stellt nach neueren Untersuchungen die Schwestergruppe der Zitterrochenartigen (Torpediniformes) dar und wurde in den Rang einer eigenständigen Familie (Platyrhinidae) und Unterordnung (Platyrhinoidei) gestellt.[3][4]

Stammesgeschichte[Bearbeiten]

Die Geigenrochen tauchen als erste Rochen im Oberjura in der fossilen Überlieferung auf. Die Gattungen Aellopos und Asterodermus sind aus dem Solnhofener Plattenkalk bekannt. Ein weiterer Geigenrochen ist Rhombopterygia aus der Oberkreide des Libanon. Die rezenten Geigenrochengattungen Rhinobatos, Trygonorrhina und Zapteryx sind seit der Unterkreide bzw. dem Eozän fossil überliefert.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geigenrochen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rhinobatos annandalei auf Fishbase.org (englisch)
  2. Rhina ancylostoma auf Fishbase.org (englisch)
  3. a b c Neil C. Aschliman u. a.: Body plan convergence in the evolution of skates and rays (Chondrichthyes: Batoidea). In: Molecular Phylogenetics and Evolution, 63. Jg., Nr. 1, April 2012, S. 28–42, doi: 10.1016/j.ympev.2011.12.012.
  4. a b Gavin J.P. Naylor u. a.: Elasmobranch Phylogeny: A Mitochondrial Estimate Based on 595 Species. In: Jeffrey C. Carrier u. a.: Biology of Sharks and Their Relatives (Marine Biology). Crc Pr Inc, 2012, ISBN 1-43983-924-7, S. 43.
  5. Karl Albert Frickhinger: Fossilien-Atlas Fische, Mergus-Verlag, Melle 1999, ISBN 3-88244-018-X.