Gelbscheitelamazone

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Gelbscheitelamazone
Gelbscheitelamazone (Amazona ochrocephala ochrocephala)

Gelbscheitelamazone (Amazona ochrocephala ochrocephala)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)
Gattung: Amazonenpapageien (Amazona)
Art: Gelbscheitelamazone
Wissenschaftlicher Name
Amazona ochrocephala
(Gmelin, 1788)
Zeichnung der Gelbscheitelamazone (1801–1805)

Die Gelbscheitelamazone, auch Surinam-Amazone (Amazona ochrocephala), ist eine Vogelart aus der Familie der Eigentlichen Papageien.

Beschreibung[Bearbeiten]

Gelbscheitelamazonen erreichen eine Körperlänge von 35 bis 38 Zentimetern. Ihr Körpergefieder ist grün. Namensgebend ist der gelbe Scheitel auf dem Kopf. Gelbscheitelamazonen haben eine laute Stimme und sind in der Lage, Laute aus ihrer Umgebung gut zu imitieren. Sie sind Höhlenbrüter. Das Weibchen legt zwei bis vier Eier. Die Brutdauer beträgt ca. 26 Tage. Nach neun Wochen verlassen die Jungvögel die Bruthöhle. Die Gelbscheitelamazonen leben in Regenwäldern und fressen Früchte, Samen und andere Pflanzenteile.

Unterarten[Bearbeiten]

Neben der Nominatform Amazona ochrocephala ochrocephala werden weitere sieben Unterarten unterschieden, sofern heutzutage nicht völlig auf die Unterteilung in Unterarten verzichtet wird. In diesem Fall handelt es sich um das Nebeneinander gleichrangiger Arten:

  • Maraja-Amazone (Amazona ochrocephala xantholaema)
  • Natterers-Amazone (Amazona ochrocephala nattereri)
  • Gelbstirn-Amazone (Amazona ochrocephala panamensis)
  • Gelbnackenamazone (Amazona ochrocephala auropalliata),veraltet, mittlerweile als eigene Art anerkannt
  • Gelbkopf-Amazone (Amazona ochrocephala belizensis)
  • Doppelgelbkopf-Amazone (Amazona ochrocephala oratix)
  • Tres-Maria-Amazone (Amazona ochrocephala tresmariae)

Vorkommen[Bearbeiten]

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist Brasilien, Peru, Guayana-Staaten, Trinidad, Venezuela und Kolumbien. 1994 wurde der Bestand von der IUCN auf nur weniger als 7.000 Vögel geschätzt. Der Bestand ging wegen Zerstörung der Regenwälder und illegalem Fang für den Zoohandel zurück. In Stuttgart gibt es die einzige Population aus entflogenen Vögeln weltweit.[1]

Vorkommen in Stuttgart[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 wurden in Stuttgart von Mitarbeitern des Stuttgarter Naturkundemuseums 5-8 Brutpaare bzw. 45 Exemplare rund um den Schlossgarten gezählt. Das erste Tier der einzigen frei lebenden Population außerhalb Amerikas war im Jahr 1984 im Zoo Wilhelma bei den dortigen Papageienvolieren festgestellt worden. 1985 waren erstmals zwei Vögel zu sehen. 1986 erfolgte die erste Brut mit drei flüggen Jungvögeln. In den späten 1990er Jahren kamen zwei Blaustirnamazonen zur Population hinzu. Die Arten Blaustirnamazone und Gelbscheitelamazone hybridisierten miteinander. Die Hybride zwischen den beiden Arten sind fertil.

In Stuttgart werden hauptsächlich Früchte und Samen gefressen, aber auch andere Pflanzenteile. Auch Rinde und morsches Holz wird gefressen. Bisher wurden in Stuttgart 63 Pflanzenarten in der Nahrung nachgewiesen. Die Vögel fressen auch Teile giftiger Arten wie Eibe und Efeu. Die Nahrung wird im ganzen Stadtgebiet von Stuttgart gesucht. Dabei werden hauptsächlich Parks, Friedhöfe und Privatgärten mit altem Baumbestand aufgesucht. Die Vögel landen fast nie auf dem Boden. Ihr Trinkwasser finden sie in Regenrinnen und Astgabeln. Im Winter wird auch Schnee von Dächern aufgenommen. Alle Amazonen suchen abends einen gemeinsamen Schlafplatz im Zentrum von Stuttgart-Bad Cannstatt auf. In der Brutzeit sind sie hingegen abends und nachts fast nur in der Nähe ihrer Bruthöhlen. Diese Bruthöhlen befinden sich fast nur in Platanen. Die Plantanen-Blattknospen dienen im Winter auch als Nahrung. Die Bruten finden in den alten Plantanen des Rosensteingartens und im Schlossgarten statt. Meist werden ein bis zwei, selten drei, Jungvögel flügge. Es wurden Todesfälle durch Verkehrsunfälle festgestellt. Die Vögel überstehen den Winter, aber viele der Vögel haben teilweise abgefrorene Zehen.[2][3]

Es wird von einzelnen Ornithologen eine Höhlenkonkurrenz mit Dohle, Hohltaube und Star und eine Nahrungskonkurrenz mit heimischen Vogelarten vermutet. Es wird sogar für Deutschland eine Beseitigung (Fang) dieser außereuropäischen Art gefordert, während andere Ornithologen eine Höhlen- und Nahrungskonkurrenz nicht annehmen.[4]

Literatur[Bearbeiten]

J. Martens, D. Hoppe, F Woog: Diet and feeding behaviour of naturalised Amazon Parrots in a European city. Ardea 101, 2013: 71-76. TC. Monterrubio-Rico, K. Renton, JM. Ortega-Rodriguez, A. Perez-Arteaga, R. Cancino-Murillo: The endangered Yellow-headed parrot Amonzona oratrix along the pacific coast of Mexico. Oryx 44, 2010: 602-609.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gelbscheitelamazone – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.papageien.org/df/Df_ale7.htm
  2.  Aikiko Lachenmann: Stuttgarts Paradiesvögel. In der deutschen Stadt ist eine Population von Gelbkopfamazonen herangewachsen. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 245, 20. Oktober 2012, S. 24.
  3. Dieter Hoppe, Johanne Martens: Seltenheit in Europa: Schwäbische Papageien. Der Falke 60, 2013: 456-457.
  4. Klemens Steiof: Handlungserfordernisse im Umgang mit nichtheimischen und mit invasiven Vogelarten in Deutschland. Berichte zum Vogelschutz 47/48, 2011: 93-118.