Geiselwind

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Geiselwind
Geiselwind
Deutschlandkarte, Position des Marktes Geiselwind hervorgehoben
49.77333333333310.470555555556345Koordinaten: 49° 46′ N, 10° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Höhe: 345 m ü. NHN
Fläche: 48,77 km²
Einwohner: 2356 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96160
Vorwahlen: 09556, 09555
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 127
Marktgliederung: 24 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 1
96160 Geiselwind
Webpräsenz: www.geiselwind.de
Bürgermeister: Ernst Nickel (FW/Landgemeinschaft)
Lage des Marktes Geiselwind im Landkreis Kitzingen
Landkreis Bamberg Landkreis Schweinfurt Landkreis Würzburg Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Wiesenbronn Segnitz Rüdenhausen Rödelsee Obernbreit Martinsheim Marktsteft Markt Einersheim Marktbreit Mainstockheim Mainbernheim Kleinlangheim Kitzingen Geiselwind Castell (Unterfranken) Buchbrunn Albertshofen Abtswind Willanzheim Wiesentheid Volkach Sulzfeld am Main Sommerach Seinsheim Schwarzach am Main Prichsenstadt Nordheim am Main Iphofen Großlangheim Dettelbach Biebelried Landkreis HaßbergeKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Geiselwind ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Bekannt ist Geiselwind vor allem durch den Erlebnispark Freizeitland Geiselwind.

Geografie[Bearbeiten]

Rathaus
Luftbild

Geografische Lage[Bearbeiten]

Geiselwind liegt östlich von Würzburg. Am Rand des Gemeindegebiets steht der Dreifrankenstein, wo die drei fränkischen Regierungsbezirke Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken aufeinandertreffen. Der Kernort Geiselwind befindet sich im Steigerwald etwas oberhalb der Einmündung der Ebrach (auch Geiselwinder Ebrach genannt) in die Reiche Ebrach.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Geiselwind gehören 24 Ortsteile[2]:

Ortsteil Füttersee von Süden

Zu Geiselwind gehören die Gemarkungen Burggrub, Dürrnbuch, Ebersbrunn, Füttersee, Geiselwind, Gräfenneuses, Haag, Holzberndorf, Ilmenau, Langenberg, Rehweiler und Wasserberndorf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Ebrach, Schlüsselfeld, Burghaslach, Oberscheinfeld, Castell, Abtswind, Wiesentheid, Prichsenstadt und Oberschwarzach.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Geiselwind lässt auf eine Gründung im 8. Jahrhundert schließen. Zu dieser Zeit wurden durch Erlass des deutschen Kaisers Wenden im fränkischen Gebiet angesiedelt. Strittig ist, ob diese Wendensiedlung ihren Namen von einer Kaisertochter Gisela, die in einem nahen Kloster lebte, oder von einem kaiserlichen Vasallen namens Giso erhielt.

Geiselwind erscheint erst sehr spät in den urkundlichen Quellen. 1316 überließ ein Lehnsmann der Grafen zu Castell, Heinrich, genannt Frevel, seine Güter zu Geiselwind dem Kloster Ebrach, wobei Graf Friedrich zu Castell auf seine lehnsherrlichen Rechte verzichtete. Spätestens Ende des 14. Jahrhunderts besaßen dann die Zollner zu Hallburg und Rimbach „das Dorf Geiselwind“ als Castell'sches Lehen. Sie verkauften es an den burggräflichen Hofmeister Wirich von Treuchtlingen. Diesem Besitzerwechsel war es zu verdanken, dass Geiselwind 1422 durch Kaiser Sigismund das Marktrecht und ein eigenes Centgericht erhielt. 1426 ging das Castell'sche Lehen Geiselwind an die Gefürstete Grafschaft Schwarzenberg über. Die Fürsten von Schwarzenberg übernahmen 1503 das Kirchenpatronat von den Birklinger Augustiner-Chorherren und führten in Geiselwind die Reformation ein. Der Ort blieb bis 1627 evangelisch.

Mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Bis zur Kreisgebietsreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, gehörte Geiselwind zum Landkreis Scheinfeld und somit zu Mittelfranken.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Füttersee, Gräfenneuses, Haag (bis 1866 mit dem Gemeindenamen Dürrenbach), Langenberg und Wasserberndorf sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Freihaslach eingegliedert. Aus dem aufgelösten Landkreis Gerolzhofen kamen am 1. Juli 1972 Ebersbrunn und Rehweiler hinzu.[3] Am 1. Januar 1978 folgte Ilmenau. Holzberndorf kam noch am 1. Mai 1978 hinzu.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1961: 2015[4]
  • 1970: 2125[4]
  • 1987: 2016
  • 2000: 2323
  • 2005: 2417
  • 2006: 2360
  • 2011: 2389

Sagen[Bearbeiten]

Murrmann-Denkmal

Die bekannteste Sage von Geiselwind handelt vom Murrmann, der Geschichte einer Belagerung des Ortes Geiselwind im Dreißigjährigen Krieg.

Der Bürgermeister von Geiselwind wollte die Einnahme und Plünderung des Ortes verhindern und machte sich mit zwei seiner Vertrauten auf dem Weg in das Lager der feindlichen Armee, um mit dem schwedischen General zu verhandeln. Dieser war gerade dabei, mit dem Mittagsmahl zu beginnen und dachte, vielleicht wegen dieser Störung recht ungehalten, nicht an Verhandlungen. Zornig packte er sich eine Wurst, die er gerade verspeisen wollte, hielt sie den Unterhändlern entgegen und rief: „So wahr ich diese Wurst hier esse: Ich werde Geiselwind einnehmen!“

In dem Moment sprang eine schwarze Katze auf die Schulter des Generals, schlug ihm die Wurst aus der Hand, schnappte sich diese und rannte mit der Wurst im Maul davon.

Der Sage nach wurde Geiselwind bei dieser Belagerung nicht eingenommen. Je nach der Version lag dies daran, dass die Geiselwinder durch dieses Zeichen neuen Mut schöpften und die Belagerung abwehrten, dass die Schweden die Vorkommnisse als böses Omen sahen und schnell weiterzogen oder dass der schwedische General nichts Unwahres sagen, sondern vielmehr sein Wort halten wollte und deswegen weiterzog.

Noch heute steht eine Sandsteinfigur am westlichen Ende des Marktplatzes, die den Murrmann darstellt. Die Figur, auf deren Schulter eine Katze sitzt, hält mit dem ausgestreckten Arm eine Wurst empor.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Ernst Nickel (Freie Wähler/Landgemeinschaft). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Gottfried Schaller (Freie Wähler/Landgemeinschaft).

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 997.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 303.000 Euro.

Wappen[Bearbeiten]

Mosaik
Blasonierung

Geteilt von Blau und Silber; oben eine schräg liegende goldene Geißel, unten auf grünem Boden ein springender, rot gezungter schwarzer Windhund mit goldenem Halsband.

Wappengeschichte

Das Wappen erscheint erstmals auf einem Marktsiegelabdruck aus dem Jahr 1713. Die Wappenfarben sind seit 1835 bekannt. Die Geißel und der Windhund stehen redend für den Ortsnamen, dessen ursprüngliche Bedeutung nicht mehr verstanden wurde. Er bedeutet ursprünglich „zu den slawischen Siedlern des Gisilo“. Die Gründung der Siedlung geht auf das 8. bis 10. Jahrhundert zurück. Urkundlich wird der Ort 1199 erstmals erwähnt. Die Farben Silber und Blau sind dem Wappen der Fürsten von Schwarzenfeld entnommen, welche die Herrschaft in der Gemeinde ausübten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Geißel durch einen Busch ersetzt und der grüne Boden fehlte. Das Wappen erscheint im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht und auch Hupp hat es nicht in seiner Wappensammlung.

Das Wappen wird seit dem 18. Jahrhundert geführt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kaisereiche bei Füttersee
  • Aussegnungshalle am Friedhof in Geiselwind, umgestaltet im Jahr 2006 durch Anbringung von drei Bronzereliefplatten des Steinmetz- und Steinbildhauermeisters Andreas Fenn aus Marktbreit im Auftrag der Reinleins-Kreuzweg-Stiftung
  • St.-Matthäus-Kirche in Rehweiler, die einzige Herrnhuter Saalkirche in Bayern.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert war in Geiselwind nur die Land- und Forstwirtschaft bedeutend. Das änderte sich erst Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mit dem Neubau der Bundesautobahn 3, an die Geiselwind mit einer eigenen Ausfahrt angeschlossen ist.

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft und im produzierenden Gewerbe keine und im Bereich Handel und Verkehr 203 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 243 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 802. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 6 Betriebe, im Bauhauptgewerbe 8. Daneben gab es im Jahr 1999 109 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 2107 Hektar. Davon waren 1292 Hektar Ackerfläche und 809 Hektar Dauergrünfläche. Die größten Arbeitgeber sind:

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 100 Kindergartenplätze mit 102 Kindern
  • Eine Grund- und Hauptschule mit 16 Lehrern und 278 Schülern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Beölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111114/112816&attr=OBJ&val=1654
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 565.
  4. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 747 und 748.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geiselwind – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien