Geistheilung

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Geistheilung (auch: geistige Heilung, geistiges Heilen, paranormale Heilung) ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher alternativmedizinischer, esoterischer, religiöser oder magischer Behandlungsmethoden, die sich nicht in die wissenschaftliche Medizin oder die klassische Psychotherapie einordnen lassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Religiös-magische Vorstellungen über die heilende Wirkung von göttlichen oder anderen übernatürlichen Kräften lassen sich bis in die Frühzeit der Medizingeschichte zurückverfolgen. Klassische Beispiele aus dem westlichen Kulturkreis sind der Asklepios-Kult bei den Griechen sowie der Heiligenkult und der Exorzismus im Christentum. In Jak 5,14-15 EU wird Krankheit in die Nähe von Sünde gerückt, so dass für die Heilung die „Ältesten der Gemeinde“ zuständig sind.[1] Auch in 1 Kor 12,9 EU werden Geistheiler angesprochen.

In Kulturen, in denen die Tradition des Geistheilens überlebt hat, werden auch bei vorhandener konventioneller medizinischer Betreuung Geistheiler konsultiert. Bei den Indianern der Navajo-Nation gaben 72 % der befragten Einwohner solche Konsultationen an. Einer gab die Begründung: „The doctor give me pills for my body, the medicine man give me songs for my spirit.“ (deutsch: „Der Arzt gibt mir Pillen für meinen Körper, der Medizinmann gibt mir Lieder für meine Seele.“) Auch Einwanderer aus traditionsverbundenen Kulturen, die in die westliche Welt integriert sind, greifen nicht selten im Krankheitsfall auf traditionelle Heilmethoden aus ihrer Heimat zurück. Bei von Assion u. a. (1999) befragten 55 in Deutschland lebenden psychiatrischen Patienten mit türkischer Abstammung gaben 2/3 der Personen Kontakte zu einem oder mehreren Hocas (magische Heiler) an.[1]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Geistheilung wird vor allem ab 1960 durch die übersetzten Werke von Harry Edwards (1893–1976) verbreitet. Damals erschien mit Geistheilung die von Eberhard Maria Körner geschriebene Übersetzung des Werkes Spirit Healing (1960) im Bauer Verlag in Freiburg i. Br.[2] 1963 erschien dann mit Wege zur Geistheilung die von Emma Busse[3] geschriebene Übersetzung des unter Mitarbeit von Olive Burton geschriebenen Werkes A Guide to Spirit Healing (1950).[4] Ein 1963 veröffentlichtes Buch trug dann den Namen The power of spiritual healing und ein 1973 veröffentlichtes A guide to the understanding and practice of spiritual healing. Weitere Verbreitung fand der Begriff vor allem ab den frühen 1970er Jahren. Der weniger weit verbreitete Begriff geistiges Heilen (spiritual healing) taucht an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf. Dabei unter anderem in Verbindung mit Christian Science[5] und mit Ralph Waldo Emerson, der zu Lebzeiten „in vielen seiner Vorträge erklärt hatte, Krankheit sei das Ergebnis geistiger Unvollkommenheit, das mangelhafte Vermögen gesund zu denken und dem Geist die Herrschaft über den Körper zu geben.“[6]

Der Begriff geistige Heilung wird in christlichen Schriften schon lange verwendet, spätestens seit dem 18. Jahrhundert. Der Begriff paranormale Heilung existiert auch mindestens seit Beginn der 1960er Jahre.

Behandlungsmethoden[Bearbeiten]

Behandlungsmethoden, die der Geistheilung zugeordnet werden, sind zum Beispiel: Gebetsheilung, Handauflegen, Ho'oponopono, Huna, mediumistisches Heilen, Tierkommunikation, Prana, Reiki, Schamanismus, Seelsorge, Familienaufstellung, Therapeutic Touch, teilweise auch Kinesiologie.

Auch die Radionik wird von einigen als „gerätegestützte Geistheilung“ (Begriff geprägt in den 1980er Jahren von Hans Otfried Dittmer) gesehen, da der mentale Einsatz des Therapeuten − bewusst oder unbewusst − ihrer Ansicht nach eine große Rolle bei radionischen Verfahren spielt, auch wenn sie mehr bewirken soll als „Heilung“.[7] Reinkarnationstherapie wird ebenso manchmal dazugezählt, als Entfernung von Blockaden im Energiefluss.[8] Teile von Ayurveda können durch die Verwendung des Atmashakti, der inneren Kraft, aus westlicher Sicht als Geistheilung angesehen werden.[9]

Berührung und Fernheilung[Bearbeiten]

Beispiele für Behandlungsmethoden der Geistheilung mit direktem Kontakt sind Handauflegen, Therapeutic Touch, Krankenwallfahrten, Magnetopathie, Heilenergetik, Prana-Heilung. Teilweise persönlichen Kontakt erfordern beispielsweise Schamanismus, Reiki, Kinesiologie und Exorzismus. Ihnen wird jedoch auch eine Fernwirkung zugeschrieben. Auf jeden Fall wird beispielsweise Besprechen, Gesundbeten auch eine Fernwirkung zugesprochen, dann wird dies allgemein als Fernheilung bezeichnet. Eine Fernwirkung soll auch Tierkommunikation besitzen, wobei in einem Beitrag der Sendung Kassensturz des Schweizer Fernsehens eine Tierkommunikatorin, die nach Eigenangaben auf Distanz Beschwerden der Tiere spüren kann, einen Test nicht erfolgreich bestehen konnte.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Binder, Barbara Wolf-Braun: Geistheilung in Deutschland. Teil I: Ergebnisse einer Umfrage zum Selbstverständnis und zur Arbeitsweise Geistiger Heiler und Heilerinnen in Deutschland. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie. 37, 3/4 (1995), S. 145–177.
  • Markus Binder, Barbara Wolf-Braun: Geistheilung in Deutschland. Teil II. Teilnehmende Beobachtung zweier Heiler und Befragung ihrer Patienten. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie. 39 (1997), S. 183–218.
  • Bruno Rösch: Die Stellung der Erfahrungsheilkundigen aus verfassungs- und verwaltungsrechtlicher Sicht. Dargestellt am Beispiel der geistig Heilenden. Helbing & Lichtenhahn, 1994, ISBN 3-7190-1318-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Manfred Stöhr: Ärzte, Heiler, Scharlatane : Schulmedizin und alternative Heilverfahren auf dem Prüfstand. Springer 2002, ISBN 3-7985-1305-8, S. 179 f.
  2. Deutsche Bibliothek (Frankfurt am Main): Deutsche Bibliographie: Halbjahres-Verzeichnis, Band 1, Teil 1. Buchhändler-Vereinigung, 1961, S. 128.
  3. Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer: Lebende Sprachen, Band 7-9. Langenscheidt, 1962, S. 158.
  4. A. J. Wells (Hrsg.): The British National Bibliography 1950. The Council of the British National Bibliography, 1950, (Online Version)
  5. Herald of Christian Science. Bd. 3, Christian Science Pub. Society, 1905, S. 502.
  6. Albert Weidner: Der Arme Teufel. Band 1-3. 1902. (Reprint: Topos Ruggell, 1982, ISBN 3-289-00270-5)
  7. Hans Otfried Dittmer: Radionik und Bioresonanz für Praktiker: Ergänzung zur D-Methode: Biokybernetik, Bioresonanz, Elektronische Homöopathie, Orgon und Radionik. Books on Demand, 2004, ISBN 3-8334-1479-0, S. 7.
  8. Manuel Zielke: Rückfuhrung in die Vergangenheit, Zukunft und zum großen Zeh. Books on Demand, 2009, ISBN 978-3-8391-2840-4, S. 11, 119.
  9. Vinod Verma: Ayurveda: Der Weg des gesunden Lebens. Vinod Verma, 2005, ISBN 81-901722-3-9, S. 150.
  10. Peter Basler: Paranormalen-Test 2: Die Tierkommunikatorin , „Kassensturz“, Schweizer Fernsehen, 9. Oktober 2012.