Geiz ist geil

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„Geiz ist geil“ war ein Werbeslogan der Elektronikhandelskette Saturn in Deutschland und Österreich. Er wurde 2003 im Rahmen einer länger laufenden Werbekampagne in Printmedien, im Rundfunk und im Fernsehen eingesetzt. Kreiert wurde der Slogan von Constantin Kaloff von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Die Melodie des Werbesongs basiert auf dem Nummer-1-Hit Geil von Bruce & Bongo aus dem Jahre 1986. Die Kampagne wurde in Deutschland im Oktober 2007 beendet; in Österreich wird der Slogan weiterhin verwendet.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Bedeutung

Obwohl die Werbung in Deutschland selbst nicht als ausgesprochen originell oder lustig wahrgenommen wurde, erzielte sie große Aufmerksamkeit, vor allem durch den Diskurs in den deutschen Medien. Der Slogan wurde im Jahr 2004 zum Gegenstand öffentlicher Diskussion, da er einen Teil des deutschen Zeitgeistes widerspiegelte und die aktuelle Entwicklung im deutschen Wettbewerb auszudrücken schien, in dem einzig der Kaufpreis einer Ware etwas zählte, ohne auf Merkmale wie Qualität, Langlebigkeit, Funktionsumfang, Betriebskosten oder den Service im Fachhandel zu achten. Dies führte auch dazu, dass mit Ausdrücken wie „Geiz-ist-geil-Ware“ Produkte bezeichnet wurden, die unter diesen Aspekten besonders negativ auffallen.

[Bearbeiten] Kritik

[Bearbeiten] Deutschland

Kritiker bemängeln, die durch den Slogan „Geiz ist geil“ gekennzeichnete Mentalität stehe für übertriebene Sparsamkeit von deutschen Käufern, insbesondere privaten Verbrauchern. Diese führe zu einem verstärkten Preiswettbewerb der Hersteller und Händler, der zu aggressiver Marktpolitik, Dumpingpreisen und ruinösem Wettbewerb führe. Die deutsche Volkswirtschaft leide als Ganzes, insbesondere werde die ohnehin nicht starke deutsche Binnenkonjunktur durch übermäßiges Sparen weiter geschwächt.

Die „Service-Wüste“ Deutschland werde durch den Slogan gefördert und die kleinen und mittelständischen Fachhändler und Fachwerkstätten geschädigt. Nicht nur im Endkundengeschäft hat sich die sogenannte „Geiz-ist-geil-Mentalität" verbreitet. Auch Produzenten und Großhandel sehen sich oftmals einem ruinösen Preiswettbewerb ausgesetzt und scheinen darauf keine andere Antwort zu kennen als ebenfalls mit Preisnachlässen zu versuchen, Kunden zu gewinnen und zu halten. Deutsche Lieferanten werden unter Druck gesetzt, damit sie ihre Preise senken. Auch Qualitätsprobleme durch starken Spardruck auf Seiten der Hersteller und die zunehmende Verbreitung von Billigprodukten geringer Qualität werden mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität" in Deutschland in Zusammenhang gebracht.

„Geiz ist geil“ wird oft im Zusammenhang gesehen mit der Krise des deutschen Einzelhandels, insbesondere der Karstadt AG. Indem vordergründig „Geiz ist geil“ wie eine Antwort auf das Motto des US-Börsenspekulanten Ivan F. Boesky „Greed is good“ (Gier ist gut) der New Economy-Ära der 80er Jahre wirkt, spiegelt es einen anderen Zeitgeist wider. „Gier ist gut“ sollte gerade die Verschwendung und das Bereicherungsstreben der Menschen beflügeln, während „Geiz ist geil“ schon nach dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase dem neuen Drang zur Sparsamkeit entsprach.

Umgekehrt wird die Überwindung der „Geiz-ist-geil-Welle“ vom Einzelhandel erhofft[2].

Der Slogan „Geiz ist geil“ spiegelt nach Meinung vieler einen ungesunden Zeitgeist wider und passt in die Zeiten einer verstärkten wirtschaftlichen, sozialen und privaten Ellenbogenmentalität.

Kritiker aus den Religionsgemeinschaften in Deutschland und besonders aus der katholischen Kirche werfen Saturn vor, mit der Werbekampagne Geiz als positiv darzustellen und verweisen darauf, dass Geiz ein Motiv für Sünden ist. Insbesondere im katholischen Christentum ist Geiz eines der sieben Hauptlaster. ("Warum Geiz gottlos ist"[3].) In diesem Zusammenhang hat das katholische Hilfswerk Adveniat die Kampagne Geiz ist gottlos gestartet.

[Bearbeiten] Österreich

In Österreich wurde der Leitspruch kurzfristig geändert. Im Werbespot sieht man eine Art Nachstellung der Präsentation des österreichischen Staatsvertrages an die Bevölkerung durch Leopold Figl. Das Saturn-Männchen steht so wie Figl damals auf dem Balkon, hält ein Saturn-Werbeprospekt in den Händen und ruft laut unter dem Beifall der Menschen Österreich ist geil! Aufgrund massiver Beschwerden darüber, dass durch ein deutsches Unternehmen ein maßgebliches Ereignis der österreichischen Geschichte herabgewürdigt werde[4], wurde wieder der alte Slogan Geiz ist geil! verwendet. Der Slogan wurde in Österreich wiederholt von hohen geistlichen Würdenträgern wie Kardinal Christoph Schönborn oder dem oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer kritisiert, da er nicht mit den Werten der Kirche bzw. der sozialen Marktwirtschaft vereinbar sei.[5]

[Bearbeiten] Spanien

In Spanien nutzt Saturn eine sinngemäße Übersetzung des Slogans, wobei der Begriff geil jedoch umgangssprachlich kaum zur Verwendung kommt. Der Spruch ist als „la avaricia me vicia“ übersetzt, wobei viciar ein mehrdeutiges Verb ist, sodass der Spruch als „Geiz verdirbt mich“ oder „Geiz belastet mich“ verstanden werden kann und als Werbepanne wirkt. Da Saturn jedoch nur mit zwei Filialen im Land vertreten ist, fällt die Werbung der Handelskette kaum auf.

[Bearbeiten] Ende der Kampagne

Saturn hatte angekündigt, die Kampagne zur Mitte des Jahres 2007 auslaufen zu lassen. Als Gründe hierzu wurde von Seiten des Unternehmens eine Schwerpunktverschiebung beim Verbraucher genannt. So sei der Verbraucher davon abgerückt, nur nach dem Preis zu sehen, Qualität und Service spielten wieder eine größere Rolle. Marketing-Experten halten die Beendigung der Kampagne für eine fundierte Marktbeobachtung, das Motto habe sich überlebt.[6] Neuer Slogan seit Oktober 2007 ist „Wir lieben Technik. Wir hassen teuer.“ Das Ende der Kampagne gilt allerdings nicht für die Niederlassungen von Saturn im Ausland. So ist „Saturn! Geiz ist geil!“ nach wie vor (Stand: Mai 2009) auf der österreichischen Homepage www.saturn.at zu lesen.

[Bearbeiten] Literatur

  • Doug Henwood: After the New Economy. The New Press. New York, London 2003. ISBN 1-56584-770-9 (über "greed is good")
  • Alfred Pfabigan: Nimm 3, zahl 2! Wie geil ist Geiz?. Sonderzahl. Wien 2004. ISBN 3-85449-216-2

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Saturn Österreich: Homepage-Titel: "Saturn! Geiz ist geil!" Geile Geräte zum geilsten Preis
  2. (vgl. FAZ, 23. II. 06; Stern 14/2006)
  3. Deutsche HandwerksZeitung 7. IV. 06
  4. http://www.werberat.or.at/beschwerdeliste.asp?id=988&vyear=2005&lsearch=Saturn
  5. http://oevpooe.posimis.com/uploads/media/Unterlagen-Rede-LH-Puehringer-Reichersberg-2007.pdf
  6. Überholte Kampagne - Geiz ist nicht mehr geil Süddeutsche Zeitung, 29.05.2007
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